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Molke – Vom Abfallprodukt zum Flugzeugtreibstoff?

Ein pralles weißes Bündel wird aus der gelblichen Flüssigkeit gezogen.

Molke wurde lange als Abfallprodukt betrachtet, dann als Sportlernahrung gehypt. Mittlerweile wird sogar daran geforscht, Flugzeuge damit fliegen zu lassen. Erfahren Sie hier mehr darüber und wo das tierische Erzeugnis warum zum Einsatz kommt.

In Deutschland fallen pro Jahr circa 2,5 Millionen Tonnen Molke als Nebenprodukt der Käseherstellung an. Früher wurde sie einfach entsorgt oder als Tierfutter für Rinder und Schweine verwendet. Mittlerweile wird etwa die Hälfte  zu Lebensmitteln für Menschen weiterverarbeitet. Dabei müssen die Produzenten schnell sein: Frische Molke verdirbt nach circa zwei Stunden. Deshalb wird sie im Handel meist in pasteurisierter Form oder als Molkepulver angeboten. Als nahezu fettfreies, eiweißreiches und kalorienarmes Trendgetränk erfreut sich die trübe gelbliche Flüssigkeit vor allem bei Sportlern seit einigen Jahren großer Beliebtheit.

© Fotolia / contrastwerkstatt

Zum Glück ist das nicht mehr so oft der Fall: Molke fließt in einer Käserei direkt in den Abfluss.

Sauer macht sauber – Warum es Putzmittel mit Molke gibt

Aber auch in Putzmitteln und Waschmitteln findet sie mittlerweile Verwendung. Wie es dazu kommt? Die in der Molke enthaltenen Enzyme haben eine ähnliche Wirkung wie Tenside, die üblicherweise in Reinigungsmitteln enthalten sind. Tenside sorgen dafür, dass Stoffe, die man eigentlich nicht miteinander vermischen kann – etwa Öl und Wasser – mischbar werden. Sie werden in der Regel aus Erdöl, Kohle, Palmkernöl oder Kokosöl hergestellt. Molkereiniger dagegen bestehen zu bis zu 90 Prozent aus Sauermolke. Aufgrund des sauren PH-Werts wirken die Reiniger antibakteriell und lösen Kalk. Die enthaltenen Enzyme entfernen zudem Schmutz und Fett.

Zukunftsmusik oder bald Realität? Abheben mit Molke

Doch Molke kann noch mehr: In einem Forschungsprojekt haben Wissenschaftler der Universität Tübingen herausgefunden, dass Sauermolke sich sogar als Flugzeugtreibstoff nutzen lässt. Dafür muss die Flüssigkeit in einer Raffinerie weiterverarbeitet werden. Prof. Lars Angenent sagt dazu: „Wir stellen somit Bio-Öl aus bakterieller Produktion her.“ Dafür müssen im Gegensatz zu anderen Verfahren keine kohlestoffreichen Chemikalien verwendet werden, sondern das Abwasser der Joghurtproduktion reicht aus. Angenent versteht dieses Verfahren als Schritt zu einer Kreislaufwirtschaft, die alle Abfallprodukte in wertvollere Stoffe recycelt.

Produkte mit Molke sind Abfallvermeidung

Diesen Ansatz verfolgen auch andere Projekte, die das ehemalige Abfallprodukt für neue Zwecke einsetzen. Sie wollen verhindern, dass Molke bei der massenweisen Entsorgung die Umwelt belastet oder haben erkannt, dass dieses ohnehin vorhandene Produkt die Herstellung anderer, schädlicherer Stoffe reduzieren kann. Und so lange die Milcherzeugung der wichtigste Produktionszweig der deutschen Landwirtschaft bleibt, haben die kreativen Köpfe genug Material, um ihre Ideen in die Tat umzusetzen.

Doch egal, ob Molke zum Muskelaufbau, Putzen oder Fliegen eingesetzt wird, wirklich wichtig ist, dass dieses tierische Erzeugnis nicht achtlos weggeschüttet wird.

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Bildquellen

  • Molke-Abfluss: © Fotolia / contrastwerkstatt
  • Molke bei der Käseproduktion: © fotolia/ChiccoDodiFC

Sandra interessiert sich besonders dafür, wie gesellschaftliche Herausforderungen mit nachhaltigen Geschäftskonzepten gelöst werden können. Deshalb ist sie regelmäßig bei Veranstaltungen rund um Berlins nachhaltige Startup-Szene zu finden.

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  1. Doris

    3 Januar

    Dieser Artikel geht am Kernproblem vorbei und zeigt mit ein wenig darüber Nachdenken, wie grotesk die Verwendung von Milch und Milchprodukten ist.
    Molke ist und war nie ein Abfallprodukt. Ebensowenig ist Milch kein wirkliches Lebensmittel. Hier wird die Tierindustrie als Vorwand genommen, um ein Produkt weiter zu vermarkten, dass es so gar nicht geben dürfte. Kuhmilch ist für Kälbchen. Genau in diesem Bereich ist es goldrichtig. Alle anderen Einsatzmöglichkeien entstehen aus der Ausbeutung von empfindungsfähigen Tieren, die industriell gehalten werden unter wenig artgerechten Bedingungen, denen ihre Kinder weggenommen werden, um das Lebenselexier ihrer Nachkommen im großen Stil zu verarbeiten. Die Kinder werden nach Geschlecht selektiert, als weiblich in die Ausbeutungsindustrie und als männlich ins Schlachthaus gegeben, nur weil Menschen als einzige Spezie die Säuglingsnahrung einer anderen Spezie „genießen wollen.

    Dieses Qualprodukt dann auch noch als Bekleidung oder gar als Flugzeugtreibstoff zu verwenden??? Sinnfrei und ökologisch eine Katastrophe.

    • Der Waschbär

      9 Januar

      Liebe Doris,

      vielen Dank für die Darstellung Ihrer Sichtweise.
      Die vegane Thematik sorgt auch bei uns immer wieder für Denkanstöße und kontroverse Diskussionen.
      Hier im Waschbär-Magazin finden Sie mehrere Berichte zu veganen Themen und der Waschbär-VErsand hat einige vegane Produkte im Sortiment. Da wir bei unserer Berichterstattung Wert auf vielfältige Betrachtungsweisen legen und dabei Ökologie für uns im Vordergrund steht, werden bei diesem Beitrag hier die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten von Molke aufgeführt. Auch beim Waschbär-Versand liegt der Schwerpunkt in erster Linie auf dem Angebot eines ökologischen Sortiments. Dies geht zwar auch mit veganen Produkten einher, schließt aber tierische Produkte nicht konsequent aus. Unserer Meinung nach ist es ökologisch sinnvoller, ein ohnehin anfallendes Nebenprodukt der Milchindustrie zu nutzen, anstatt dieses zu entsorgen. Die Molke kann noch vielseitig Verwendung finden. Durch den Einsatz eines „Abfall-Produktes“ wird keine neue Nachfrage nach Milcherzeugnissen generiert.

      Sicher ist der gesamte Milchkonsum und die dahinterstehende Industrie kritisch zu betrachten. Dennoch hat Letztere eine große landwirtschaftliche Bedeutung und wird diese in absehbarer Zukunft auch nicht verlieren. Solange Milchprodukte und Ihre Nebenerzeugnisse weiterhin am Markt bestehen, sollte die Molke sinnvoll genutzt und nicht einfach weggeschüttet werden.

      Herzliche Grüße
      Ihr Waschbär

  2. Britta

    12 Dezember

    Diesen Artikel finde ich super! Seit Jahren benutze ich Kosmetik und Reiniger aus Molke ( Lieferung und Hersteller kommen aus der Schweiz und Österreich) . Leider bekomme ich diese Produkte in keinem Ökoversandhandel, obwohl nachhaltig, ökologisch und ganz wichtig für mich, ohne Tierversuche.
    Schade das ich keinen Artikel den ich bei Waschbär kaufen kann. Es wäre toll, wenn Sie solche Produkte in Ihr Sortiment aufnehmen könnten.

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