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Ohrlochstechen bei Kindern: Tipps und Erfahrungsbericht einer Mutter

Stolz zeigt das Mädchen ihr Ohr mit Ohring.

Zusammengefasst: Tipps fürs Ohrlochstechen beim Kind 

  • Entscheiden Sie sich, ob und wann Sie Ihrem Kind Ohrlöcher erlauben.
  • Lassen Sie zwischen dem geäußerten Wunsch und dem tatsächlichen Ohrlochstechen einige Zeit vergehen. So können Sie herausfinden, ob Ihr Kind die Ohrlöcher wirklich will.
  • Machen Sie sich Gedanken über das Material der ersten Ohrstecker und weiterer Ohrringe. Lassen Sie sich im Bezug auf mögliche Allergien vom Arzt beraten.
  • Fragen Sie einen Heilpraktiker nach den möglichen Auswirkungen von Ohrlöchern auf Akupunkturbehandlungen.
  • Informieren Sie sich, welche Methode des Ohrlochstechens für Sie und Ihr Kind infrage kommt.
  • Suchen Sie einen Ohrloch-Spezialisten bei dem Sie und ihr Kind ein gutes Gefühl haben.
  • Fragen Sie nach dem Mindestalter. Bei Kindern unter 16 Jahren ist immer eine schriftliche Einverständniserklärung der Eltern erforderlich.
  • Erklären Sie Ihrem Kind schon einige Zeit vor dem Stechtermin, was passieren wird. Am besten sollte der Arzt oder die durchführende Fachkraft Ihrem Kind die Geräte, deren Funktionsweise und was im Anschluss passiert erklären.
  • Ihr Kind sollte vor dem Eingriff gut die Hände waschen. Denn das Ohr wird zwar desinfiziert, doch nach dem Stechen möchte das Kind sicher die Ohrringe befühlen und ob diese wirklich in den Ohrläppchen stecken. 
  • Unterstützen Sie Ihr Kind durch „Händchenhalten“ und/oder ein Mut machendes Kuscheltier.
  • Drei Tage nach dem Eingriff keine Haare waschen!
  • Achten Sie darauf, dass der Verschluss nicht zu nah am Ohrläppchen sitzt. Es sollte immer gut Luft an das Ohrloch kommen.
  • Die Ohrläppchen sollten anfangs täglich und anschließend über einen Monat zweimal wöchentlich mit einem Desinfektionsmittel benetzt und anschließend mit sauberen Händen etwas gedreht werden.
  • In den ersten Monaten nach dem Stechen sollten die Ohrringe drin bleiben, sonst wächst das Loch schnell wieder zu. 

Mein persönlicher Erfahrungsbericht zum Ohrlochstechen bei Kindern

Ein großer Wunsch geht in Erfüllung – so hätte die Überschrift zu diesem Beitrag auch heißen können. Es gibt Wünsche, die lassen sich nicht so schnell und leicht erfüllen. Manchmal wollen Eltern den Wunsch aus den verschiedensten Gründen einfach auch (noch) gar nicht wahr werden lassen. Genauso war es auch bei uns mit dem Thema Ohrringe. Meine Tochter hat sich schon als ganz kleines Mädchen immer gerne hübsch gemacht. Dazu gehört für sie unbedingt Ohrschmuck. Und so hat sie seit dem Alter von drei Jahren den immer größer werdenden Herzenswunsch, selbst Ohrringe zu haben. Und nein, nicht die harmlose Anclip-Variante. Es sollten „die Echten“ sein – das heißt Ohrringe mit Ohrlöchern, das volle Programm.

Die pinken Blümchen hängen an Kinderohrringen.

Der Traum vieler Mädchen: Bunte Ohrringe.

Nach reiflichen Überlegungen kamen wir als Eltern zu dem Entschluss, dass wir ihr den Wunsch gerne erfüllen, wenn sie „alt genug“ dafür wäre. Für uns bedeutete das den Schulbeginn. In Zahlen: Mindestens sechs Jahre. Bei dieser Entscheidung war der genannte Zeitpunkt noch unendlich weit weg. Und „sechs Jahre“ erschien uns als sinnvolles Alter, bei dem sie dann selbst schon gut mitentscheiden könnte. Außerdem waren wir uns nicht sicher, ob sie diesen Schritt dann immer noch wagen wollte. Mancher Herzenswunsch von heute wird morgen von einem anderen abgelöst.

Doch nicht bei ihr: Als sie endlich eine „Große“ im Kindergarten war, erzählte sie überall herum, dass sie zum Schulstart Ohrringe bekäme. Sie freute sich riesig! Und wir waren zuerst einmal erschrocken: Plötzlich war sie wirklich schon sechs Jahre alt. Nach ein paarmal Schlucken machte ich mich also daran, mich zum Thema Ohrlochstechen bei Kindern zu erkundigen. Denn versprochen ist versprochen und ein Versprechen wird nicht gebrochen! 

So hörte ich mich um, bei Freunden und Bekannten, bei Juwelieren, Apotheken und Ärzten im Umkreis. Die Möglichkeit, zu Kosmetikern, Friseuren oder Piercing-Studios zu gehen, verfolgte ich nicht weiter. Meine Recherchen ergaben drei Methoden, zu denen ich genauere Informationen einholte: Das Schießen der Ohrlöcher, das sanfte Stechen und das schmerzfreie Verfahren beim Arzt.

Methode 1: Das Schießen der Ohrlöcher 

©fotolia/Igorzvencom

Gleich macht es „Klack“ und der Ohrstecker wird durch das Ohrläppchen geschossen.

Diese Variante kannte ich noch von früher (als ich selbst noch ein Kind war und Ohrlöcher bekam): Das Einschießen der medizinischen Ohrstecker – natürlich nach vorherigem Einzeichnen und Abnicken der Einschuss-Stelle an den Ohrläppchen – über eine sogenannte „Pistole“ durch einen Juwelier. Dies kann durch eine Person erfolgen, die ein Ohr nach dem anderen behandelt. Oder durch zwei Personen gleichzeitig geschehen… Letzteres hat den Vorteil, dass man nach einem Mal alles überstanden hat und das andere Ohrläppchen nicht noch einmal „hinhalten“ muss. Denn das Durchschießen der Ohrläppchen tut natürlich weh und beim zweiten reicht der zusammengenommene Mut dann vielleicht nicht mehr aus. Ich habe einige Freundinnen, deren Kinder nach dem ersten Ohr abbrechen wollten. Mein Tipp bei dieser Methode wäre deswegen auf alle Fälle das gleichzeitige Stechen durch zwei erfahrene Personen. Das wird auch von einigen Juwelieren so angeboten. 

Heutzutage wird diese beschriebene Methode des Ohrlochstechens immer noch vielerorts angewandt und die meisten, die ich kenne, haben sich auch für diese Variante entschieden. Hierbei muss man mit Kosten um etwa 50 Euro inklusive der medizinischen Ohrstecker rechnen. Allerdings gibt es bei vielen Juwelieren für dieses Verfahren ein Mindestalter von 7 Jahren.

Methode 2: Das sanfte Ohrlochstechen ohne Schuss

Bei meiner Recherche bin ich auf eine Methode des „sanften“ Ohrlochstechens gestoßen. Angeboten wird es von verschiedenen Apotheken. Hierbei sticht ein Gerät nahezu geräuschlos – eben ohne Schuss – die Ohrlöcher sanft durch.

Die Ohrläppchen werden vorab mit einem Alkoholtupfer gereinigt, anschließend wird die Stelle markiert, an der das Ohrloch gestochen werden soll. Ist die Positionierung in Ordnung, wird die Markierung weggewischt und es bleibt nur ein Punkt sichtbar. So weit, so gleich mit dem altbekannten „Schießen“.

Das Stech-Instrument wird nun an das Ohr herangeführt, die Ohrsteckerspitze präzise auf die markierte Stelle positioniert und von Hand durchgedrückt. Gleichzeitig schließt das Gerät an der Rückseite des Ohres den Stecker sofort. Dieser Vorgang ist nahezu geräuschlos und soll kaum spürbar sein. Klingt gut. Doch scheidet diese Methode in unserem Fall aus. Denn auf meine Rückfragen hin nennen mir alle befragten Apotheken ein Mindestalter von 7 Jahren.

Methode 3: Schmerzfreie Ohrlöcher beim HNO-Arzt

Als weitere Alternative zum „Ohrschuss“ gibt es noch die – von uns erwählte – Variante des Besuches beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt. In unserem Fall kostete der Eingriff 35 Euro inklusive der medizinischen Ohrstecker. Unser HNO-Arzt sah die Prozedur des Ohrlochstechens als kleinen, harmlosen kosmetischen Eingriff. Er versprach ein schmerzfreies Verfahren, das ein möglichst schnelles Ausheilen gewährleistet. Das ist der Grund, warum diese Variante beim HNO-Arzt auch schon bei kleineren Kindern ab vier Jahren durchgeführt werden kann. Im Prinzip ist es eine Art Weiterentwicklung der Methode 1.

Das Mädchen sitzt auf einer Liege, neben sich steht ein tablett mit den Piercingutensilien. ©Kirsten R.

Gleich gehts los: Beim HNO-Arzt werden die Ohrläppchen mit einem Lokalanästhetikum betäubt.

Der Arzt trägt ein Lokalanästhetikum in Form eines Gels auf beide Ohrläppchen auf und deckt diese für mindestens 45 Minuten mit einer Folie ab. Meine Tochter und ich waren während dieser Wartezeit Abendessen – um den abendlichen Hunger zu stillen und die Aufregung etwas zu dämpfen.

Zurück in der Praxis werden Folie und Gel wieder von den Ohrläppchen entfernt und die Löcher eingezeichnet. Was mir besonders gut gefallen hat: Bevor irgendwas gestochen wurde, hat der Arzt mit meiner Tochter alles genau besprochen. Außerdem ist das „Schießgerät“ zum Kennenlernen des Klackens beim Stechen einmal ein paar Zentimeter neben ihrem Ohr abgeschossen worden. Meine Tochter war mutig, saß auf der Liege und ließ sich die 2 Ohrlöcher eines nach dem anderen – Klack – Klack – stechen. Dass sie dabei meine Hand fest gedrückt hat, lässt mich immer noch schmunzeln. Der Verschluss wird bei dieser Variante ebenfalls von der Pistole sofort hinten am Ohr geschlossen. Und wir beide waren unendlich stolz, als wir es geschafft hatten!

Nachsorge: So waren die ersten Wochen mit Ohrringen

Das Ohrläppchen mit Ohring wird mit Wattestäbchen und Salbe behandelt. ©fotolia/silentalex88

Nachsorge ist wichtig, damit das Ohr gut heilt und sich keine Entzündung entwickeln kann.

Im Anschluss bekamen wir noch ein paar Nachsorge-Ratschläge in Papierform mit auf den Weg. Dazu gehörten: Drei Tage keine Haare waschen, die Ohrläppchen anfangs täglich und dann über einen Monat zweimal wöchentlich mit einem Desinfektionsmittel benetzen und etwas drehen, damit nichts festwächst. Zudem sollten die medizinischen Ohrstecker mindestens sechs Wochen lang im Ohrläppchen verbleiben, sodass sich ein Hautkanal bilden und sich das Ohrloch nicht gleich wieder verschließen kann.

Die Rötung an den Ohrläppchen ließ auch schon am nächsten Tag nach und wir hatten nun eine stolze große Tochter, die mit ihren neuen Ohrringen um die Wette strahlte! Für den Fall, dass die Rötung oder Schwellung nicht nachlässt, sollten wir noch einmal beim Arzt vorbeikommen. Bei uns lief allerdings glücklicherweise alles gut. Allerdings haben wir die medizinischen Ohrringe noch einige Zeit länger in den frisch gestochenen Ohrläppchen gelassen als empfohlen. Denn das Heraus- und Hereinstecken tat ihr doch anfangs noch sehr weh. Es hieß also abwarten, bis der richtige Zeitpunkt für ein neues Paar Ohrringe gekommen war. Aber bei so schönen medizinischen, antiallergischen Erst-Steckern ist das ja kein Problem! Fand auch meine Tochter.

Mein Fazit als Mutter

Es gibt mittlerweile unterschiedliche Möglichkeiten des Ohrlochstechens. Jeder sollte für sich selbst oder sein Kind entscheiden, welches die beste Variante und auch das für das Kind individuell richtige Alter dafür ist. Und natürlich, ob Ohrringe überhaupt infrage kommen. Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meinem Erfahrungsbericht einen kleinen Eindruck und ein paar Informationen darüber vermitteln.

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Bildquellen

  • Ohrlochschießen: ©fotolia/Igorzvencom
  • beim-hno-arzt: ©Kirsten R.
  • Nachsorge: ©fotolia/silentalex88
  • ohrlochstehen-beim-kind: ©fotolia/angiolina

Kirsten R. sorgt als Grafikerin dafür, dass bei Waschbär alles gut aussieht und jedes Pixel richtig sitzt. Auch nach getaner Arbeit ist sie voll auf Achse: Zum Beispiel mit dem Wohnmobil im Urlaub und im übertragenen Sinne natürlich auch als Mutter von zwei aufgeweckten Kindern. Zusammen mit ihnen ist sie viel draußen in der Natur unterwegs, wo sie ihre Inspiration findet. Hat sie genug Frischluft geschnappt, widmet sich Kirsten ihrem außergewöhnlichen Hobby „Organisieren“ und stellt Familienfeste, Ausflüge oder im Herbst Halloween-Raubzüge für kleine Gruselmonster auf die Beine.

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