Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Kindorientierte Beikosteinführung

Eine hand befühlt die Wassermelone, die andere steckt ein Stück der Frucht in den Mund - für das Baby ein echtes Erlebnis.

Die erste Beikost – ein bewegender Moment für viele Eltern beim ersten Kind. Denn er verdeutlicht noch einmal das Größerwerden und Loslösen von den Eltern. Die erste Beikost ist ein weiterer großer Schritt auf dem langen Weg der Eigenständigkeit. „Ein weiterer“, denn eigentlich ist das Kind von Anfang an selbständig an der Ernährung beteiligt: Zwar ist es auf die Eltern zur Nahrungsbereitstellung angewiesen, aber die Menge, Frequenz und Dauer einer Mahlzeit bestimmt das Kind von Anfang an selbst. Das ist es, was wir unter „Stillen nach Bedarf“ oder „Füttern nach Bedarf“ verstehen. Genauso sollte es sich auch mit der Beikost fortsetzen: Das Kind zeigt, wann es bereit ist, andere Nahrung neben (Mutter)milch aufzunehmen, welche es zu sich nehmen möchte und wann. Wir Eltern sind dabei die Begleiter/innen einer selbstständigen Entwicklung. So kann ein sehr entspannter Weg hin zum Essen am Familientisch aussehen.

Wann ist die Zeit reif für die erste Beikost?

Die Zeit ist nicht reif zu einem bestimmten Monatsbeginn. Sondern wenn das Kind Zeichen zeigt, dass es bereit für Beikost ist. Dies ist nicht der Fall, wenn es einfach nur unsere Bissen mit Blicken verfolgt, denn das Baby hat natürlicherweise Interesse an allen Dingen, die wir tun. Insbesondere dann, wenn es eine so aufregende Angelegenheit wie die Nahrungsaufnahme mit unterschiedlichen Gerüchen und Materialien und Gesprächen ist. Auch das Vorhandensein von Zähnen ist noch kein Startsignal für die erste Nahrung. Anzeichen für Beikostreife sind vielmehr: Das Baby kann mit etwas Unterstützung aufrecht sitzen, wodurch die Speisen den dafür vorgesehenen Weg durch den Verdauungsapparat gut gehen können. Solange es sich noch nicht selbst hinsetzen kann, ist der Schoß ein guter Platz für die Nahrungsaufnahme. Zudem muss der Zungenstoßreflex verschwunden sein, der das Baby anfangs dafür schützt, dass es sich an Fremdkörpern verschlucken könnte. Wenn sich das Baby vom Rücken auf den Bauch drehen kann, ist auch die Zunge fähig, das Essen im Mund gut umher zu bewegen, da beide Entwicklungen parallel erfolgen.

Was ist die ideale Nahrung für den Anfang mit Beikost?

Das Baby hat sich eine Erdbeere gegriffen und betrachtet die noch auf dem Tisch liegende sehr interessiert.

©Susanne Mierau

Nicht nur geschmacklich ein Erlebnis: Erdbeeren

Wenn wir die obigen Reifezeichen berücksichtigen, entscheidet das Kind oft selber, welche Nahrung es als erstes zu sich nimmt: Es steckt sie am Tisch einfach in den Mund. Auch wenn das Baby ein größeres Geschwisterkind hat, wird manches Mal die Entscheidung aus den Elternhänden in Kinderhände übertragen, wenn das Baby dem Geschwisterchen etwas aus der Hand reißt oder das ältere Kind dem Baby einen Bissen anbietet.

Dank der aktuellen Empfehlungen zur Beikosteinführung können Eltern sich auf jeden Fall entspannt zurücklehnen: Untersuchungen haben gezeigt, dass die vielen Regeln zur Allergieprävention und geregelten Beikosteinführung nicht notwendig waren. Bis auf wenige Ausnahmen kann gegessen werden, was schmeckt, Spaß macht und eben vorhanden ist.

Folgende Punkte müssen Sie jedoch bei der Beikost-Einführung beachten:

  • keine Nüsse (wegen Erstickungsgefahr), Nussmus ist jedoch eine schöne Zutat und ein leckerer Brotaufstrich
  • Lebensmittel, von denen kleine Stücken abgebissen werden könnten (das kann auch ohne Zähne durch Kraft des Kiefers erfolgen), die dann eingeatmet werden könnten, nur weich gedünstet anbieten (wie Apfel, Möhre). Auch eine kalte Möhre bei Zahnungsschmerzen ist bei Babys nicht zu empfehlen
  • kein Honig (wegen Botulismusgefahr)
  • keine Speisen und Gewürze mit hohem Capsaicingehalt, also Schärfe etwa in Chilis (schwere körperliche bis lebensbedrohliche Reaktionen)
  • rohes Fleisch/Fisch/Ei
  • rohe Cerealien wie Kleie
  • nur wenig Salz
  • möglichst keinen zugesetzten Zucker
  • Farbstoffe, Aromastoffe, chemische Zusätze
  • süße Getränke wie gesüßte Tees, Säfte
  • Tiermilch als Getränk, das Getränk der Wahl ist Wasser

Es empfiehlt sich generell, einen Erste-Hilfe-für-Kinder-Kurs zu belegen für Verschluckungsunfälle oder Notfälle, wenn das Kind etwas nicht Essbares zu sich genommen hat wie Reinigungsmittel oder andere giftige Substanzen.

Tipps für den Start mit Beikost

So sieht man sie auf dem Markt und später gegart auf dem Teller: die Pastinake.

©Susanne Mierau

Mit ihrem leicht süßlichen Geschmack sind Pastinaken bei vielen Babys zum Essenentdecken gut geeignet.

Besonders empfehlenswert sind natürlich – auch wenn sehr viele Speisen möglich sind – milde Lebensmittel wie Fenchel, Kartoffeln, Pastinake oder auch Zucchini. Die Zubereitung sollte so erfolgen, dass möglichst viele Vitamine erhalten bleiben, weshalb sich das Dünsten besonders eignet. Und dann pürieren oder nicht? Das bleibt jeder Familie selbst überlassen. Beikost kann sowohl als Brei gefüttert, als auch in Form von Fingerfood angeboten werden. In vielen Familien wird eine Mischform gewählt und neben Brei gibt es immer wieder feste Speisen. Diese haben den Vorteil, dass das Kind sich selbst versorgen kann und meist noch mehr Eindrücke über die Nahrungsmittel sammelt, als wenn es ausschließlich gefüttert werden würde: Es kann die Nahrung erfühlen, riechen, in Ruhe mit dem Mund ertasten. Mit den Händen kann es einen Eindruck von der Speise bekommen, bevor sie im Mund verschwindet: Ist dieses Essen weich oder hart? Muss ich fest abbeißen oder nicht? Auf diese Weise wird eine Mahlzeit zu weit mehr als nur Nahrungsaufnahme. Ebenso variabel ist die Ernährungsform: Babys können Fleisch und Fisch essen, müssen es aber nicht. Auch eine ausgewogene vegetarische oder vegane Ernährung ist möglich.

Wie entwickelt sich das Essverhalten?

Generell ist das Essen anfangs noch ein Spiel des Kindes und es dauert eine Weile, bis es verstanden hat, dass es auch sättigt. Und selbst dann sollten wir uns immer wieder daran erinnern, dass die Bezeichnung Beikost bedeutet, dass das Kind die ersten Nahrungsmittel neben der Hauptnahrungsquelle Muttermilch oder künstliche Säuglingsnahrung erhält. Mal essen Kinder mehr, dann wieder weniger und in Krankheitszeiten wird gerne wieder ausschließlich auf das Stillen oder die Flasche zurückgegriffen. Manchmal benötigen sie besonders Kohlehydrate und könnten den ganzen Tag Brot oder Nudeln essen, dann gibt es wieder einen anderen Bedarf. Solange wir eine gesunde (!) Auswahl an Lebensmitteln anbieten, können wir auf die Bedürfnisse und Wünsche des Kindes vertrauen. Jedes Kind hat auch hier sein eigenes Tempo und zeigt ein unterschiedliches Temperament. Manche Kinder essen zum ersten Geburtstag schon gut am Familientisch mit, andere ernähren sich noch überwiegend von Muttermilch. Von strengen Altersangaben und Ernährungsvorschriften müssen wir uns heute nicht mehr durcheinanderbringen lassen, solange das Kind grundlegend gesund ist. Deswegen können Eltern sehr entspannt – mit Brei oder ohne – in das Abenteuer Familienessen starten.

 

Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Freunden

Bildquellen

  • Baby mit Erdbeeren: ©Susanne Mierau
  • Pastinake als Beikost: ©Susanne Mierau
  • Beikosteinführung: ©Susanne Mierau

Susanne ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik), Familienbegleiterin und Heilpraktikerin. Seit 2012 schreibt sie über bindungsorientierte Elternschaft und das Leben mit ihren 3 Kindern auf geborgen-wachsen.de. Sie ist Autorin des gleichnamigen Buches "Geborgen wachsen".

Ähnliche Beiträge

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.