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Kontroverse Elektrosmog: Wie gefährlich ist die Strahlung wirklich?

Nur durch das Handydisplay erhellt, sitzt dieser junge Mann im Dunklen.

Seit diesem Jahr gibt es laut Statista rund 131 Millionen Mobilfunkanschlüsse in Deutschland. Das Handy begleitet uns heute überallhin. Selbst beim Schlafen liegt es neben dem Bett. Wer Kinder hat, nutzt häufig ein Babyphon. In fast jeder Küche steht inzwischen eine Mikrowelle. All diese Geräte produzieren Strahlung. Wie gefährlich dieser sogenannte Elektrosmog ist, gilt nach wie vor als umstritten. Erfahren Sie hier, welche Strahlungsquellen es gibt, welche Erkenntnisse über die Auswirkungen vorliegen und was Sie dagegen tun können.

Was ist Elektrosmog?

Als Elektrosmog werden niederfrequente elektromagnetische und magnetische Felder sowie hochfrequente elektromagnetische Strahlung bezeichnet, die ab einer gewissen Stärke Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier haben können. Wer genauer hinschaut, bemerkt, dass wir in unserem Alltag heute eigentlich permanent von Strahlung umgeben sind. Einerseits durch natürliche Felder wie etwa das Erdmagnetfeld. Dieses hat aber andere biologische Eigenschaften als technische Felder. Letztere – elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder – entstehen und wirken unterschiedlich.

  • Elektrische Felder werden beispielsweise durch Stromleitungen und alle Arten von elektrischen Geräten im Haus erzeugt, solange diese angeschlossen sind. Auch beim Röntgen sind wir dieser Strahlung ausgesetzt. Durch bestimmte Materialien lässt sich diese Strahlungsart abschirmen.
  • Magnetische Felder gehen etwa von Hochspannungsleitungen oder Transformatoren aus und lassen sich nur schwer abschirmen.
  • Elektromagnetische Strahlung wird vor allem von Sendeanlagen erzeugt, die mit Wechselstrom arbeiten – wie Radio, Fernsehen, Mobilfunk, Radar, Bluetooth – aber auch von anderen Geräten wie Handys, schnurlosen Telefonen oder Mikrowellen. Der menschliche Körper nimmt diese elektromagnetische Strahlung auf und wandelt sie messbar in Wärmeenergie um.

In unserer hochtechnisierten Gesellschaft kann uns Elektrosmog also überall begegnen.

Handy und Co. als Quellen elektromagnetischer Strahlung zu Hause

Die Jugendlichen haben alle ihr Handy in Aktion - dagegen kann man als Passant nichts tun.

Draußen im öffentlichen Raum gibt es nur wenig Möglichkeiten Handystrahlung zu vermeiden. Zu Hause aber schon.

Auf Strahlungsquellen im öffentlichen Raum haben wir nur wenig Einfluss. Daher konzentrieren wir uns hier auf Strahlungsquellen, die wir in unserem Zuhause finden und beeinflussen können. Generell nimmt elektromagnetische Strahlung mit der Entfernung proportional ab und so lässt sich Elektrosmog rein durch einen größeren Abstand zur Quelle oft schon ganz leicht reduzieren. Was viele aber nicht wissen: Handys, Schnurlostelefone, W-LAN-Sender, Radio- und Fernsehempfang oder Babyphone und Mikrowellen verursachen beim Betrieb und teilweise sogar im Standby elektromagnetische Strahlung. Schnurlostelefone nach dem digitalen DECT-Standard senden beispielsweise 24 Stunden am Tag, selbst wenn nicht telefoniert wird. In dem Raum, in dem sich die Basisstation befindet, ist das Hochfrequenzsignal meist am stärksten. Beim Telefonieren mit dem Handy ist klar nachweisbar, dass sich durch die entstehende Strahlung die Regionen am Kopf erwärmen, die dem Handy am nächsten sind.

Grenzwerte für Strahlungsbelastung: SAR-Werte für Handys

Wenn man mit dem Handy telefoniert, wird ein Teil der Energie der elektromagnetischen Felder in Form von Wärme vom Kopf aufgenommen. Als Maß für diese Energieaufnahme dient der sogenannte SAR-Wert (Spezifische Absorptionsrate). Der maximal zulässige internationale Grenzwert der ICNIRP (International Comission on Non-Ionizing Radiation Protection) zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung von Handys am Kopf liegt bei 2 Watt pro Kilogramm. Da dieser Wert aber nur nachgewiesene, gesundheitliche Wirkungen berücksichtigt, wird allgemein eher ein Grenzwert von 0,2 Watt pro Kilogramm empfohlen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat eine SAR-Liste mit gängigen und aktuellen Handy-Modellen online veröffentlicht. Alle in Deutschland verkauften Handys müssen den vorgegebenen SAR-Wert von 2 Watt pro Kilogramm unterschreiten. Ein Iphone7 von Apple hat zum Beispiel einen SAR-Wert von 1,3, während ein Fairphone lediglich einen SAR-Wert von 0,3 Watt pro Kilogramm hat.

Elektrosmog messen – wie geht das?

Wie hoch die spezifische Strahlung von Handys, W-LAN oder Sendemasten vor Ort wirklich ist, lässt sich mithilfe von Testgeräten auch zu Hause ermitteln. Allerdings werden Elektrosmog-Messgeräte für Laien selbst von der Verbraucherzentrale nicht empfohlen, da ihre Messungen zu ungenau seien. Stattdessen sollten unabhängige, zertifizierte Prüfer oder Prüfstellen des TÜV elektromagnetische Felder anhand nationaler und internationaler Vorschriften genau ermitteln.

Gefahren durch Elektrosmog? Risiken und Nebenwirkungen kontrovers diskutiert

Mann greift sich an die Schläfen.

Symbolbild

Menschen, die sehr sensibel auf Elektrosmog reagieren, können dadurch unter anderem unter Kopfschmerzen leiden.

Gesundheitsgefahren, die von Elektrosmog ausgehen, werden nach wie vor kontrovers von Wissenschaftlern diskutiert. Es gibt Menschen, die unter einer regelrechten Elektrosensibilität leiden, die sich in Schlafstörungen, Stresserscheinungen oder Kopfschmerzen äußert. Dass die Strahlung auch schwerwiegendere Auswirkungen auf die Gesundheit haben und für Gehirntumore, Gendefekte oder Unfruchtbarkeit verantwortlich sein könnte, gilt als umstritten. Es gibt jedoch internationale Studien, die zeigen, dass sich Mobilfunkstrahlung negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken kann. Andere belegen, dass elektromagnetische Strahlung das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen kann.

Die Verbraucherorganisation diagnose:funk hat beispielsweise aktuelle Studien, die die Risiken der Handynutzung untersuchen, unter www.mobilfunk-studien.de zusammengetragen. Hier findet sich auch das 2016 veröffentlichte Zwischenergebnis einer Studie des National Toxicology Program (NTP), eines Forschungsprogrammes des National Institutes of Health der US-Regierung. Es liefert Verdachtsmomente, dass elektromagnetische Strahlung gefährdend sein könnte. Doch die Studie gilt bisher, selbst beim Deutschen Bundestag, der darüber sogar in einem Plenum diskutierte, als fragwürdig, da die endgültigen Ergebnisse der Untersuchung nach wie vor ausstehen.

Gerichtsurteil in Italien bestätigt: Starke Handynutzung für Gehirntumor verantwortlich

Im April 2017 sorgte dann ein Gerichtsurteil für viel Aufsehen: In Italien bestätigte erstmals ein Gericht, dass die unsachgemäße Verwendung eines Handys als Ursache für einen Gehirntumor anerkannt sei. Der Kläger hatte nach eigenen Angaben 15 Jahre täglich drei bis vier Stunden beruflich telefonieren müssen. Ihm wurde eine monatliche Rente von 500 Euro als Entschädigung von der Unfallversicherung zugesprochen.

„Elektromagnetische Strahlung möglicherweise krebserregend“

Sanft angeleuchtet steht der Handymast da.

Obwohl man noch nichts Abschließendes über die Langzeitwirkung von Handystrahlen weiß, stehen die Funkmasten überall.

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) stufte bereits 2011 hochfrequente elektromagnetische Strahlung von Mobiltelefonen als „möglicherweise krebserregend“ ein. Auf unsere Nachfrage erklärt Nicole Meßmer, Sprecherin des Bundesamts für Strahlenschutz, 2017: „Innerhalb der gültigen Grenzwerte gibt es keine Hinweise auf eine schädigende Wirkung des Mobilfunks. Da es sich bei der Mobilfunktechnologie aber um eine relativ junge Technologie handelt, können derzeit noch keine abschließenden Aussagen zu Langzeitwirkungen gemacht werden. Gleiches gilt für die Frage nach den Auswirkungen auf Kinder. Das Bundesamt für Strahlenschutz setzt sich daher für weitere Forschung in diesen Bereichen ein. Aus Gründen einer vorsorglichen Risikominimierung sollte der Umgang mit Handys möglichst begrenzt werden.“

Langzeitfolgen von Elektrosmog? Ungeklärt!

Ist Handynutzung und die Nutzung neuer Technologien wie W-LAN also bedenken- und risikolos? Oder könnten sich, ähnlich wie beim Rauchen, fatale Folgen erst nach Jahrzenten der konstant erhöhten Strahleneinwirkung zeigen? Woran liegt es, dass wissenschaftliche Erkenntnisse teilweise so widersprüchlich sind? Zum einen sicher an den unterschiedlichen Interessengruppen, die beteiligt sind. Mobilfunkindustrie und Netzbetreiber, die jährlich steigende Umsätze im Milliardenbereich verzeichnen, haben kaum Interesse daran, mögliche Risiken von Elektrosmog offenzulegen. Umso wichtiger ist es, dass jeder einzelne sich der möglichen Gefahr bewusst ist und selbst aktiv wird, um die eigene Strahlenbelastung so gering wie möglich zu halten.

Mittel gegen Elektrosmog: Netzfreischalter, Abschirmmatten, bewusster Umgang

Wer das Strahlungsmaß, das zum Beispiel von Stromleitungen zu Hause ausgeht, etwa im Schlafbereich möglichst geringhalten möchte, kann vom Elektriker einen sogenannten Netzfreischalter direkt im Sicherungskasten einbauen lassen. Dieser Schalter trennt automatisch den gewünschten Stromkreis, sobald alle Stromabnehmer ausgeschaltet sind. Wird dann die Nachttischlampe eingeschaltet, schaltet der Netzfreischalter die Leitung wieder aktiv. So lassen sich elektromagnetische Wechselfelder deutlich reduzieren.

Elektrische Felder, die von Stromleitungen ausgehen, lassen sich aber auch durch geerdete Materialien wie Kupfermatten abschirmen. Jedoch können diese nur mit viel Aufwand nachträglich eingebaut werden und sollten daher besser bei einem Neubau von Anfang an mitberücksichtigt sein.

Frau und Hund liegen in der Wiese - sie liest ein Buch.

Einfach mal analog unterwegs sein – mit Hund und Buch im Garten entspannen.

Fazit: Lieber öfter mal offline gehen!

Wie gefährlich Elektrosmog und die Strahlenbelastung durch Handys tatsächlich ist, wird sich vielleicht erst in ein paar Jahren beurteilen lassen. Nämlich wenn entsprechende Langzeitstudien über die Wirkung vorliegen. Wer jetzt schon prophylaktisch etwas tun möchte, kann sich selbst helfen. Für weniger Strahlung einfach mal bewusst Handy, WLAN und Co. abschalten.

 

Filmtipp: „Thank you for calling“

In der 2016 veröffentlichten Dokumentation „Thank you for calling“ geht der Regisseur Klaus Scheidsteger ernsthaften Hinweisen auf mögliche Gesundheitsrisiken durch mobile Telefonie nach und entlarvt ein System der Verschleierung von negativen gesundheitlichen Effekten, das von der Mobilfunkindustrie selbst ausgehen soll. Um das Milliardengeschäft mit Mobiltelefonen und der Handynutzung nicht zu gefährden, habe eine Lobby systematisch Forschungsergebnisse banalisiert und Wissenschaftler in die Kritik genommen, die von Handystrahlung hervorgerufene, besorgniserregende Effekte fanden, die in Verbindung zu Krebs stehen.

 

Ratgeber: Elektrosmog – wo er entsteht, was er bewirkt und wie man sich schützt

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat 2010 einen Ratgeber zum Thema „Elektrosmog“ herausgebracht, der alle wichtigen Informationen und Tipps rund um das Thema enthält. Die Verbraucherzentrale rät, die Belastung mit Elektrosmog vor allem in den eigenen vier Wänden so gering wie möglich zu halten, denn es bestehe bereits eine Gefährdung, wenn Lampen, Musikanlagen und weitere Geräte in einem Radius von 30 Zentimetern auf Personen einwirken. Das Buch kann direkt bei der Verbraucherzentrale bestellt werden.

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Bildquellen

  • kopfschmerzen: Symbolbild

Anne Giesbert ist PR-Beraterin bei raabengrün. Als Germanistin findet sie passende Worte, als heimliche Profi-Fotografin hat sie den Blick für gute Bilder. Wenn sie nicht gerade hinter dem Rechner oder der Kamera steckt, ist sie am liebsten im eigenen Garten, in den Bergen oder am See unterwegs.

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