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Schlupfwespen gegen Motten: Ökologische Schädlingsbekämpfung mit Nützlingen

Eine Schlupfwespe sitzt auf einem Stück Holz.

Sie sitzen im Kaffee oder Mehl und legen ihre Eier in Ritzen von Schränken und Kommoden ab. Die Rede ist von der gemeinen Motte in all ihren Variationen. Doch die Kleinschmetterlinge haben einen neuen Gegner, nämlich die Schlupfwespe. Sie können Schlupfwespen gegen Motten einsetzen und der Mottenplage damit ein Ende setzen.  Die winzigen Schlupfwespen gehören wie beispielsweise Bienen oder echte Wespen zur Gruppe der Hautflügler. Mit den ihnen namensverwandten Insekten haben Schlupfwespen allerdings nicht allzu viel gemein: Sie sind gerade mal 0,4 Millimeter groß, krabbeln vorwiegend und stellen gleichfalls keine Bedrohung für den Menschen dar.

Sind Schlupfwespen echte Wespen?

„Schlupfwespen können tatsächlich weder richtig fliegen noch stechen. Für Menschen und Haustiere sind die kleinen Nützlinge also nicht gefährlich“, erklärt Melissa Raupach, Mitgründerin von Plantura und Produktexpertin für Schlupfwespen.

Anders als die lästigen Motten interessieren sich Schlupfwespen weder für Kleidung noch für die Lebensmittel in Ihrem Haushalt. Der Fokus liegt auf den Eiern der Motten. Denn Schlupfwespen nutzen diese als Nahrungsgrundlage, indem die Weibchen ihre Eier in die der Motte legen. Die geschlüpften Wespenlarven fressen dann die Eier der Motte von innen heraus. Die Mottenlarve kann also gar nicht erst schlüpfen.

Wie lange leben Schlupfwespen?

Sind alle Motteneier verspeist, sterben die Schlupfwespen, da ihnen die Nahrungsgrundlage fehlt. Aber keine Sorge: Sie müssen am Ende nicht Scharen toter Hautflügler einsammeln. Da die Wespen so klein sind, zerfallen sie quasi zu Staub. Auch wenn es im ersten Moment grausam und ausbeuterisch scheint, dass die Tierchen nach Beendigung ihrer Arbeit die Nahrungsgrundlage verlieren: Der Einsatz von Schlupfwespen gegen Motten ist grundsätzlich ein natürlicher Prozess – der eben mit der Mottenschar in den eigenen vier Wänden endet. Und im Vergleich zu anderen Taktiken liegen die ökologischen Vorteile von Schlupfwespen auf der Hand: natürliche und ökologische Schädlingsbekämpfung ganz ohne Chemie.

Die Schlupfwespen gegen Motten zerfallen einfach zu Staub, eine Frau saugt deshalb ihren Teppich mit einem Staubsauger. © CC0 / cottonbro

Die Rückstände der toten Schlupfwespen sind nicht sichtbar und werden beim nächsten Durchputzen ohnehin beseitigt.

Im Haus Schlupfwespen gegen Motten einsetzen

Mithilfe dieser ökologischen Schädlingsbekämpfung lassen sich Lebensmittel- und Textilmotten im Haus bekämpfen. Allerdings sind nicht alle Schlupfwespen für diese Arbeit geeignet. Nachhaltig ausgerichtete Unternehmen wie Plantura setzen dabei auf heimische Gattungen wie zum Beispiel die Trichogramma evanescens. „Diese speziellen Nützlinge sind die natürlichen Gegenspieler von Motten und parasitieren deren Eier“, erklärt Melissa Raupach. Bei Plantura werden die Schlupfwespen in sogenannten Kärtchen geliefert. Pro Quadratmeter befallene Fläche reicht in der Regel ein solches Kärtchen aus.

Vorbereitung für den Einsatz von Schlupfwespen gegen Motten

„Verzichten Sie auf jeden Fall vor und während der Anwendung von Schlupfwespen auf chemische Bekämpfungssprays gegen Motten. Die schaden nämlich auch den kleinen Schlupfwespen“, erklärt Melissa Raupach. Sind Lebensmittel von Motten befallen, sollten Sie sie unmittelbar entsorgen. Bringen Sie zudem gleich den Müll runter, damit die lästigen Schädlinge nicht wieder aus dem Abfall hinausgelangen. Produkte, bei denen Sie lediglich einen Verdacht vermuten, können Sie für eine Nacht in das Tiefkühlfach des Kühlschranks legen. Die Kälte tötet eventuell unentdeckte Mottenlarven ab.

Auch bei Kleidermotten sollten Sie darauf achten, nicht mit Chemie zu arbeiten. In unserem Magazin-Beitrag erfahren Sie, wie Sie mit Hausmitteln Lebensmittelmotten und Kleidermotten bekämpfen können.

Anwendung von Schlupfwespen: So nutzen Sie die Nützlinge effektiv

Egal welche Mottenart sich bei Ihnen zu Hause breitgemacht hat, setzen Sie die Schlupfwespenkarten dort ein, wo Sie den Befall vermuten. Für Kleider- beziehungsweise Textilmotten sind das oftmals Kleiderstangen, Schränke, Kommoden oder Teppichböden. Lebensmittelmotten tummeln sich häufig in Fächern von Regalen, Schubladen oder in Trockendekorationen. Besonders beliebt sind auch das Gewürzregal und Orte, an denen Tierfutter gelagert wird.

Wenn Sie die Orte des Befalls ausfindig gemacht haben, legen Sie die Kärtchen aus. Hängen Sie zum Beispiel eine Karte über einen Kleiderbügel oder legen Sie eine in die jeweilige Schublade. Auf Pheromonfallen, die sonst häufig gegen Motten zum Einsatz kommen, sollten Sie während des Anwendungszeitraums von Schlupfwespen übrigens verzichten. Die Nützlinge können sich nämlich ebenfalls in den Fallen verfangen.

Können Schlupfwespen auch im Garten Schädlinge bekämpfen?

Nicht nur im Haus helfen Schlupfwespen gegen Schädlinge. Im Garten, aber auch im Gewächshaus, sagt die Schlupfwespe Schädlingen wie der Weißen Fliege oder dem Apfelwickler den Kampf an.

Eine Schlupfwespe sitzt auf einem Blatt und legt ihre Eier in eine Larve. © Tanya - stock.adobe.com

Auch im Garten ist die Schlupfwespe ein praktischer Nützling, der Schädlingslarven dezimiert.

Das übernimmt in der Regel die Encarsia formosa, eine speziell gezüchtete Schlupfwespenart, die im Fachhandel erhältlich ist. Der ökologische Vorteil der Gartennützlinge ist hier besonders groß. Der Einsatz chemischer Mittel draußen erhöht nämlich das Risiko, dass sich die Stoffe auch negativ auf andere Organismen auswirken. Mit der natürlichen Schädlingsbekämpfung schließen Sie dieses Risiko direkt aus.  

Schlupfwespen im Garten einsetzen

Im Garten gestaltet sich die Vorbereitung für den Schlupfwespeneinsatz etwas schwieriger. Denn anders als im Innenraum können die nachhaltigen Nützlinge hier ja auch einfach in einen anderen Garten ziehen und an anderer Stelle ihr Werk vollrichten. Daher empfiehlt Melissa Raupach, für die Schlupfwespen einen geeigneten Lebensraum im Garten zu schaffen: „Grundsätzlich ist ein naturnaher Garten immer das einfachste und wirksamste Mittel, damit sich Nützlinge ganz von alleine einfinden. Dazu gehört beispielsweise, dass man ein paar wilde Ecken im Garten wachsen lässt und auf Kunstdünger sowie giftige Pflanzenschutzmittel verzichtet. Auch Insektenweiden locken zahlreiche hilfreiche Insekten in den Garten.“ Ein Insektenhotel kann dabei ebenfalls helfen.

Das DIY-Insektenhotel besteht aus Tontöpfen, Stroh und Paletten. © Rudi Beiser

Nützlinge ziehen gerne in einen Garten ein, wenn sie geeignete Bedingungen wie in diesem Insektenhotel vorfinden.

Schlupfwespen gegen Motten kaufen – worauf Sie achten sollten

Schlupfwespen können Sie online im Fachhandel und online bei ausgewählten Bau- und Pflanzenmärkten kaufen. Auch im Waschbär-Shop finden Sie Kärtchen mit Schlupfwespen gegen Lebensmittelmotten sowie gegen Kleidermotten.

Achten Sie dabei darauf, dass ein zyklischer Versand mehrerer Kärtchen stattfindet. Andernfalls sollten Sie regelmäßig selbstständig Nachschub ordern. „Bei weniger häufigen Lieferungen mit mehr Schlupfwespen können später gelegte Motteneier den Nützlingen möglicherweise entkommen“, so Melissa Raupach. Sie sollten zudem darauf achten, wie die Karten verschickt werden. Ein möglichst schneller, geschützter Versand ist hier sinnvoll. Auch sollten Sie beachten, wie viele Schlupfwespen pro Karte enthalten sind. Günstigere Anbieter versenden oft Karten mit nur 200 oder 300 Schlupfwespen pro Karte. Mehr Schlupfwespen bringen jedoch einen effektiveren Nutzen.

 

 

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Bildquellen

  • staubsaugen: © CC0 / cottonbro
  • schlupfwespe-legt-eier: © Tanya - stock.adobe.com
  • diy-insektenhotel: © Rudi Beiser
  • schlupfwespe: © die_maya - stock.adobe.com

Stefanie Schweizer arbeitet als freie Texterin. Eigentlich ist sie studierte Literaturwissenschaftlerin, doch schlägt ihr Herz auch für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Besonders angetan haben es ihr die grünen Fragen des Alltags und das Gärtnern auf engem Raum.

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