Schützt, was Ihr liebt!

Schlupfwespen: ökologische Schädlingsbekämpfung mit kleinen Nützlingen

Eine Schlupfwespe sitzt auf einem Stück Holz.

Lebensmittelmotten, Kleidermotten, Schmetterlinge, Blattläuse … Sowohl im Garten als auch im Haus gibt es eine Reihe von Schädlingen, die man gern mit natürlichen Mitteln loswerden möchte. Möglich macht das die Schlupfwespe. Denn für eine große Zahl bekannter Schädlinge gibt es die „passende“ Schlupfwespe, mit der eine biologische Schädlingsbekämpfung möglich ist. Wir beantworten die wichtigsten Fragen, die sich beim Einsatz von Schlupfwespen stellen.

Zählen Schlupfwespen zu den Wespen und können sie stechen?

Die winzigen Schlupfwespen (Ichneumonidae) gehören wie beispielsweise Bienen oder echte Wespen zur Gruppe der Hautflügler. Mit den ihnen namensverwandten Insekten haben Schlupfwespen allerdings nicht allzu viel gemein: Die meisten Schlupfwespenarten sind gerade mal 0,4 Millimeter groß, krabbeln vorwiegend und stellen gleichfalls keine Bedrohung für den Menschen dar. „Schlupfwespen können tatsächlich weder richtig fliegen noch stechen. Für Menschen und Haustiere sind die kleinen Nützlinge also nicht gefährlich“, erklärt Melissa Raupach, Mitgründerin von Plantura und Produktexpertin für Schlupfwespen.

Was fressen Schlupfwespen?

Im Larvenstadium ernähren sich die Schlupfwespen von ihrem Wirt. Dieses Prinzip macht die Schädlingsbekämpfung letztlich möglich. Für die ausgewachsenen Schlupfwespen bilden Nektar und Pollen die Hauptnahrungsquelle.

Schlupfwespen zur Schädlingsbekämpfung: Wie funktioniert das?

Schlupfwespen leben parasitär, das heißt, sie legen ihre Eier in den Larven schädlicher Insekten ab. Die Larven, die daraus schlüpfen, nutzen die Larven des Wirtes wiederum als Nahrung. Dieses Prinzip gilt für alle Arten von Schlupfwespen. Die meisten Arten haben sich jedoch auf einen speziellen Wirt spezialisiert. Daher benötigt jede Art von Schädling eine bestimmte Art von Schlupfwespen zur Bekämpfung. Am häufigsten kultiviert wird die Gattung Trichogramma. Diese ist auf Falter wie Lebensmittelmotten und Kleidermotten spezialisiert. Daneben helfen andere Schlupfwespenarten jedoch auch gegen diverse Schädlinge in Gewächshaus und Garten wie etwa Blattläuse oder Schildläuse.

Wie sollte man Schlupfwespen gegen Lebensmittelmotten und Kleidermotten anwenden?

Mithilfe von Schlupfwespen lassen sich Lebensmittel- und Textilmotten im Haus bekämpfen. Anders als die lästigen Motten interessieren sich Schlupfwespen weder für Kleidung noch für die Lebensmittel in Ihrem Haushalt. Der Fokus liegt auf den Eiern der Motten. Hier kommt wieder die parsasitäre Natur der kleinen Helfer zum Einsatz. Denn Schlupfwespen nutzen die Eier der Motte als Nahrungsgrundlage, indem die Weibchen ihre Eier in die der Motte hineinlegen. Die geschlüpften Wespenlarven fressen dann die Eier der Motte von innen heraus. Die Mottenlarve kann also gar nicht erst schlüpfen. Sind alle Motteneier verspeist, sterben die Schlupfwespen, da ihnen die Nahrungsgrundlage fehlt. Aber keine Sorge: Sie müssen am Ende nicht Scharen toter Hautflügler einsammeln. Sie sind so klein, dass sie quasi zu Staub zerfallen. 

Die Schlupfwespen zerfallen einfach zu Staub, eine Frau saugt deshalb ihren Teppich mit einem Staubsauger. © CC0 / cottonbro

Die Rückstände der toten Schlupfwespen sind nicht sichtbar und werden beim nächsten Durchputzen ohnehin beseitigt.

Auch wenn es im ersten Moment grausam und ausbeuterisch scheint, dass die Tierchen nach Beendigung ihrer Arbeit die Nahrungsgrundlage verlieren: Der Einsatz von Schlupfwespen ist grundsätzlich ein natürlicher Prozess – der eben mit der Mottenschar in den eigenen vier Wänden endet. Und im Vergleich zu anderen Taktiken liegen die ökologischen Vorteile von Schlupfwespen auf der Hand: natürliche und ökologische Schädlingsbekämpfung ganz ohne Chemie.

Die richtige Gattung gegen Motten: Trichogramma evanescens

Nicht alle Schlupfwespen sind für die Bekämpfung von Motten geeignet. Nachhaltig ausgerichtete Unternehmen wie Plantura setzen auf heimische Gattungen, wie zum Beispiel die Trichogramma evanescens. „Diese speziellen Nützlinge sind die natürlichen Gegenspieler von Motten und parasitieren deren Eier“, erklärt Melissa Raupach. Bei Plantura werden die Schlupfwespen in sogenannten Kärtchen geliefert. Pro Quadratmeter befallene Fläche reicht in der Regel ein solches Kärtchen aus.

Schlupfwespen zur Mottenbekämpfung: Was sollte man beachten?

„Verzichten Sie auf jeden Fall vor und während der Anwendung von Schlupfwespen auf chemische Bekämpfungssprays gegen Motten. Die schaden nämlich auch den kleinen Schlupfwespen“, erklärt Melissa Raupach. Auf Pheromonfallen, die sonst häufig gegen Motten zum Einsatz kommen, sollten Sie während des Anwendungszeitraums von Schlupfwespen ebenfalls verzichten. Die Nützlinge könnten sich sonst in den Fallen verfangen.

Sind Lebensmittel von Motten befallen, sollten Sie sie unmittelbar entsorgen. Bringen Sie zudem gleich den Müll runter, damit die lästigen Schädlinge nicht wieder aus dem Abfall hinausgelangen. Produkte, bei denen Sie lediglich einen Verdacht vermuten, können Sie für eine Nacht in das Tiefkühlfach des Kühlschranks legen. Die Kälte tötet eventuell unentdeckte Mottenlarven ab. Auch bei Kleidermotten sollten Sie darauf achten, nicht mit Chemie zu arbeiten. 

Wo sollte man die Karten mit Schlupfwespen auslegen?

Wenn sich Motten breitgemacht haben, setzen Sie die Schlupfwespenkarten dort ein, wo Sie den Befall vermuten. Für Kleider- beziehungsweise Textilmotten sind das oftmals Kleiderstangen, Schränke, Kommoden oder Teppichböden. Lebensmittelmotten tummeln sich häufig in Fächern von Regalen, Schubladen oder in Trockendekorationen. Besonders beliebt sind auch das Gewürzregal und Orte, an denen Tierfutter gelagert wird. Haben Sie die Orte des Befalls ausfindig gemacht, legen Sie die Kärtchen aus. Hängen Sie zum Beispiel eine Karte über einen Kleiderbügel oder legen Sie eine in die jeweilige Schublade. 

In unserem Magazin-Beitrag erfahren Sie noch mehr dazu, wie Sie Lebensmittelmotten und Kleidermotten mit Hausmitteln bekämpfen können.

Wie sollte man Schlupfwespen gegen Schädlinge anwenden?

Schlupfwespen sind die natürlichen Feinde einer ganzen Reihe von Schädlingen. Läuse wie Blattläuse oder Schildläuse etwa lassen sich wirksam mit ihr bekämpfen, ebenso die Mottenschildlaus, die sogenannte Weiße Fliege. Auch Schmetterlinge wie der Apfelwickler, der Kohlweißling oder die Miniermotte finden in der Schlupfwespe einen natürlichen Gegenspieler.

Eine Schlupfwespe sitzt auf einem Blatt und legt ihre Eier in eine Larve. © Tanya - stock.adobe.com

Auch im Garten ist die Schlupfwespe ein praktischer Nützling, der Schädlingslarven dezimiert.

Schlupfwespen im Garten und Gewächshaus einsetzen

Der ökologische Vorteil der Gartennützlinge ist draußen besonders groß. Es kommen keine chemischen Mittel zum Einsatz, die sich negativ auf andere Organismen auswirken können. 

Naturnaher Garten

Während die Nutzung von Schlupfwespen in geschlossenen Räumen recht gezielt möglich ist, gestaltet sich der Einsatz im Garten etwas schwieriger. Denn anders als im Innenraum können die nachhaltigen Nützlinge hier ja auch einfach in einen anderen Garten ziehen und an anderer Stelle ihr Werk vollrichten. Daher empfiehlt Melissa Raupach, für die Schlupfwespen einen geeigneten Lebensraum im Garten zu schaffen: „Grundsätzlich ist ein naturnaher Garten immer das einfachste und wirksamste Mittel, damit sich Nützlinge ganz von alleine einfinden. Dazu gehört beispielsweise, dass man ein paar wilde Ecken im Garten wachsen lässt und auf Kunstdünger sowie giftige Pflanzenschutzmittel verzichtet. Auch Insektenweiden locken zahlreiche hilfreiche Insekten in den Garten.“ Ein Insektenhotel kann dabei ebenfalls helfen.

Das DIY-Insektenhotel besteht aus Tontöpfen, Stroh und Paletten. © Rudi Beiser

Nützlinge ziehen gerne in einen Garten ein, wenn sie geeignete Bedingungen wie in diesem Insektenhotel vorfinden.

Schädlingsbekämpfung mit Schlupfwespenkarten

Möchten Sie im Garten oder Gewächshaus Schädlinge systematisch mit Schlupfwespen bekämpfen, können Sie diese auch in Kartenform anwenden. Lassen Sie sich beim Hersteller beraten, denn er weiß, welche Schlupfwespenart am besten gegen welchen Schädling hilft. Da die Schlupfwespen wirtsspezifisch sind, ist es wichtig, genau die richtige Art für den jeweiligen Schädling zu finden. 

Wann lassen sich Schlupfwespen einsetzen?

Grundsätzlich lassen sich Schlupfwespen bei etwa 15 bis 30 °C anwenden. Es empfiehlt sich daher, sie ab dem späten Frühjahr einzusetzen.

Wie lange sollte man Schlupfwespen anwenden?

Die Anwendung mit Schlupfwespen sollten Sie über mehrere Wochen hinweg durchführen. Achten Sie dabei darauf, dass ein zyklischer Versand mehrerer Kärtchen stattfindet. Andernfalls sollten Sie regelmäßig selbstständig Nachschub ordern. „Bei weniger häufigen Lieferungen mit mehr Schlupfwespen können später gelegte Motteneier den Nützlingen möglicherweise entkommen“, so Melissa Raupach.

Was ist beim Versand von Schlupfwespen zu beachten?

Sie sollten darauf achten, wie die Schlupfwespenkarten verschickt werden. Ein möglichst schneller, geschützter Versand ist hier sinnvoll. Auch sollten Sie beachten, wie viele Schlupfwespen pro Karte enthalten sind. Günstigere Anbieter versenden oft Karten mit nur 200 oder 300 Schlupfwespen pro Karte. Mehr Schlupfwespen bringen jedoch einen effektiveren Nutzen. 

 

Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Freunden

Bildquellen

  • staubsaugen: © CC0 / cottonbro
  • schlupfwespe-legt-eier: © Tanya - stock.adobe.com
  • diy-insektenhotel: © Rudi Beiser
  • schlupfwespe: © die_maya - stock.adobe.com

Stefanie Schweizer arbeitet als freie Texterin. Eigentlich ist sie studierte Literaturwissenschaftlerin, doch schlägt ihr Herz auch für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Besonders angetan haben es ihr die grünen Fragen des Alltags und das Gärtnern auf engem Raum.

Ähnliche Beiträge

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.