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Nachhaltiges Spielzeug ist ökologisch und sinnvoll

Die meisten Kinderzimmer sind vollkommen überfüllt. In Regalen und Kisten türmen sich Spiele, Puppen, Kuscheltiere, Bausteine und vieles mehr. Großes Spielzeug, das nicht in die Regale passt, steht auf dem Boden und schränkt die oft ohnehin knappe Spielfläche ein. Eine Auswahl, ähnlich groß wie in einem Spielwarengeschäft, überfordert Kinder häufig und führt dazu, dass sie nicht wissen, womit sie zuerst spielen wollen. Das Interesse fliegt von einem Spielzeug zum nächsten und bleibt oft an dem hängen, was mit den aufmerksamkeitsstärksten Effekten ausgestattet ist. Wenn Kinderzimmer selbst im aufgeräumten Zustand vollgestopft sind, besteht Handlungsbedarf. Es stellt sich die Frage: Wie viel Spielzeug brauchen Kinder und wie sollte es beschaffen sein?

Auch bei Spielsachen gilt: Weniger ist mehr

Die meisten Eltern wissen, welche Spielsachen für ihre Kinder gut sind und welche nicht. Trotzdem schaffen es immer wieder Unmengen an bunten Spielzeugen vorbei an den Eltern ins Kinderzimmer. Anlässe zum Schenken gibt es viele. Die Schenkenden überbieten sich gegenseitig mit bunten und blinkenden Spielsachen, um bei Kindern zu punkten. „Solange Eltern, Großeltern und Freunde Spielzeuge als Geschenk für Kinder zu Feiertagen und Geburtstagen mitbringen, wird sich daran kaum etwas ändern“, macht Pädagogin Ingetraud Palm-Walter deutlich. Als Vorstandsmitglied des Vereins „spiel gut“ mit Sitz in Ulm, prüft sie Spielzeuge aller Art und ist als Beraterin für Eltern tätig. „Kinder sind es gewohnt, immer wieder Neues zu bekommen und lernen nicht, sich mit dem bereits vorhandenen Spielzeug langfristig zu beschäftigen. Es gehört Mut dazu, sich dieser Entwicklung zu entziehen, aber es ist sinnvoll, denn es ist Aufgabe der Erwachsenen, Kindern nur das zuzuführen, was ihnen guttut.“

Aufgabe der Eltern: Spielzeug-Flut eingrenzen

Sich diesem Trend entgegenzusetzen, ist sicher nicht einfach. Die Spielwarenbranche läuft besser als je zuvor: Mehr als 3,1 Milliarden Euro werden jährlich für Spielzeug ausgegeben, das sind rund 290 Euro pro Kind. „Es ist Aufgabe der Eltern, die Anzahl der Spielzeuge zu begrenzen“, bestätigt Daniel Fischer, Professor für Nachhaltigkeitswissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg. Er lehrt zurzeit am Global Institute of Sustainability in Tempe/Arizona an der Arizona State University. „Grundsätzlich ist das Schenken eine positiv besetzte soziale Geste: Das Kind erfährt Zuwendung, und wenn diese Geschenke auch eine gewisse Vielfalt abbilden, ist damit ein breites Anregungspotenzial verbunden, das entwicklungsfördernd sein kann. Der schiere Umfang des Schenkens hat jedoch mittlerweile problematische Züge angenommen. Da muss sich grundsätzlich etwas ändern.“

Sinnvolle Spielsachen regen die eigene Fantasie an und wirken so nachhaltig

Eltern, Pädagogen und andere Experten sehen in der Überflutung mit Spielzeug die Gefahr, dass Kinder die Fähigkeit verlieren, für vorhandenes Spielzeug selbstständig neue Nutzungsweisen und Spiele zu entwickeln. Das ist nicht immer einfach, denn Kinder interessieren sich am meisten für Spielsachen mit möglichst unterhaltsamen Effekten. Solche „Effekt-Spielzeuge“ lassen allerdings meist nur sehr eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten zu und unterstützen das fantasievolle Spiel der Kinder kaum. Und genau aus diesem Grund befürworten viele Eltern Spielsachen, die das selbstbestimmte Spielen ermöglichen. Die sich immer wieder neu gestalten und umbauen lassen wie Holz-Bausteine, Kugelbahn, Spielhäuser oder Ritterburgen.

Umbaufähige Spielsachen, wie ein Kaufladen, der mit ein paar Tüchern und anderen Accessoires zum Kasperle-Theater oder zur Versteckhöhle umgebaut werden kann, regt die Fantasie an und fördert das selbstständige Spielen.

Spiele, bei denen Kinder festen Vorgaben folgen müssen, hält die Expertin für weniger sinnvoll, weil keine eigenen Gedanken entwickelt werden. „Kinder brauchen nicht ständig neues Spielzeug“, erklärt Pädagogin Ingetraud Palm-Walter. „Spielzeug muss so beschaffen sein, dass sie immer wieder gerne darauf zurückgreifen, weil sie jedes Mal neue Spielmöglichkeiten und Verwendungen entdecken. Gutes Spielzeug fördert die Ideen und das selbstbestimmte Spiel der Kinder. Es lässt Raum zum Entdecken und zum Selbermachen.“ Die Pädagogin plädiert für die Einfachheit und Nachhaltigkeit von Spielzeugen. Diese überfordern die Sinne eines Kindes nicht, was bei elektronischen Spielzeugen eher häufig der Fall ist.

Mit Spielzeug eine gute Werthaltung vermitteln

Spielzeuge, die schon nach kurzer Zeit kaputtgehen, verursachen nicht nur ökologische Probleme. Sie sind zusätzlich eine Enttäuschung für Kinder und können sich auch als gefährlich erweisen. Deshalb raten die Experten von Billigmaterialien ab. Ingetraud Palm-Walter zieht nicht nur das Material, sondern auch den Sinn des Spiels in Ihre Empfehlung mit ein: „Kinder haben Wünsche, können aber die Qualität der Dinge meistens nicht beurteilen. Das ist Aufgabe der Erwachsenen. Neben qualitativen Ansprüchen sollten auch inhaltliche Vorgaben überprüft werden. Von thematisch fragwürdigem Spielzeug möchte ich abraten wie beispielsweise Kriegsspielzeug oder Spiele, in denen Stehlen, Lügen oder Gewalt verharmlost werden.“ Oft hätten Eltern schon das richtige Gespür für die wirklich wichtigen Werte, die sie ihrem Kind vermitteln möchten. Doch gerade bei Spielsachen gäben sie dann doch eher der Begeisterung des Kindes als ihrem Bauchgefühl nach. Daher nimmt Palm-Walter die Eltern in die Pflicht: „Wir haben eine Vorbildfunktion, die Kindern wichtige Werte vermittelt.“

Spielzeug-Sodaten sind in einer Gruppe positioniert.

Beim Gedanken an Kriegsspiele und Soldatenfiguren ist den wenigsten Eltern wohl. Sie sollten auf dieses Gefühl hören.

Die Schattenseite von Billig-Spielzeug: Plastikmüll und Billiglöhne

Der Trend zu immer mehr Spielzeug ist auch ökologisch bedenklich, denn aus dem Spielzeugberg – insbesondere billigem Plastikspielzeug – wird irgendwann ein riesiger Müllberg. „Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit hat diese Entwicklung einige problematische Folgen“, so Professor Daniel Fischer. „Die Plastikmüllthematik ist inzwischen in der Öffentlichkeit ebenso angekommen wie die Frage der Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern. Beides ist jedoch interessanterweise bisher kaum auf das Konsumsegment Spielzeug bezogen worden. Hier klafft sicherlich eine Bewusstseinslücke.“

Nicht jedes Spielzeug, das angeboten wird, ist auch zum Spielen geeignet, selbst wenn es verpackt einen sehr guten Eindruck vermittelt. Kritisch beurteilt werden sollten die Qualität eines Spielzeugs – Stichwort verbotene Weichmacher und Schwermetalle in Farben – und ihr pädagogischer Wert. Die Produktqualität beinhaltet die Prüfung der Beschaffenheit und Verarbeitung der Materialien. Hohe Bruchfestigkeit und Haltbarkeit erhöhen die Sicherheit. 

Ein Spielzeug sollte Lern- und Spielmöglichkeiten bieten, die für Kinder interessant sind und sie immer wieder und über einen längeren Zeitraum beschäftigen. Bei der Suche nach altersgemäßem Spielzeug helfen die Altersangaben auf den Verpackungen.

Siegel geben Sicherheit beim Spielzeugkauf

Immer wieder werden Spielsachen angeboten, die eigentlich nicht in Kinderhände gehören. Eine wichtige Orientierung bieten Prüfsiegel. Es ist nicht immer einfach, den Dschungel der Abkürzungen und Zertifizierungen zu durchdringen. – Aber es lohnt sich und erleichtert die Kaufentscheidungen. Spielzeuge mit aussagekräftigen Prüfsiegeln sind meistens etwas teurer, aber bei einer entsprechend längeren Lebensdauer lohnt sich die Investition.

Tipp: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gibt auf ihrer Webseite ein Infoblatt mit Tipps zum sicheren Spielzeugkauf heraus.

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Eva praktiziert „grünen“ Journalismus aus Überzeugung. Als Mitarbeiterin im Einkauf für Waschbär ist sie ständig damit beschäftigt, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Richtig wohl fühlt sie sich in der freien Natur. Dort lässt sie sich am liebsten vom Lichtwellenspektrum der blau-grün-türkisen Meeresfarben inspirieren.

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