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Nachhaltig backen – geht das überhaupt und wenn ja, wie?

Nachhaltig backen mit Backutensilien und verschiedene Zutaten, die auf einer Holzplatte bereit liegen.

Wie beim Kochen gilt auch beim Backen: Lebensmittel aus regionaler Herkunft, biologische sowie saisonale Produkte sind umweltfreundlicher als konventionelle. Der Unterschied zwischen beispielsweise Eiern aus den Niederlanden und Eiern vom Biohof um die Ecke ist mitunter der Transportweg. Beim regionalen Kauf entfällt dieser nämlich. Hinter dem Bio-Ei vom Bauernhof versteckt sich also ein geringerer CO2-Ausstoß als hinter jenem, das erst für deutsche Supermärkte importiert wurde.

Zutaten regional einkaufen

Falls es im Umkreis keinen erreichbaren Bio-Bauernhof mit Verkauf gibt, bietet sich der Besuch auf einem Wochenmarkt an. Diese werden oft von regional ansässigen Erzeugern genutzt. Besonders Städterinnen und Städter können das Marktangebot für einen umweltbewussten Einkauf nutzen. Manche Bäckerstände bieten sogar eigenes Mehl zum Verkauf an.

Auf dem Markt können Käuferinnen und Käufer nicht nur qualitativ hochwertige sowie regionale Lebensmittel beziehen. Sie können zudem direkt Fragen zu Anbau, Herkunft oder Aufzucht stellen. Doch auch beim Einkauf im Supermarkt sollten die Erzeugungsparameter der jeweiligen Lebensmittel nicht unter den Tisch fallen. Achten Sie zum Beispiel beim Kauf von Kakao zum Backen auf Bio- und Fairtrade-Siegel.

Verpackungsmüll beim Zutatenkauf vermeiden

Für gewöhnlich sind Lebensmittel in Supermärkten zum großen Teil verpackt: Die Mandelblättchen sind in Plastik verschweißt, die Butter ist in eine Schutzfolie gewickelt, das Backpulver kommt in kleinen Tütchen daher. Nachhaltig backen bedeutet jedoch auch, auf die Müllproduktion zu achten. Unverpackt-Läden bieten die Möglichkeit, lose Zutaten zu kaufen. Von diesen Läden gibt es mittlerweile einige. Eine Übersicht zu den Unverpackt-Läden in Deutschland finden Sie im Waschbär-Magazin.

Zwei Getreidemühlen stehen in der Küche zur Verwendung bereit.

Auch Mehl kommt ohne Verpackungsmüll aus, wenn das Getreide in einer Mühle zu Hause oder im Unverpackt-Laden gemahlen wird.

Nachhaltig backen mit den richtigen Helfern

Nachhaltig backen bedeutet nicht nur, darauf zu achten, was ins Förmchen reinkommt. Wichtig ist auch, wie der Teig verarbeitet und in welche Form er anschließend gegeben wird. So sind langlebige Backutensilien aus umweltfreundlichem Material etwa ein bestimmender Faktor für die Umweltbilanz. Die folgenden Küchenhelfer sind beim Backen häufig im Einsatz:

  • Schneebesen
  • Teigschaber
  • Nudelholz
  • verschiedene Backformen
  • Backpapier

Nachhaltig backen: Helfer bei der Teigzubereitung

Wählen Sie Teigschaber und Schneebesen aus Edelstahl. Zur Herstellung dieses Materials wird zwar viel Energie benötigt. Dafür bietet es jedoch viele Vorteile: Es ist nicht nur spülmaschinenfest, sondern auch robust – und damit im Gegensatz zu manchem Besteck aus Kunststoff lange einsatzfähig. Darüber hinaus ist Edelstahl recycelbar. Beim Nudelholz sollten Sie auf Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft mit FSC-Siegel setzen.

Backformen aus nachhaltigem Material

Praktisch ist es, wenn Kuchen und Gebäck nach dem Backen nicht an der Form haften bleiben. Hierzu eignen sich beispielsweise Formen aus Stahl mit einer Emaillebeschichtung. Emaille ist ein wahres Küchenwunder – temperaturbeständig und robust. Mit der richtigen Reinigung und Pflege werden Sie lange Freude daran haben. Alternativ können Sie eine Form aus Borosilikatglas verwenden. Dieses ist absolut geschmacksneutral, schnittfest und enthält keine Allergene. Beide Materialvarianten sind sehr langlebig und müssen selten ersetzt werden, was sich positiv auf ihre Ökobilanz auswirkt.

Nachhaltige Alternativen zu Backpapier

Bei vielen Backgängen fällt Müll in Form von Backpapier an. Zwar berichten im Internet so manche darüber, dass sie handelsübliches Backpapier mehrmals verwenden, viele Hersteller raten auf der Verpackung jedoch davon ab. Eine Alternative stellt beispielsweise die sogenannte Dauerbackfolie aus Glasgewebe dar. Sie ist in der Regel hitzebeständig bis 260 Grad, reißfest und lässt sich viele Male wiederverwenden.

Statt Backpapier zu nutzen, kann man das Backblech auch ganz klassisch gut einfetten. Dafür muss man nicht zwingend Butter verwenden – Pflanzenfette eignen sich ebenfalls. Für viele Leckereien, wie z.B. Plätzchen, lassen sich auch Oblaten als Backunterlage verwenden. Diese sind geschmacksneutral und trennen Blech und Teig gut voneinander.

Den Stromverbrauch minimieren

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Teig zuzubereiten. Ob Sie dabei von Hand, mit dem Handrührgerät oder der Küchenmaschine zu Werke gehen, ist ein Stück weit Geschmackssache. Wer wirklich nachhaltig backen will, sollte sich so oft wie möglich für die Variante ohne Stromanschluss entscheiden – und den Teig beherzt selbst kneten. Denn je geringer der Energieverbrauch, desto geringer die Belastung der Umwelt.

Die Küchenwaage steht auf der Küchenanrichte und ist im Einsatz.

Bewegungsenergie statt Batterie: Hier kann Strom durch Drehen an einem Knopf selbst erzeugt werden.

Doch nicht immer steht einem die Lust danach, beispielsweise Sahne von Hand steif zu schlagen. Eine Variante zwischen Schneebesen und Küchenmaschine stellt ein Handrührgerät zur manuellen Bedienung dar. Damit lassen sich Sahne, aber auch eher flüssige Teige gut bearbeiten. Und das ganz ohne Strom.

Feuer und Flamme für nachhaltiges Backen

Sind dann alle Zutaten nach Rezept miteinander vermengt, kommt der Teig in den Ofen. Und auch dieser kann zum nachhaltigen Backen beitragen. Schließlich gehen laut der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz rund 10 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in einem Zweipersonenhaushalt auf das Konto der Zubereitung von Speisen am Herd und im Ofen.

Gas- oder Elektro-Ofen – was ist fürs nachhaltig backen besser geeignet?

Bei der Wahl eines energiesparenden Ofens stehen Verbraucherinnen und Verbraucher häufig vor der Frage: Gas oder Elektro – was ist umweltfreundlicher? Ist ein entsprechender Anschluss vorhanden, ist der Gasofen eine gute Wahl. Denn Gas ist ein sogenannter Primärenergieträger. Das Gas verbrennt im Ofen und erzeugt dadurch Wärme. Bei Elektrobacköfen hingegen muss erst Strom erzeugt werden, der wiederum Wärme zum Backen produziert. Dieser Vorgang benötigt vergleichsweise mehr Energie.

Seit 2015 werden Elektrobacköfen und Gasbacköfen mit den EU-Energielabeln von A+++ bis D gekennzeichnet. Diese geben Auskunft über die Leistungsfähigkeit der Backröhre. Geräte mit den Kennzeichnungen A+++ bis A+ gelten dabei als besonders leistungsfähig. Neben der Energieklasse beeinflusst auch die Beschaffenheit der Ofentür, wie umweltfreundlich der Backofen ist. Denn je besser ein Backofen isoliert ist, desto geringer ist der Energieverlust beim Backvorgang. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz empfiehlt dreifachverglaste Türen.

Finger weg von der Selbstreinigungsfunktion

Viele neue Ofenmodelle verfügen über eine integrierte Funktion zur Selbstreinigung. Eine praktische Idee – zunächst. Allerdings benötigt die Reinigung viel Energie, was sich negativ auf die Ökobilanz auswirkt. Pro Selbstreinigungsgang braucht ein Ofen laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz im Schnitt 4 bis 5 Kilowattstunden Energie. Nicht sonderlich viel dafür, dass danach aller Schmutz verbrannt ist, werden sich manche denken. Letztlich gilt es jedoch beim nachhaltigen Backen immer, solche Aspekte vor dem Hintergrund einer möglichen Alternative zu betrachten – in diesem Fall null Energieverbrauch bei der Reinigung des Backofens von Hand.

Weitere Tipps rund um das nachhaltige Backen im Ofen

  • Die Heiß- oder Umluftfunktion eignet sich hervorragend, um nachhaltig zu backen. In diesem Modus können laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz grundsätzlich 20 bis 30 Grad niedrigere Gartemperaturen gewählt werden. Grund dafür ist die optimale Hitzeverteilung im Ofen. Ein Gasgebläse verteilt die Hitze, sodass überall im Ofen eine gleichmäßige Temperatur herrscht. Das ermöglicht mitunter, den Ofen mit mehreren Blechen zu bestücken. So können Sie beispielsweise mehrere Kuchen gleichzeitig backen und müssen dafür nur einmal den Ofen aufheizen.
  • Kleine Dinge können für nachhaltiges Backen besonders wirksam sein. So sollte etwa die Backofentür während der Backzeit nicht häufiger als notwendig geöffnet werden. Auch das Vorheizen des Backofens frisst Energie. Bei der Nutzung des Ofens im Heiß- oder Umluftbetrieb können Sie in vielen Fällen darauf verzichten und so Energie sparen.
  • Noch nachhaltiger geht Backen, indem Sie die Restwärme des Ofens nutzen. Je nach Modell können Sie nach dem Ausschalten noch bis zu 15 Minuten die restliche Hitze darin effektiv nutzen. Das frühe Abstellen des Ofens verhindert, dass mehr Energie in Wärme umgesetzt wird, als eigentlich für die Fertigstellung des Gebäcks notwendig ist. Dieses frühe „Vom-Gas-Gehen“ benötigt eventuell etwas Routine.

Nachhaltig backen ist kinderleicht

Neben der Vermeidung von Verpackungsmüll, der Verwendung fairer und regionaler Zutaten und der Wahl energieeffizienter Elektrogeräte liegt der Weg zum nachhaltigen Backen also vor allem im Detail. Das Schöne daran ist, dass jeder und jede die Möglichkeit hat, die kleinen Handgriffe sofort umzusetzen. Vor allem Eltern, die mit ihren Kindern backen, können so nicht nur das sagenumwobene Käsekuchenrezept aus alter Familientradition weitergeben, sondern auch nützliches Wissen für einen nachhaltigen und umweltfreundlichen Lebensstil.

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Bildquellen

  • nachhaltig-backen: © CC0 / Suzy Hazelwood

Stefanie Schweizer arbeitet als freie Texterin. Eigentlich ist sie studierte Literaturwissenschaftlerin, doch schlägt ihr Herz auch für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Besonders angetan haben es ihr die grünen Fragen des Alltags und das Gärtnern auf engem Raum.

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  1. Bitriol Dietmar

    2 Dezember

    Betrifft Selbstreinigung: Wenn von 4 – 5 KWh die Rede ist, so ist das richtig.
    Fehlen tut jedoch der Hinweis, dass nicht nach jeden Gebrauch die Selbstreinigung in Betrieb genommen werden muss. Je nach gebrauch max. alle 2 – 3 Monate. Außerdem werden keine Chemikalien welche ja auch nicht kostenlos sind und vom Gesundheitsaspekt her auch nicht gerade positiv bewertet werden können, gebraucht.

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