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Pflanzen im Kinderzimmer? Ja, klar!

Das passt: Zwei Topfpflanzen stehen neben Playmobilfiguren und Spielautos.

Ein ist ein heikles Thema, das immer wieder für hitzige Diskussionen sorgt: Pflanzen im Kinderzimmer. Obwohl anerkannte Studien beweisen, dass Pflanzen das Wohlbefinden steigern und für ein besseres Raumklima sorgen, herrscht bei vielen Eltern Misstrauen gegenüber dem Grün. Selbst Liebhaber von Zimmerpflanzen sparen das Kinderzimmer aus, weil Unsicherheit darüber besteht, ob Pflanzen ihren Kindern schaden.

Grüne Mitbewohner sind im Kinderzimmer willkommen

Pflanzen haben eine besondere Wirkung auf Menschen, das ist unumstritten. Das ganze Jahr über zeigt sich eine endlose Vielfalt an Grüntönen, die sich positiv auf unsere Psyche auswirken. Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass wir entspannen und uns wohl fühlen. Pflanzen sind jedoch weit mehr als nur dekoratives Grün, denn ohne sie wäre das Leben auf unserer Erde gar nicht denkbar. „Es besteht keine Notwendigkeit, Pflanzen aus dem Kinderzimmer zu verbannen“, sagt Umweltbiologe Manfred Radtke, der sich in seinem Unternehmen für Biotechnik täglich mit sauberer Luft beschäftigt. „Immer wieder begegne ich dem Vorurteil, dass Pflanzen Kindern nachts den Sauerstoff wegatmen und die Luft übermäßig mit Kohlendioxid anreichern. Das stimmt so einfach nicht und das ist längst belegt.“

Als Umweltbiologe hat er bereits einige universitäre Studien begleitet. In diesen erfolgte der Nachweis, dass die Sauerstoffmengen, die Gewächse im Dunkeln veratmen, ebenso wenig ins Gewicht fallen wie die Kohlendioxidabgaben. Und das gilt selbst bei dichter Bepflanzung. Der normale Gasaustausch in einem Zimmer gleicht solche geringfügigen Schwankungen schnell aus. Eine gesundheitliche Gefährdung ist nicht zu befürchten – sofern ein paar Regeln eingehalten werden. Dazu gehört unter anderem das regelmäßige Lüften im Kinderzimmer, auch bei Kälte. Die meisten Kinderzimmer werden tagsüber zum Spielen und nachts zum Schlafen genutzt. Daher sollten Eltern die Heizung rechtzeitig runterstellen und das Zimmer vor dem Schlafengehen noch einmal gründlich lüften.

Pflanzen beeinflussen die Raumluft positiv

Pflanzen sorgen als Sauerstoffproduzenten und Schadstofffilter für reine Luft, wie eine Studie der US-Raumfahrtbehörde NASA bereits Ende der 80er-Jahre gezeigt hat. „Nach Untersuchungen der NASA, deutscher und niederländischer Wissenschaftler, sind bestimmte Zimmerpflanzen in der Lage, Schadstoffe aus der Raumluft herauszufiltern, unter anderem Formaldehyd, Phenol, Benzol. Mit der Aufnahme der Schadgase durch Pflanzen sinkt die Belastung im Raum“, erklärt Umweltbiologe Manfred Radtke. „Diese Aussage bestätigen auch die Untersuchungen der Fachhochschule Weihenstephan, die belegen, dass Zimmerpflanzen Schadstoffe über die Blätter aufnehmen und in für sie brauchbare Stoffe umwandeln können.“ Darüber hinaus, so der Experte, reduzieren Pflanzensysteme den Staubflug. Die Staubpartikel, an die sich Schadstoffmoleküle vorzugsweise anlagern, werden so aus der Atemluft entfernt und damit von Bronchien und Schleimhäuten ferngehalten.

Welche Pflanzen eignen sich für Kinderzimmer?

Leicht zu beschaffen und hübsch anzuschauen, die großen violetten Blüten der Glockenblume.

Hier können Kinder, die violett mögen, gerne zugreifen: Glockenblumen sind hübsche Kinderzimmerpflanzen.

„Prinzipiell sollte in Schlafräumen auf stark duftende Blütenpflanzen wie Gardenie (Gardenia) und Jasmin (Jasminum) verzichtet werden, weil sie bei empfindlichen Menschen Kopfschmerzen auslösen können“, empfiehlt Diplom-Biologin und Pflanzenexpertin Karin Greiner. „Wer es bunt im Kinderzimmer mag, ist mit Glockenblumen gut dran, denn sie sind hübsch, völlig ungefährlich und robust genug, um grobe Behandlungen beim Spielen auszuhalten“. Ähnliche Fähigkeiten bringen Gerbera, Hibiskus, Blaues Lieschen (Exacum affine) oder die Pantoffelblume (Calceolaria) mit. Bunte Blüten begeistern Kinder, ganz besonders in ihrer Lieblingsfarbe.

Auch für Pflanzen gibt es Altersempfehlungen

Auf einem ausrangierten Barhocker steht die Grünlilie und lässt ihre Ableger in der Luft baumeln.

Die Ableger von Grünlilien eignen sich hervorragend als Pflanzenexperimente für Kinder. Sie können so verstehen, wie sich die Pflanze ausbreitet.

Gerade kleine Kinder erkunden ihre Umgebung mit allen Sinnen. Haben bunte Blütenblätter erst einmal die Neugier geweckt, untersuchen die kleinen Forscher sie eingehend. Alles, was den Weg kreuzt, wird erst einmal probiert, egal ob bunte Blüten oder weiche Pflanzenerde. „Kleinkinder sollten keinen direkten Zugriff auf Pflanzen haben, auch nicht auf ungiftige. Deshalb sollte man bei Kleinkindern auf Pflanzen im Kinderzimmer verzichten oder sie unzugänglich machen“, so die Pflanzenexpertin Karin Greiner. „Das gilt selbstverständlich auch für alle Pflanzenschutz- und Pflegemittel, die stets unerreichbar für Kinder verschlossen aufbewahrt werden müssen – auch wenn sie organisch sind.“ Pflanzen wie Fensterblätter (Monstera) und Birkenfeige (Ficus benjamini) sind übrigens für kleine Kinder tabu und gehören ins stets beaufsichtigte Wohnzimmer oder außer Reichweite.

Um unnötige Risiken zu vermeiden, sollten Sie grundsätzlich auf giftige Pflanzen im Kinderzimmer verzichten. Gleiches gilt für Pflanzen mit Dornen und Stacheln. Sehr empfindliche Schönheiten leben im Kinderzimmer gefährlich. Beim Spielen fällt schnell einmal Topf um, Sprossen knicken ab oder die Grünpflanzen schwimmen nach großzügiger Wassergabe im Topf. Als besonders robust, anspruchslos und gutmütig gelten beispielsweise der Zimmerhafer (Billbergia nutans), Zypergräser (Cyperus) und die Grünlilie (Chlorophytum ecomosum). Die Ausläufer der Grünlilie bereiten Kindern eine besondere Freude, denn die Ableger lassen sich einfach umpflanzen und leicht großziehen.

Spaß mit Erbsen am Band und der Affenschaukel

In Gartencentern ist die Vernusfliegenfalle meist problemlos erhältlich.

Die fleischfressende Pflanze ist vor allem für Schulkinder spannend.

Kinder begeistern sich für die Pflanzenwelt, wenn sie Gelegenheit bekommen, ihre sensationelle Vielfalt kennen zu lernen. „Das Pflanzenreich bietet viele kleine Sensationen wie beispielsweise das Brutblatt (Bryophyllum pinnatum) mit den winzigen Tochterpflänzchen am Blattrand oder die so genannte Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula), die sich bei Berührung schließt“, berichtet die Expertin Karin Greiner begeistert. Sie rät darüber hinaus zu Pflanzen, die aufgrund ihrer Wuchsform lustige Namen haben wie Affenschaukel (Sedum morganianum), Erbse am Band (Senecio rowleyanus), Henne mit Küken (Tolmiea menziesii) oder der stachelfreie Osterkaktus (Rhipsalidopsis gaertneri). Diese lustigen Gewächse regen die Fantasie der Kinder an und verstärken das Interesse am Grün.

Hübsch eingeplanzt werben diese beiden Pflanzen auf dem Fensterbrett um Aufmerksamkeit.

Ein paar Tierfiguren, kindgerechte Blumenstecker und bunte Töpfe machen es Kindern noch einfacher, Pflanzen in ihre Spiele einzubeziehen. Und schließlich Verantwortung für ihre grünen Mitbewohner zu übernehmen. Egal, ob es darum geht sie zu gießen, sie schonend zu behandeln oder sie umzutopfen. Sobald Kinder für ihre Pflanzen alleine sorgen können, lässt sich mit Palmen wie der Betelpalme (Areca catechu) eine Urwald-Atmosphäre schaffen, die zu Abenteuern mit Piraten, Dschungeltieren und Einhörnern animiert.

Weitere Informationen

Eine umfangreiche Liste zu giftigen und ungiftigen Pflanzen finden Sie auf der Seite der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Das Papier zum Thema „Pflanzenverwendung in Kindergärten und kinderfreundlichen Anlagen“ können Sie hier als PDF herunterladen.

Sie möchten mehr über die Gestaltungim Kinderzimmer erfahren? Dann empfehlen wir Ihnen den Beitrag „Farben im Kinderzimmer: Weniger ist mehr“ hier im Waschbär-Magazin.

 

 

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Eva praktiziert „grünen“ Journalismus aus Überzeugung. Als Mitarbeiterin im Einkauf für Waschbär ist sie ständig damit beschäftigt, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Richtig wohl fühlt sie sich in der freien Natur. Dort lässt sie sich am liebsten vom Lichtwellenspektrum der blau-grün-türkisen Meeresfarben inspirieren.

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