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Nachhaltiges Büro: So wird der Arbeitsplatz „grüner“

Blick in ein Büro

Nachhaltigkeit betrifft nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens. Auch in der Wirtschaft sind nachhaltige Themen in den letzten Jahren verstärkt wahrnehmbar. So entstehen immer mehr Unternehmen, die die Struktur ihrer Firma bereits bei der Gründung nachhaltig konzipieren und den Konsumierenden umweltfreundliche Produkte bieten. Aber auch viele der bereits bestehenden Unternehmen reduzieren CO2-Emissionen, setzen auf umweltfreundliche Logistikstrategien oder denken ihre Abfallverwertung neu. In diesem Zuge etabliert sich aktuell das Berufsbild des Nachhaltigkeitsmanagers, der sich auch dafür einsetzt, Produktions- und Arbeitsabläufe umweltfreundlicher zu gestalten – eben ein nachhaltiges Büro einzurichten.

Diese Abläufe umfassen neben der tatsächlichen Herstellung von Gütern auch die tägliche Arbeit im Büro. Denn nicht nur die Produkte und Waren, die am Ende zum Verkauf stehen, können nachhaltig gestaltet werden, sondern auch das tägliche Arbeitsumfeld. Und die Anzahl der Menschen, die in Büroräumen tätig sind, steigt zunehmend. So waren laut der Studie „Entwicklung der Bürobeschäftigten in deutschen Städten“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln im Jahr 2008 in den Städten Düsseldorf und München 41 Prozent aller Erwerbstätigen in Büros tätig. 2016 waren es bereits 45 Prozent. So besteht auch in der Bürowelt großes Potenzial für nachhaltiges Handeln.

Nachhaltiges Büro – wie geht das?

Was genau unter einem nachhaltigen Büro verstanden werden kann, lässt sich einfacher klären, wenn die Bedeutung des Wortes ‚Nachhaltigkeit‘ an sich festgelegt ist. Denn es existieren viele, aber keine allgemeingültige Definition des Ausdrucks. Die Beraterin, Dozentin und Autorin zum Thema Nachhaltigkeit, Dr. Iris Pufé, beschreibt in einem Artikel auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) den Sachverhalt wie folgt: „Nachhaltigkeit bedeutet, nicht Gewinne zu erwirtschaften, die dann in Umwelt- und Sozialprojekte fließen, sondern Gewinne bereits umwelt- und sozialverträglich zu erwirtschaften.“

Mit Blick auf die tägliche Büroarbeit lässt sich Nachhaltigkeit also etablieren, indem die Strukturen und Mittel der einzelnen Abteilungen so angepasst werden, dass möglichst umweltfreundlich gearbeitet wird. Nachhaltigkeit im Büro ist ebenso wichtig wie im privaten Bereich. Denn jedes Möbelstück, jede Büroutensilie bis hin zur Kaffeemaschine zieht den Ausstoß von CO2 nach sich, das bei der Herstellung, Lieferung und Entsorgung entsteht. So entfielen im Jahr 2017 laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Nukleare Sicherheit 39 Prozent des bundesweiten Papierverbrauchs auf Drucker- und Pressepapiere. Damit liegt der Büroartikel hinter den Verpackungspapieren auf Platz zwei, die mit 48 Prozent den Hauptanteil bilden.

Ansätze für ein nachhaltiges Büro

Mittlerweile bietet der Markt eine Vielzahl an IT-Lösungen, mit denen besonders der Papierverbrauch in Büros eingedämmt werden kann. Alle Dokumente werden in cloud-basierten Systemen gespeichert. So ist die Archivierung in Papierform nur noch in Ausnahmefällen, wie zum Beispiel für das Finanzamt, notwendig. Doch Nachhaltigkeit lässt sich im Büro an vielen weiteren Stellen etablieren.

Ein Papierstapel mit roten Aktendeckeln dazwischen © CC0 / Counselling

Meist das Erste an das man beim Thema nachhaltiges Büro denkt: Papier. Recyclingpapier einzusetzen ist ein erster Schritt, besser ist aber: Gar nicht erst drucken.

Ein grundsätzlicher Ansatzpunkt ist die elektrische Versorgung des Büros. Zum einen können Sie dafür sorgen, dass der Stromverbrauch sinkt, indem Sie beispielsweise Steckdosen mit Kippschalter verwenden. Zum anderen können Sie einen Öko-Strom-Anbieter für die Elektrizität im Büro wählen. Denn laut Berechnungen des Umweltbundesamts emittierte in Deutschland eine ‚normale‘ Kilowattstunde im März 2018 circa 530 Gramm CO2. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien sowie dem Kohleausstieg kann für 2019 von einer Senkung auf 500 Gramm CO2 pro Kilowattstunde ausgegangen werden, so der Naturschutzbund Deutschland (NABU) auf Anfrage. „Die klimafreundlichste Kilowattstunde Strom ist immer noch die, die nicht verbraucht wird“, erklärt die Pressesprecherin des NABU, Kathrin Klinkusch.

Doch selbst beim Bezug des Stroms durch einen Öko-Anbieter sollten Sie einiges beachten, damit Sie das eigene Büro maximal umweltfreundlich betreiben. „Unser Storm aus der Steckdose entspricht dem aktuellen Strommix, der noch von Kohle- und Atomkraftwerken mitbestimmt wird. Daher ist es wichtig, dass wir Ökostromanbieter wählen, die den Ausbau neuer, naturverträglicher Anlagen in der Region, wie in Windkraftanlagen außerhalb von Naturschutzgebieten, investieren“, so Klinkusch.

In der Kaffeeküche und der Toilette geht es oft nachhaltiger

Auch in der Kaffeeküche sowie den sanitären Anlagen können bereits kleine Veränderungen die Öko-Bilanz eines Büros verbessern. Für viele stellt die Mülltrennung ein naheliegender Aspekt dar, dessen Umsetzung allerdings auch außerhalb des Konzepts „nachhaltiges Büro“ vorauszusetzen ist. Aus dem Blick geraten hingegen häufig die täglichen Hygieneprodukte wie die Handseife. Denn auch in Seifen kann Mikroplastik enthalten sein, das als Binde- oder Schleifmittel fungiert. Durch das Waschen der Hände geraten die Plastikpartikel in den Wasserkreislauf und bedrohen somit die Nahrungs- und Lebenswelt von Tieren. Als Alternative können deshalb Naturkosmetikprodukte verwendet werden oder, um sich den Nachfüllmüll zu sparen, ganz auf Naturseife gesetzt werden.

Weißer Seifenspender mit Waschbecken im Hintergrund © CC0 / congerdesign

Was kommt in der Bürotoilette eigentlich für Seife aus dem Spender? Welche mit Mikroplastik? Oder umweltfreundliche Naturkosmetik?

Eine andere Problematik bildet die anschließende Trocknung der Hände. Häufig finden sich in öffentlichen Gebäuden Spender mit Papierhandtüchern, die zwar recycelt sind, allerdings nach Gebrauch im Müll landen. Daher ist die Handtuchrolle eine beliebte Alternative, da man den Stoff erneut verwendet. Allerdings gilt es an dieser Stelle genau abzuwägen, denn auch das Waschen der Stoffhandtücher benötigt Energie und Ressourcen. Welche Variante nachhaltiger ist, lässt sich nicht eindeutig klären. Für eine gute Ökobilanz können Sie in jedem Fall den Einsatz von Einweg-Zellstoff-Papierhandtüchern vermeiden. Für deren Herstellung sin nämlich Frischfasern nötig. Laut NABU verbraucht die Produktion dieser Trockentücher zwischen 8 bis 40 Kilowattstunden und eine große Menge Wasser. Somit gilt: Wenn Einweg-Handtücher, dann aus blauer-Engel-zertifiziertem Recyclingpapier sind und bei Stofftuchrollen auf das Umweltzeichen RAL-UZ 77 achten. 

Nachhaltige Büromöbel: Herkunft beachten oder gebrauchtes kaufen

Zwei der großen Posten, die Sie für mehr Nachhaltigkeit im Büro optimieren können, sind die Möblierung sowie die technische Ausstattung der Arbeitsstelle. Allerdings sind beide Aspekte mit gewissen Hürden verbunden. Zwar können Sie beim Kauf neuer Möbel für das Büro darauf achten, dass diese umweltfreundliche Siegeln tragen. Allerdings finden sich auch auf dem deutschen Markt Holzprodukte, deren Rohstoffe dem Raubbau oder illegaler Rodung entstammen. Eine weitere Möglichkeit für den nachhaltigen Schreibtisch stellt daher der Erwerb von gebrauchten Möbeln dar. So wird die erneute Aufwendung von Ressourcen vermieden. Im Gegenzug trägt natürlich auch der Verkauf beziehungsweise die Weitergabe ausgedienter Möblierung zur Öko-Bilanz eines Büros bei. Falls beispielsweise speziell angepasste Regale oder Tische benötigt werden, können Unternehmen auch regionale Betriebe beauftragen und unterstützen so die heimische Wirtschaft.

Ohne geht’s nicht mehr: Technik im nachhaltigen Büro

Ein Büro ohne Computer ist heutzutage undenkbar. Allerdings ist Technik dieser Art alles andere als umweltfreundlich. Laut der Deutschen Umwelthilfe waren im Jahr 2007 die Bereiche Informations- und Kommunikationstechnik für die Entstehung von rund 33 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. – Exklusive der Ausstöße, die bei der eigentlichen Produktion von Computer, Tablet, Smartphone und Co. entstehen. Dabei machen die Herstellung, der Transport und die Verwertung von beispielsweise einem Notebook fast zwei Drittel der CO2-Emissionen des Geräts aus, so die Deutsche Umwelthilfe. Problematisch sind ebenfalls die Arbeitsbedingungen, unter denen viele Menschen für die Bereitstellung der in der Hardware verbrauten Rohstoffe sorgen. Alternativen, die umweltfreundlich produziert, in denen sogenannte konfliktfreie Rohstoffe verbaut wurden und die den marktführenden Geräten in ihrer Funktionsweise, Kompatibilität und Effektivität in nichts nachstehen, sind eigentlich kaum zu finden.

© CC0 / Wounds_and_Cracks

Oft sind elektronische Geräte nicht wirklich nachhaltig hergestellt. Man kann sich jedoch um Geräte mit einer möglichst langen Nutzungsdauer bemühen.

Um dennoch das nachhaltige Ziel in Sachen Bürotechnik zu verfolgen, können sich Mitarbeitende für die lange Nutzdauer eines technischen Geräts einsetzen, um die Neuproduktion eines anderen so lange wie möglich zu vermeiden. Weiterhin ist es vorteilhaft, bei der Anschaffung eines Geräts auf eine Bauweise zu setzen, die den Austausch funktionsunfähiger oder veralteter Bestandteile erlaubt. Als klassisches Beispiel ist hier der Akku zu nennen, den einige Hersteller fest im Notebook verbauen. 

10 Sofort-Tipps rund um ein nachhaltiges Büro

Neben allen Maßnahmen, die durch die Büroleitung durchgesetzt werden können, liegt die Umsetzung eines nachhaltigen Büros auch bei den Mitarbeitenden. Die folgenden Tipps sollen helfen, den eigenen Arbeitstag individuell nachhaltig zu gestalten:

  1. Fahren Sie mit dem Fahrrad oder den Öffentlichen Verkehrsmitteln ins Büro.
  2. Nehmen Sie bei Geschäftsreisen die Bahn.
  3. Sprechen Sie mit Kollegen und Kolleginnen über Umweltschutz auf der Arbeit.
  4. Löschen Sie das Licht, wenn Sie zuletzt den Raum verlassen.
  5. Sammeln Sie Verpackungsmaterial und verwenden Sie es wieder.
  6. Drucken Sie nur aus, was nötig ist. Und regen Sie Geschäftspartner und das Kollegium durch die E-Mail-Signatur „Think before you print“ dazu an, es Ihnen gleich zu tun.
  7. Nutzen Sie Fehldrucke als Schmierpapier.
  8. Kaufen Sie umweltfreundliches Bürozubehör wie nachfüllbare Stifte oder Tacker ohne Metall.
  9. Vermeiden Sie den Plastikmüll der Take-away-Falle in der Mittagspause.
  10. Machen Sie Ihren Computerbildschirm aus, wenn Sie in die Mittagspause gehen.

 

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Bildquellen

  • akten-papierkram: © CC0 / Counselling
  • seifenspender: © CC0 / congerdesign
  • verschrottete-elektronik: © CC0 / Wounds_and_Cracks
  • nachhaltiges-buero: © CC0 / StockSnap

Stefanie Schweizer arbeitet als freie Texterin. Eigentlich ist sie studierte Literaturwissenschaftlerin, doch schlägt ihr Herz auch für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Besonders angetan haben es ihr die grünen Fragen des Alltags und das Gärtnern auf engem Raum.

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