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Ist Kokosöl gut oder schlecht für den Körper?

Kokosöl steht neben einer geöffneten Kokosnuss.

Garantiert abnehmen! So lautet eines der vollmundigen Versprechen der ketogenen Ernährung, die Kohlenhydrate auf ein Minimum reduziert. Eine zentrale Rolle in vielen Ratgeberbüchern spielt dabei die Kokosnuss und ihr Öl. Es soll den Stoffwechsel in Schwung bringen und so bewirken, dass verstärkt Kalorien verbrannt werden. Auch Anhänger der sogenannten Paleo-Diät, die möglichst naturbelassene und unverarbeitete Lebensmittel verzehren, schwören auf Kokosöl. In manchen Publikationen wird Kokosöl gar als „Superfood“ beworben, also als Nahrungsmittel, das besonders gut für die Gesundheit sein soll.

Es ist wohl dieser Überhöhung geschuldet, dass auf den Hype um das Kokosöl regelmäßig in ähnlich populistischen Worten reagiert wird. Als „reines Gift“ bezeichnet etwa Karin Michels, Direktorin des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie am Uniklinikum Freiburg das Öl in einem Vortrag zum Thema Ernährungsirrtümer, der auf YouTube abrufbar ist.

Die Kontroverse um das Öl ist nicht neu. Im Kern geht es stets um das gleiche Thema: Kokosöl ist mit einem Gehalt von über 90 Prozent sehr reich an gesättigten Fettsäuren und übertrifft damit zum Beispiel Butter und Schweineschmalz deutlich. Eine Ernährung, die zu sehr auf Produkte mit gesättigten Fettsäuren setzt, kann zu erhöhten Cholesterinwerten führen und das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfall steigern, so der Stand der Wissenschaft.

Im Vergleich zu einem Esslöffel Olivenöl enthält ein Esslöffel Kokosöl etwa die sechsfache Menge an gesättigten Fettsäuren und erreicht damit fast den von der American Heart Association (AHA) empfohlenen Tagesgrenzwert von etwa 13 Gramm. Weil Kokosöl das LDL-Cholesterin erhöht, was wiederum das Risiko von Herzerkrankungen erhöht, rät die AHA vom übermäßigen Genuss ab.

Das dreigeteilte Bild zeigt Olivenöl, Kokosöl und Butter

Olivenöl, Kokosöl, Butter – je nachdem für was man Öl oder Fett braucht eignet sich ein anderes. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Zu viel ist nie gut.

Kokosöl ist nicht giftig

Kokosöl deswegen als giftig zu bezeichnen, ist allerdings nicht seriös. Eine Metastudie zu Herz- und Gefäßerkrankungen aus dem Jahr 2016 kommt zu dem Schluss, dass eine Ernährung mit Kokosöl kein Risiko darstellt. Betrachtet wurden Regionen in den Tropen, in denen die Kokosnuss traditionell zur Küche gehört. Aufgrund der großen Unterschiede in den Ernährungs- und Lebensgewohnheiten können diese Erkenntnisse jedoch nicht auf eine typische westliche Ernährung übertragen werden, so das Fazit der Wissenschaftler. Für europäische Länder gibt es praktisch keine Daten über natives Kokosöl und die Herzgesundheit.

„Ohne Frage können drei der vielen bekannten gesättigten Fettsäuren den Cholesterinspiegel erhöhen, darunter auch die Laurinsäure, die knapp die Hälfte des Kokosöls ausmacht. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass diese Fettsäuren sowohl das als ungünstig geltende LDL-Cholesterin steigern als auch das als günstig geltende HDL-Cholesterin“, schreibt Oecotrophologin Ulrike Gonder auf ihrem Blog. Studien hätten gezeigt, so Gonder, dass Laurinsäure das günstige HDL-Cholesterin überproportional steigert, sofern sie Kohlenhydrate ersetzt.

Wie wirkt Kokosöl im Körper und wie soll eine Diät damit funktionieren?

Die im Kokosöl enthaltenen kurz- und mittelkettigen Fettsäuren sind der Grund, warum Kokosöl bei Low-Carb-Diäten so beliebt ist. Grundsätzlich ist Zucker der einfachste Brennstoff für das Gehirn. Wenn die Glukose im Körper aufgebraucht ist, beginnt der Körper Fett zu verbrennen und setzt dabei Ketone frei, die dann dem Gehirn und den anderen Organen als Energiequelle dienen, bis es wieder etwas zu essen gibt. Man nennt diesen Prozess, der die Organe schützt, Ketose. Weil es leicht verdaulich und verwertbar ist, hilft Kokosöl dabei, den Energiestoffwechsel aufrecht zu erhalten und vor allen Dingen das Gehirn zu ernähren, auch wenn die Kohlehydratzufuhr reduziert wird.

Eine automatische Gewichtsreduktion erfolgt natürlich auch bei einer ketogenen Ernährung nicht, denn es kommt beim Abnehmen stets auf die Bilanz der Gesamtkalorienzufuhr und ausreichende Bewegung an. Wissenschaftliche Beweise für eine langfristige Gewichtskontrolle durch mittelkettige Fettsäuren fehlen, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

„Kokosöl kann keine Wunder bewirken, aber Teil einer gesundheitsförderlichen Ernährung sein, auch bei bestimmten Erkrankungen“, schreibt Ulrike Gonder. Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass Kokosöl eine gute Ergänzung in der Ernährung sowohl von Patienten mit milden Verlaufsformen als auch zur Prophylaxe kognitiver Störungen sein kann.

Wer als gesunder Mensch hin und wieder Gerichte mit dem typisch nussigen Geschmack aufpeppen möchte, kann das ohne Sorgen tun. In einem ausgewogenen und gesunden Speiseplan darf es aber nicht das einzige verwendete Fett bleiben. Es muss durch Lebensmittel mit ungesättigten Fettsäuren wie fetten Fisch, Nüsse und andere hochwertige Pflanzenöle ergänzt werden.

Die Pfanne mit dem zubereiteten Gericht enthält viel Gemüse. © Daniel Assmann Photography

Wer hin und wieder mit Kokosöl kocht – zum Beispiel Thailändisch – braucht keine Angst haben.

Kokosöl und das vermeintliche Wundermittel Laurinsäure

In manchen Texten wird Kokosöl als Mittel gegen Viren und Bakterien aller Art angepriesen. Es wird zur Vorbeugung gegen Karies empfohlen, als Mittel gegen Darmentzündungen angeraten, sogar als erfolgsversprechend im Kampf gegen Krebs aufgeführt. „Kokosöl selbst wirkt nicht antibakteriell, es sind seine Abbauprodukte“, schreibt dazu Ulrike Gonder. Im Zuge der Verdauung wird aus Kokosöl Laurinsäure abgespalten und es entsteht Monolaurin. Dieser Stoff kommt auch in Muttermilch vor und ihm wird eine antibakterielle Wirkung zugeschrieben. Zwar haben sich sowohl Laurinsäure als auch Monolaurin in Labor- und Tierexperimenten als antibakteriell und antiviral gezeigt. „Wie viel Laurinsäure und Monolaurin im menschlichen Körper freigesetzt werden und wie wirksam diese sind, muss noch geklärt werden“, sagt Gonder.

Auch hier gilt: Kein einzelnes Mittel kann Wunder vollbringen, aber abgestimmt auf die Lebenssituation des jeweiligen Menschen positive Entwicklungen begünstigen. Wer ernsthaft erkrankt ist, sollte aber in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Von Eigentherapien mit Kokosöl ohne Begleitung eines ausgebildeten Mediziners ist unbedingt abzuraten.

Die Qualität des Kokosöls spielt eine große Rolle

Alle positiven Eigenschaften der mittelkettigen Fettsäuren im Kokosöl lassen sich ausschließlich weitestgehend naturbelassenem und qualitativ hochwertigem Kokosöl zuschreiben, das weder raffiniert noch gebleicht oder gehärtet wurde. Darauf weist auch Frau Professor Michels in einem Statement hin.

Fest steht: Keinerlei gesundheitsfördernde Wirkung hat das industriell produzierte, in Form gepresste Kokosfett, das gerne beim Backen oder Frittieren zum Einsatz kommt. Bei seiner Produktion werden positiv wirkende Stoffe weitgehend zerstört. Bei der Härtung des Fetts können zudem schädliche Trans-Fettsäuren entstehen, die nachgewiesenermaßen Herz, Hirn und Gefäße schädigen.

Verbraucher sollten deswegen beim Kauf auf die Begriffe „nativ“, „kaltgepresst“ oder „virgin“ achten. Dies bedeutet, dass beim Pressen der Kopra, also dem getrockneten Kernfleisch der Kokosnüsse, keine zusätzliche Hitze zugeführt wird. Die höchste Qualität haben jene Kokosöle, die bei der Herstellung nicht über 40°C erhitzt werden. Nur dann werden wärmeempfindliche Vitamine und Antioxidantien nicht zerstört.

Eine Bäuerin steht mit Kokosnüssen im Urwald.

Herkunft und Verarbeitung spielen beim Kokosöl und seiner Wirkung auf den Körper und die Umwelt entscheidende Rollen.

Herkunft des Kokosöls: Entscheidend ist das wo und wie

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Anbau der Kokosnüsse. Die Bedingungen in den Herkunftsländern sind von ökologischem Standpunkt betrachtet oft problematisch. Kokospalmen gedeihen in ähnlich sensiblen Gebieten wie Ölpalmen, aus deren Früchten Palmöl gewonnen wird. Der Gewinnung des begehrten Palmöls fallen wertvolle Regenwälder und der Lebensraum seltener Tierarten zum Opfer. Der Umweltverband WWF hat analysiert, ob es sinnvoll wäre, Palmöl durch Kokosöl zu ersetzen, und kommt zu dem Schluss, dass dies kein ökologisches Problem lösen würde. Denn Kokospalmen benötigen viel Süßwasser und Nährstoffe. Zudem ist die Kokospalme nicht besonderes ertragreich. Ein Baum trägt im Jahr nur 40 bis 50 Früchte. Je höher die Nachfrage, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass großflächige Monokulturen die naturverträglichen Mischkulturen ersetzen. Dass Trinkwasser über die Maßen zum Bewässern genutzt wird und Kunstdünger zum Einsatz kommt. Eine derartige Entwicklung mit sehr negativen ökologischen Folgen hat sich über die Jahre bereits bei der Kultivierung von Palmöl vollzogen.

Wer Kokosnussöl kauft, sollte also darauf achten, dass es aus nachhaltigem biologischem Anbau stammt. Dazu kommt, dass Kokosnüsse über weite Strecke per Flugzeug oder Schiff nach Europa transportiert werden müssen, was das Klima belastet. Nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern auch dem Umweltschutz zuliebe sollten wir die Kokosnuss also in Maßen genießen.

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Bildquellen

  • thailaendisches-essen-kokosoel: © Daniel Assmann Photography

Daniela Becker ist Umweltwissenschaftlerin. Als freie Autorin schreibt sie über energieeffiziente Technologien, die Energiewende, Umwelt- und Klimaschutz und alle Facetten des nachhaltigen Wirtschaftens.

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  1. Jessica B.

    4 September

    Als der Vortrag von Prof. Michels solche Wellen schlug, dachte ich nur „Was, zu viel Fett ist nicht gesund? Wer hätte das gedacht…“ 😉 Ich persönlich nutze Kokosöl ausschließlich zur äußeren Anwendung und bin damit sehr zufrieden. Für meine selbst gemachte Kosmetik wie Deo oder Zahncreme eignet sich das Öl als Basis wunderbar, weil es bei Zimmertemperatur fest ist. In der Küche setze ich lieber auf regionale Alternativen wie Raps oder Sonnenblume.

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