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Alte Gemüsesorten: Petersilienwurzel – ein leckeres Kraftpaket

Frisch geerntete Petersilienwurzel in den Händen einer Gärtnerin.

Die schmackhafte grüne Pflanze in der krausen oder glattblättrigen Variante kennt fast jeder, denn sie ist in Europa ein Gewürzklassiker. Viele Tausend Tonnen Petersilie werden jährlich angebaut und verkauft. Deutlich weniger bekannt ist allerdings das, was in den Wintermonaten als Gemüse vermarktet wird und ein bisschen aussieht wie eine Pastinake: die Petersilienwurzel, auch Wurzelpetersilie oder Knollenpetersilie genannt. 

Drei Kulturformen: kraus, glattblättrig und mit Wurzeln

Die Wildform der Petersilie (Petroselinum crispum) wächst im Mittelmeerraum, vor allem in den Küstengebieten Nordafrikas. Es gibt drei gezüchtete Kulturformen, die im Garten angebaut werden: die bekannte und beliebte krausblättrige Petersilie (Petroselinum crispum var. crispum), die glattblättrige Petersilie (Petroselinum crispum var. neapolitanum), auch italienische Petersilie genannt, sowie die Wurzelpetersilie (Petroselinum crispum var. tuberosum). Die Wurzelpetersilie hat eine wohlschmeckende, gelbweiße Wurzel, die der Pastinake sehr ähnelt. Sie besitzt glatte Blätter wie die italienische Variante. Alle gehören zur Familie der Doldenblütler – wie auch Möhren, Pastinaken oder Koriander.

Der altgriechische Name „Petro-selinon“ bedeutet „Felsen-Sellerie“ – vermutlich, weil die Wildform gern an felsigen Orten wächst und sellerieähnliche Blätter besitzt. Daraus entwickelte sich später der deutsche Begriff.

Potenz- und Abtreibungsmittel unserer Vorfahren

In der Antike, bei den Griechen und Römern, war die Pflanze ein hochgeschätztes Arzneimittel. Sie galt unter anderem als menstruationsfördernd. Die Früchte beziehungsweise die Samen nutzte man im Mittelalter zur Abtreibung, was allerdings für die Frauen nicht ungefährlich war. Das belegt folgender Spruch: „Petersilie hilft dem Manne aufs Pferd, den Frauen unter die Erd“. Eine weitere Anspielung auf die potenzfördernde und gleichzeitig abortive Wirkung der Früchte findet sich in der Bezeichnung „Petersiliengasse“ für jene Straßen, in denen sich die Freudenhäuser befanden. Die dort einkehrenden Männer nutzten sie als Potenzmittel, während die dort arbeitenden Frauen damit eine Schwangerschaft zu verhindern suchten.

Die Petersilienwurzel: Verwendung in der Küche

Schon im Mittelalter war Wurzelpetersilie ein beliebtes Küchengewürz. So schrieb Hieronymus Bock (1498–1554): „Wo findet man in deutschen Landen eine Küche, darin Petersilie mit seiner Wurzel nicht gebraucht wird?“ Die Wurzel hat einen intensiven, leicht süßlichen Geschmack. Er ist dem der Pastinake ähnlich, aber mit etwas mehr Aroma. Auch ein Hauch Sellerie schwingt im Geschmack mit. Petersilienwurzel ist der Klassiker für Suppen und Gemüseeintöpfe. Sie eignet sich ebenso als Ofengemüse oder mit Kartoffeln gemischt als Püree oder (Kartoffel-)Puffer. Man kann sie aber auch sehr gut roh im Salat verwenden, zum Beispiel gemischt mit Möhren. Dazu die Petersilienwurzel schälen und in Stifte, Scheiben oder Würfel schneiden.

Auf einem Schneidebrett aus Holz liegt eine klein geschnittene Petersilienwurzel. © Rudi Beiser

Äußerlich und im Geschmack ähnelt die Petersilienwurzel der Pastinake.

Die glatten Blätter der Wurzelpetersilie sind ebenfalls verwendbar. Sie enthalten das typische Petersilienaroma. Man nutzt sie frisch als Garnitur und Würze von Suppen, Saucen, Salaten, belegten Broten, Kräuterbutter und Eierspeisen. Außerdem passen die Blätter gut zu Kartoffeln, Gemüse und Fischgerichten. Die Blätter gehören nicht nur bei uns zu den Standardgewürzen, sondern auch in der orientalischen Küche: Sie sind beispielsweise Hauptzutat des orientalischen Bulgursalates Taboulé.

Sehr schmackhaft, aber auch gesund

Die Petersilienwurzel ist proteinreich und enthält sehr viel Kalium (400 mg/100 g) und Magnesium (26 mg/100g). Außerdem findet man viele Vitamine der B-Gruppe, die unter anderem eine positive Wirkung auf das Nervensystem haben. Der Vitamin-C-Gehalt der Wurzel gleicht dem einer Zitrone. Die Blätter enthalten sogar mehr als doppelt so viel Vitamin C und außerdem Provitamin A sowie unglaublich viel Eisen. Deshalb sollten Sie das Kraut unbedingt mitverwenden. 

Petersilienwurzel richtig lagern

Die Petersilienwurzel sollte bei der Lagerung nicht austrocknen. Optimal ist es, sie im Kühlschrank im Gemüsefach aufzubewahren. Dort hält sie sich etwa zwei bis drei Wochen. Auch im kühlen Keller, am besten in feuchtem Sand, fühlt sich die Petersilienwurzel wohl. 

Die Petersilienwurzel in der Heilkunde

In allen Pflanzenteilen befindet sich ätherisches Öl, was für den würzigen Geschmack und die Heilwirkung verantwortlich ist. Der Gehalt an ätherischem Öl ist in den Blättern von glattblättrigen Petersiliensorten wesentlich größer als in krausblättrigen. In den Petersilienwurzeln befindet sich etwas mehr ätherisches Öl als in den Blättern, während die Früchte, also die Samen, wesentlich mehr enthalten. Das ätherische Öl enthält auch einen Stoff namens Apiol, der in hohen Dosen toxisch ist. Deshalb verwendet man die abortiv wirksamen Früchte heute nicht mehr. Früher nahm man sie in der Geburtshilfe, bei ausbleibender Regelblutung und zur Abtreibung.    

Ein Tee aus den Blättern oder der Wurzel ist dagegen unbedenklich und in der Wirkung wesentlich milder: Er wirkt harntreibend, krampflösend, blähungstreibend und verdauungsfördernd. Dementsprechend nutzt man ihn bei Verdauungsbeschwerden, bei Harnwegserkrankungen und zur Durchspülungstherapie bei Nierengrieß. Früher war die Wurzel auch ein wichtiges Mittel bei Rheuma und Gicht. 

Vorsichtshalber sollte man Petersilienkraut und -wurzel während der Schwangerschaft nicht in Massen zu sich nehmen. Als wohldosiertes Gewürz ist beides jedoch unbedenklich.

Petersilienwurzel im Garten anbauen

Die zweijährige Wurzelpetersilie benötigt einen durchlässigen und lockeren Boden. Ein pH-Wert von 6,5 wäre ideal, was eine gelegentliche Kalkdüngung erfordert. 

Die Petersilienwurzeln liegen von etwas Erde bedeckt im Beet. © Rudi Beiser

Bei lockerem Boden können Sie sich im Herbst über eine reiche Ernte freuen.

Die Pflanze ist winterhart. Sie können sie daher von März bis April direkt ins Freie säen. Die Samen werden im Reihenabstand von 30 Zentimetern ausgesät, innerhalb der Reihe wird nach dem Aufgehen auf 15 Zentimeter vereinzelt. Als Dunkelkeimer wird der Samen etwa ein bis zwei Zentimeter mit Erde bedeckt. Allerdings benötigt die Pflanze mit drei bis sechs Wochen sehr lange zum Keimen. Deshalb ist es ratsam, Radieschen als Markiersaat mit auszusäen. Während der Keimung muss die Erde feucht gehalten werden, damit das Saatgut nicht austrocknet. Es gibt zahlreiche schmackhafte Sorten, wie beispielsweise „Halblange“, „Halas“, „Fakir“, „Alba“ oder „Arat“.

Im Mittelalter erklärte man sich die lange Keimzeit der Wurzelpetersilie folgendermaßen: Sie müsse erst nach Rom zum Petersdom reisen, um dort vom heiligen Petrus die Erlaubnis zum Keimen zu holen. Das dauerte, zumindest früher, sechs Wochen.

Die Petersilienwurzel wird gerne von Pilzkrankheiten befallen. Zur vorbeugenden Stärkung helfen regelmäßige Spritzungen mit Zwiebeltee. Die Wurzeln selbst sind anfällig für Nematoden. Hier hilft eine Mischkultur mit Ringelblumen und Tagetes. Gegen die Möhrenfliege, für die die Pflanze ebenfalls anfällig ist, hilft die Mischkultur mit Zwiebeln.

Die Wurzelernte beginnt im Oktober. Die frostharten Wurzeln können Sie aber auch bis Februar in der Erde lassen und nach Bedarf an frostfreien Tagen ernten. Später werden sie allerdings holzig. Falls Sie die Blätter als Gewürz verwenden, sollten Sie nicht zu viel abschneiden, denn ein großer Blattverlust bremst das Wurzelwachstum.

Rezept für Petersilienwurzel-Suppe 

Zutaten

  • 400 g Petersilienwurzeln
  • 100 g Kartoffeln
  • 2 EL Rapsöl
  • 750 ml Gemüsebrühe
  • 100 ml Sahne
  • 1 TL Balsamico
  • Salz, Pfeffer, Muskat
  • 4 Scheiben Baguette
  • 2 EL Butter

Zubereitung

  1. Schalotten, Kartoffeln und Petersilienwurzeln schälen und in kleine Stücke schneiden.
  2. Gemüse im Öl anschwitzen lassen. Nach einigen Minuten mit Gemüsebrühe aufgießen. 
  3. Bei kleiner Hitze ca. 20 Minuten weich kochen und alles mit einem Mixstab fein pürieren. 
  4. Sahne, Balsamico und Gewürze dazugeben. 
  5. Baguette in Würfel schneiden und in Butter goldbraun rösten. Suppe mit Croûtons servieren.   
Selbst gemachte Petersilienwurzel-Suppe samt Zutaten steht auf einem Holztisch. © rainbow33 - stock.adobe.com

Anstelle selbst gemachter Croûtons können Sie geröstete Mandeblättchen als Topping verwenden.

Rezept für Petersilienwurzel-Püree 

Zutaten

  • 500 g Petersilienwurzeln
  • 500 g Kartoffeln (mehlig)
  • etwas Gemüsebrühe
  • 2 EL Butter
  • 50 ml Schlagsahne
  • 100 ml Milch
  • Salz, Pfeffer, gekörnte Brühe
  • 1 Bund Petersilie
  • 50 g Pinienkerne

Zubereitung

  1. Petersilienwurzeln und Kartoffeln schälen, in Scheiben schneiden und in Gemüsebrühe ca. 20 Minuten gar kochen. 
  2. Gemüse abgießen und unter ständigem Rühren mit Sahne, Milch und Butter noch einige Minuten dünsten. 
  3. Mit dem Kartoffelstampfer oder dem Pürierstab zerkleinern, bis ein cremiges Püree entsteht. 
  4. Mit zerkleinerter Petersilie und Gewürzen abschmecken.       
  5. Pinienkerne ohne Fett in der Pfanne etwas anrösten und über das Püree streuen.

 

Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit größter Sorgfalt erstellt. Der Autor ist jedoch kein Arzt oder Apotheker. Die im Beitrag gegebenen Informationen sind nicht als Gesundheitsberatung zu verstehen. Besprechen Sie eine Anwendung der Tipps mit gesundheitlichem Bezug daher bitte mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.

 

 

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Bildquellen

  • geschnittene-petersilienwurzel: © Rudi Beiser
  • petersilienwurzel-ausgraben: © Rudi Beiser
  • petersilienwurzel-suppe: © rainbow33 - stock.adobe.com
  • petersilienwurzel-ernte: © encierro - stock.adobe.com

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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