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Nachhaltiges Hundefutter – für eine bessere Ökobilanz

Nachhaltiges Hundefutter steht in einem Napf auf dem Boden bereit, man sieht die Pfoten eines Hundes daneben.

In jedem fünften Haushalt in Deutschland lebt ein Hund. Und seit Beginn der Corona-Pandemie steigt die Zahl der Hundebesitzerinnen und -besitzer weiter deutlich. Kein Wunder: Die Menschen verbringen mehr Zeit zu Hause und manche erfüllen sich mit einem geselligen Vierbeiner einen lang gehegten Wunsch. Doch spätestens, wenn der Hund einzieht, müssen Frauchen und Herrchen sich mit der Frage auseinandersetzen, womit sie ihn füttern. Wer die Umwelt schützen möchte, strebt auch eine entsprechende Ernährungsweise für seine tierischen Begleiter an. Dazu gehört nachhaltiges Hundefutter ohne oder mit möglichst wenig Fleisch, um den Proteinbedarf zu decken. Doch ist das wirklich gesund für den Hund?

Konventionelles Hundefutter – schlecht für die Umwelt

Hunde fressen am liebsten Fleisch – egal ob frisch gekocht, roh oder aus der Dose. Deshalb landet oft konventionelles Futter im Napf, obwohl die Ökobilanz hier bedenklich ist. In der Regel stammt dieses Futter aus Massentierhaltung und wird energieaufwendig produziert. Laut einer Studie der TBU Berlin leben rund zehn Millionen Hunde in Deutschland. Sie verursachen pro Jahr etwa sechs Millionen Tonnen CO2. Besonders umweltbelastend ist das Herstellen von Hundefutter. Hauptverursacher ist nach Analyse des TU-Wissenschaftlers Matthias Finksteiner das Fleisch im Futter. Rindfleisch stellt den Hauptbestandteil dar. Die Methan-Emission von Kühen trägt erheblich zum Klimawandel bei. Außerdem erhalten Kühe oft Kraftfutter, das in weit entfernten Regionen angebaut und nach Deutschland transportiert wird, wie beispielsweise Soja aus Brasilien.

Nachhaltige Ernährung für den Hund – jeder Schritt ist wertvoll

Vielen Menschen ist Nachhaltigkeit wichtig – auch im Hinblick auf ihre Haustiere. Hundehalterinnen und -halter geben in Deutschland pro Jahr fast zwei Milliarden Euro für Futter aus. Bei der Wahl des Futters geht es darum, den Hund nicht nur gesund und artgerecht zu ernähren, sondern gleichermaßen nachhaltig. Das sei gar nicht so kompliziert, sagt Petra König, Expertin für nachhaltige Hundehaltung und Beraterin der Firma Goood Petfood. Man müsse jedoch erst verstehen, was der Begriffe der Nachhaltigkeit alles beinhalte und worauf es zu achten gelte. Jeder kleine Schritt sei wertvoll, so die Expertin. Mit hochwertigem Futter, das zertifiziertes Fleisch aus Freilandhaltung sowie Gemüse aus regionalem Anbau enthalte, ernähre man Hunde gesund. Gleichzeitig sei das Ganze schmackhaft und sinnvoll für Tierwohl und Klimaschutz, etwa durch kürzere Transportwege.

Petra König mit ihrer Hündin Mona. © Petra König

Nachhaltiges Hundefutter ist für Petra König eine Herzensangelegenheit – auch wegen Hündin Mona.

Wie erkennt man nachhaltiges Hundefutter?

Der Unterschied zwischen gewöhnlichem und „grünem“ Hundefutter ist nicht auf den ersten Blick erkennbar. Petra König empfiehlt, beim Kauf von Futter auf natürliche Rezepturen zu achten, die die unterschiedlichen Bedürfnisse von Hunden berücksichtigen. Hochwertiges Futter kommt ohne Zuckerzusatz aus und verzichtet auf künstliche Konservierungsmittel, Aromen und Farbstoffe. Auf der Zutatenliste ist klar deklariert, ob das Futter mit Fleisch aus Freilandhaltung oder Fisch aus nachhaltigem Fang hergestellt wurde. Zutaten aus regionalem Anbau sind ein zuverlässiger Hinweis auf gesundes Futter mit einem möglichst geringen CO2-Pfotenabdruck. Lange Transportwege und Lagerzeiten entfallen hier.

Nachhaltige Ernährung für Hunde – weniger Filetstücke, mehr Veggie-Tage

Petra König lebt seit vielen Jahren nachhaltig mit ihren Hunden. Sie führt an, dass Wölfe früher nicht nur Filetstücke gegessen hätten. Beutetiere seien fast komplett verspeist worden. Daher solle man sich fragen, ob es für den eigenen Hund wirklich immer das Filet sein müsse.

Die Expertin empfiehlt zudem, ein oder zwei Veggie-Tage pro Woche einzulegen. Mit alternativen Proteinquellen wie Fisch (aus nachhaltigem Fischfang) und Insekten lasse sich der CO2-Verbrauch ebenfalls reduzieren.

Ein weißer Hund liegt auf einer Wiese und frisst eine Karotte. © CC0 / Mojpe

Auch Obst und Gemüse wird von vielen Hunden gerne verspeist.

Wie viel Wolf steckt in unseren Hunden?

„Hunde sind Fleischfresser“ – diese Aussage hält sich hartnäckig. Es gibt Frauchen und Herrchen, die sich aufgrund dessen für das „Barfen“ entscheiden. Darunter versteht man das Füttern mit rohem Fleisch und rohem Gemüse. Der Hund ist das älteste Haustier des Menschen und sein erster treuer Begleiter. Da ist sich die Wissenschaft einig. Auch darüber, dass alle Hunderassen vom Wolf abstammen. Doch seit der Domestizierung ist viel Zeit vergangen. Zahlreichen Untersuchungen zufolge lief der Übergang vom Wolf zum Hund vor 20.000 bis 40.000 Jahren ab.

Das Zusammenleben mit dem Menschen veränderte die Nahrung und das Wesen der Hunde. Diese wurden innerhalb weniger Generationen zahmer und ließen sich zum Bewachen von Viehherden, Haus und Hof einsetzen. Diese Veränderung brachte die Merkmale mit sich, die Hunde auch äußerlich vom Wolf unterscheiden: kürzere Schnauzen, kleinere Zähne und Schlappohren. Mit dem Aufkommen der Ackerbauernkulturen landete immer öfter Getreide im Fressnapf. Das führte dazu, dass Hunde die Fähigkeit entwickelten, Stärke zu verdauen und sich deshalb nicht ausschließlich mit Fleisch zu ernähren. Vorsicht ist jedoch bei Hunden geboten, die allergisch auf Getreide reagieren. Inzwischen bieten die meisten Firmen für sie getreidefreies Hundefutter an.

Ein Hund frisst Trockenfutter aus einem Fressnapf. © CC0 / cottonbro

Getreide findet sich mittlerweile oft in Trockenfutter für Hunde wieder.

Nachhaltiges Hundefutter – fleischlos glückliche Hunde?

Die Tatsache, dass der Hund vom Wolf abstammt, nutzen Firmen als Argument für einen hohen Fleischanteil im Futter. Doch inzwischen gibt es Ersatz für Fleisch. Als Alternative bietet sich beispielsweise Fisch an, der für Hunde äußerst gesund ist, da er zahlreiche Vitamine und Nährstoffe enthält. Außerdem liefert er wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Vor allem Forelle ist reich an Eiweiß, leicht verdaulich und muss nicht aus fernen Ländern transportiert werden. „Goood beispielsweise bezieht seine Forellen unter anderem aus heimischen Gewässern und nachhaltiger und damit artgerechter Fischzucht“, macht Petra König deutlich.

Auch für Hunde, die auf verschiedene Fleischsorten allergisch reagierten, gäbe es Alternativen, so die Expertin. Ein Futter mit Fisch oder Insekten als Proteinquelle sei hier eine gute Möglichkeit. Auf diese Weise bräuchten Hunde trotz ihrer Unverträglichkeiten nicht auf tierische Eiweißquellen zu verzichten.

Nachhaltiges Hundefutter: Ökologischer Fußabdruck von Insektenproteinen

Insekten sind eine umweltfreundliche Alternative zu Fleisch. Sie brauchen wenig Fläche, lassen sich zu 100 Prozent weiterverarbeiten und verwerten biologische Abfälle. Transportwege entfallen weitgehend. Das Insektenprotein ist nachhaltig, weil es einen höheren Eiweißgehalt als Rindfleisch hat. Es ist bekömmlicher und braucht bei der Zucht einen Bruchteil der Ressourcen. Die Herstellung von einem Kilogramm Insektenprotein setzt nur zehn Kilogramm CO2 frei und spart 183 Kilogramm Futter und 89.000 Liter Wasser ein.

Hundefutter selbst kochen – für mehr Nachhaltigkeit

Hundefutter selbst zu kochen verbessert die Ökobilanz rasant. Es gibt zahlreiche wertvolle Rezepte im Internet mit Tipps von Leuten, die ihre Erfahrungen weitergeben. Durch die frische Zubereitung lässt sich der Fleischanteil regulieren. Selbst zu kochen hat den Vorteil, dass man weiß, was im Essen steckt. Denn auch Gemüse und Kohlenhydrate sind wichtig für den Darm und die Energiezufuhr bei Tieren. Außerdem spart man einen Haufen Müll.

Industriell produziertes Nassfutter gibt es oft in Schälchen aus Aluminium oder in Dosen. Trockenfutter wird in Plastiktüten verkauft. Eine umweltfreundliche Alternative ist Trockenfutter als große Vorratspackung in festen Papiersäcken, die sich recyceln lassen. Wer seinen Hund mit Nassfutter ernähren möchte, kann auf Futter in wiederverwendbaren Gläsern zurückgreifen. Die nachhaltigste Methode ist und bleibt, Hundefutter selbst zu kochen und die notwendigen Zutaten möglichst unverpackt einzukaufen.

Neben dem Hundefutter lassen sich auch Leckerlis selbst herstellen. Im Waschbär-Magazin finden Sie ein Rezept für selbst gemachte Hundekekse.

Ein junger Hund schnüffelt an frisch gebackenen Hundekekse, die auf einem Ofengitter liegen. © Michael Ebardt - stock.adobe.com

Auch Hunde mögen Selbstgemachtes – es duftet einfach zu köstlich!

Nachhaltiges Leben mit dem Hund: CO2-Verbrauch konsequent senken

Für fast alles, was Hunde benötigen, gibt es mittlerweile grüne und qualitativ hochwertige Alternativen. Spielzeuge aus Holz, Naturkautschuk, Tau oder Leder sind lange haltbar und bereiten den Vierbeinern viel Freude. Kompostierbare Tüten für Hundekot reduzieren den Plastikverbrauch. Wer mit dem Hund zu Fuß oder mit dem Fahrrad rausgeht, kann den CO2-Verbrauch im Vergleich zur Autofahrt deutlich senken. Ein achtsamer Umgang mit wertvollen Ressourcen macht das Leben mit Hunden noch schöner und nachhaltiger.

 

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Bildquellen

  • petra-koenig-mit-hund: © Petra König
  • hund-isst-karotte: © CC0 / Mojpe
  • fressnapf: © CC0 / cottonbro
  • gebackene-hundekekse: © Michael Ebardt - stock.adobe.com
  • nachhaltiges-hundefutter: © CC0 / Mathew Coulton

Eva praktiziert „grünen“ Journalismus aus Überzeugung. Als Redakteurin bei Waschbär ist sie ständig damit beschäftigt, Themen rund um Ökologie aufzuspüren und in die richtigen Worte zu kleiden. Richtig wohl fühlt sie sich in der freien Natur. Dort lässt sie sich am liebsten vom Lichtwellenspektrum der blau-grün-türkisen Meeresfarben inspirieren.

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