Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Waschbär-Modenschau bei EINS+ALLES: Was daran so besonders ist …

Ein roter Laufsteg in der Natur, gesäumt von Punlikum auf Heuballen und einem Model mit grünem Kleid

Taillenumfang, Mindestgröße, Gesichtszüge – das sind nur ein paar der genauen Richtlinien, die ein Mensch erfüllen muss, um als Model arbeiten zu können. Die Laufstege dieser Welt kann nicht jeder von oben sehen, denn die Modebranche hat klare Vorstellungen von Schönheit und Ästhetik. Schon bereits als Kind verinnerlicht man das von erfolgreichen Konsumkonzernen gezeichnete Bild des idealen Menschen, der uns die neusten Trends zugänglich macht. Dieses makellose, fast übernatürliche Bild hat sich in unseren Köpfen stark verankert. Dadurch nehmen viele von uns, die nicht in das Schönheitsideal der Modebranche passen, alle Abweichungen davon als unpassend war. Genau dagegen setzte die Waschbär-Modenschau bei EINS+ALLES ein Zeichen.

Mode ist kein Körperideal

Doch zum Glück sind wir keine Klone und alles andere als gewöhnlich. Jeder Mensch auf diesem Planeten ist verschieden und durch seine Individualität einzigartig. Diese Tatsache geht uns durch die ständige Konfrontation mit den immer gleichen, unrealistischen Idealen oft verloren. Dann passiert es schnell, dass man ebenfalls anfängt in diesen Rastern zu denken. Doch die Welt ist bunt und facettenreich, genauso wie unsere Klamotten. Eigentlich ist Mode doch genau dazu da: Zum Erforschen der eigenen Schönheit, ihrer individuellen Gestaltung und zur Unterstreichung der eigenen Persönlichkeit. Auch wenn es viel Zeit und Kraft kosten wird, sollten wir versuchen, dieser idealorientierten Gesellschaft die Stirn zu bieten.

Nahaufnahme eines Models mit Sonnenbrille und grauem Pullover. ©EINS+ALLES

Selbstbewusst präsentierten die Models die Herbst-Kollektion von Waschbär auf dem Laufsteg.

Eine besondere Zusammenarbeit – Waschbär-Modenschau im Erfahrungsfeld EINS+ALLES

Waschbär hatte erstmals die Möglichkeit, genau das zu tun: Mode für die Menschen erlebbar machen, die meistens eher eine Randgruppe in der Modewelt darstellen. Das Ziel war eine Modenschau, die von Menschen mit Behinderung gestaltet und gelaufen wird. Möglich wurde das durch die enge Zusammenarbeit mit dem Erfahrungsfeld der Sinne „EINS+ALLES“ in Welzheim (bei Stuttgart). Die Verantwortung dafür wurde den Waschbär-Azubis übertragen. Sie kümmerten sich um die Organisation und Betreuung rund um die Einkleidung und das Styling der besonderen Models. Wie es dazu kam? Um diese Frage zu beantworten, braucht es einen genaueren Blick auf das Erfahrungsfeld der Sinne „EINS+ALLES“.

EINS+ALLES: Ein Einblick in die Arbeits- und Lebensgemeinschaft

Das Erfahrungsfeld EINS+ALLES ist in Welzheim, in einem Tal umgeben von Wald und Wiesen, fernab vom örtlichen Zentrum zu finden. Wenn man durch die Pforten des Erfahrungsfelds fährt, fühlt es sich an, als würde man ein kleines Wunderland betreten. Bunte Häuschen, fröhliche Menschen und unterschiedlichste Stationen der Sinneserfahrung verteilen sich über das ganze Gelände. Das „EINS+ALLES“ wird von der Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Laufenmühle e.V. als Werkstatt für behinderte Menschen betrieben. Die Idee ist, dass auf der Ebene der Sinneserfahrung – jenseits also von Vernunft und Rationalität – alle Menschen gleich sind und Behinderung in den Hintergrund rückt. Hier unterstützen Menschen mit sogenannten geistigen Behinderungen im Service, bei der Pflege der Anlagen, bei der Betreuung der Gäste oder in der eigenen Kaffeerösterei „el molinillo“.

Das „Kunst und Sinn Festival“ auf dem Erfahrungsfeld als Rahmen für die Waschbär-Modenschau

Unsere gemeinsame Modenschau wurde als besonderer Programmpunkt auf dem alljährlichen „Kunst und Sinn Festival“ von EINS+ALLES veranstaltet. Ein ganzes Wochenende erwarten die Besucher Live-Musik, viele erlebnispädagogische Programme und Workshops zum spontanen Mitmachen. Auch Kunsthandwerk, Tierbegegnungen, kulinarische Köstlichkeiten und vieles mehr gibt es zu erleben. Die besonderen Highlights boten 2018 die internationale Theaterproduktion „Pax Profanum“ sowie die Modenschauen mit Peter-Hahn und Waschbär.

Die Waschbär-Azubis lernen bei der Modenschau viel über Organisation – und Menschlichkeit

© Danah R.

Bei der Anprobe geht es auch darum, dass sich die Models in ihren Outfits wohlfühlen.

Natürlich erforderte die Modenschau einige Vorbereitungen bei Waschbär. Mit den genauen Maßen und Bildern der Models konnten wir Outfits auf den jeweiligen Typ abstimmen. Die Kollektion sollte einen herbstlichen Look ausstrahlen. Mit den zusammengestellten Outfits ging es zur Anprobe nach Stuttgart. Wir wurden fröhlich von unseren Hauptdarstellern empfangen und schon bei unserer Ankunft freudig „umzingelt“. Aufgeregte Gesichter voller Vorfreude, interessierte Fragen und keine Scheu vor langen Umarmungen. Wir spürten direkt diese große Herzlichkeit und unglaubliche Wärme der Bewohnerinnen und Bewohner der Christopherus Gemeinschaft.

Gemeinsam überprüften wir, ob die Kleidung richtig sitzt. Aber vor allem war aber wichtig, dass sie den Trägern auch gefällt und sie sich wohlfühlen. Für uns war das eine sehr schöne erste Begegnung. Im Alltag hat man leider selten Kontakt mit körperlich oder geistig eingeschränkten Menschen. Dadurch baut sich eine Distanz zu dem „Unbekannten“ auf. Unsere Vorurteile und Barrieren wurden an diesem Tag mit wunderbaren, positiven Erfahrungen eingetauscht.

Heuballen, Lamas, Sonnenschein – unsere besondere Waschbär-Modenschau bei EINS+ALLES

Eine Modenschau braucht Glamour! Deswegen war unsere Visagistin am großen Tag fleißig zugange: Sie drehte Locken, legte Make-up auf und lackierte Nägel. Alle waren voller Vorfreude, fröhliches Lachen und aufgeregtes Stimmengewirr füllten den Vorbereitungsraum. Ausgerüstet mit dem perfekt sitzenden Outfit und passenden Accessoires machten wir uns mit unseren Models bereit für den Showdown. Die Sonne strahlte auf den zwischen Heuballen und inmitten schönster Natur platzierten Outdoor-Laufsteg.

© Danah R.

Für manche Models ein ganz besonderer Moment: Make-up und Styling vor der Modenschau durch eine professionelle Visagistin.

Als die ersten Bässe und Strophen der Musik ertönten, bekam das Publikum Gänsehaut: „And in my mind, in my head this is where we all came from. The dreams we have, the love we share this is what we’re waiting for.” Jedes Model hatte zu seinem persönlichen Soundtrack den Laufsteg ganz für sich alleine. Sie stolzierten, hüpften und tanzten mit einer unglaublichen Energie. Das Publikum ließ sich sofort mitreißen, lachte und johlte vor Begeisterung. Wir selbst konnten vor Stolz gar nicht mehr aufhören zu klatschen.

Diskussionen und Denkanstöße rund um die Frage: Warum lassen wir uns so verbiegen?

Menschlichkeit, Lebensfreude und Echtheit – das haben wir bei dieser schönen und wirklich besonderen Waschbär-Modenschau gefühlt. Es war eine Erfahrung, die nur schwer zu beschreiben ist. Dieses Projekt hat uns gezeigt, was es eigentlich heißt, gemeinsam auf dieser Welt zu leben. Sich zu akzeptieren und zu unterstützen, anstatt sich auszuschließen. Wenn wir uns frei machen von allen Maßstäben und Erwartungen an einen Menschen, bekommen wir so viel pure Liebe zurück. Eine Modenschau gefüllt mit Lachen, Albernheit und verrückter Individualität ist so viel schöner als diese Ernsthaftigkeit aus der Branche. Das ist echt! Da spürt man das Leben und das wir alle eins sind. Da gibt es kein besser oder schlechter. Da gibt es nur eine Gemeinschaft gefüllt mit einzigartigen Menschen. Wir denken, es ist wichtig zu erkennen, wie viel schöner das Leben ohne unseren auferlegten Perfektionismus ist.

Klatschende Menschen ©EINS+ALLES

Am Ende der Modenschau gab es noch einen besonderen Moment der Herzlichkeit: Die Waschbär-Azubis wurden von den Models auf den Laufsteg geholt und in den fröhlichen Tanz einbezogen.

Den Inklusionsgedanken auf die Mode übertragen

Einige große Marken wie Tommy Hilfiger setzten erste Zeichen und bringen Mode heraus, die den Bedürfnissen von behinderten Menschen gerecht wird. Denn Rollstuhlfahrer oder andere körperlich eingeschränkte Menschen haben es mit der Modeauswahl nicht leicht. Auch wir hoffen, noch viele weitere Modeprojekte für und mit behinderten Menschen unterstützen zu dürfen. Die nächste gemeinsame Waschbär-Modenschau mit „EINS+ALLES“ ist bereits geplant. Wir freuen uns schon riesig!

Öffnungszeiten und weitere Informationen zu EINS+ALLES

Das Erfahrungsfeld ist von April bis zum 3. November täglich geöffnet. Detaillierte Öffnungszeiten, das aktuelle Programm und weitere Infos finden Sie unter www.eins-und-alles.de. Dort erfahren Sie auch, welche besonderen Aktionen und Veranstaltungen EINS+ALLES 2019 für Sie bereit hält.

Weiße Schrift auf rotem Grund: Das Logo von EINS+ALLES

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Bildquellen

  • ein-model-mit-herbst-outfit: ©EINS+ALLES
  • anprobe-fuer-die-waschbaer-modenschau: © Danah R.
  • styling-fuer-die-waschbaer-modenschau: © Danah R.
  • waschbaer-azubis-auf-der-buehne: ©EINS+ALLES
  • waschbaer-modenschau: ©EINS+ALLES

Danah geht mit dem Waschbär durch die große weite Social-Media-Welt und kommt dafür bei Wind und Wetter mit dem Rad zur Arbeit. Outdoor ist sowieso ihr Ding: Beim Joggen und auf Reisen genießt sie ihre Zeit in der Natur. Hat sie genug Frischluft getankt, zieht sie sich in ihre Kreativoase zurück, wo sie für sich und ihre kleine WG bastelt und werkelt.

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