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Nachtkerzen – essbar und wunderschön

Zwei hellgelbe Blüten der Nachtkerze.

Mitte Juni erscheinen die ersten gelben Blüten der Nachtkerzen, die uns dann den ganzen Sommer lang erfreuen. Über die Nachtkerzen gibt es einiges zu erzählen, denn sie gehören sowohl zu den essbaren Wildpflanzen als auch zu den Heilpflanzen. Zudem haben sie eine beeindruckende Blütenökologie.

Herkunft der Nachtkerzen: Zugereist aus Amerika

Die Nachtkerzen sind bei uns erst seit dem 17. Jahrhundert heimisch. Sie stammen alle aus den gemäßigten Zonen Nord- und Mittelamerikas. Im Jahre 1614 tauchten die ersten Exemplare als Zierpflanzen für Parks und Gärten in Europa auf. Inzwischen sind sie als Neophyten in der Natur weitverbreitet und besiedeln vorzugsweise trockene Ruderalstellen wie Wegränder, Böschungen, Bahndämme und Brachland.

Die Arten der Nachtkerze

Nachtkerzen werden in Bestimmbüchern selten unterschieden, obwohl es in Deutschland etwa 50 verschiedene Arten gibt. Meist wird in der Literatur nur die Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) besprochen, aber es gibt zahlreiche Arten, die genauso häufig anzutreffen sind, wie beispielsweise die Rotkelch-Nachtkerze (Oenothera glazioviana), die mit Abstand die größten Blüten entwickelt. Ebenfalls häufig anzutreffen sind kleinblütige Arten, wie die Dickfrucht-Nachtkerze (Oenothera pycnocarpa), die Kleinblütige Nachtkerze (Oenothera parviflora) oder die Rotstängel-Nachtkerze (Oenothera rubricaulis). Aber keine Angst: Sie müssen die Arten nicht unterscheiden können, denn Sie dürfen für die nachfolgend beschriebenen Zwecke alle bei uns vorkommenden Arten sammeln und verwerten.

WElke Nachtkerzenblüten auf weißem Grund. © Rudi Beiser

Nachtkerzenblüten verblüht: Tagsüber verwelken die nachtaktiven Blüten und die Knospen warten auf die Abendstunden um sich zu öffnen.

Nachts wird gefeiert – die Blühzeit der Nachtkerzen

Der Name Nachtkerze weist uns schon darauf hin, dass es bei dieser Pflanze vor allem nachts hoch hergeht! Die strahlend gelben Blüten öffnen sich nämlich erst abends bei der Dämmerung und blühen während der Nacht. Die Nektarproduktion läuft dann auf Hochtouren, damit die Partygäste einen leckeren Drink bekommen. Außerdem sondern die leuchtenden Blüten nachts einen süßlichen Duft ab. Damit locken sie vor allem nachtaktive Schmetterlinge an, die für die Befruchtung der Blüten zuständig sind.

Am Morgen ist die Party vorbei und die kurzlebigen Blüten beginnen zu verwelken. Das Öffnen der Blüten zur Dämmerung ist ein faszinierendes Schauspiel, denn es erfolgt innerhalb weniger Minuten in einer fließenden Bewegung. Die Schnelligkeit, mit der das Aufblühen vor sich geht, ist bei keiner anderen bei uns vorkommenden Pflanze zu beobachten. Jeden Abend öffnen sich zur gleichen Zeit neue Blüten und dieses wunderbare Schauspiel dauert von Juni bis September. Nach der Befruchtung bilden sich zahlreiche längliche Samenkapseln, die jeweils 200 bis 300 kleine Samen enthalten.

Aus dem Samen, der im Herbst aus den Kapseln fällt, bildet sich im ersten Jahr ein flach auf dem Boden liegender Blattteller (Rosette). Im zweiten Jahr ab April entwickelt sich der Blütenstängel, der bis zu 1,5 Meter Wuchshöhe erreichen kann. Die Nachtkerzen blühen also erst im zweiten Jahr, weshalb sie zu den zweijährigen Pflanzen gerechnet werden.

Leckeres Gemüse: Nachtkerzen sind essbar

Von der Nachtkerze kann man so ziemlich alles essen: Die nach Mangold schmeckenden Blätter werden im Frühling geerntet, und zwar bevor der Blütenstängel erscheint. Man nutzt sie für Suppen oder als spinatähnliches Gemüse.

Die sehr schmackhaften Wurzeln können nur während der Winterruhe von November bis Ende März genutzt werden. Nur dann sind sie zart. Danach werden sie holzig, zäh und ungenießbar. Die rübenartige Wurzel erinnert geschmacklich etwas an Schwarzwurzeln und besitzt eine leichte Schärfe. Man kann sie als Gemüse zubereiten, in Suppen verarbeiten oder roh in den Salat raspeln. Im Volksmund wurde sie Schinkenwurz genannt, weil sie sich beim Garen rötlich verfärbt.

Die weiße Wurzel mit einigen Blättern © Rudi Beiser

Die Nachtkerzenwurzel ist ein leckeres Gemüse, das geschmacklich an Schwarzwurzeln erinnert.

Was die wenigsten wissen: Die Nachtkerzenwurzel war lange Zeit ein geschätztes Gemüse, das man damals Rapontika nannte. Ein altes Sprichwort behauptet, dass ein Pfund der Nachtkerzenwurzel so viel Kraft gebe, wie ein 1 Zentner (=50 kg) Ochsenfleisch. Johann Wolfgang von Goethe ließ seine Frau 1810 den Samen im Garten aussäen, wie es in einem Brief überliefert ist. Leider wurde das „Kraftgemüse“ von modernen Züchtungen aus dem Gemüsegarten verdrängt.

Die geschlossenen Blütenknospen und die geöffneten Blüten sind über Salate oder Desserts gestreut eine Delikatesse. Die Knospen kann man auch roh knabbern. Sie schmecken angenehm mild-süßlich. Sie können mit den Blüten auch einen milden Tee aufbrühen. Abends zwischen 19 und 20 Uhr sind sie am aromareichsten.

Nachtkerzen sind eine Heilpflanze der nordamerikanischen Ureinwohner

Als im 16. Jahrhundert die ersten Siedler in Nordamerika auf die verschiedenen Stämme trafen, lernten sie die Heilwirkungen der Nachtkerzen kennen. Die Algonkin-Indianer nahmen die zerstampften Samen als Breiauflage bei Hauterkrankungen und die Irokesen behandelten damit Geschwüre. Die Navajos bevorzugten die Blüten bei Erkältungen und Husten.

Berühmt geworden als Medizin, ist die Nachtkerze allerdings erst in der Neuzeit, als man im ölhaltigen Samen die wertvolle Gamma-Linolensäure entdeckte. Das Nachtkerzenöl enthält etwa 10 Prozent davon. Keine andere Pflanze hat einen so hohen Anteil. Die essentielle Gamma-Linolensäure ist im Körper an der Bildung hormonähnlicher Substanzen (Prostaglandine) beteiligt. Aus diesem Grund entfalten sie vielseitige gesundheitliche Wirkungen: Sie unterstützen das Immunsystem und bewirken eine Senkung des Cholesterinspiegels. Außerdem wirken sie entzündungshemmend und blutdrucksenkend. Deshalb nutzt man das Nachtkerzenöl äußerlich und innerlich bei Neurodermitis, rheumatischen Beschwerden, Prämenstruellem Syndrom, bei Wechseljahresbeschwerden sowie zur Vorbeugung von Herz- und Gefäßerkrankungen.

Die vertrockneten Samenkapseln im Fokus. © Rudi Beiser

Im Herbst öffnen sich die Samenkapseln und verstreuen Tausende kleine Samen. Diese benötigt man zur Herstellung von Nachtkerzenöl.

Rezept für Nachtkerzenöl 

Mit diesem Verfahren können Sie das wertvolle Öl der kleinen Nachtkerzensamen selbst herstellen. Das Öl wirkt entzündungshemmend, juckreizstillend und hautregenerierend. Das Öl kann sehr sparsam eingesetzt werden, indem man die betroffenen Hautstellen betupft und dann leicht einmassiert. Für die innerliche Einnahme können Sie es teelöffelweise in Salatsoßen, Müsli oder Quarkspeisen mischen.

Zutaten

  • 20 ml Sesamöl oder Mandelöl
  • 6 g Nachtkerzensamen

Zubereitung

Zunächst müssen Sie Nachtkerzensamen kaufen oder selbst sammeln. Die kleinen braun-schwarzen Samen können im Herbst recht schnell geerntet werden, denn in einer Kapsel befinden sich davon bis zu 300 Stück. Ernten Sie die Kapseln, wenn sie sich gerade öffnen und trocknen Sie sie auf der Heizung etwas nach. Dann die Samen aus den Kapseln herausklopfen.

Am besten Sie geben den Samen in einen Mixer oder Mörser und pulverisieren ihn. Dann wird er gleich mit dem Öl vermischt. Es ist auch möglich, ihn zusammen mit dem Öl zu mixen. Öl und Samen werden nun im Wasserbad auf 50° C erwärmt und 2 Stunden lang ausgezogen. Dann durch ein sehr feines Sieb oder Filterpapier laufen lassen und in kleine dunkle Tropffläschchen füllen. Kühl gelagert hält sich das Öl 3 Monate.

Rezept für frittierte Nachtkerzenknospen

Zutaten

  • 2-3 Handvoll geschlossene Nachtkerzenknospen
  • möglichst geschmacksneutrales Öl
  • Salz, Pfeffer
  • (optional Pfannkuchenteig)

Zubereitung

Die länglichen Knospen können Sie vor dem Frittieren in einen Pfannkuchenteig eintauchen, aber es funktioniert auch „ganz pur“: Die Knospen ins heiße Fett geben und 1-2 Minuten frittieren. Nicht erschrecken: Sie werden beim Erhitzungsvorgang aufblühen. Auf Küchenpapier abtropfen lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen und als Vorspeise oder Beilage servieren.

Rezept für Wurzel-Gemüse aus Nachtkerzen

Zutaten

(für 4 Personen)

  • 500 g Nachtkerzenwurzeln
  • 200 g Pastinakenwurzeln
  • 1 Zwiebel
  • 4 EL Kokosöl
  • 1 TL gekörnte Brühe/ Gemüsebrühe
  • 2 TL Curry
  • 150 ml Kokosmilch
  • 1 TL Sojasoße
  • Salz, Pfeffer
  • 1 Bund Petersilie

Zubereitung

Wurzeln säubern, schälen und in gleichmäßige Scheiben schneiden. Kleingehackte Zwiebel im Öl kurz andünsten, Wurzeln dazugeben und 5 Minuten mitbraten. Mit Gemüsebrühe und Curry bestäuben und mit Kokosmilch und Sojasoße aufgießen. Nun 10-15 Minuten köcheln lassen, bis die Wurzeln gar sind. Mit Salz und Pfeffer würzen und mit Petersilie garnieren. Zu Reis servieren.

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Bildquellen

  • verwelkte-nachtkerzen: © Rudi Beiser
  • wurzel-der-nachtkerze: © Rudi Beiser
  • samenkapseln-der-nachtkerze: © Rudi Beiser
  • nachtkerzen: © Rudi Beiser

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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  1. Chris

    10 Juli

    ich mache aus Nachtkerzenöl und Spitzwegerich Öl eine Salbe für Hautausschläge

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