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Mandelöl anwenden: Sanfte Pflege für Haut und Haar

Ein Fläschchen gelbes Öl steht neben Mandeln.

Je exotischer, desto besser? Bis vor Kurzem schien das in Sachen Kosmetik und Hautpflege das Motto zu sein. Doch inzwischen blicken immer mehr Menschen auf ein Schönheitsmittel, das schon unsere Großmütter kannten. Und die Urgroßmütter. Und möglicherweise sogar schon Kleopatra. Gemeint ist die wachsende Zahl derer, die Mandelöl anwenden.

Mandelöl – ein altbekanntes Schönheitsmittel

Dieses edle Öl wird – wenig überraschend – aus den Früchten des Mandelbaums gewonnen. Die haben bereits die alten Ägyptern sehr geschätzt: Pharao Tutanchamun legte man unter anderem Mandeln als kleinen Snack fürs Jenseits ins Grab, und es ist zu vermuten, dass Kleopatra Mandelöl schon für kosmetische Zwecke nutzte. Schließlich gilt sie gewissermaßen als Schönheitskönigin der Antike. Gut möglich, dass sie ihrem Badewasser nicht nur Eselsmilch, sondern gelegentlich auch ein paar Tropfen Mandelöl zufügte, um ihre Haut geschmeidig zu machen. Vielleicht sorgte sie mit dem Öl außerdem für glänzende Haare, kannte die feuchtigkeitsspendende Wirkung fürs Gesicht und ließ sich mit Mandelöl den Körper massieren.

So wirkt Mandelöl auf die Haut

Was aber ist der Grund dafür, dass wir bis heute Mandelöl anwenden? Was die Menschen vor zweitausend Jahren an diesem besonderen Stoff schätzten, macht ihn heute noch zum begehrten Schönheitsmittel. Das Öl lässt sich leicht verteilen und zieht schnell ein, ohne die Poren zuzusetzen. Es versorgt die Haut lang anhaltend mit Feuchtigkeit und hält sie geschmeidig. Dabei ist es so sanft, dass es sich auch für sehr empfindliche Haut und sogar zur Babypflege eignet.

Dank moderner Wissenschaft wissen wir heute außerdem bestens Bescheid darüber, welchen wertvollen Inhaltsstoffen sich die Wirkung von Mandelöl verdankt. Die besondere Fettsäurezusammensetzung sorgt dafür, dass die menschliche Haut das Öl gut aufnehmen kann – und zwar auch dickere männliche Haut. Der hohe Gehalt an ungesättigten Fettsäuren unterstützt die Barrierefunktion der Hautzellen. Dabei erweist sich das günstige Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren als besonders vorteilhaft.

In Mandelöl in besonders hohem Maß enthalten ist die Ölsäure, die tief in die Haut eindringt, dort für Feuchtigkeit sorgt und die Haut geschmeidig hält. Die ebenfalls enthaltene Linolsäure wirkt besänftigend und entzündungshemmend. Das heißt, dass Mandelöl auch für Haut gut geeignet ist, die zu Rötungen und Irritationen neigt. An weiteren Inhaltsstoffen bringt Mandelöl vor allem die Vitamine A und E mit. Gerade Vitamin E (Tocopherol) schützt die Zellen vor freien Radikalen und beugt so Zellschäden vor – ein gutes Mittel gegen Hautalterung!

Halb vertrockente Mandelfrüchte offenbaren ihre KErne. © CC0 / Angeleses

Die Mandel befindet sich im Inneren des Kerns.

So wirkt Mandelöl auf Haare und Nägel

Auch zur Pflege von Haaren und Nägeln eignet sich reines Mandelöl hervorragend. Das liegt zum Teil an den enthaltenen Vitaminen und an Mineralstoffen wie Kalium und Zink – wichtige Nährstoffe für gesunde, kräftige und glänzende Haare und Nägel. Außerdem sorgt auch hier die besondere Fettsäurezusammensetzung dafür, dass Feuchtigkeit gut einziehen kann. So verhindert Mandelöl das Splittern von Nägeln und reduziert die Splissanfälligkeit von Haaren. Sprich: Mandelöl ist ein echter Joker für die Allround-Schönheitspflege!

Worauf muss ich beim Kauf von Mandelöl achten?

Allerdings muss es dafür das richtige sein, und zwar kaltgepresstes Öl aus Süßmandeln, möglichst in Bio-Qualität. Was heißt das genau?

Mandeln werden heute hauptsächlich in Kalifornien angebaut, stammen aber ursprünglich aus Südwestasien und sind auch rund um den Mittelmeerraum verbreitet. Die europäischen Bäume tragen dabei sowohl süße als auch bittere Mandeln; bei den kalifornischen Sorten hat man die Bitterkeit herausgezüchtet. Bittermandeln enthalten Amygdalin, aus dem sich giftige Blausäure entwickeln kann und dürfen daher nicht in größeren Mengen verzehrt werden. Sie werden zu Bittermandelöl verarbeitet, das in kleinsten Mengen zum Aromatisieren verwendet wird.

Einige mandeln liegen auf einem groben Stofftuch. © CC0 / Mareefe

Für das kosmetisch genutzte Mandelöl werden ausschließlich Süßmandeln verwendet.

Mandelöl, das für die Kosmetik oder als Lebensmittel verwendet wird, muss dagegen aus Süßmandeln hergestellt werden. Alle wertvollen Inhaltsstoffe enthält es nur, wenn es kaltgepresst wurde. Dabei werden die geschälten und gereinigten Mandeln fein zerkleinert und bei Temperaturen unter 60 °C gepresst. Das Ergebnis ist ein nussig duftendes, dunkelgelbes Öl.

Raffiniertes Mandelöl dagegen riecht und schmeckt neutral. Es wird chemisch aus dem Pressgut der ersten Kaltpressung extrahiert und durchläuft mehrere Prozessschritte, bei denen viele Vitamine und andere wertvolle Inhaltsstoffe auf der Strecke bleiben.

Bio-Mandelöl für Gesundheit und Nachhaltigkeit

Und warum sollte es Bio-Mandelöl sein? Weil beim Bio-Anbau der Einsatz von Pestiziden verboten ist, die Mandeln nicht gegen Schädlinge mit Phosphorwasserstoffen begast und auch nicht zur Konservierung geschwefelt werden dürfen. So gelangen auch keine schädlichen Rückstände ins Bio-Mandelöl – und das ist schließlich nicht unwichtig, wenn man das Öl in die Haut einziehen lässt oder sogar isst.

Bei biologisch angebauten Mandeln dürfen keine Pestizide auf den Plantagen eingesetzt werden.

Denn auch in der Küche punktet Mandelöl mit seinem feinen Geschmack und den gesunden Inhaltsstoffen. Es eignet sich wunderbar für die kalte Küche, gibt dem Salatdressing ein feines Aroma und kann zum Beispiel zum Verfeinern über kalte Gemüsesuppen geträufelt werden. Für die Schönheit wirkt es mit seinen Vitaminen und seiner günstigen Fettsäurezusammensetzung dann sogar von innen heraus.

Mandelöl – ein kostbarer Stoff

Dabei reicht schon eine kleine Menge des wertvollen Öls. Zum Glück, denn schließlich ist es ziemlich teuer. Mandeln waren immer schon ein edles Lebensmittel, das seinen Preis hatte, und um 400 Liter Mandelöl zu pressen, braucht man 1 Tonne geschälter Mandeln.

Aber auch aus einem zweiten Grund ist es besser, Mandelöl nur sparsam zu verwenden: Mandeln verbrauchen beim Anbau leider große Mengen Wasser, und das gerade in warmen Ländern, in denen Trinkwasser nicht oder nicht mehr reichlich vorhanden ist. In Kalifornien führt das inzwischen zu Konflikten ums Wasser. Wer auf Nachhaltigkeit achtet, sollte deshalb zumindest die Herkunft des Mandelöls im Blick behalten. Es ist besser, Mandeln und Mandelöl aus europäischem Bio-Anbau zu kaufen, der auf kleineren Flächen stattfindet und daher nicht ganz so schädliche Auswirkungen hat. Und der Transport quer über den Atlantik entfällt dabei auch.

Mandelöl anwenden für glatte, geschmeidige Haut

Gut also, dass man Mandelöl sehr sparsam verwenden kann, weil es sich gut verteilen lässt! Egal ob als sanfte Gesichtspflege oder als Körperöl: Es reicht, einfach wenige Tropfen auf der Haut zu verreiben und einziehen zu lassen.

Häufig liest man, man solle Mandelöl auf feuchter Haut anwenden, weil es so besonders viel Feuchtigkeit in die Haut bringe – aber das stimmt nicht. Es zieht dann eher schlechter ein. Trocknen Sie sich also nach dem Duschen oder Gesichtwaschen erst gut ab, bevor Sie das Mandelöl auftragen.

Mandelöl anwenden für glänzende Haare

Um mit Mandelöl Feuchtigkeit in stumpfes, splissanfälliges Haar zu bringen, können Sie einfach alle paar Tage wenige Tropfen sanft in das Haar (vor allem die Spitzen) einmassieren. Das geht auch direkt nach der Haarwäsche, denn im feuchten Haar lässt es sich einfacher verteilen. Das Öl danach nicht auswaschen.

Wer unter sehr trockenen, glanzlosen Haaren leidet, kann eine Kur mit Mandelöl probieren: Dazu eine kleine Menge Öl gut in den Haaren verteilen, die Haare in ein Handtuch wickeln und die Kur 30 Minuten einwirken lassen. Danach gründlich mit Shampoo ausspülen.

Mandelöl anwenden zum Abschminken

Auch zum Abschminken eignet sich Mandelöl hervorragend: Es entfernt sogar wasserfestes Makeup und Mascara und pflegt gleichzeitig die Haut. Einfach ein paar Tropfen Öl auf einen Reinigungs- oder Abschminkpad geben und damit sanft über das Gesicht streichen, bis das Makeup entfernt ist.

Und wenn die Fingernägel brüchig oder glanzlos sind, hilft Mandelöl ebenfalls: einfach regelmäßig einen Tropfen Öl auf Fingernägeln und Nagelhaut verteilen, um sie zu pflegen.

Vier Schälchen mit Zutaten stehen bereit. © Danah R.

Mandelöl ist in vielen selbst herstellbaren Kosmetika enthalten und unverzichtbar.

Mandelöl für DIY-Kosmetik verwenden

Wer gern selbst Kosmetik herstellt, wird in Rezepten für Cremes, Lotionen oder Bodybutter immer wieder auf Mandelöl stoßen. Es wird gern als Basisöl verwendet, weil es so sanft ist, dass es sich für fast jeden Hauttyp eignet, selbst für empfindliche Babyhaut. Für Mischungen wird es mit den anderen fettigen Bestandteilen (Fettphase) zusammen erhitzt – allerdings gilt hier wie bei allen kaltgepressten Ölen: nicht zu stark erhitzen, weil sonst schädliche Stoffe entstehen können und die wertvollen Inhaltsstoffe zerstört werden.

In selbst gemachten Seifen wird Mandelöl als Überfettungsöl eingesetzt, um besonders pflegende Seifen herzustellen. Es kann rund 30 Prozent der Seifenmischung ausmachen.

Mandelöl richtig aufbewahren

Und wie bewahrt man das teure Öl richtig auf? Wenn Mandelöl Wärme und Sauerstoff ausgesetzt ist, wird es relativ schnell ranzig. Damit das nicht passiert, sollte es unbedingt kühl und dunkel gelagert werden, also beispielsweise in der Kühlschranktür. Dort hält es sich auch nach dem Öffnen etwa drei Monate. Ungeöffnet sollte man es innerhalb von zehn Monaten verbrauchen. Sobald es bitter oder unangenehm riecht, muss es leider entsorgt werden.

Aber eigentlich dürfte es kein Problem sein, Mandelöl rechtzeitig zu verbrauchen: Schließlich ist es ein echter Alleskönner für die Schönheitspflege. Und im Zweifel schmeckt es eben sogar im Salat.

 

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Bildquellen

  • mandelkerne: © CC0 / Angeleses
  • mandeln: © CC0 / Mareefe
  • zutaten-bodybutter-mit-mandeloel: © Danah R.
  • Mandelöl: © Sea Wave - stock.adobe.com

Sabine Schlimm schreibt am liebsten über gutes Essen und nachhaltiges Leben, und kreative Ideen kommen der Texterin und Kochbuchautorin gern beim meditativen Gemüseschnippeln. Oder wenn sie aufs Wasser guckt – zum Glück hat sie die Elbe gleich um die Ecke.

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