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Der Buchsbaumzünsler: Wie man den Schädling ökologisch bekämpfen kann

Blick auf zwei der hellgrünen Raupen des Buchsbaumzünslers auf einem zerfressenen Strauch.

Seit über 10 Jahren frisst sich ein Schädling mit dem Namen Buchsbaumzünsler durch die Buchsbäume unserer Gärten und breitet sich massiv aus. Vor allem in der Schweiz und in Süddeutschland sind die Schäden enorm. Inzwischen ist er entlang des Rheins auch nach Frankreich, Belgien und die Niederlande eingewandert. Oft bemerken Gärtnerinnen und Gärtner den Befall erst, wenn es schon zu spät ist. Viele haben ihre Buchsbaumbestände verloren oder aus Verzweiflung aus dem Garten verbannt. Kann man den Schädling bekämpfen, ohne mit giftigen Spritzmitteln den Bienen zu schaden?

Der Buchsbaumzünsler kam mit Billigimporten aus Ostasien

Der Buchsbaumzünsler ist ein kleiner unscheinbarer Schmetterling mit weißen Flügeln, die einen braunen Rand haben. Die Raupe des Falters ist ein gefürchteter Schädling, der sich auf den Buchsbaum spezialisiert hat. Der Buchsbaumzünsler kommt eigentlich aus Ostasien (China, Korea) und wurde 2006 mit Pflanzenimporten eingeschleppt. Erstmals entdeckte man ihn am südlichen Oberrhein. Jahrhundertelang vermehrten und züchteten viele Gärtnereien und Baumschulen den heimischen Buchsbaum in Deutschland. Aber die heimische Produktion wurde inzwischen von Importen aus Asien verdrängt, die billig in Baumärkten und Gartencentern verschleudert werden. In der Billigware saß gut getarnt der Buchsbaumzünsler, der sich daraufhin rasant ausgebreitet hat.

Der Falter zeichnet sich durch seine dunkle Umrandung aus. © CC0 / Didgeman

Ein hübscher Falter, dessen Anblick man in Anbetracht der Schäden jedoch nicht genießen kann.

Die Lebensweise des Buchsbaumzünslers

Um eine vernünftige Bekämpfung einzuleiten, ist es immer wichtig den „Gegner“ genauer kennenzulernen. Die letzte Raupengeneration des Vorjahres überwintert in Gespinsten im Innern des Buchsbaums. Ab Ende März beginnen die Raupen wieder zu fressen, um sich dann zu verpuppen. Nach einwöchigem Puppenstadium schlüpfen die Schmetterlinge. Ein Schmetterling lebt nur 8 Tage lang und legt in dieser Zeit 100-150 Eier an Buchsbaumblättern ab. Nach diesem Muster entwickeln sich pro Jahr je nach Witterung 2-3 Generationen.

Die Raupen, die schon wenige Tage später aus den Eiern schlüpfen, sind anfangs nur 4 mm Millimeter groß und erreichen nach 6 Häutungen eine Größe von 5 cm. Sie sind grün, mit dunklem Rückenstreifen, weißen Borsten und schwarzem Kopf. Typische Merkmale des Befalls sind sichelförmige Fraßstellen an den Blättern, bräunliche bis grüne Kotkrümel und spinnwebenartige Gespinstnester. Die Raupen schädigen nicht nur die Blätter, sondern auch die Rinde, was zum Absterben ganzer Triebe führt. Eine Raupe frisst in ihrer Entwicklung etwa 50 Blätter.

Im Fokus sind helle löchrige Buchsbaumblättchen. © Rudi Beiser

Junge Raupen zerstörten die Blätter durch Schabefraß, bei dem nur die obere Blattschicht gefressen wird. Die geschädigten Blätter vertrocknen.

Wie kann man den Buchbaumzünsler biologisch bekämpfen?

Der Einwanderer aus Asien hatte anfangs gar keine natürlichen Feinde, was seine Ausbreitung beschleunigte. Inzwischen wird er glücklicherweise von einigen heimischen Vögeln wie Haussperling und Kohlmeise gefressen. Auch Wespen und Hornissen holen sich die proteinreichen Raupen. Das reicht aber bei Weitem nicht aus, um die explosionsartige Vermehrung des Schädlings zu unterbinden.

Wichtig: So früh wie möglich mit Maßnahmen beginnen

Es macht Sinn gleich die erste Raupengeneration im Frühling zu bekämpfen. Der beste Zeitpunkt ist in der Regel ab Mitte April. Es ist schwierig die jungen Larven zu entdecken, da sie zunächst im Innern des Busches fressen. Pestizide, die Nützlinge und Umwelt schädigen, kommen im biologischen Garten nicht infrage. Es gibt auch einige Hausrezepte (siehe unten), die aber am ehesten durchzuführen sind, wenn die Raupen ausgewachsen und gut zu erkennen sind.

Ich empfehle als wirksames biologisches Mittel den Einsatz des Bacillus thuringiensis, ein Bakterium, das auch zur Schnakenbekämpfung eingesetzt wird. Dieses Mittel wird auf den Buchsbaum gesprüht. Die Raupen fressen die Bakteriensporen und verenden dann nach kurzer Zeit. Die Behandlung macht aber nur Sinn, wenn sich tatsächlich schon Raupen entwickelt haben, denn Eier und Puppen bleiben unbehelligt. Das Mittel wirkt nur gegen Raupen und schont Bienen und alle anderen Nützlinge. Wichtig ist, dass Sie die Pflanzen auch innen tropfnass spritzen, am besten an einem warmen, bewölkten Tag, da zuviel UV-Licht das Bakterium schädigt. Es gibt verschiedene käufliche Präparate mit diesem Wirkstoff. 

Neue biologische Präparate auf dem Markt

Neuerdings gibt es auch biologische Präparate mit Nematoden (Fadenwürmern), die ebenfalls auf die Blätter des Buchsbaumes gegeben werden. Die Nematoden dringen in die Raupen ein und töten sie. 

Etwas giftiger, aber ihm biologischen Landbau zugelassen, sind Spritzmittel aus den Samen des Neembaumes. Diese Mittel auf Neemölbasis schädigen allerdings auch andere kleine nützliche Insekten wie Florfliegen und Schlupfwespen. Bienen sind dadurch nicht gefährdet. Der Vorteil des „Naturgiftes“: es ist biologisch leicht und schnell abbaubar.

Die Spritzungen mit diesen drei Präparaten müssen eventuell nach einer Woche nochmals wiederholt werden. Halten Sie sich an die Packungsanweisungen der Präparate. Die Spritzmittel können auch im Sommer bei den Folgegenerationen im Juli und September erfolgreich eingesetzt werden. 

Fallen gegen den Buchsbaumzünsler

Um sicherzugehen, dass es keine allzu große zweite Raupengeneration gibt, können Sie mit speziellen Buchsbaumzünslerfallen die geschlüpften männlichen Schmetterlinge abfangen. Der Sexualduftstoff zieht die Männchen magisch an, wodurch weniger Weibchen befruchtet werden. Trotzdem werden genügend Weibchen zur Eiablage kommen. Aber mithilfe der Fallen kennt man die Flugzeit der Falter und kann vorhersagen, dass schon in wenigen Tagen ein Befall mit Raupen zu erwarten ist. Dann kann man schnell die entsprechenden Bekämpfungsmaßnahmen vorbereiten.

Wie abgebissen fehlt ein Stück am Blatt des Buchses. © Rudi Beiser

Der genaue Blick hilft, die Entwicklungsphase der Raupen einzuschätzen: Ältere Raupen fressen ganze Blätter und hinterlassen oft
sichelförmige Blattränder.

Hausrezepte gegen den Buchsbaumzünsler

Es gibt viele Hausrezepte gegen den Schädling, aber die wenigsten bringen Erfolg. Zumindest zwei Verfahren können positive Ergebnisse aufweisen:

Bei übersichtlichen Einzelbüschen können Sie die Raupen durchaus per Hand absammeln und beseitigen. Allerdings halten sie sich bevorzugt an den Blättern im Innern des Busches auf, was das Absammeln erschwert. Außerdem muss man die Raupen regelmäßig 1-2-mal wöchentlich absammeln. In die gleiche Richtung zielt das Abspritzen der Büsche mit einem Hochdruckreiniger (vor allem im Innern des Buchsbaums). Die abgespritzten Raupen werden dann am Boden aufgesammelt.

Ein weiteres Hausmittel, das durchaus funktioniert, kann nur an sonnigen Tagen an Einzelpflanzen durchgeführt werden. Dazu wird ein großer schwarzer Plastikmüllsack über den Busch gestülpt und mehrere Stunden belassen. Die darunter entstehende Hitze schadet den Raupen immens. Der Buchs bleibt dabei unbeschadet. Es funktioniert allerdings nur, wenn die Sonne während der „Behandlung“ auf den Busch scheint. Die Behandlung sollten Sie über einen längeren Zeitraum einmal wöchentlich durchführen.

Ein gesunder Buchs füllt das Bild komplett aus. © Rudi Beiser

Ohne des Schädlin erfreut der Buchsbaum das ganze Jahr über mit seinem satten Grün.

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Bildquellen

  • falter-des-buchsbaumzuenslers: © CC0 / Didgeman
  • frassschaeden-durch-junge-raupen: © Rudi Beiser
  • frassschaeden-durch-aeltere-raupen: © Rudi Beiser
  • immergruener-buchs: © Rudi Beiser
  • buchsbaumzuensler: © CC0 / Didgeman

Rudi Beiser, Jahrgang 1960, beschäftigt sich schon seit 40 Jahren mit Heil- und Wildkräutern. 13 Jahre lang führte er einen Naturkostladen. Danach betrieb er 20 Jahre lang die von ihm gegründete La Luna Kräutermanufaktur, wo hochwertige Kräutertees in Demeter-Qualität produziert wurden. Sein reichhaltiges Wissen über Pflanzen und seine langjährigen Erfahrungen dazu gibt er heute als Dozent an verschiedenen Instituten und als erfolgreicher Buchautor weiter.

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