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Ernten erlaubt?! Wie funktioniert das Konzept von „Mundraub.org“?

Im Baum leuchten die Äpfel.

Die Idee klingt denkbar einfach. Die Früchte herrenloser Obstbäume und -sträucher sollen nicht am Boden verrotten, sondern gegessen werden. Die Internet Plattform mundraub.org verspricht saisonales Obst und Gemüse kostenfrei in Ihrer Umgebung. Und so soll es funktionieren: Auf einer interaktiven Karte sind eine Unmenge an Sträuchern und Bäume eingetragen, deren Früchte man legal ernten kann. Jeder registrierte Nutzer kann neue Ernteplätze in der Karte eintragen oder bestehende aktualisieren. Aber wie sieht die tolle Idee in der Praxis aus? Ich habe den Test gemacht.

Das Prinzip „Mundraub“ im Praxistest

Mein Test beginnt Mitte September in Freiburg. Etwas spät, denke ich und glaube, dass ich bei vielen Obstsorten nicht so viel Glück haben werde. Zumal der harte Frost im Frühjahr die Ernte in 2017 zusätzlich dezimiert hat. Ich öffne die Karte der Plattform „Mundraub“ und entdecke sofort einen Brombeerstrauch in einer Straße bei mir um die Ecke. Außerdem gibt es dort einen Walnuss- und einen Apfelbaum. Ganz praktisch ist, dass man direkt auf der Karte Informationen wie zur Erntezeit bekommen kann.

Rechts inst der Stadtplan mit eingezeichnetem Kirschbaum zu sehen, links Erläuterungen zur Kirsche.

Die Mundraub-Karte zeigt an, wo der Kirschbau steht und gibt Informationen zum Obst.

Also rauf aufs Fahrrad und losfahren. Mein erstes Ziel ist der Brombeerstrauch. Die angezeigten Brombeeren muss es hier in Massen gegeben haben. Leider komme ich zu spät, die Beeren sind weg. Kurz darauf komme ich beim Walnussbaum vorbei – doch die Nüsse sind noch nicht soweit. Aber nun weiß ich, dass das Konzept grundsätzlich funktioniert.

Mundraub-Bäume auf Privatgrundstücken – was nun?

Das Fahrrad lehnt am Zaun und dahinter sieht man den ersehnten Apfelbaum

©Mischa Wagner

Der ersehnte Apfelbaum steht auf privatem Grund. Was jetzt zu tun ist, erfährt man leider nicht auf der Plattform.

Als nächstes geht es in Richtung Apfelbaum. Ich finde ihn auch, doch leider steht er auf einem Privatgrundstück. Der Baum hängt voller Äpfel und der Boden rundum ist voll damit. Ich würde ja nachfragen, ob ich ernten darf, doch weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Auf der Webseite erfahre ich, dass viele Privatpersonen ihre Obstbäume bei Mundraub reinstellen, damit das Obst nicht einfach verfault. Da es am Baum selbst oder in der Karte keinen Hinweis gibt, wie sich die „Mundräuber“ in so einem Fall verhalten sollen. Einfach so über den Zaun steigen, will ich nicht. Ein Vermerk wäre hier hilfreich.

Endlich volle Taschen: Mein Mundraub-Erfolg

Meine Ausbeute stellt mich noch nicht zufrieden. Also peile ich als nächste Station eingezeichnete Brombeeren und Wacholder in einem anderen Freiburger Stadtteil an. Leider gibt es noch keine Mundraub-App und so behelfe ich mir zur groben Orientierung mit einer Karte direkt im Browser meines Handys. Ich wechsle ständig zwischen der „Straßenkarte“ und der Mundraub-Übersicht hin und her. Für mich ein erster Minus-Punkt. Denn es wäre hier schon gut, wenn man direkt sehen könnte, wo man selbst ist und wo es in der Nähe welche Sorten zu pflücken gibt. Beim Wacholder-Standort kann ich leider nichts finden. Vielleicht hätte ich etwas länger und großflächiger suchen müssen? Egal. Weiter geht’s auf meinem Rad.

Brombeeren hängen am Strauch und warten darauf gepflückt zu werden.

Lecker! Die saftigen Beeren wandern direkt in den Korb.

Beim Studieren der Mundraub-Karte fällt mir auf, dass es sehr viel „freies“ Obst an Bahnstrecken gibt. Offenbar werden an Bahnstrecken Sträucher und Bäume, die der Lärmdämmung dienen sollen – und leckere Früchte tragen. Und so komme ich doch noch zu meiner Mundraub-Ernte: Ich finde sehr viele Brombeersträucher, drei große Kirschbäume, einen Walnuss- und einen Apfelbaum. Ich vermute, dass die Anwohner hier noch etwas nachgeholfen haben. Nicht nur in Berlin ist es mittlerweile in Mode gekommen freie Flächen mit Obstbäumen zu bepflanzen. Die Äpfel probiere ich an Ort und Stelle. Sie schmecken auf jeden Fall sehr gut. Sie sind klein, aber das macht ja nichts.  

Mein Fazit zum Mundraub: Mitmachen lohnt sich

Die Plattform ist eine schöne Idee und gefällt mir wirklich gut. Macht bei gutem Wetter auch richtig Spaß und ähnelt tatsächlich einer Schnitzeljagd. Ich kann mir vorstellen, das mit Freunden im Sommer öfters zu machen. Auf jeden Fall werde ich die drei Kirschbäume wieder aufsuchen. Natürlich gibt es noch viele Orte zu entdecken.

Mundraub schärft außerdem den Blick für heimische Pflanzen, wenn ich jetzt unterwegs bin, bemerke ich erst, wie viel Obst in der Stadt wächst. Ich kann nur jeden ermutigen, dieses Konzept mal selbst auszuprobieren. Den Gang zum Markt oder Supermarkt kann der Mundraub noch nicht ersetzen. Aber wer weiß, wie sich mundraub.org weiterentwickelt. Letztendlich liegt es an uns, die Seite weiter zu pflegen und die schöne solidarische Idee zu verbreiten.  

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Bildquellen

  • mundraubbaum-auf-privatgrundstueck: ©Mischa Wagner
  • mundraub-apfelbaum: ©Mischa Wagner

Mischa ist ein Illustrator, der schreibt. Er macht Kunst mit Bildern und Artikel mit Wörtern. Er lebt und arbeitet als Mediengestalter nebst einigen Gitarren und Kochbüchern in der wunderschönen Stadt Freiburg. Neuerdings illustriert und schreibt er für das Waschbär-Magazin. Man soll ja öfter mal was Neues machen...

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