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Kaffee selber rösten – Geht das wirklich zu Hause?

In der Pfanne werden die schon braunen Bohnen mit einem Holzwender gewendet.

Leidenschaftliche Kaffeetrinker sind inzwischen dazu übergangenen, ihre Kaffeebohnen selbst zu rösten. Während einige Gourmets auf die Röstung in der Pfanne schwören, setzen andere auf hochwertige Hightech-Heimröster. Die Arten der Röstung sind unterschiedlich, doch der Vorgang bis zur fertigen Bohne ist in jeder Rösterei gleich. Kaffeebohnen sind im Rohzustand grün und entwickeln ihre hell- bis dunkelbraune Farbe durch das Rösten. Der Grad der Röstung ist ausschlaggebend für die Intensität des Geschmacks. Je stärker die Röstung, desto dunkler die Farbe. Doppelt geröstete Kaffeebohnen sind besonders dunkel. Auf was muss man da beim Kaffee selber rösten achten?

Kleine Kaffeekunde vor dem Rösten

Erst mal grundsätzlich zur Bohne: Kaffee ist eine Frucht, die einer Kirsche sehr ähnelt und an Kaffeesträuchern wächst. Bis zur Reife benötigen die Bohnen neun bis elf Monate. Kaffeekirschen werden meistens von Hand gepflückt, in niedrigen Lagen kommen auch Maschinen zum Einsatz. Danach wird das Kirschfleisch von der grünen Kaffeebohne entfernt. Traditionell wird die Kaffeekirsche solange in der Sonne getrocknet, bis sich das Fruchtfleisch von selbst löst. Diese Methode kommt auch heute noch zum Einsatz. Der Großteil der Bohnen landet jedoch in sogenannten „Wetmills“. Dort wird das Fruchtfleisch mithilfe von Wasser von der Bohne getrennt und anschließend maschinell getrocknet.

Die roten und grünen Beeren hängen am Strauch. © CC0 / tristantan

In den Beeren liegen umschlossen vom Fruchtfleisch die Kaffeebohnen. Traditionell werden die Beerne in der Sonne getrocknet, bis sich Fruchtfleisch von Bohne trennen lässt.

Rohkaffee wird in zwei Arten geteilt: Hochlandkaffee Arabica und Tieflandkaffee Robusta. Kaffee Arabica hat einen Anteil von 60 bis 70 Prozent an der Weltproduktion. Zu den wichtigsten Anbauregionen gehören Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Nicaragua, Costa Rica und Äthiopien. Die Bohnen wachsen in Höhen über 1000 Meter. Je höher die Lage, desto langsamer reifen die Früchte und entwickeln dadurch einen kräftigen und vollen Geschmack.

Kaffee Robusta übernimmt rund 30 bis 40 Prozent der weltweiten Produktion und gedeiht am besten unterhalb der 1000-Meter-Grenze. Angebaut werden sie hauptsächlich in Indonesien, Vietnam und in Westafrika. Robusta-Bohnen sind kleiner als Arabica-Bohnen, jedoch sehr viel widerstandsfähiger und enthalten fast doppelt so viel Koffein. Und: Robusta-Bohnen sind kostengünstiger, weil sie einfacher zu ernten sind. Der niedrigere Preis hat ihnen zu Unrecht den Ruf eingehandelt, nicht so hochwertig wie Arabica zu sein. Der vollwürzige und kräftige Geschmack wird vor allem in italienischen Mischungen geschätzt, die wir als Kaffee Crema und Espresso kennen.

Kaffee selber rösten heißt auch Kaffeebohnen auswählen – am besten fair gehandelt

Die eigene Kaffeerösterei ermöglicht den Genuss einer fast unbegrenzten Geschmacksvielfalt. Frisch gerösteter Kaffee enthält zwischen 800 und 1200 aromatische Verbindungen. Alle sind miteinander verflochten und verantwortlich für das Aroma. Zu Hause rösten ist einfacher als man denkt. Mit ein wenig Erfahrung lassen sich die grünen Bohnen aus aller Welt im Handumdrehen rösten. Im besten Fall stammt der Kaffee aus kontrolliert biologischem Anbau und ist fair gehandelt.

Bezugsquellen: Grüne Kaffeebohnen in Bio-Qualität gibt es im Drogeriemärkten und Bioläden. Meistens gibt es dort nur eine Sorte Rohkaffee. Im Internet ist die Auswahl an fair gehandelten grünen Kaffeebohnen aus aller Welt sehr viel größer.

Die hellen Bohnen füllen das Bild komplett aus. © CC0 / AngelaL_17

So sehen die Kaffeebohnen ungeröstet aus. Sie erinnern optisch leicht an Sojabohnen.

Kaffee selber rösten: So geht’s in der Pfanne

Schon vor tausenden von Jahren wurden Kaffeebohnen in hitzebeständigen Gefäßen über dem Feuer geröstet. Erste Überlieferungen stammen aus der Türkei im 15. Jahrhundert. Diese Form der Röstung erlebt seit einiger Zeit ein Revival. Kaffeebohnen in der Pfanne zu rösten, ist sehr einfach. Die Pfanne dafür auf etwa 200 °C vorheizen und den Boden mit den Rohkaffeebohnen bedecken. Die Bohnen immer wieder auf dem Pfannenboden umrühren, damit sie gleichmäßig anrösten. Nach etwa fünf Minuten verdampft die restliche Feuchtigkeit der Bohnen und sie beginnen zu knacken. In dieser Phase ist eine gute Belüftung wichtig, damit der Rauch abziehen kann. Die grünen Kaffeebohnen sind anfangs noch sehr hell und benötigen Zeit, bis sie ihre charakteristische Farbe annehmen.

Nach etwa 20 Minuten sind die Bohnen geröstet, je nach gewünschtem Röstgrad können sie noch ein bis zwei Minuten länger in der Pfanne bleiben. Dann die Pfanne vom Herd nehmen und ein wenig abkühlen lassen. Die gerösteten Bohnen zum Abkühlen in einen trockenen Behälter schütten. Dort sollten sie mindestens 24 Stunden ruhen, bevor sie gemahlen werden.

Unbedingt beachten: Beim Erhitzen entsteht Druck in den Bohnen, der manchmal dazu führt, dass die Bohnen beim Aufplatzen aus der Pfanne springen. Deshalb den Kopf nicht direkt über die Pfanne halten beim Umrühren oder eine Schutzbrille tragen.

Kaffee selber rösten: So geht’s im Backofen

Der Backofen ist sehr gut geeignet, um größere Mengen grünen Kaffee zu rösten. Dazu den Backofen auf 200 °C Umluft vorheizen und eine Lage Bohnen auf dem Backblech verteilen. Das Vorheizen ist wichtig, weil die Bohnen sonst verkleben oder anbacken könnten. Die rohen Bohnen dürfen nicht übereinanderliegen, damit sie gleichmäßig rösten. Nach 15 bis 20 Minuten sind die Bohnen fertig. Die genaue Zeit ist abhängig vom gewünschten Röstgrad.

Die Tür des Backofens während der Röstung nicht öffnen, auch wenn das Aroma der frisch gerösteten Bohnen dazu verlockt. Es ist wichtig, dass die Hitze im Ofen bleibt, um den Röstvorgang schneller abzuschließen. Anschließend das Backblech aus dem Ofen nehmen und die Bohnen in ein großes Sieb zum Abkühlen geben. Wenn sie völlig erkaltet sind, in einen Behälter füllen.

Kaffee selber rösten ist in diesem Fall ganz einfach: Ohne teure und aufwändige Geräte. Und ohne die Gefahr aufspringender Bohnen. Die Backofenmethode wird zudem oft bevorzugt, weil sie ein gleichmäßigeres Ergebnis liefert und keine belästigenden Dämpfe entstehen wie beim Rösten in der Pfanne. Nach etwa zwei Tagen hat sich das volle Aroma entfaltet und es kann gemahlen werden.

Kaffeebohnen liegen verstreut um eine kleine Kaffeemühle aus Edelstahl und Glas herum.

Nach der Röstung braucht man noch etwas Geduld, bis der Kaffee gemahlen und aufgebrüht werden kann.

Kaffee selber rösten in der Popcornmaschine

Wer kleinere Mengen Kaffee selber rösten möchte, kann eine Heißluft-Popcornmaschine nutzen. Wichtig ist, dass es sich um ein Heißluftgerät handelt, das über den Ventilator heiße Luft ins Innere der Kammer leitet. Die Einstellungsmöglichkeiten der Popcornmaschine sind nicht so vielfältig wie bei den professionellen Heimröstern, denn bei den meisten lässt sich nur die Laufzeit variabel einstellen. Trotzdem ist das Ergebnis sehr gut. Viele überzeugte Kaffeeröster bevorzugen diese Methode, weil sie so einfach ist.

Profi-Heimröster für den wahren Kaffeegenuss

Heimröster gibt es in sehr unterschiedlichen Ausführungen. Sehr preisgünstige liegen bei etwa 200 Euro und nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Die Bandbreite reicht von einfachen Tischröstern bis zu professionellen Geräten, die unterschiedliche Röstungen erlauben. Kaffeekenner behaupten, dass ein „wahrer“ Kaffeegenuss nur mit selbstgeröstetem Rohkaffee möglich ist. Für die Anhänger dieser Theorie gibt es zahlreiche Heimröster, die ausgezeichnete Ergebnisse hervorbringen.

Gut zu wissen: Rechtliches für Heimröster

Kaffee selber rösten ist nur für den Hausgebrauch erlaubt, nicht für gewerbliche Zwecke, denn auf rohen Kaffee wird keine Mehrwertsteuer erhoben.

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Bildquellen

  • kaffee-beere: © CC0 / tristantan
  • rohbohnen: © CC0 / AngelaL_17
  • Kaffee-selbst-roesten: © peterkai - stock.adobe.com

Eva praktiziert „grünen“ Journalismus aus Überzeugung. Als Mitarbeiterin im Einkauf für Waschbär ist sie ständig damit beschäftigt, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Richtig wohl fühlt sie sich in der freien Natur. Dort lässt sie sich am liebsten vom Lichtwellenspektrum der blau-grün-türkisen Meeresfarben inspirieren.

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