Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Naturgummi – Was es ist und wie sein ökologischer Fußabdruck aussieht

Links sieht man wie das weiße Latex den Baum entlang in einen Auffangbehälter, rechts sieht man kleine Gummibäume

Naturkautschuk, Latex, Pflanzengummi, Naturgummi: Dies sind nur einige der Begriffe, die rund um dem Themenkomplex Gummi auftauchen. Viele von ihnen werden synonym verwendet. Dabei ist Naturgummi ein Überbegriff für alle natürlich hergestellten Gummiarten. Naturkautschuk ist somit eine Art des Naturgummis. Die Rohstoffe für pflanzliches Gummi liefern Kautschukbäume. Diese wachsen in Südostasien sowie Süd- und Mittelamerika. Ein Kautschukbaum kann eine Höhe von 15 bis 30 Metern und einen Durchmesser von bis zu einem Meter erreichen.

Arbeiterinnen und Arbeiter gewinnen aus der Rinde des Kautschukbaums den Milchsaft – sogenannten Latex. Dieser besteht zu einem Drittel aus Kautschuk, der Rest ist Wasser. Der gewonnene Milchsaft landet in einem flachen Behälter mit Wasser. Nun kann der Latex gerinnen und der Kautschuk sich vom Wasser absetzen. Anschließend wird die Masse abgehoben. Der gewonnene Rohkautschuk wird dann zu Platten ausgewalzt und getrocknet. Seine Elastizität und Formbarkeit erhält der Stoff durch die sogenannte Vulkanisation. Dafür wird dem Material Schwefel hinzugefügt. Dies führt zu einer Vernetzung der einzelnen Kautschukpartikel untereinander: Es entsteht elastischer Naturgummi.

Panoramablick über Reihne mit kleinen Kautschuk-Bäumen, im Hintergrund erheben sich bewaldete Berge. © Sänger GmbH

Noch sind die Kautschuk-Bäume zu klein, wenn Sie größer werden, liefern sie den Grundstoff für Naturgummi.

Naturgummi vs. Kunstgummi: Was ist der Unterschied?

Während Naturgummi auf pflanzlicher Basis hergestellt wird, basiert synthetischer Kautschuk auf Erdöl. Häufig kommen zusätzlich Chemikalien wie Styrol, Butadien oder Polyurethan bei der Herstellung zum Einsatz. Über eine gesundheitsschädliche Wirkung dieser Stoffe kommt es seit Jahren zu Diskussionen. Mit der Wahl von Naturgummi besteht diesbezüglich keinerlei Risiko. Denn die Produktion von pflanzlichem Gummi oder Naturkautschuk ist frei von synthetischen Zusatzstoffen.

Naturgummi und synthetischer Gummi haben nicht die gleichen Eigenschaften. Ersterer ist sehr elastisch, reißfest und wasserabweisend. Allerdings ist Naturgummi im Vergleich zur synthetischen Variante weniger resistent gegenüber UV-Strahlung und Wärme. Kunstgummi wiederum ist robuster, allerdings nicht so dehnbar wie Naturgummi. Dementsprechend bestehen die meisten Gummiprodukte, die uns im Alltag begegnen, aus beiden Gummisorten. Der größte Einsatzbereich von Kautschuk ist die Autoindustrie. Schläuche, Federungssysteme, Dichtungen und Autoreifen bestehen aus künstlichem Gummi.

Der Ausdruck ‚Naturgummi‘ ist übrigens nicht gesetzlich geschützt. So ist es erlaubt, dass auch Produkte mit hohem Anteil synthetischen Kautschuks noch die Bezeichnung Naturgummi tragen dürfen. Zwar tragen einige Gummi-Produkte ein FSC-Siegel. Allerdings kann diesbezüglich eine vollständig nachhaltige Produktion noch nicht sichergestellt werden. Informieren Sie sich deshalb darüber, woher der Hersteller seine Rohstoffe bezieht.

Wo kommt das Material zum Einsatz?

Naturgummi ist aufgrund seiner natürlichen Zusammensetzung gut geeignet für den Einsatz bei Produkten, die mit menschlicher Haut in Kontakt kommen. Dazu zählen beispielsweise Wärmflaschen, Radiergummis, Gummistiefel, Luftballons oder Verhütungsmittel wie das Kondom oder Diaphragma. Auch Matratzen können aus aufgeschäumtem Latex bestehen.

Die schmale Öffnung gibt den Blick in die Gummipresse frei, dort wird gerade eine rote Wärmflasche gepresst. © Sänger GmbH

Nach der Reifezeit wird der Kautshcuk weiterverarbeitet. Unter Hitze presst diese Maschine aus Kautschuk Naturgummi in Wärmflaschenform.

Mittlerweile greifen auch einige Hersteller von Sportequipment auf den pflanzlichen Stoff zurück, wie beispielsweise für Yoga-Matten. Für den medizinischen Bereich existieren zahlreiche Hilfsmittel aus Naturgummi wie Latex-Handschuhe oder Latex-Gummischläuche. Auch Unterlagen für den Hygienebedarf können aus Naturgummi bestehen.

Darüber hinaus wird Naturkautschuk ebenso für die Herstellung von Babyprodukten wie Schnuller verwendet. Allerdings reagieren einige Menschen allergisch auf das Pflanzengummi. Dies ist auf die im Material enthaltenen Eiweißbestandsteile zurückzuführen. Die allergische Reaktion äußert sich in der Regel durch Rötung und Jucken der Haut. Betroffene sollten einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.

Wie nachhaltig ist Naturgummi?

Die Herstellung von pflanzlichem Gummi basiert auf nachhaltigen Rohstoffen. Kautschukbäume sind nachwachsend. Weiterhin kann aus ihnen über viele Jahre hinweg Latex gewonnen werden, ohne dass die Bäume gefällt werden müssen. Darüber hinaus ist Naturgummi biologisch abbaubar. Das alles spricht bereits für eine gute Ökobilanz des Materials. Hinzu kommt, dass Kautschukbäume mehr CO2 aus der Luft binden als andere Nutzpflanzen wie Mais – allerdings vergleichsweise weniger als eine äquivalente Fläche Regenwald.

Doch auch der Anbau von Kautschuk hat zwei Seiten: So ist am Anfang durchaus der Anbau in Mischkulturen mit beispielsweise Ananas möglich. Allerdings werden Kautschukbäume sehr hoch, sodass deren Kronen das Wachstum anderer Pflanzen und damit den Bestand der Mischkultur ab einem gewissen Punkt erschweren.

Weitere Faktoren wirken sich negativ auf die Nachhaltigkeit von Pflanzengummi aus. Denn der Rohstoff muss aus klimatischen Gründen importiert werden. Dies verursacht CO2. Darüber hinaus benötigen Kautschukbäume aufgrund ihrer Größe eine entsprechende Fläche Land. Häufig werden auch Regenwaldflächen gerodet, um Platz für Kautschukplantagen zu schaffen.

Ein echter Öko-Pluspunkt ist allerdings, dass Naturgummi auch im recycelten Zustand wieder gut eingesetzt werden kann. Ist ein Produkt aus dem Material also kaputt, muss es nicht auf die Müllhalde wandern, sondern kann ein neues Leben in anderer Anwendung führen.

Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Freunden

Bildquellen

  • kautschuk-baumschule-panorama: © Sänger GmbH
  • blick-in-die-gummipresse: © Sänger GmbH
  • naturgummi: © Sänger GmbH

Stefanie Schweizer arbeitet als freie Texterin. Eigentlich ist sie studierte Literaturwissenschaftlerin, doch schlägt ihr Herz auch für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Besonders angetan haben es ihr die grünen Fragen des Alltags und das Gärtnern auf engem Raum.

Ähnliche Beiträge

  1. Peter erler

    24 August

    An Stefanie Schweizer
    Hallo Frau Schweizer.
    Ihr Artikel über die Substitution von Kunststoffen durch Kautschukprodukte ist prinzipiell richtig und zeigt einen positiven Weg zum Umweltschutz.

    Es gibt aber auch eine dunkle Seite: Die Gewinnung von Kautschuk.
    Suchen Sie nach einem Bericht in der Sendung Panorama in der ARD Mediathek mit
    Video schmutzige reifen

    Für mich ist das vergleichbar mit den Abholzungen für Kokosprodukte und äußerst ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.