Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Spargelanbau – geht das noch plastikfrei?

Das zweigeteilte Bild zeigt weißen Spargel und ein mit Folien bedecktes Spargelfeld

Der erste Spargel macht das Rennen – und dabei werden viele Hilfsmittel und Techniken eingesetzt. Wer sich auf die Spuren der edlen, weißen Stangen begibt, stößt zwangsläufig auf folgende Fragen: Wie wird Spargel angebaut? Wie ökologisch ist das? Und welche Spargelsorten gibt es überhaupt? Ein Überblick:

„Heizspargel“ – hoher Energieeinsatz für den Frühstart

Seit einigen Jahren zeigt sich bereits vor Ostern der erste Spargel auf den Wochenmärkten und Speisekarten der gehobenen Gastronomie. Dabei handelt es sich nicht etwa um Exportware aus Griechenland, Spanien, den Niederlanden oder Peru, wie man erst mal annehmen könnte. Nein, es ist Spargel aus Deutschland. Genauer handelt es sich um sogenannten „Heiz-Spargel“. Erzeugt wird er mithilfe von heißem Wasser, das durch unterirdische Systeme aus Kunststoffleitungen in den Spargeldämmen fließt und den Boden im Wurzelbereich erwärmt. Da Spargel bei einer Bodentemperatur von zehn bis zwölf Grad zu wachsen beginnt, ist mit dieser Methode die erste Ernte schon Anfang März möglich. Der „Heizspargel“ überholt damit auch die Gemüsestangen, die unter Folie gezogen werden. Da der erste Spargel jedes Jahr ungeduldig erwartet wird, sind Kunden bereit, auch ein wenig mehr dafür auszugeben.

Folienspargel – inzwischen fast der Standard

Vor etwas mehr als 15 Jahren kamen Spargelbauern auf die Idee, ihre Felder mit Folien abzudecken, um die ersten Anbieter auf dem Markt zu sein. Mit der Folie kann der Boden ebenfalls erwärmt werden. Zudem lässt sich die Temperatur im Spargeldamm durch auf- und abziehen der Folie optimal und gleichmäßig steuern. Die Spargelpflanzen haben so weniger wetterbedingten Stress und wachsen besser. Mittlerweile gibt es kaum noch Spargel, der ohne Folie angebaut wird. Damit ist der zeitliche Vorsprung hinfällig und die gesamte Spargelsaison verschoben worden. Zudem konnte die Ernte gesteigert und die Preise gesenkt werden. Dadurch ist der Pro-Kopf-Verbrauch von 1,1 auf 1,7 Kilogramm Spargel gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt wurde 2017 mehr Spargel als je zuvor geerntet: bundesweit rund 127.800 Tonnen.

„Etwa 98 Prozent aller Felder liegen inzwischen unter Folie. Durch deren Einsatz sparen die Anbauer etwa 40 Prozent ihrer Produktionskosten. Zudem führt die Spargelerzeugung unter Folie zu gleichmäßigen und hohen Erntemengen“, erläutert Geschäftsführer Simon Schumacher vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) in Bruchsal. Er ergänzt: „Wirtschaftlich ist eine Produktion ohne Folie in Deutschland kaum möglich.“ Die Folie koste zwar auch Geld, sei aber günstiger, als Spargel aus Peru oder anderen Ländern zu importieren.

Der Plastikmüll hat einen Vorteil: Die Unkrautvernichtung entfällt

Wo die ganze Zeit Folie lag, wächst kein Unkraut.

Überraschenderweise haben die Plastikfolien sogar einen ökologischen Vorteil: Da kein Unkraut unter den Folien wächst, müssen keine chemischen Mittel zur Unkrautvernichtung eingesetzt werden. Dennoch drängt sich die Müllfrage auf: „Die Folien bestehen fast ausschließlich aus Polyethylen, es wird kaum noch PVC eingesetzt“, fügt der VVSE-Chef hinzu. Außerdem: „Die Folien können zwischen acht bis zehn Jahre verwendet werden und werden dann recycelt.“

Über das gesamte Ausmaß der Müllberge, die im Spargelanbau anfallen, gibt es leider keine soliden Angaben. Lediglich ein einziger Recyclinghofbetreiber aus Bayern gibt an, dass allein in 2016 rund 650 Tonnen Folien aus der Landwirtschaft angefallen sind. Etwa 150 Tonnen Folie sind so verunreinigt, dass sie nicht mehr recycelt werden können und verbrannt werden müssen. Doch wie viel Prozent auf den Spargelanbau entfallen, kann auch er nicht sagen.

Bio-Spargel darf nur unter bestimmte Folien

Auch im biologischen Anbau ist Spargel unter Folie grundsätzlich erlaubt. Trotzdem entscheiden sich viele Bio-Spargelbauern für den natürlichen Anbau im Freiland. Wenn sie auf den Helfer zurückgreifen, entscheiden sich die meisten für biologisch abbaubare Mulchfolie, die zum größten Teil aus Maistärke besteht. Aufgrund ihrer Beschaffenheit verrotten die Folien nach rund drei Monaten. Die Überbleibsel können untergepflügt oder kompostiert werden. Leider kostet eine biologisch abbaubare Folie oft mehr als das Doppelte als eine konventionelle aus Polyethylen.

„Es gibt Demeter-Betriebe, die Spargel im Freiland folienfrei, und welche, die den Spargel mit Folie anbauen. Bei Demeter-Spargelbäuerinnen und -bauern sind jedoch Plastikfolien aus PVC generell verboten, mehrfach verwendbare Folien oder Folien aus nachwachsenden Rohstoffen sind hingegen erlaubt und werden teilweise verwendet“, versichert Susanne Kiebler, Pressesprecherin von Demeter. „Der Großteil des Demeter-Spargels wird von den Betrieben im Direktverkauf ab Hof, in einer Biokiste oder über den Marktstand vertrieben. Im direkten Kundenkontakt ist auf diesem Weg auch ein Aufpreis für die Demeter-Qualität gut vermittelbar – wie auch sonst für andere Gemüsesorten aus Demeter-Anbau.“

Es gibt ihn noch: Plastikfreien Spargel

Der Erntehelfer setzt eine Kiste weißen Spargel ab.

Mit mehr Mühe und Verständnis für die Natur gedeiht Spargel auch ohne Folie.

Viele Bio-Spargelbauern erreichen eine gute Ernte, wenn sie den Pflanzen mehr Platz geben, damit sie mehr Luft und Licht bekommen, um natürlich zu wachsen. Außerdem wird beim biologischen Anbau großer Wert auf die Auswahl des Standortes gelegt, denn eine Spargel-Kultur soll für zwölf Jahre bleiben. Gegen sogenannte Bodenmüdigkeit wird nach der Erntezeit von acht bis zwölf Jahren ein Jahr Pause eingelegt und etwas anderes angepflanzt, bevor auf dem Feld wieder Spargel wächst.

Die Demeter-Chefin rät: „Wenn Verbraucher folienfrei angebauten Spargel möchten, sollten sie darauf achten, Spargel auch dann zu kaufen, wenn er im Freiland ohne Folienanbau Saison hat – also je nach Witterung meist Ende April.“ Die Orientierung der Verbraucher an der Saison des Gemüses und ein entsprechendes Kaufverhalten sind für sie der Schlüssel für weniger Plastik beim Spargelanbau. Folienfreier Spargelanbau wäre auch die Rettung für Tiere, die durch die zunehmende Präsenz von Plastik in der Landschaft zahlenmäßig stark abnehmen. Den Wildtieren, Vögeln, Schmetterlingen, Käfern und Bienen wird Lebensraum genommen, was langfristig ein Verschwinden nach sich zieht.

Wettbewerbsnachteil plastikfrei?

Der Spargelkopf schaut aus der Erde und ist lila-grün.

Bei Deutschen leider unbeliebt: Spargel, der sich im Sonnenlicht verfärbt.

Zu den wenigen Anbauern, die sich gegen den Anbau unter Folie entschieden haben, gehören Christine und Josef Rehm aus Linden (Kreis Neuburg-Schrobenhausen). Sie haben sich bewusst gegen die Produktion von Plastikmüllbergen für frühen Spargel entschieden. „Fast jedes Jahr stechen wir rund vier Wochen später als alle anderen und haben eine sehr viel geringe Ausbeute, mindestens 50 Prozent“, rechnet die Spargelbäuerin Christine Rehm auf. Sie ergänzt: „Dazu kommt die Unsicherheit durch plötzliche Wetterveränderungen. Sobald es regnet, stoppt das Spargelwachstum.“ Im Gegensatz zum Folienanbau, der es erlaubt, nur einmal am Tag oder auch alle zwei Tage Spargel zu stechen, weil der Spargel unter der Folie nicht verfärbt, muss auf dem Rehmhof zweimal täglich gestochen werden, weil er sonst durch das Tageslicht violett wird. Und das mögen die Deutschen leider gar nicht. In Frankreich dagegen kennt man den violetten Spargel schon lange als Delikatesse.

Schon bei der Wahl der Pflanzen gehen die Rehms einen anderen Weg: Sie halten nichts von holländischen Hybrid-Spargelpflanzen, sondern setzen deutsche, gemischt blühende Spargelsorten, die inzwischen sehr schwer zu bekommen sind. Darunter ist beispielsweise „Huchels Leistungsauslese“, die wohl älteste Bleichspargelsorte, die noch angebaut wird, wie Christine Rehm erklärt. Geschmacklich ist die Liebhabersorte aus ihrer Sicht bis heute unübertroffen.

Diese Spargelpflanze und die altdeutsche Grünspargelsorte „Ariane“, die im Frühjahr 2016 gepflanzt wurden, können 2018 erstmalig geerntet werden. Familie Rehm ist sich sicher, den richtigen Weg gewählt zu haben. Auf Wochenmärkten kommt der „Ungespritzte Freilandspargel weiß & grün“ jedenfalls sehr gut an und die Kunden schwärmen von der geschmacklichen Intensität. Dabei spielt der konsequente Verzicht auf chemische Herbizide sicher eine große Rolle, denn sie jäten das Unkraut mechanisch. Wie früher – als es noch keine Folie gab.

 

Gebündelt stehen viele weiße, aber auch grüne und Wildspargelstangen auf de Marktstand.

Grüner Spargel, Wildspargel und vor allem die weißen Stangen werden auf deutschen Märkten angeboten.

Kleine Spargelkunde

Weißer Spargel

Der weiße Spargel ist die Lieblingssorte der Deutschen. Er ist deshalb weiß, weil er ohne Sonne in Erdwällen im Boden und oder unter Folie wächst. Saison ist von Mitte März bis zum gesetzlichen Stichtag, dem 24. Juni.

Grüner Spargel

Auf Spargeldämme kann beim grünen Spargel verzichtet werden, denn er wächst über der Erde und bekommt seine Färbung durch die Sonnenstrahlen. Der Grünspargel ist dünner als der weiße und zeichnet sich durch seinen herzhaften und würzigen Geschmack aus. Er lässt sich einfacher verarbeiten, weil in der Regel nur das unters Drittel geschält werden muss.

Purpurspargel oder violetter Spargel

Der violette Purpurspargel wird in Deutschland nicht sehr häufig angeboten und auch kaum angebaut. Er wächst über der Erde und ist eine besondere Form des Grünspargels. Seine Verfärbung stammt vom hohen Anteil an Anthocyan, einem natürlichen Pflanzenfarbstoff.

Wildspargel

Der Wildspargel wächst in den Mittelmeerländern und hat sich als importiertes Gemüse in Deutschland zunehmend zu einer Delikatesse entwickelt. Er schmeckt noch aromatischer als grüner Spargel und muss nicht geschält werden.

Thai-Spargel

Dieser exotische Spargel aus Thailand ist extrem dünn, sehr zart kann ungeschält zubereitet werden. Er wird häufig in Wok-Gerichten verarbeitet oder auch einfach anbraten.

Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Freunden

Eva praktiziert „grünen“ Journalismus aus Überzeugung. Als Mitarbeiterin im Einkauf für Waschbär ist sie ständig damit beschäftigt, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Richtig wohl fühlt sie sich in der freien Natur. Dort lässt sie sich am liebsten vom Lichtwellenspektrum der blau-grün-türkisen Meeresfarben inspirieren.

Ähnliche Beiträge

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.