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Nachhaltiger Umzug leicht gemacht

Ein Paar trägt Kartons in einen Kastenwagen.

Pro Jahr ziehen durchschnittlich 8,4 Millionen Menschen in Deutschland um; die meisten davon im Sommer. Diese Daten trug das Portal immobilienscout24.de aus unterschiedlichen Quellen zusammen und veröffentlichte diese auf seiner Webseite*. Die Gründe für einen Umzug können dabei sehr unterschiedlich sein. Während 75 Prozent der Bewohner und Bewohnerinnen private Gründe angaben, wechselten 25 Prozent aus beruflichen Gründen den Standort. Vor allem die Gruppe der 20- bis 40-Jährigen sei in Sachen Wohnortswechsel besonders mobil. Dabei führt mehr als die Hälfte der rund 8 Millionen Menschen einen Umzug in Eigenregie durch – und kann damit aktiv Einfluss darauf nehmen, wie „grün“ so ein Wohnortswechsel eigentlich ist. Denn klar ist auch: Durch einen Umzug entstehen jede Menge Müll und Abgase, die sich negativ auf die Öko-Bilanz des Vorhabens auswirken.

Umzugskartons müssen besorgt, Glas und Geschirr muss bruchsicher verpackt werden – mal ganz abgesehen von der antiken Kommode, die auf keinen Fall einen Kratzer abbekommen darf. Wer kennt das nicht: Vor dem Umzug wird alles doppelt und dreifach verpackt, sodass beim Transport in die neue Wohnung nichts zu Bruch geht. So entsteht eine große Menge Papier- und Plastikabfall, der der allein der kurzzeitigen Verpackung und der Polsterung dient. Ein Blick nach dem Auspacken in der neuen Wohnung in die überquellende Mülltonne verrät: Da kommt einiges zusammen. Doch wer auch beim Umzug auf Natur und Umwelt Rücksicht nehmen möchte, kann vor allem in den Bereichen Transport und Verpackung CO2 sparen und mit wenig Aufwand den eigenen Umzug nachhaltiger gestalten.

Nachhaltiger Umzug: 5 Tipps für einen umweltfreundlichen Weg von A nach B

Tipp 1: Mit weniger umziehen

Der Umzugstermin steht fest, aber die Lust, viele Kisten zu schleppen hält sich in Grenzen. Wie praktisch! Denn einer der ersten Tipps, wie Bewohnerinnen und Bewohner ihren Umzug nachhaltiger gestalten können, ist das Aussortieren nicht mehr verwendeter oder ungenutzter Utensilien. Das führt nicht nur dazu, dass man weniger geschleppen muss. Am Ende reicht dann auf einmal doch der kleinere Umzugswagen, sodass bei der Fahrt weniger CO2 ausgestoßen wird als durch die Nutzung eines großen Lasters.

© CC0 / Markus Spiske

Muss das wirklich alles mit? Nicht nur im Kinderzimmer kann man den Umzug zum ausmisten nutzen.

Tipp 2: Weitergeben statt wegwerfen

Wer alte Möbel, Kleidung und Bücher verkauft oder verschenkt, tut Gutes für die Umwelt. Denn das Recyceln alter Gebrauchsgüter kann die Produktion neuer Waren verringern, die wiederum CO2 ausstößt und virtuelles sowie tatsächliches Wasser verbraucht. Virtuelles Wasser bezeichnet hierbei die Menge an Wasser, die benötigt wird, um ein Produkt herzustellen. Allein die Herstellung einer Jeans schlägt sich laut Viva von Aqua mit knapp 6.000 Liter Wasser nieder. Wer ausrangierte Textilien und Gebrauchsgegenstände weitergibt, verbessert also die Öko-Bilanz des eigenen Umzugs und auch sonst.

Tipp 3: Gebrauchtes kaufen

Da fehlt ein Schuhregal, hier eine Kommode und ein paar neue Stühle wären auch schön. Gleiches wie für das Recyceln überschüssigen Hausrats gilt für die Neuanschaffung von Gegenständen. Flohmärkte und Online-Plattformen machen es einfach, hochwertige Möbelstücke, Geschirr und Co. aus zweiter Hand zu erschwingen. Umweltfreundlich ist hierbei ebenfalls, dass keine neuen Waren produziert und alte in den Müll geworfen werden. Über beispielsweise Ebaykleinanzeigen oder Nachbarschafts-Communities finden sich Angebote ganz in der Nähe. Den frisch erworbenen Lattenrost oder die neue Nachttischlampe können Sie dann sogar zu Fuß – ganz nachhaltig – abholen und ins neue Heim bringen. In Sachen Elektrogeräten sollte allerdings der Secondhand-Kauf gut durchdacht sein. Denn alte Geräte erreichen gegebenenfalls keine hohe Energieeffizienzklasse. Verfügt beispielsweise ein Kühlschrank nicht über die Einordnung in die Kategorie A+++ oder A++, ist der Stromverbrauch des Geräts als vergleichsweise hoch zu bezeichnen, sodass der Kauf eines neuen Gerätes mit hoher Effizienzklasse als umweltfreundlicher zu bewerten ist.

Blick in ein Secondhnd-Kaufhaus mit Kleidung, Möbeln, Geschirr und Lampen. © CC0 / 422737

Egal ob Sie etwas loswerden wollen oder etwas für die neue Wohnung brauchen: Ein Secondhand-Kaufhaus ist jedenfalls die richtige Adresse.

Tipps 4: Alles auf einmal transportieren

Der eigene Umzug kann nachhaltig gestaltet werden, indem der Hausstand auf einmal, sprich mit einer Fahrt, zum neuen Wohnort gebracht wird. So sollten Umziehende darauf verzichten, sich von Freunden den Kleinwagen zu leihen, in den nicht alle Besitztümer auf einmal reinpassen. So wird nämlich mehr CO2 ausgestoßen und was auf den ersten Blick Geld zu sparen scheint, recht sich im Umkehrschluss durch eine höhere Umweltbelastung.

Tipp 5: Öko-extrem – Umziehen mit dem Lastenrad

Wer seine Sachen besonders umweltschonend in die neue Unterkunft bringen möchte, kann ebenso auf ein Lastenrad setzen. Mit Planen und LKW-Spanngurten lassen sich so auch größere Objekte transportieren. Die praktischen Lastenräder gibt es in vielen Städten, wie Hannover oder München, kostenlos zu leihen. Allerdings sind die Transporthilfen sehr beliebt, weshalb eine frühzeitige Reservierung zu empfehlen ist. Und Bewohner und Bewohnerinnen, die ihren Freundeskreis dazu motivieren, sich ebenfalls Lastenräder zu leihen, machen aus ihrem Umzug ganz nebenbei eine lustige Fahrradtour.

Packen mit Köpfchen macht den Umzug nachhaltiger: 2 Pack-Tipps helfen

Dass für einen umweltfreundlichen Umzug Kartons aufbewahrt, verliehen oder wiederverwendet werden können, ist mittlerweile bekannt. So trägt die Kartonage nur einen vergleichsweise geringen Anteil am Abfall, der im Zuge eines Wohnortswechsels entsteht. Es ist Papier, das man um Geschirr wickelt, Styropor, das zum Schutz von Elektrogeräten dient oder Luftpolsterfolie für empfindliche Möbel, die einen Berg umweltunfreundlichen Abfalls zusammenkommen lassen. Doch ein Umzug kann eben auch mit Kreativität bewältigt und dadurch nachhaltiger werden. Jeder der umzieht, sollte bisherige Handlungsmuster rational hinterfragen und umweltfreundliche Alternativen suchen. So kann man beispielsweise den Einsatz von Papier, Karton und Plastik vermindern. Und wer seinen Umzug dann endlich hinter sich gebracht hat, sollte unbedingt dem Freundes- und Bekanntenkreis von den Möglichkeiten für einen nachhaltigen Umzug erzählen. 

Pack-Tipp 1: Verpackungsmaterial frühzeitig sammeln

Zum einen können Bewohner und Bewohnerinnen vorab Plastiktüten oder Verpackungsmaterial sammeln, deren Erhalt sich nun einmal nicht vermeiden ließ, wie beispielsweise durch den Kauf eines neuen Notebooks. Gerade Elektrogeräte sind nämlich häufig mit Plastik oder Styropor geschützt. Auch Luftpolsterfolie wird für den Schutz mancher Waren verwendet. Mit Blick auf den Umzug können Sie diese Materialien sammeln und zum Verpacken und Polstern verwenden. Zwar kommen dadurch immer noch Stoffe zum Einsatz, die nach dem Umzug im Müll landen und sich negativ auf die Öko-Bilanz des Umzugs auswirken. Allerdings entsteht wenigstens kein neuer Plastikmüll durch den Wohnortwechsel.

Pack-Tipp 2: Verpacken mit eigenen Textilien

© CC0 / hans

Gläser und anderes Geschirr kann man statt mit Plastik-Knallfolie mit Geschirr- und Handtüchern vor Bruch bewahren.

Noch umweltfreundlicher gestaltet sich allerdings der Einsatz von hauseigenen Textilien wie beispielsweise Handtüchern, Bettlaken und Spannbettbezügen. So lässt sich Geschirr in Handtücher wickeln und bruchsicher transportieren. Bettbezüge oder Spannbettlaken können Sie entweder als Schutzbezug für Möbel oder als Transportsack für Kleidung und andere lose Gegenstände verwenden. Neben Bettbezug und Umzugskarton können andere Gegenstände des Hausrats als Transportbox dienen. Beispielsweise lassen sich Schuhe hervorragend in leeren Koffern verstauen, lose Schrauben oder anderer Kleinkram in Tupperboxen.

Geduld gehört zum nachhaltigen Umzug dazu

Beim Vorhaben, einen Umzug wirklich nachhaltig zu gestalten, kann man jedoch schnell an seine Grenzen stoßen. Beispielsweise steht im ländlichen Raum häufig keine allzu große Auswahl in Sachen Secondhand-Artikel zur Verfügung, da das Angebot kleiner ist. Hinzu kommt, dass im Internet nicht immer die passenden, richtigen oder gesuchten Möbel zum Verkauf stehen. Ein wesentlicher Faktor, der einen Umzug grün gestalten kann, ist damit dann auch die Zeit beziehungsweise die Geduld. Denn es muss nicht immer gleich alles sofort und um jeden Preis gekauft werden. Wenn möglich, können Bewohnerinnen und Bewohner mit der Vervollständigung ihres Hausrats warten, bis passende Optionen für einen nachhaltigen Kauf möglich sind.

*Siehe: https://www.immobilienscout24.de/umzug/ratgeber/umziehen/auswahl-umzugsunternehmen/umzugsverhalten.html

 

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Bildquellen

  • volle-spielzeugbox: © CC0 / Markus Spiske
  • secondhand-kaufhaus: © CC0 / 422737
  • geschirrtuecher-als-packmaterial: © CC0 / hans
  • Paar beim Uzug: © fotolia / seventyfour

Stefanie Schweizer arbeitet als freie Texterin. Eigentlich ist sie studierte Literaturwissenschaftlerin, doch schlägt ihr Herz auch für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Besonders angetan haben es ihr die grünen Fragen des Alltags und das Gärtnern auf engem Raum.

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  1. Marie

    6 Februar

    Ganz einfach: ICh hab statt Folie alte Zeitungen ausgelegt und Öko-Farbe gekauft. Die riecht auch nicht so chemisch.

  2. Barbara

    6 Februar

    Bei einem Umzug werden in der Regel ja auch Malerarbeiten fällig.
    Wie kann man diese nachhaltig gestalten ohne bergeweise Abdeckfolie zu verwenden und Plastikfarbe an die Wand zu schmieren?

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