Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Alternative Mundhygiene: Einschätzungen von Ärzten und Homöopathen

Die Frau trägt Zahnpasta auf die Zahnbürste auf.

Zähne putzen, aber richtig: Ohne Fluor, ohne Weißmacher, mit ökologischem Zahnweiß. Wie effizient sind natürliche Alternativen bei der Mundhygiene, wie beurteilen Zahnärzte und Homöopathiker die verschiedenen Zahnputzmittel?

Strahlend weiße, gesunde Zähne gehören für viele Menschen zu einem gepflegten Äußeren dazu. Und auch die Werbung suggeriert: Wer saubere Zähne will, greift zu fluoridhaltiger Zahnpasta. Doch die handelsüblichen Methoden der Zahnhygiene geraten immer mehr in die Kritik: Im Internet finden sich zahlreiche Artikel, die Fluorid als stark gesundheitsgefährdend darstellen. Dabei soll Fluorid die oberste Schmelzschicht des Zahnes härten und Bakterien abprallen lassen. Viele Verbraucher fühlen sich verunsichert. Doch was ist Fluorid eigentlich und warum ist es in Zahnpflegeprodukten enthalten?     

Aufreger und Alltagsbegleiter Fluorid 

Zuerst gilt es zu unterscheiden: Fluor ist ein stark reaktives, giftiges Gas. Schon in geringsten Mengen wirkt es extrem toxisch. In Zahncreme und fluoridiertem Salz steckt nicht Fluor, sondern Fluorid, ein Salz der Fluorwasserstoffe. In Deutschland und Österreich wird das Trinkwasser nicht fluoridiert. So ist bereits ein hoher Risikofaktor für eine Fluoridüberdosie­rung gebannt.     

Unterscheiden muss man zudem systemische Fluoridierung, wie beispielsweise Trinkwasserfluoridierung in der Schweiz, und lokaler Fluoridierung wie in Zahnpasten. Nimmt man beständig Fluorid mittels Wasser zu sich, so hat das einen anderen Effekt, als nur der kurzzeitige Kontakt einer Paste mit dem Zahn. „Die Daten aus der Schweiz zeigen keine Anzeichen von Vergiftungen, obwohl die Menschen das seit Jahrzehnten zu sich nehmen. Ganz im Gegenteil hat sich die Kariesrate signifikant und stärker, als in anderen europäischen Ländern, reduziert. Hochdosiert kann man sich beim Verschlucken vergiften, in den geringen Dosierungen in einer Zahnpasta nicht. Nach den ersten Diskussionen zu diesem Thema haben sich die zahnärztlichen Verbände nochmals die Datenlage angesehen und festgestellt, dass die Empfehlung, weiterhin fluoridhaltige Zahnpasten zu empfehlen, aufrechterhalten bleiben soll. Ich selber nutze ebenso fluoridhaltige Zahnpasten“, meint Dr. Ekkehard Schwall, Zahnarzt aus Speyer.     

Werden Fluoride dem Körper nun über Tabletten, Zahncremes oder Salz zugeführt, geschieht dies mit der Absicht, die schädlichen Auswirkungen einer ungesunden Ernäh­rung auf die Zähne abmildern zu können.   Die Fluoride sollen sich in den Zahnschmelz einlagern, diesen künstlich härten und ihn weniger anfällig für Säureangriffe machen. Klingt plausibel. Schließlich isst jeder Mensch im Laufe seines Lebens viele Dinge, die zu Karies führen könnten. Warum also die Zähne nicht mit Fluoriden härten? So stellt sich auch die Frage, welche Fluoriddosis man braucht, um den erwünschten Kariesschutz zu erreichen und gleichzeitig keine Neben­wirkungen befürchten zu müssen.     

Fluorid: Schädlich für Knochen und Zähne?  

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt genau wie das Bundesin­stitut für Risikobewertung eine zur Kariesprophylaxe benötigte Fluoridaufnahme von 0,05 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag an. Die derzeitigen Dosierungsstandards bezüglich des Fluorids basieren auf der Annahme, dass Zahnfluorose und Knochenfluorose die einzigen zu berücksichtigenden Nebenwir­kungen darstellen, die das Fluorid im menschlichen Körper auslösen kann. Bei Knochenfluorose weisen die Knochen zwar eine hohe Dichte auf, doch sind sie so verhärtet, dass ihre Elastizität verloren geht, sodass sie immer brüchiger werden.     

Auch in der Alternativmedizin gibt es Versuche, dem Fluorid den Schrecken zu nehmen: „Es macht einen Unterschied, ob man Fluorid als Tablette zu sich nimmt, oder ob es in der Zahnpasta enthalten ist. Fluorid ist für die Zähne sicher unbedenklich, die Panikmache unberechtigt, speziell was Zahnpasten betrifft. Da sollte man sich bezüglich Pestiziden, Insektiziden und Umweltgiften eher sorgen“, so Dr. Anton Rohrer, Facharzt für Allgemeinmedizin und Homöopathie.       

Wege zu einem „natürlich“ weißen Lächeln? 

Die weißen Zähne strahlen in die Kamera.

Wer weiße Zähne haben möchte, kann auch ohne Chemie etwas dafür tun: Auf bestimmte färbende Nahrungsmittel verzichten und eine Zahnpasta mit polierender Eigenschaft nutzen.

Zähne verschmutzen im Laufe eines Lebens durch Genussmittel, wie beispielsweise Nikotin, Tee, Kaffee, Rotwein oder Karottensaft. „Da der Zahn an seiner Schmelz-Oberfläche zwar glatt erscheint, aber mikroskopisch betrachtet feinste Risse und Porositäten bestehen, können diese Farbpartikel in die Zahnoberfläche eindringen und zu einer Verfärbung führen. Ab einem gewissen Grad der Verschmutzung muss man akzeptieren, dass der Zahn dunkler wird, oder man bleicht diese Farbpigmente weg“, meint Dr. Schwall.      

Bleichmittel funktionieren fast alle nach demselben Prinzip: Sie enthalten den Wirkstoff Karbamidperoxid, der Sauerstoff-Radikale im Mund freisetzt. Er setzt sich zusammen aus Karbamid, einem geschmacksneutralen, farblosen Trägergel, und Wasserstoffperoxid, das für weiße Zähne sorgt. Diese Wirkstoffe oxidieren oder reduzieren Farbstoffe im Zahnschmelz und hellen so die Zähne um ein bis zwei Farbnuancen auf. Ökologisches Zahnweiß hingegen enthält keine chemischen Bleichmittel, sondern nur natürliche Mineralien. „Ein unbedenkliches Produkt, das für Bleichen ohne Peroxide steht. Dabei werden die Zähne nicht wirklich gebleicht, sondern eigentlich nur gereinigt, und zwar durch ‚Silica‘, die Putzkörper, und ‚Calcium Carbonate‘, eine Art Polierpaste – um die Verkratzung wieder zu glätten. Ohne Bleichmittel gibt es keinen Bleicheffekt. Es gelingt lediglich eine Säuberung und die eigentliche, eigene Zahnfarbe wird wieder freigelegt“, erklärt Dr. Schwall. Zu beachten ist allerdings, dass nur gesunde Zähne professionell gebleicht werden können. Auf kariöse Zähne, freiliegende Zahnhälse und Zähne mit undichten Füllungen sollte kein Bleaching-Mittel aufgetragen werden. Bei Füllungen oder Kronen im sichtbaren Bereich sollte man auch aus ästhetischen Gründen vorsichtig sein, da sie nämlich nicht mitgebleicht werden.     

Weiße Zähne ohne Bleachen sind möglich

In der Drogerie erhältliche Zahnpasten, die weiße Zähne versprechen, entfernen den Zahnbelag mittels Schleifkörpern. Als solche werden etwa Schlämmkreide, Silikate oder Marmorpulver eingesetzt. Sie sollen Beläge und Verfärbungen, ähnlich nach dem Prinzip einer Scheuermilch, wegpolieren. Funktioniert dieser Abrieb von Verfärbungen? Grundsätzlich lassen sich mithilfe von Zahnweiß-Cremes oberflächliche Verfärbungen beseitigen. Dabei ist allerdings kein Ergebnis zu erwarten wie beim Zahnarzt. Wenn jemand von Natur aus gelbliche Zähne hat, wird er allein durch Zähneputzen kein strahlend weißes Lächeln bekommen, auch wenn die Werbung es so suggeriert. Zudem sollte man davon absehen, die Zahnpasta jeden Tag zu benutzen, da durch den häufigen Abrieb der Zahnschmelz geschädigt werden kann.      

Was rät Zahnarzt Dr. Schwall für ein natürlich schönes Lächeln? „Die Zähne professionell reinigen zu lassen ist ausreichend, und in wenigen extremen Fällen bleichen. Dabei darf man aber die Hoffnung gar nicht erst aufkommen lassen, dass der aufgehellte Effekt davon auch ewig so bleibt.“     

Was Zahnpasta mit Homöopathie zu tun hat

Das offene Fläschchen liegt auf einem Tisch im Vordergrund liegen einige Globuli.

Wer Homöopathika einnimmt, sollte sich über deren Wechselwirkung mit Wirkstoffen in Zahnpflegeprodukten erkundigen.

Auf einigen Zahnpastatuben ist der Hinweis zu finden, dass das Produkt besonders homöopathieverträglich sei. Was soll das bedeuten? Homöopath Dr. Rohrer erklärt die Hintergründe: „Homöopathische Mittel werden über Mundschleimhaut aufgenommen. Viele Homöopathen sind der Meinung, dass stark riechende ätherische Öle wie Kampfer, Menthol oder Eukalyptusöl, wie sie oft in Zahnpasten enthalten sind, die Wirkung homöopathischer Mittel aufheben kann. Diese Erfahrung habe ich in meiner Praxis allerdings nicht gemacht. Patienten können ohne Bedenken mentholhaltige Zahnpasten verwenden, ohne dass die Wirkung der Homöopathie beeinträchtigt wird. Die Zähne sollten jedoch nicht unmittelbar vor oder nach der Homöopathika-Aufnahme geputzt werden, eine halbe Stunde sollte dazwischenliegen.“ Wer Homöopathika einnimmt sollte sich daher aktiv erkundigen, welche Zahnpflege-Produkte geeignet sind.

Zungenreinigung: Weil Zähneputzen allein nicht genug ist  

Im westlichen Kulturkreis erst seit jüngerer Zeit, im östlichen schon seit Jahrtausenden beliebt: Die Zungenreinigung. Sie hat einen festen Platz in der Ayurvedischen Medizin. Für diejenigen, die bisher noch keine Erfahrung mit Ayurveda gemacht haben, ist diese Form der Mundhygiene dennoch empfehlenswert: „90 Prozent des Mundgeruchs entsteht durch von Bakterien gebildete, freie Schwefelverbindungen. Der wissenschaftliche Effekt einer Zungenreinigung ist nicht gut belegt, aber es schadet sicher nicht“, meint Dr. Daniel Scheidbach, Ayurveda-Spezialist aus Graz, Österreich.  

Großaufnahme einer herausgestreckten Zunge

Die Zunge ist wird je nach medizinischem Hintergrund anders in die Mundhygiene einbezogen.

„Im Ayurveda spricht man über das Konzept von ‚Ama‘, eine Art blockierende Ablagerung welche durch nicht zu Ende verstoffwechselte Nahrung entsteht. Im Westen versucht man das umzulegen auf oxidative Prozesse oder Entzündungswerte erhöhende freie Radikale. Wenn nun beispielsweise die Zunge belegt ist, starker Mundgeruch vorherrscht, ist das nach Ayurveda ein Zeichen, dass der Stoffwechsel nicht funktioniert. Wenn man nun die Zunge abschabt, entfernt man einen Teil des Ama. Natürlich ist dann auch eine Sanierung des gesamten Verdauungstraktes und des Stoffwechsels auf Zellebene gefragt. Der Geschmackssinn verbessert sich, manchmal auch das Essverhalten, man fühlt sich besser“, so Dr. Scheidbach.   

Ölziehen gehört zur ayurvedischen Mundhygiene dazu

Viele Personen beginnen ihr ayurvedisches Mundhygiene-Ritual zusätzlich mit Ölziehen. Fettlösliche Toxine werden im Öl gebunden, viel wesentlicher ist aber die entzündungshemmende und antibakterielle Eigenschaft einiger Öle wie Sesamöl oder Kokosöl, besonders wenn mit Heilkräutern angereichert (Irimadadi Öl).    

„5 bis 10 Minuten reichen aus, die oft empfohlenen 20 Minuten sind nicht praktikabel. Wichtig ist, dass die Wirkstoffe des Öls ins Zahnfleisch gespült werden“, meint Dr. Scheidbach. Das Öl wird im Mund zwischen den Zähnen hin- und hergezogen, bis es eine milchige Farbe hat. Danach spuckt man es mitsamt den enthaltenen Giftstoffen aus. Anschließend kann man den Mund mit lauwarmem Wasser ausspülen und die Zähne wie gewöhnlich putzen. Ölziehen hat eine entzündungshemmende Wirkung und beugt unter anderem Zahnfleischproblemen und Mundgeruch vor. Kokos- oder kaltgepresstes Sesam- oder Sonnenblumenöl eignen sich aufgrund der antimikrobiellen Eigenschaften für das Ölziehen besonders gut.

Eine Sonnenblume liegt neben ienem kleinen Ölfläschchen.

Gut geeignet zur Mundhygiene mittels Ölziehen: Sonnenblumenöl.

Die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung von Zahn- und Zahnfleischproblemen jeder Art ist – neben allen oben erwähnten Empfehlungen – eine zahngesunde, möglichst zuckerfreie Ernährung. Wenn Sie Zucker nur in geringer Menge zu sich nehmen und auf Fertigprodukte verzichten, kommen Sie Ihrer Zahngesundheit schon einen großen Schritt näher.         

Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Freunden

Maria lebt und arbeitet als freie Journalistin in Wien. Neben einem nachhaltigen Lebensstil begeistert sie sich für Fotografie, tierversuchsfreie Kosmetik und Skandinavien. Inspiration und Kraft holt sie sich bei Bergtouren, frühmorgens im Wald oder in ihrer einsamen Holzhütte in den Alpen.

Ähnliche Beiträge

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.