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Do it yourself: Sitzkissen filzen

Neben der Feuerschale liegt auf dem Stuhl ein gefilztes Sitzkissen

Eine Bekannte von mir hat eine kleine Schafherde. Den Tieren war es diesen Sommer eindeutig zu heiß und so musste das Fell ab. Da sie nicht für die gesamte Rohwolle Verwendung hatte, habe ich einiges davon bekommen. Ich hatte sofort die Idee auszuprobieren, wie man daraus Sitzkissen filzen kann. Besonders in der kalten Jahreszeit ist es toll, so ein Kissen dabei zu haben. Und so viel sei verraten: Das selbst gefilzte Kissen ist wunderbar weich und wärmend, zudem noch sehr leicht und klein zusammenfaltbar. Unser Sohn nimmt es gerne mit zu unseren Waldspaziergängen mit.

Auf dem Weg zum selbst gefilzten Sitzkissen muss man allerdings etwas Aufwand in Kauf nehmen. Denn Rohwolle ist die frische, völlig unbearbeitete Schur von Schafen, inklusive Wollfett, Stroh, vielen Kletten und manchmal auch das ein oder andere Schafköttelchen. Wer einmal in frisch geschorene Wolle gefasst hat, weiß, wie fettig sie ist. Das Wollwachs – auch als Lanolin bekannt – ist das Sekret aus den Talgdrüsen der Schafe. Zahlreiche Kosmetika enthalten Wollwachs. Ich hatte das Gefühl in eine Cremedose gefasst zu haben, nachdem ich den Berg Wolle umgeladen hatte. Und hier wird schon klar, was auf dem Weg zum Sitzkissen filzen auf jeden Fall zuerst passieren muss: eine ausgiebige Wäsche.

Sitzkissen filzen: Die Arbeitsschritte

1. Das Reinigen der Rohwolle

Das Fett in der Wolle hält gerne Staub, Stroh und kleine Körner fest, was intensives Waschen erfordert. Für das ganze Reinigungsverfahren benötigt man Wasser und einen Platz draußen, der nass und dreckig werden darf. Vorm Waschen riecht die Wolle noch sehr streng. Wir haben unsere Schubkarre mit der Wolle befüllt und Regenwasser dazu gegossen, um die Wolle zu waschen. Hier werden helfende Hände gebraucht und auch kleinere Kinder können mitanpacken. Unser Sohn hatte jedenfalls einen riesen Spaß dabei. Doch lassen Sie die Wolle gerne einen Tag lang einweichen. Die Wolle schwimmt am Anfang in einer weiß-braunen, fettigen Brühe und sieht alles andere als schön aus. Wenn die Sonne auf das Wasserbad scheint, löst sich das Fett noch besser aus den Haaren.

De kleine Junge szeckt mit den Händen in der braunen Brühe, die aus der Wolle gewaschen wurde. © Constanze L.

Ganz schön dreckig, die Rohwolle. Doch nach dem zweiten Waschgang sieht das ganz anders aus.

Im zweiten Waschgang können Sie Seife hinzufügen, um das Wollfett noch besser auswaschen zu können. Doch achten Sie darauf, welche Seife sie nutzen. Wenn Sie im Garten arbeiten, empfehle ich mit Waschnüssen oder Kastanien-Waschmittel zu waschen. Den restlichen Sud können Sie dann bedenkenlos über den Kompost schütten.

Links sieht man verschmutze Wolle, rechts gewaschene. © Constanze L.

Der Vergleich vor und nach der Wäsche zeigt einen deutlichen Unterschied.

Falls die Wolle immer noch zu stark riecht, können Sie einen dritten Waschgang mit etwas Essig durchführen. Bei uns hat der zweite Waschgang schon ausgereicht, damit die verklebten Haare und der Dreck aus dem Fell entfernt werden konnten.

2. Zupfen und Kardieren oder Kämmen der gewaschenen Wolle

Im nächsten Schritt wird die Wolle grob vorgezupft. Dabei fallen nochmal eine Menge Staub, Stroh und Kletten aus der Wolle. Für ein ganzes Fell benötigt man schon eine Weile, allerdings ist das eine wirklich beruhigende Arbeit. Wer die Wolle nun noch feiner haben möchte, kann die Wolle mit einem Kardierkamm weiterbearbeiten. Ich habe das Sitzkissen filzen mit der gezupften Wolle probiert, da das Ergebnis einen groben Charme haben sollte. Für Püppchen und Figuren aus Wolle oder das Spinnen von Garn, sollten Sie die Wolle allerdings feiner kämmen.

Ein Bausch Wolle in der Nahaufnahme. © Constanze L.

Beim Kämmen werden auch die letzten Heureste und andere Verschmutzungen entfernt.

3. Letzter Schritt: Sitzkissen filzen

Legen Sie die Schafwolle im gewünschten Maß vor sich aus. Rechnen Sie 8-10 Prozent dazu, weil die Wolle beim Walken – also dem Filzen – noch eingeht. Legen Sie die Wolle kreuz und quer, so können sich die Fasern besser verbinden. Wer farbige Wolle verwenden möchte, kann nun ein Muster einarbeiten. Wir haben das beim ersten Versuch ganz einfach gehalten. Beim zweiten oben im Titelbild, haben wir ein kleines Farbelement eingefügt.

Zwei Bilder nebeneinander, die Wolle auf einem schwarzen Blecj zeigen, vor und nach dem ersten Filzschritt. © Constanze L.

Hier sieht man gut, wie die Wolle „eingeht“.

Für das Filzen benötigt man Seife; zum einen, damit die Haare nicht an den Händen fest haften, zum anderen verfilzen die Härchen der Wolle dann besser. Außerdem rutscht man viel besser über die Haare, die durch Reibung und Wärme verfilzt werden. Entweder nutzen Sie eine feste Seife (eine rückfettende Schafsmilchseife bietet sich zum Beispiel an) oder flüssige Olivenseife.

Die zurecht gelegten Haare werden nun mit warmen Wasser bespritzt und mit den eingeseiften Händen „massiert“. Sehr einfach geht das, wenn Sie Noppenfolie oder Fliegengaze nutzen. Wenn Sie merken, dass sich die Haare verfilzt haben, wird das Wollvlies gerollt und durchgeknetet.

Eine Rolle mit Wolle auf einem seifigen Blech. © Constanze L.

Mit der Noppenfolie geht das Filzwalken gut von der hand.

Nun die Wolle im Wechsel mit kaltem und warmem Wasser tränken, dabei zwischendurch immer wieder mit eingeseiften Händen drüber streichen. Wenn die das Vlies die gewünschte Festigkeit erreicht hat, wird es in einem Wasserbad mit einem Spritzer Essig ausgewaschen.

Zum Schluss können Sie das Sitzkissen nochmal in ein Handtuch einrollen und trocken walken, so wird eine festere Struktur erreicht. Je nach gewünschtem Einsatz kann das Kissen nun etwas zugeschnitten werden. Wir haben zwei kleine Ecken rein geschnitten, dass es gut auf dem Kinderstuhl Platz hat.

Viel Freude beim Filzen und ausprobieren wünsche ich Ihnen.

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Bildquellen

  • rohwolle-waschen: © Constanze L.
  • vergleich-gewaschene-wolle: © Constanze L.
  • wolle-vor-dem-kaemmen: © Constanze L.
  • filzen-erster-schritt: © Constanze L.
  • walken-des-filzvlies: © Constanze L.
  • sitzkissen-filzen: © Constanze L.

Constanze lebt inzwischen schon seit 15 Jahren in der Waschbär-Welt und ist zurzeit im Einkauf mit der Mission „Grüner Daumen“ befasst. Im eigenen kleinen Garten beweist sie bei jeder Gelegenheit den Mut zum Ausprobieren und geht mit ihrem kleinen Sohn und ihrem Freund der immer neuen Frage nach, wo was herkommt. Ist eine Antwort gefunden, genießt die kleine Familie die Schönheit der Natur oder sorgt für die Unterhaltung ihrer zwei Katzen.

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