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Wie wirkt Silber gegen Bakterien?

Silberbarren sind über eine Makroaufnahme von Kolibakterien gelegt.

Einst sollte das Tafelsilber Könige und Fürsten vor Krankheiten schützen und noch unsere Urgroßeltern legten eine Silbermünze in den Blechkrug, um die Milch keimfrei zu halten. Heute braucht es keine Silberstücke in Reinform mehr, um von der antibakteriellen Wirkung von Silber zu profitieren. In unzähligen Alltagsprodukten verrichtet das Edelmetall ganz unscheinbar seinen Dienst. Wir streichen damit Wände, schmieren es uns in Form von Cremes ins Gesicht, kleiden uns darin oder bewahren Essen darin auf. Weil Silber Bakterien und andere winzige Plagegeister aus dem Weg räumt, sollen Tapete und Essen schimmelfrei bleiben, die Sportkleidung nicht müffeln und unsere Haut nicht von fiesen Hautpilzen besiedelt werden. Doch wie harmlos ist es eigentlich, wenn wir uns mit Silber pflegen und darin kleiden? Wir haben uns mit dieser Frage beschäftigt und geben Ihnen einen Überblick über die Wirkungen und Nebenwirkungen des Edelmetalls.

Warum wirkt Silber antibakteriell und antimikrobiell?

Silber an sich ist ziemlich träge, der eigentliche Bakterienkiller sind die Silberionen. Diese sind hochreaktiv. Sie unterbrechen lebenswichtige Prozesse an und in den Bakterienzellen und töten die Bakterien letztlich ab. Anders als zahlreiche Antibiotika visieren die Ionen nicht nur einen bestimmten Zellbereich an, sondern attackieren gleichzeitig verschiedene Zellaktivitäten. Das erklärt zum einen, warum Silber auch Bakterien bekämpft, die gegen herkömmliche Antibiotika bereits resistent sind. Zum anderen, warum Silberionen nicht nur Bakterien, sondern auch andere Mikroben wie Viren und Pilze lahmlegen. Silber wirkt also nicht nur antibakteriell, sondern antimikrobiell.

Silber ist nicht gleich Silber

In Medizin und Verbraucherprodukten wird Silber in unterschiedlichen Formen eingesetzt: Als Silbersalz, in metallischer Form oder als organische Verbindung. Der Unterschied: In Silbersalzen liegen die reaktiven Ionen direkt vor. Beim metallischen Silber hingegen werden die wirksamen Ionen an der Metalloberfläche gebildet – aber nur in wässriger Lösung bzw. in Kontakt mit Feuchtigkeit.

Worin unterscheiden sich Makro-, Mikro- und Nanosilber?

Metallisches Silber gibt es in unterschiedlichen Partikelgrößen. Große, sichtbare Strukturen wie Silberfäden oder Drähte sind Makrosilber. Schon wesentlich kleiner ist Mikrosilber mit einer durchschnittlichen Größe von rund 10 Mikrometern. Bei noch kleineren Partikeln bis zu 100 Nanometern (ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter) handelt es sich um Nanosilber. Obwohl die metallischen Partikel chemisch und in ihrer Wirkung identisch sind, setzt Nanosilber besonders viele toxische Ionen frei. Der Grund: Die Aufteilung auf viele winzige Partikel führt zu einer riesigen „Ionen-Oberfläche“. So hat ein 50 Nanometer „großes“ Silberpartikel eine Oberfläche von 500 Quadratmetern.

Silber als antibakterielles Mittel im Haushalt

In Verbraucherprodukten kommt häufig metallisches Silber oder eine Kombination aus ionischen und metallischen Elementen zum Einsatz. Hier einige Verwendungsbeispiele metallischer Formen:

Makrosilber, zum Beispiel in Form von Silberfäden, wird unter anderem in Textilien eingewebt, um schlechte Gerüche durch bakterielle Zersetzung des Schweißes zu verhindern. Auch in Matratzen finden sich versponnene Silberfäden.

Mikrosilber wird in Verpackungsfolien und Kunststoffbehältern, in Farben, Lacken und in Beschichtungen verarbeitet (für Haushaltsgeräte und Oberflächen wie Kühlschränke, Schneidebretter etc.). Daneben wird Mikrosilber in Textilien (z.B. Sportwäsche, Putzlappen, Bettdecken), in Kosmetikartikeln (z.B. Cremes, Seifen, Deos) sowie als therapiebegleitende Hautpflege beispielsweise bei Neurodermitis eingesetzt.

Nanosilber ist das am häufigsten eingesetzte Nanomaterial. Wie Mikrosilber hat es unzählige Anwendungen gefunden – von der Beschichtung von Arbeitsflächen und Fußböden über den Einsatz in Küchengeräten und Sanitärarmaturen bis hin zu Textilien, Kosmetika, Hygieneartikeln, Antischimmelanstrichen, Tapeten und Duschvorhängen. Auch antibakterielle Sprays können Nanosilber enthalten, ebenso antibakteriell ausgerüstete Handys oder Notebook-Tastaturen.

© CC0 / geralt

Silber wirkt gegen Bakterien und Mikroben – zum Beispiel gegen diese Coli-Bakterien.

Wie kommt Silber in die Produkte?

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, wie Produkte mit Silber ausgerüstet werden: Entweder werden Silberpartikel oder Silberverbindungen in das Material eingebunden – beispielsweise in Textil-Fasern oder Verpackungs-Kunststoffe. Oder es werden Oberflächen mit silberhaltigen Stoffen beschichtet, etwa Lichtschalter oder Kühlschränke. Was bei Textilfasern auch vorkommen kann: Dass sie bei der Endausrüstung auf die Faser-Oberfläche aufgelagert oder mit Silbersalzen imprägniert werden.

Sind silberhaltige Alltagsprodukte gesundheitlich unbedenklich?

Konzentrationen, die antimikrobiell bereits gut wirksam sind, sind für den Menschen noch sehr gut verträglich. Die Europäische Kommission sieht daher bei der Anwendung silberhaltiger Produkte keinen Grund zur Sorge: „Im Allgemeinen setzen Konsumgüter nur kleine Mengen an Silber frei, die keine bedeutenden gesundheitlichen Folgen haben“, heißt es dort. Außerdem gelangen bei den meisten „oberflächlichen“ Anwendungen – zum Beispiel beschichteten Tastaturen, Textilien oder Cremes – Silberpartikel nur auf die Haut. Und die gilt als sichere Barriere – zumindest für Mikrosilberpartikel. Diese sind so groß, dass sie die Haut nicht durchdringen können. Bei Silberpartikeln, die fest in ein Material eingebunden sind, ist das Risiko von vornherein sehr klein, dass sie sich herauslösen und es irgendwie in den menschlichen Organismus schaffen.

Ab einer gewissen Dosis schädigt Silber die Gesundheit

Die Silberdosis aus Alltagsprodukten mag verschwindend gering sein. Allerdings kommt diese Dosis on top auf die Mengen, die wir parallel über andere Quellen aufnehmen. So ist natürlich gelöstes Silber im Trinkwasser und in Milch- und Getreideprodukten enthalten. Nach Schätzungen des österreichischen Gesundheitsministeriums (BMG) nehmen wir so bereits rund 300 Mikrogramm des Edelmetalls täglich zu uns. Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist das gerade noch die Tages-Dosis, die als unbedenklich gilt. Als Schwellenwert gibt die WHO fünf Mikrogramm Silber pro Kilogramm Körpergewicht an. Ein 70 Kilo schwerer Erwachsener sollte also nicht mehr als 350 Mikrogramm pro Tag aufnehmen. Kontinuierlich eingenommene höhere Dosen können die Gesundheit schädigen. Die WHO stuft Silber daher prinzipiell als eine für den Menschen toxische Substanz ein.

Wie wirken hohe Silberdosen auf den Menschen toxisch?

Gelangt Silber oral in den Körper, wird ein großer Teil wieder abgebaut und ausgeschieden. Der Rest wird im Körper deponiert und vor allem in Leber, Milz und in den Hautschichten eingelagert. Chronisch hohe Dosen und entsprechend hohe Ablagerungen können eine permanente Blaufärbung der Haut verursachen und zu neurologischen Defiziten führen. Weitere Folgen können chronische Bauchschmerzen, Magengeschwüre sowie degenerative Prozesse in Leber und Nieren sein.

Wussten Sie …? Weil sie einst Wasser darin aufbewahrten und täglich von Silbergeschirr aßen und daraus tranken, verfärbte sich die Haut bei vielen Adeligen mit der Zeit bläulich. Die Redewendung, Adelige hätten „blaues Blut“, lässt sich womöglich auch darauf zurückführen.

©CC0 / jill111

Früher gang und gebe in Herrschaftshäusern: Aufgetafelt wurde nur in echtem Silber – aus Prestigegründen, aber auch, um sich vor Krankheiten zu schützen.

Warum Nanosilber besonders riskant ist

Die Toxizität auf Organe ist schon schlimm genug. Die Frage ist: Kann Silber im menschlichen Körper – ähnlich wie bei Einzellern – auch zelltoxisch wirken? Prinzipiell reagieren Silberionen auch mit Strukturen menschlicher Zellen. Um diese nachhaltig zu schädigen, müssten sie es allerdings bis in die Zellen schaffen – während sie bei Bakterien bereits an den Zellaußenwänden großen Schaden anrichten. Nanosilberpartikel sind dazu in der Lage: Sie können Zellmembranen überwinden, selbst bis in Zellkerne vordringen und dort weiter toxische Ionen abgeben. Dazu muss Nanosilber noch nicht einmal verschluckt werden. Nanopartikel können nämlich über verletzte Hautstellen in Zellen eindringen. Auch über die Lunge, etwa beim Einatmen nanohaltiger Sprühnebel, können sich die Winzlinge im Organismus ausbreiten.

Nanosilber wirkt schon bei niedrigeren Dosen toxisch

In Tierversuchen hat sich gezeigt, dass Nanosilber durch Zell- und DNA-Schädigungen Krebserkrankungen auslösen oder begünstigen kann. Ob das Risiko beim Menschen genauso hoch ist, lässt sich derzeit nicht fundiert abschätzen. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass Nanosilber die schädlichen Wirkungen von Silber deutlich übertrifft und „bereits bei vergleichsweise niedrigen Silberkonzentrationen ein hohes toxisches Potenzial zeigt“, wie das BMG resümiert. Angesichts der ungeklärten Gesundheitsrisiken empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Nanosilber grundsätzlich aus dem Weg zu gehen. Waschbär hat sich entschieden, auf Produkte mit Nanosilber zu verzichten.

© CC0 / cocoparisienne

Silberbesteck ist nicht nur als Wertanlage von Großmutter geschätzt worden – auch seine antibakterielle Wirkung.

Was ist kolloidales Silber?

Während Silber durchaus toxisches Potenzial entfalten kann, gibt es eine Anwendung davon, die im Gegenteil sehr gesund sein soll. Die Rede ist von kolloidalem Silber. Dabei handelt es sich um ultrafeine Silberpartikel oder Silberverbindungen, die in der Regel in Wasser dispergiert sind. Die auch als Silberwasser bekannte Lösung wird äußerlich angewendet, getrunken, gegurgelt oder inhaliert. So gelangen die feinen Silberpartikel also meist direkt in den Körper. Dort würden sie gegen Bakterien und andere Krankheitserreger wirken und 650 verschiedene Krankheiten bekämpfen, meinen die Verfechter. Positive Erfahrungsberichte von Anwendern scheinen das zu belegen. Kritiker hingegen führen ins Feld, dass die Gesundheitseffekte von Silberwasser klinisch bisher nicht belegt seien. Manche unterstellen dem kolloidalen Silber gar eine schädigende Wirkung.

Gut für die Gesundheit, schlecht für Krankheitserreger?

Vorbehalte sind durchaus berechtigt. Wer zum Beispiel den Rat vom BfR beherzigt, sollte besser auf kolloidales Silber verzichten. Zwar können die Kolloide bis zu einem Mikrometer groß sein. Meist aber bewegen sie sich im Nanobereich – und das birgt, wie dargelegt, unkalkulierbare Risiken. Und selbst wenn keine Nanopartikel im Spiel sind: Wie Antibiotika kann auch kolloidales Silber nicht zwischen krankmachenden und nützlichen Bakterien unterscheiden. Hinzukommt, dass wir bereits über Nahrungsmittel Silber aufnehmen – wird diese Menge durch kolloidales Silber künstlich erhöht, ist die toxikologisch bedenkliche Schwelle schnell überschritten. Gut möglich also, dass vor allem die langfristige Einnahme von hochdosiertem kolloidalem Silber negative Langzeitfolgen mit sich bringt. Fazit: Dem noch nicht wissenschaftlich belegten Nutzen stehen Risiken gegenüber, die jeder Verbraucher gut abwägen sollte.

Interessantes zur Geschichte von Silber in der Medizin

Von der Heilwirkung des Silbers wusste man schon im Altertum: Hippokrates soll es zur Krankheitsbehandlung empfohlen haben, später auch Paracelsus und Hildegard von Bingen. Wie genau Silber gegen Krankheiten und Infektionen half, war lange nicht bewusst. Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert, als Ärzte kolloidales Silber (damals schon in Nanogröße!) als keimtötendes Mittel erforschten und einsetzten. Mit der Entdeckung von Antibiotika ist Silber ins Hinterfeld geraten. Weil sich aber zunehmend Antibiotika-resistente Keime verbreiten, gewinnt das Edelmetall in der modernen Schulmedizin wieder an Bedeutung – etwa als Mittel in Wundverbänden oder um medizinische Apparaturen antibakteriell zu beschichten. In der Alternativmedizin wurde kolloidales Silber in den 1990ern wiederentdeckt.

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Bildquellen

  • coli-bakterien: © CC0 / geralt
  • silbergeschirr: ©CC0 / jill111
  • silberbesteck: © CC0 / cocoparisienne
  • silber-gegen-bakterien: © CC0 /geralt/ Geizkragen69

Katja Hellmuth gehört zum Autorenteam von raabengrün. Wenn die freie Texterin nicht gerade Wortakrobatik betreibt, strampelt sie auf dem Fahrrad ihre tägliche Schokoladendosis ab. Sie verschlingt liebend gerne auch Buchstabensuppen und andere epische Werke.

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