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Natürlich Haarefärben – kann Pflanzenhaarfarbe überzeugen?

Henna Pulver und angerührte Henna Farbe sowie auf dem Haar aufgetragene Färbung sieht erst mal nicht so schön aus, das Ergbenis aber lässt sich sehen..

Pflanzenhaarfarben sind längst kein Nischenprodukt mehr. Immer mehr Frauen interessieren sich für Färbungen, die ohne Chemie auskommen. Diesen Trend haben auch Friseure erkannt und so steigt die Zahl der Salons, die neben synthetischen auch Pflanzenhaarfarben anbieten. Oft ist es für die Haarspezialisten der erste Schritt zur Neuorientierung als Naturfriseur.

Gabriele Häberle aus Stuttgart gehört zu den Pionieren in Deutschland. Schon vor 15 Jahren hat sie Naturhaarfarben ins Programmgenommen. „Als ich mich für Pflanzenhaarfarben entschieden habe, war die Farbpalette längst nicht so groß wie heute, eigentlich gab es nur Hennarot“, erinnert sich die Friseurmeisterin. „Das änderte sich damals gerade und deshalb habe ich meinen Kundinnen immer häufiger zu natürlichen Färbungen geraten, insbesondere wenn es Probleme mit der Verträglichkeit der chemischen Haarfarben gab.“ Die Ergebnisse mit den Pflanzenhaarfarben haben in der Folge immer mehr Frauen überzeugt.  Ausschlaggebend dafür ist das natürliche Aussehen, die zurückgewonnene Haarfülle und die Griffigkeit der Haare. Obwohl die Anwendung aufwendiger und damit teurer ist, schätzen ihre Kundinnen die chemiefreien Färbungen, berichtet die Naturfriseurin.

Antrieb für Experimente mit Naturhaarfarben: gesundheitliche Aspekte

©Haarpraktiker Michael Rogall

Egal ob pflanzliche oder chemische Färbung – die Beratung beim Friseur sollte in jedem Fall erfolgen.

Michael Rogall, Friseurmeister aus Köln, ist noch länger in der Naturfrisörszene dabei als Gabriele Häberle. Er bietet seit 23 Jahren Sprechstunden als Haarpraktiker an. Als er die ersten Erfahrungen mit natürlichen Färbungen machte, beherrschten voluminöse und extrem bunte Haartrends den Markt. Diese können nur mit chemischen Haarfarben erzeugt werden. Doch zur gleichen Zeit hat die Gegenbewegung schon begonnen, sich zu entwickeln: „Das erste Mal kam ich 1988 mit Hennahaarfarben beim Pariser Friseur Jacques Dessange in Berührung. Das war damals einfach sensationell, denn Natur war da noch verpönt. Alle setzten auf chemische Farbveränderungen und Dauerwellen“, beschreibt Michael Rogall die Situation, „der gesundheitlich Aspekt wurde völlig ausgeblendet. Das fand ich schon damals unverantwortlich. Ich habe sehr viel Zeit damit verbracht herauszufinden, welche Pflanzen – außer Henna – noch Haare färben können und begann selber mit Tee, Walnussschalen, Hibiskus und sogar Blaubeeren zu experimentieren.“

Getrockneter Hibiskus verleiht Haar einen rötlichen Ton.

©Haarpraktiker Michael Rogall

Friseurmeister Michael Rogall experimentierte vor allem zu Beginn seiner Auseinandersetzung mit natürlichen Farben viel: Seither nutzt er Hibiskus

Inzwischen gibt es eine breite Palette an Farbtönen, die neben den von Rogall genannten Zusätzen unter anderem Kaffee, Kurkuma, Birke, Rote Bete, Kamille, Leinsamen, Weizen, Salbei, Oregano und Pfefferminze enthalten. Je nach gewünschter Farbe kombiniert der Friseur diese Inhaltsstoffe und setzt sie in unterschiedlicher Konzentration ein. Inzwischen gibt es die Färbemittel nicht mehr nur beim Naturfriseur. Im Reformhaus, Bioladen, Drogerie und Bio-Supermarkt gibt es eine wachsende Auswahl. Wer sichergehen möchte, geprüfte Haarfarben zu kaufen, sollte auf biologisch kontrollierte Qualität achten, die beispielsweise durch das BDIH-Siegel bestätigt wird.

Die Entscheidung für Naturfärbungen unterstützt gesundes Haar

Chemiefreies Färben ist zwar etwas aufwendiger, lässt sich aber problemlos zu Hause auftragen. Wunderschönes Blond, Bronze, Goldhauch, Henna, Mahagonirot, Nussbraun, Dunkelbraun, Schwarz und sogar farblose Nuancen zur reinen Glanzverstärkung sind möglich. „Zu uns kommen Kundinnen, die genug von den schädlichen chemischen Einflüssen haben und dennoch nicht auf farbliche Akzente verzichten möchten“, so Gabriele Häberle. Haarpraktiker Rogall erklärt die Wirkweise von chemischen Haarfarben: „Die Pigmentschicht wird zerstört. Bei häufigen Färbungen oder Blondierungen kann es deshalb zu einer dauerhaften Schädigung der Schuppenschicht kommen.“ Struppiges, glanzlosen Haar kann das Ergebnis von zu viel Chemie auf dem Kopf sein. Der Friseur empfiehlt als besten Weg zur einer unbelasteten Kopfhaut, schuppenfreiem und glänzendem Haar ausgedehntes Bürsten. Dadurch erholen sich Haare und Kopfhaut, die Durchblutung und das Haarwachstum werden angeregt. Sanfte Shampoos und der zurückhaltende Einsatz von Hitze wie durch Föhn, Lockenstab oder Glätteisen unterstützen ebenfalls die Gesundheit von Haar und Kopfhaut.

Trotz der Erkenntnisse, dass chemische Behandlungen das Haar schädigen und teilweise die Gesundheit beeinträchtigen können, greifen immer noch viele Frauen auf entsprechende Produkte zurück. Warum ist das so?  „Vermutlich sind die Verbraucher nicht ausreichend aufgeklärt oder bevorzugen die einfach Art der Anwendung ohne an die Folgen zu denken“, schätzt Gabriele Häberle das Verhalten ein. Ein Anliegen der Friseurin ist es, werdende und frisch gebackene Mütter vor chemischen Färbemitteln zu warnen. „Schwangere sollten auf keinen Fall chemische Farben einsetzen, auch nicht in der Stillzeit.“

Wo stoßen Naturfärbungen an ihre Grenzen?

Nach der Behandlung mit Naturhaarfarbe hat die Frau natürlich leuchtendes blondes Haar.

©Haarpraktiker Michael Rogall

Nach der Behandlung strahlen die grauen Haare blond.

Hier sieht man eine Frau mit grauem kurzem Haar vor der Behandlung mit Naturhaarfarbe.

©Haarpraktiker Michael Rogall

Vor der Behandlung mit Naturhaarfarbe sind die Haare blass.

Naturhaarfarben eignen sich nicht zur Aufhellung, färben nicht von Blond nach Schwarz und erzielen völlig andere Ergebnisse in der Grauabdeckung. Wenn der Friseur diese Erklärungen im Salon ausführt, reagieren die Frauen häufig ähnlich. „Sie sind nicht immer begeistert, wenn sie erfahren, dass Pflanzenhaarfarben Grenzen gesetzt sind. Doch schon nach wenigen Behandlungen spielen diese Einschränkungen keine Rolle mehr – spätestens, wenn sie feststellen, dass sich die Struktur der Haare verbessert und die Haarfarbe sehr natürlich wirkt, insbesondere an den Ansätzen und bei grauen Haaren.“. Vor allem der Aspekt, dass die Haare nicht offensichtlich gefärbt aussehen, bestärkt Kundinnen in ihrer Wahl. Dieser Effekt liegt in der Wirkweise der Pflanzenfarben begründet. Rogall erläutert, dass chemische Produkte den Farbton radikal ändern, können pflanzliche Mittel nur auf Basis der vorhandenen Haarfarbe wirken. „Eine synthetische Haarfarbe öffnet durch die Alkalisierungsmittel die Schuppenschichten der Haare und modifiziert das Haar vollständig durch das Oxidationsmittel Wasserstoffperoxid.“

Naturhaarfarben: Ein Trend bei jungen Menschen

Der Anteil junger Menschen, die sich für Pflanzenhaarfarben entscheiden, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Das liegt sicher einerseits daran, dass die Gesetzgebung unter 16-Jährigen die Anwendung chemischer Haarfarben verbietet. Andererseits, und davon ist Michael Rogall überzeugt, lebt die junge Generation bewusster und ist immer bereit, neue Wege zu gehen. „Es gibt auch junge Leute, die in meine Haarsprechstunde kommen, weil sie Probleme mit Haarausfall oder einer fettigen Kopfhaut haben. Das belastet Junge mehr als Ältere, denn sie versuchen sich ja noch sehr über das Äußere zu definieren. Grundsätzlich sind junge Menschen dabei sich zu finden und dazu gehören schon mal brachiale Haarveränderungen und Färbungen. Doch ich erlebe, dass einige schon früh über sich und die Konsequenzen ihres Handelns nachdenken und versuchen, einen gesunden Weg einzuschlagen und auf Chemie zu verzichten.“

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Bildquellen

  • Beratung zur Haarfarbe: ©Haarpraktiker Michael Rogall
  • Hibiskus als Färbemittel: ©Haarpraktiker Michael Rogall
  • Graue Haare gefärbt: ©Haarpraktiker Michael Rogall
  • graue Haare_klein: ©Haarpraktiker Michael Rogall
  • Henna Pulver und aufgetrageneFarbe_1170x780: ©Haarpraktiker Michael Rogall

Eva praktiziert „grünen“ Journalismus aus Überzeugung. Als Mitarbeiterin im Einkauf für Waschbär ist sie ständig damit beschäftigt, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Richtig wohl fühlt sie sich in der freien Natur. Dort lässt sie sich am liebsten vom Lichtwellenspektrum der blau-grün-türkisen Meeresfarben inspirieren.

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