Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Sonnencreme – mineralisch oder chemisch? Was ist besser?

Der Sommer ist da! Und das heißt wie jedes Jahr: cremen, cremen, cremen! Aber mit welcher Sonnencreme? Bei der riesigen Auswahl helfen Informationen zu Wirkweisen, Inhaltsstoffen und Auswirkungen auf die Umwelt bei der Entscheidung.

Wie wirkt Sonnencreme eigentlich?

Sonnenschutzmittel funktionieren grundsätzlich mithilfe sogenannter UV-Filter. Man unterscheidet hierbei zwischen chemischen und mineralischen. Die meisten konventionellen Sonnencremes, die man in den Drogerien finden kann, besitzen chemische UV-Filter (auch „organische Filter“ genannt). Diese Filter aus synthetischen Stoffen wandeln die UV-Strahlen auf der Haut in Wärme um. Viele chemische UV-Filter stehen jedoch im Verdacht, hormonell wirksam zu sein. Außerdem können sie in seltenen Fällen Kontaktallergien auslösen.

Ohne Chemie kommen hingegen Naturkosmetik-Sonnencremes aus. Sie wirken mit mineralischen UV-Filtern („anorganische“ oder „physikalische Filter“). Dabei handelt es sich um mineralische Weißpigmente (z.B. Zink oder Titan), die sich wie kleine Spiegelchen auf die Haut legen und das UV-Licht reflektieren. Da Naturkosmetik-Sonnencremes nicht in die Haut einziehen müssen, entfaltet die Creme sofort nach dem Auftragen ihre Wirkung. Im Gegensatz zu konventionellen Lotionen, die allergieauslösende Stoffe enthalten können, sind die Inhaltsstoffe der Naturkosmetik-Sonnencremes gut verträglich.

© CC0 / chezbeate

Die Auswahl an Sonnenschutzmitteln ist riesig – gut wenn man über die verschiedenen Wirkweisen Bescheid weiß.

Mit Nano-Partikeln gegen den „Weißeleffekt“ in mineralischer Sonnencreme

Die einzigen Nachteile der mineralischen UV-Filter liegen in ihrer Anwendung: Die Cremes sind – besonders bei hohem Lichtschutzfaktor – oftmals zähflüssig und lassen sich schlecht verreiben. Noch störender ist für viele aber der sogenannte „Weißeleffekt“: Dieser entsteht, wenn nicht nur das UV-Licht, sondern auch das sichtbare Licht reflektiert wird. Ein unschöner weißer Film zeichnet sich dann auf der Haut ab.

Um dem Weißeleffekt entgegenzuwirken, verkleinern einige Naturkosmetik-Hersteller die Weißpigmente bis in den Nanobereich – Ein Nanometer (nm) entspricht einem Millionstel Meter. Aber auch in konventioneller Creme, sprich, mit chemischem Filter, finden sich die Nano-Partikel. Problematisch sind diese Teilchen, weil sie im Verdacht stehen, aufgrund ihrer minimalen Größe in den Körper eindringen und sich dort ablagern zu können.

Aktuell in der Debatte ist der Stoff Nano-Titandioxid, der als mineralischer UV-Filter genutzt wird und auch in Naturkosmetik-Produkten enthalten sein kann. In Tierversuchen lösten hohe Dosen, eingenommen über die Atemwege, Lungenkrebs aus. Außerdem verschlechterte sich die Fruchtbarkeit der Tiere. Für Algen und Wasserflöhe ist der Stoff zudem giftig. Ob und welche gesundheitlichen Folgen die Nano-Partikel für den Menschen haben könnten, ist bislang noch nicht erforscht. Hersteller sind aber trotzdem verpflichtet, Nano-Partikel mit der Angabe „(nano)“ im „Kleingedruckten“ kenntlich zu machen.

Naturkosmetik-Sonnencreme: Verbesserung der Wirkmechanismen

Da die mineralischen Filter aufgrund der genannten Nachteile für viele Verbraucher nicht in Frage kommen, tüfteln die Hersteller schon lange an einer Verbesserung der Wirkmechanismen. So auch das Naturkosmetik-Unternehmen Speick. Diesen Sommer hat es eine neue Sonnencreme-Linie vorgestellt, die zwar ebenfalls durch die bekannten mineralischen UV-Filter schützt, bei der aber kein „Weißeleffekt“ auftritt – ganz ohne Nano-Technik. Wie andere Hersteller auch, verwendet Speick in seiner Creme Zinkoxid. Kombiniert wird dieses mit Reiskeimextrakt. Auf Titandioxid, das wie erwähnt im Verdacht steht, bei oraler Einnahme krebserregend zu sein, verzichtet das Unternehmen. Zur genauen Rezeptur will der Hersteller natürlich nichts verraten. Das Zinkoxid wird jedoch so behandelt, dass lediglich das UV-Licht und nicht das sichtbare Licht reflektiert wird. Der unerwünschte Weißeleffekt bleibt somit aus.

Die verbesserten Sonencremes vom Naturkosmetik-Hersteller Speick verursachen keinen Weißeleffekt.

Problematische Substanzen: Was steckt in chemischer Sonnencreme?

Neben den genannten Nano-Partikeln, die sowohl in chemischen als auch Naturkosmetik-Cremes enthalten sein können, stehen einige chemische UV-Filter im Verdacht hormonell aktiv zu sein. Das bedeutet, dass diese Stoffe wie natürliche Hormone auf den Körper einwirken und so zum Beispiel die Fruchtbarkeit verringern oder hormonbedingte Krebsarten wie Brustkrebs begünstigen können.

Aktuell prüft die EU die Verwendung der drei chemischen UV-Filter Benzophenon (steht im Verdacht krebserregend zu sein), Octocrylen (kann vor allem bei Kindern Hautreaktionen verursachen) und Octinoxat (hormonaktiv). Ebenso die Konservierungsmittel Methylparaben und Propylparaben – beide sind hormonaktiv.

Als bedenklich gilt zudem Ethylhexyl Methoxycinnamat (kurz EHMC) – es ist ebenfalls hormonaktiv.

Als riskant wird auch der Duftstoff Lilial (in den Inhaltsstoffen als Butylphenyl Methylpropional aufgeführt) eingeschätzt. Der nach Maiglöckchen riechende Stoff beeinträchtigte im Tierversuch die Fortpflanzung. Zudem kann er allergieauslösend sein.

Auswirkungen auf die Umwelt durch Sonnencreme

Während die negativen Folgen der chemischen UV-Filter auf den menschlichen Körper (noch) nicht vollends nachgewiesen sind, sind sie in der Natur bereits unübersehbar.

Denn gelangen chemische UV-Filter in großen Mengen in die Ozeane, kann dies verheerende Auswirkungen auf das Ökosystem haben. Zu spüren bekommen haben dies unter anderem Hawaii und der Inselstaat Palau. Daher dürfen auf beiden Inselgruppen Sonnencremes mit bestimmten Inhaltssoffen ab 2020 bzw. 2021 nicht mehr verwendet werden. Konkret geht es um die drei Stoffe Oxybenzon, Octocrylen sowie Octinoxat. Die chemischen Verbindungen schädigen einzellige Algen, die in Symbiose mit den Korallen leben und sind so für das Absterben der Korallenriffe mitverantwortlich. Octinoxat kann außerdem die körperliche Entwicklung von Fischen beeinträchtigen.

© CC0 / auntmasako

Sonnencremes können die Ökosysteme im Meer zum Beispiel Korallen schädigen. Deshalb verbietet unter anderem Hawaii einige Inhaltsstoffe.

Aber nicht nur in der Karibik belasten Sonnencremes die Umwelt. Auch hierzulande können problematische Inhaltsstoffe in den Ökokreislauf eintreten. So finden sich beispielsweise Nano-Partikel im Klärschlamm wieder, der auf den Feldern ausgebracht wird. Von dort wandern die Partikel in die Pflanzen und werden dann vom Menschen mit der Nahrung aufgenommen. Sonnencremes, die Nano-Partikel enthalten, sollten Sie daher auf keinen Fall in den Ausguss gießen.

Warum Sonnencreme Flecken auf der Kleidung verursacht

Über die gelblichen Verfärbungen in der Kleidung, hervorgerufen durch Sonnencremerückstände, hat sich fast jeder schon geärgert. Einmal eingefangen, lassen sich die Flecken kaum noch entfernen. Grund für die Flecken sind chemische UV-Filter mit einer gelben Färbung. Durch gelbliche Metall-Ionen im Leitungswasser kann sich die gelbe Farbe zusätzlich verstärken. Es gilt: Je höher der Lichtschutzfaktor, desto stärker fällt der potenzielle Fleck aus – und desto achtsamer sollte man beim Eincremen sein.

Wie lange ist Sonnencreme haltbar?

Die Freibad-Saison startet oft mit einer Bestandsaufnahme der noch vorhandenen Sonnenschutzmittel. Denn meistens ist aus der Vorsaison ja doch noch etwas übrig geblieben. Auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, lohnt es sich, die Cremes genau in Augenschein zu nehmen. Haben sich Konsistenz, Geruch und Farbe nicht verändert, können Sie die Creme getrost weiterverwenden. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man aber besser ein wenig mehr cremen. Bei kühler Lagerung, am besten im Kühlschrank, kann die Lotion problemlos bis zur neuen Saison überwintern. Da oftmals kein konkretes Haltbarkeitsdatum angegeben ist, sondern die Haltbarkeit nach Öffnung berechnet wird (erkennbar am geöffneten Tiegel mit Monatsangabe), empfiehlt es sich, das Öffnungsdatum auf die Tube oder Flasche zu schreiben. Lotionen mit chemischem Filter sind in der Regel 12 bis 24 Monate haltbar. Naturkosmetik-Sonnencremes aufgrund der fehlenden Konservierungsstoffe meistens 6 bis 12 Monate.

Sonnencreme richtig entsorgen

Die meisten Sonnencremes sind in Plastikflaschen oder -tuben abgefüllt. Soweit die Verpackung recyclebar sind, kommt sie in den Gelben Sack. Allerdings ohne Inhalt! Sollte die Creme noch nicht aufgebraucht sein, am besten Verpackung aufschneiden und den restlichen Inhalt auswischen und im Restmüll entsorgen.

Da die genannten Stoffe oftmals unter anderen Namen in der Inhaltsstoff-Liste (INCI) aufgeführt werden, empfehlen sich Apps, um kritische Stoffe auf einen Blick zu erkennen.

Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Freunden

Bildquellen

  • verschiedene-sonnenschutzmittel: © CC0 / chezbeate
  • kueste-von-hawaii: © CC0 / auntmasako
  • sonnencreme: © CC0 / chezbeate

Bianca Gebhardt schreibt als freie Autorin über die neuesten Trends im Nachhaltigkeit. Auch in Sachen Mode ist sie immer am Puls der Zeit – und das ökologisch und fair. In ihrer Freizeit sorgt sie mit fleischlosen Leckereien für das leibliche Wohl ihrer Freunde, dabei schreckt sie nicht vor komplizierten Zubereitungstechniken und kulturellen Tellerrändern zurück.

Ähnliche Beiträge

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.