Ökobanken – Wie kann man Geld grün anlegen?

Münzen liegen auf dem Tisch und aus der Mitte des Geldhaufens wächst eine kleine Pflanze.

Geld regiert die Welt. Vor allem seit der Finanzkrise 2008 haben das viele Verbraucher gemerkt und die Bank gewechselt. Auch die aktuelle Debatte um Fridays for Future ist für viele ein Anlass, bei ihren Finanzen umzudenken. Viele haben bereits Konten bei Ökobanken eröffnet. Ein Gedanke ist all diesen nachhaltigen Banken gemeinsam: Die Gelder der Kunden sollen nur für ethisch vertretbare und nachhaltige Projekte verwendet werden.

Was unterscheidet Ökobanken von anderen Banken?

Bei Ökobanken stehen nicht kurzfristige Gewinninteressen im Vordergrund, sondern langfristige Investitionen in eine bessere Zukunft. Investitionswürdige Finanzprodukte werden genau betrachtet und müssen bestimmte Bedingungen erfüllen. Investitionen in die Atom-, Kohle- und Rüstungsindustrie sind ebenso ausgeschlossen wie solche in die Tabakindustrie. Auch Unternehmen, die mit zweifelhaften Einstellungen zu Arbeitsrecht und Menschenrechten sowie mit Kinderarbeit im Zusammenhang stehen, erhalten keine Finanzierung. Alternativbanken unterstützen zudem keine Spekulationen mit Nahrungsmitteln, da diese die Grundnahrungsmittel für die Ärmsten der Armen verteuern. In Konfliktmineralien, Tierversuche oder intensive Landwirtschaft investieren grüne Banken ebenfalls nicht. Stattdessen setzen sie ihr Geld für Bildungsprojekte, Bio-Landwirtschaft oder erneuerbare Energien ein. Die GLS veröffentlicht die von ihr unterstützten Projekte beispielsweise transparent auf ihrer Webseite.

Ökobanken investieren in erneuerbare Energien wie den Ausbau von den auf der Wiese stehenden Windrädern.
Grüne Banken investieren in grünen Strom und leisten so einen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit.© CC0 / mrganso

Ökobanken – bereits seit vielen Jahrzehnten etabliert!

Das Konzept der nachhaltigen Geldanlagen und Bankkonten ist nicht neu. Die Gründungsdaten und die Entwicklung der bekanntesten Anbieter zeigen, dass ein anderes Wirtschaften über viele Jahrzehnte erfolgreich möglich ist. Die deutsche GLS existiert als genossenschaftliches Institut bereits seit 1974 und ist damit seit über vier Jahrzehnten auf dem Markt aktiv. Auch die niederländische Triodos Bank wurde schon 1980 gegründet. GLS und Triodos Bank haben anthroposophische Wurzeln. Die Bezüge darauf sind in der heutigen Zeit jedoch bei beiden Banken unterschiedlich. In den 90er-Jahren kam die Umweltbank auf den Markt. Neuere Anbieter sind die Ethikbank, die seit 2002 um Kunden wirbt, sowie die beiden Start-ups bunq und Tomorrow, die seit 2012 beziehungsweise 2018 aktiv sind.

Nachhaltige Banken gleichen CO2-Ausstoß aus

Neben den Finanzprodukten und dem nachhaltigen Einsatz der Gelder bieten viele Alternativbanken Zusatzleistungen an. Bei ihrem Tagesgeldkonto wirbt etwa die Umweltbank damit, dass sie pro 1.000 Euro Einlage die Menge von 965 Autokilometern kompensiert. Tomorrow bietet ein Konto für 15 Euro monatlich an und verspricht, mit diesem Betrag den durchschnittlichen CO2-Verbrauch einer bzw. eines Deutschen in diesem Zeitraum auszugleichen.

Ökobanken setzen auch bei der Bankkarte auf Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist den Banken nicht nur im Kreditwesen und bei Aktienportfolios wichtig, sondern auch bei der Ausgabe ihrer Karten. Die  GLS Bank wirbt damit, dass alle von ihr ausgegebenen Karten aus PLA-Bio-Rohstoff gefertigt sind. Grundlage für diesen Kunststoff ist Maisstärke. Die Triodos Bank setzt ebenfalls auf diesen Kunststoff. Bei der Herstellung sollen 80 Prozent weniger CO2-Emission im Vergleich zum klassischen Plastik entstehen. Andere Wege beschreitet das niederländische Start-up bunq. Dieses bietet zu seinem Konto eine Karte aus Metall.

Vor- und Nachteile von Ökobanken im Vergleich zu konventionellen Banken

  • Eine nachhaltige Bank bietet im Vergleich oft geringere Renditen als eine konventionelle Bank. Viele Services sind zudem nicht kostenfrei oder inklusive. Zwischen den nachhaltigen Banken gibt es deutliche Preisunterschiede. Es lohnt sich, die Angebote miteinander zu vergleichen.
  • Auch das Leistungsportfolio der verschiedenen grünen Banken variiert stark. Die Umweltbank bietet beispielsweise kein Girokonto an. Sie konzentriert sich stattdessen auf Tagesgeldkonten und klassische Sparprodukte wie Fonds und Anleihen. Grund hierfür ist, dass das Geld aus Sparprodukten der Bank mehr Planungssicherheit bei der Vergabe von Krediten bietet. Die beiden Start-ups bunq und Tomorrow haben – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – ausschließlich Girokonten im Angebot. Ein größeres Portfolio bieten die Triodos Bank, die Ethikbank und die GLS. Alle drei Geldinstitute haben vom Girokonto bis zur Baufinanzierung alles im Programm. Die Ethikbank nimmt vor allem benachteiligte Gruppen in den Blick und bietet auch Menschen im Insolvenzverfahren ein Konto an.
  • Bei einer nachhaltigen Bank handelt es sich in der Regel um eine Direktbank ohne Filiale. Die Kommunikation läuft über Internet, Telefon oder Post. Einzig die GLS unterhält in einigen Städten Filialen.
  • Alle nachhaltigen Banken unterliegen mindestens der Einlagensicherung der Europäischen Union in Höhe von 100.000 Euro pro Person. Hier entsteht beim Sparen kein Nachteil im Vergleich zu herkömmlichen Banken.
Eine Frau sitzt am Laptop und besucht das Online-Banking-Portal einer Ökobank.
Die meisten Ökobanken haben keine stationären Filialen, sondern bieten ihre Leistungen zum Beispiel online an.© CC0 / Karolina Grabowska

Weiterführende Links und Tipps zum nachhaltigen Investieren

  • Beim Portal von Fair Finance Guide finden Sie eine Übersicht der gängigsten nachhaltigen Banken mit einer umfassenden Bewertung.
  • Die Globalisierungskritiker von Attac stellen für den Kontowechsel eine Anleitung mit Checkliste bereit.
  • Wer sich vor allem für das Thema Finanzinvestitionen interessiert, findet auf dem Portal Geld bewegt der Verbraucherzentrale viel Wissenswertes. 
  • Die 2° Investing Initiative Deutschland e.V. wird vom Bundesumweltministerium gefördert. Auf ihrer Seite Mein Fairmögen finden Sie Informationen rund das das Thema „Nachhaltig investieren“.
  • Das Forum Nachhaltige Geldanlagen hat ein Gütesiegel entwickelt, das Orientierung im Fonds-Dschungel bietet.
  • Keine Bank, aber ein nachhaltiges Finanzprojekt ist TreeCard. Bei der gleichnamigen Kreditkarte sollen mit jeder Bezahlung Bäume gepflanzt werden. Die Karte besteht aus Holz. Anfang 2021 soll die Karte in Europa veröffentlicht werden.
  • Neben dem Wechsel zu einer nachhaltigen Bank lohnt sich vielleicht eine direkte Investition in gesellschaftliche Projekte. Viele Unverpackt-Läden sind als Genossenschaften organisiert. Auch lokale Wohn- und Bauprojekte mit sozialem Anspruch wählen das Genossenschaftsmodell. Die Energiewende kann man mit einer Mitgliedschaft in einer Bürgerenergiegenossenschaft unterstützen.

Fazit zu Ökobanken

Alternative Banken brauchen den Vergleich zu herkömmlichen nicht zu scheuen. Wer nicht auf ein flächendeckendes Angebot an Filialen angewiesen ist, sollte über einen Wechsel nachdenken. Billiger ist das in der Regel nicht. Dafür unterstützen nachhaltige Banken ökologische und soziale Projekte und handeln transparent.

 

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