Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Nachhaltiger Wintersport – diese Möglichkeiten haben Sportfans

Wintersport und Skifahren: Für viele Menschen gehören diese beiden unweigerlich zusammen. Ein großer Teil jener, die in den Winterurlaub fahren, schnallen sich in den Skigebieten die so beliebten Bretter unter die Füße. Allein in Deutschland gibt es aktuell laut dem Deutschen Skiverband mehr als 7 Millionen aktive Alpin-Skifahrer sowie rund 2 Millionen Snowboarder. Hinzukommen die Skifans aus der Schweiz, aus Österreich und aller Welt. Was bedeutet das für die Natur in den Skigebieten? Und wie sieht nachhaltiger Wintersport aus?

Wie grün ist eigentlich Skifahren?

Was jedoch Wintersportlern Freude bereitet, schadet oft der Natur und ihren Bewohnern. Denn die Herstellung von Skipisten kann die Rodung von bestimmten Waldabschnitten erfordern. Auch der Erhalt der Abfahrten wird durch die Planierung und damit Verdichtung des Bodens gewährleistet. Darüber hinaus benötigt Zubehör wie Lifte und Gondeln Platz – von der Nachhaltigkeit der Schneemaschinen mal ganz abgesehen. „Für den Bau und die Einrichtung von Skipisten werden ganze Bergabschnitte quasi in Autobahnen verwandelt. Manchmal müssen sogar Felsen gesprengt oder Flüsse umgeleitet werden. Skigebiete und die dazugehörige Infrastruktur benötigen gigantische Flächen und zerstören kostbare Lebensräume in den Alpen“, erklärt Martina von Münchhausen, Tourismusexpertin beim World Wilde Fund of Nature (WWF). Doch wie gehen Wintersportler mit dieser Sachlage um, vor allem, wenn ihr Herz sowohl für den Spaß im Schnee als auch für den Umweltschutz schlägt?

Eine Pistenraupe vor einer Bergkulisse im schnee. ©CC0/Stuhli55

Das Präparieren der Pisten übernehmen Pistenraupen wie diese hier. Sie verdichten den Schnee für die Skifahrer. Mit der Zeit drückt sie dadurch jedoch auch den Boden zusammen und Pflanzen können kaum noch wachsen.

Die sanfteren Alternativen für nachhaltigen Wintersport

Winterwandern, Langlauf oder Nordic Blading – das Alternativangebot des nachhaltigen Wintersports zum Skifahren ist groß und abwechslungsreich. „Das Erlebnis von Natur und Bergwelt steht im Vordergrund“, erklärt von Münchhausen. „Außerdem sind keine aufwendige Infrastruktur und die damit einhergehende Ressourcenverschwendung notwendig“, so die Expertin. Beispielsweise werden beim Skilanglauf sogenannte Loipen zwischen Bäumen und Pflanzen hindurchgezogen. Zwar wird für die Präparation der Strecke ein sogenannter Loipenspurer eingesetzt, doch die Verdichtung mittels Planierungsraupe sowie die Rodung der Piste werden vermieden. Wer gerne zu Fuß unterwegs ist, kann beim klassischen Winterwandern die schöne Landschaft genießen und somit nachhaltig Wintersport treiben. Der Vorteil hierbei: Organisierte Winterwanderungen finden auf bereits bestehenden Wegen statt und erfordern keinen Eingriff in die Natur.

Das Nordic Blading, auch Nordic Inlineskating genannt, hingegen nimmt sich als nachhaltiger Wintersport der Herausforderung schneearmer Winter an. Zwar wird die Bewegung des Langlaufs imitiert, allerdings ist die Ausübung der Sportart auch bei wenig oder keinem Schnee möglich. Dadurch wird der Einsatz von Schneekanonen für ein erkauftes Winterwunderland bewusst vermieden und die Natur geschont. Im beliebten Skigebiet Davos wurden im Jahr 2006 immerhin 21,5 Prozent des Wasserverbrauchs der Gemeinde durch den Betrieb von Beschneiungsanlagen verursacht. Dies ermittelte die 2007 veröffentlichte Studie „Klimawandel und Wintertourismus: ökonomische und ökologische Auswirkungen von technischer Beschneiung“ des Eidgenössischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF).

Eine Schneekanone bläse weiße Flocken auf eine grüne Wiese. ©CC0/spinheike

Wenn es nicht vom Himmel schneit, muss die Schneekanone ran. Damit sich die teure Technik lohnt, wird die Skisaison auch bei warmen Temperaturen oder Trockenheit eingeläutet oder fortgesetzt.

Wie geht nachhaltiger Wintertourismus?

Als nachhaltig kann man eine Wintersportart vor allem dann bezeichnen, wenn die Natur und ihre Begebenheiten mit in die Ausübung einbezogen werden und der dabei entstehende CO2-Fußabdruck so gering wie möglich bleibt. Somit hängt die Nachhaltigkeit des eigenen Winterurlaubs zwar auch, aber nicht ausschließlich von der gewählten Wintersportart ab. Sportfans, die beispielsweise die Bahn statt des Autos wählen, können durch die Einsparung von CO2 bereits einen erheblichen Beitrag leisten, die Auswirkungen ihres privaten Vergnügens auf die Umwelt zu reduzieren.

„Die umgerechneten Pro-Kopf-Emissionen für die Energie der Lifte und der Beschneiungsanlagen sind hierbei allerdings noch nicht berücksichtigt“, so von Münchhausen. Auch der Reisezeitraum sowie die Häufigkeit des Aufbruchs in den Urlaub spielen eine Rolle in Sachen Nachhaltigkeit. So ist der CO2-Fußabdruck von Urlaubern niedriger, die einmal jährlich für längere Zeit zum Wintersport fahren. Doch von Münchhausen weiß: „Viele Touristen kommen nur für wenige Tage und verursachen damit eine Autolawine in den bereits überlasteten Touristenregionen der Alpen. Die Alpen zählen zu den meistbelastetsten Regionen der Welt.“ Besonders Flüge in die Winterdestination seien kritisch.

Doch nicht nur die Anreise ist ein Faktor, an dem sich nachhaltiger Wintersport oder Winterurlaub messen lässt. Statt konventionell hergestelltem Equipment greifen manche Sportler auf eine nachhaltige Ausrüstung aus Europa oder fair produzierter Wintersportmode zurück. Doch wie in allen anderen Bereichen einer nachhaltigen Lebensführung gilt auch an dieser Stelle: Je weniger Ressourcen in Anspruch genommen werden, desto besser. Denn auch die Herstellung der Ausrüstung sowie die Produktion der verwendeten Materialien nehmen im gesamten Einfluss auf die Umweltbilanz einer Wintersportreise. 

Nachhaltiger Wintersport – Es kommt auf alle Beteiligten an

Ein Tourengeher im verschneiten Wald. ©CC0/Simon

Wintersport, der auf bestehende Wanderwege zurückgreift und sich so in die Natur einfügt: Tourengehen oder Langlaufen.

Nicht nur die Sportler, auch Betreiber von Wintersportgebieten sowie Ferienunterkünften investieren mittlerweile vermehrt in Nachhaltigkeitskonzepte. Durch ihren Besuch können Gäste somit die von Hoteliers und Ferienregionen etablierten Maßnahmen zur Energie- und Abfalleinsparung sowie Ressourcenschonung unterstützten. Zertifizierte Unterkünfte, die spezifische Umweltstandards erfüllen, können Sie an Siegeln wie der Blauen Schwalbe, am Österreichischen Umweltzeichen oder in der Schweiz am sogenannten ibex-fairstay erkennen.

Wer sich im Schnee selbst umweltschonend beziehungsweise nachhaltig verhalten will, sollte die vorgegebenen Wege und Pisten nicht verlassen. Damit wird unberührtes Gebiet geschont und potenzielle Territorien von Tieren nicht gestört. Auch künstlich beschneite Gebiete sind zu vermeiden. Denn sowohl im Winter- als auch im Sommertourismus geht es um die Wiedergewinnung des Respekts gegenüber der Natur. Das bedeutet im Klartext: Wenn zu wenig Schnee liegt, sollten Winterfans sich nachhaltig auspowern, anstatt die Produktion von Kunstschnee zu unterstützten. „Diese sanfteren Wintersportarten stellen klar eine naturschonende Alternative dar. Besonders zu empfehlen sind Touren mit Führung oder Anleitung des Deutschen Alpenvereins (DAV). Auf diese Weise kann man tatsächlich den einzigartigen Naturraum der Alpen erleben und genießen “, rät von Münchhausen.

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Bildquellen

  • pistenraupe-bei-der-arbeit: ©CC0/Stuhli55
  • schneekanone-in-aktion: ©CC0/spinheike
  • skitourengeher: ©CC0/Simon
  • nachhaltiger-wintersport: ©CC0/stux/miaalthoff

Stefanie Schweizer arbeitet als freie Texterin. Eigentlich ist sie studierte Literaturwissenschaftlerin, doch schlägt ihr Herz auch für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Besonders angetan haben es ihr die grünen Fragen des Alltags und das Gärtnern auf engem Raum.

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