Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Fair, biologisch, idealistisch: Die Idee des segelnden Teikei-Kaffees

Das zweigeteilte Bild zeigt zwei behütete Frauen über Tische mit Kaffeebohnen gebeugt und rechts einen Frühstückstisch.

Kaffee gilt häufig als Natursünde: Pestizidverseuchte Monokulturen, in denen unterbezahlte Arbeiter für Weltkonzerne schuften. Dann doch lieber Fair Trade und Bio. Wie es noch besser geht, zeigt Teikei. Die Non-Profit-Organisation folgt dem Prinzip der Community Supported Agriculture, das dem Ganzen seinen Namen gibt. Denn Teikei ist der japanische Begriff für Solidarische Landwirtschaft. Das jahrhundertealte Konzept basiert darauf, dass Verbraucher den Bauern ihren Betrieb finanzieren und im Gegenzug die Ernte teilen. Ausfälle und Risiken werden dabei genauso solidarisch geteilt.

©Teikei-Team

Teikei-Mitinitiator Hermann Pohlmann

Der Teikei-Kaffee wird im mexikanischen Hochland von Bauern angebaut, von Hand geerntet und emissionsarm per Segelschiff zum Rösten nach Deutschland verschifft. Erhältlich ist dieser Kaffee nicht im Laden, sondern nur für Mitglieder. Im Interview spricht Initiator Herrmann Pohlmann über die Idee von Teikei, wie das praktisch funktioniert und wie man Mitglied werden kann.

Teikei-Initiator Hermann Pohlmann im Interview

Was verstehst du unter COMMUNITY SUPPORTED AGRICULTURE?

In der COMMUNITY SUPPORTED AGRICULTURE, auf Deutsch Solidarische Landwirtschaft, kümmern wir uns nicht mehr um den Marktpreis einer Ware, sondern wir fragen den Bäuerinnen und Bauern nach seinen Betriebskosten und seinem persönlichen Bedarf, um sein Produkt zu produzieren. Diese Kosten werden verteilt auf alle teilnehmenden Mitglieder der solidarischen Gemeinschaft. Die Vereinbarungen gelten jeweils für ein Erntejahr.

Welchen Anreiz hat der mexikanische Bauer, solidarisch zu wirtschaften

Es kann nicht sein, dass die Preise für Kaffee an der Wallstreet verhandelt werden. Wir ermitteln gemeinsam mit unseren Bäuerinnen und Bauern den richtigen Preis. So kann er sich auf seine Landwirtschaft konzentrieren, ohne Marktdruck und Konkurrenzkampf. Auch garantieren alle Mitglieder gemeinsam, dass die Idee einer biodynamischen Permakultur- und Agroforstlandwirtschaft eingehalten werden kann.

Wie entsteht der Preis der Ware genau?

Einmal im Jahr setzen wir uns mit allen Beteiligten an einen Tisch – den Bauern, den Seeleuten, den Röstern und den Kaffeetrinkern, um einen richtigen Preis zu ermitteln und um zu sehen, ob unsere Vorjahres-Kalkulation noch stimmt. So entsteht eine Sicherheit bei allen Beteiligten sowie ein Vertrauen auf Konsumenten- und Bauernseite.

Ein Korb und ein Sortiertisch sind mit roten Beren gefüllt. ©Teikei-Team

In diesen frisch gepflückten Beeren stecken die Kaffeebohnen.

Was unterscheidet den Teikei-Kaffee vom Kaffee im Bioladen?

Zum einen kennen wir unseren Bauern oder unsere Bäuerin persönlich – unsere Gemeinschaft soll nicht größer sein, als ca. 500 Haushalte. Somit ist es möglich, sich kennenzulernen und gegenseitig zu unterstützen – zum anderen kommen wir auf einen Preis ohne Zwischenhandel, wodurch der „richtige“ Preis entsteht.

Wie entstand die Idee einen Kaffee anzubieten, der mit dem Segelschiff nach Europa kommt?

Auf der Suche nach einem Kaffeebauern traf ich 2016 auf Esteban Acosta Pereira in der Schweiz. Er war sofort begeistert von der Idee einer Solidarischen Landwirtschaft im Kaffeeanbau. Seine Bedingung war allerdings, den Kaffee von Mexiko mit dem Segelschiff zu transportieren.

Kann ich Mitglied werden und was muss ich dafür tun?

Es ist ganz einfach, Mitglied zu werden. Auf unserer Website ist es möglich, seine Ernteanteile zu erwerben oder in unserem Probiershop erst einmal ein Probepäckchen zu bestellen. Dazu muss man nur ein kurzes Formular ausfüllen, das Ganze dauert nicht länger als fünf Minuten.

Hat das Teikei-Prinzip Zukunftspotenzial?

Wir arbeiten wie die Bienen. Sobald ein Volk eine gewisse Größe erreicht hat, wird eine neue Königin vorbereitet, das bedeutet, sobald in einer Stadt oder in einer Region 500 Haushalte zusammenkommen, sorgen wir dafür, dass die Gemeinschaft einen eigenen Bauern oder eine Bäuerin bekommt. Bislang sind unsere Mitglieder noch verteilt auf Deutschland und seine Nachbarländer. Doch in Zukunft werden verschiedene lokale Gruppen entstehen mit ihren jeweiligen Kaffeebauern.

Was ist deine persönliche Zukunftsvision für unsere Gesellschaft?

Das Wort Teikei kommt aus Japan und bedeutet „Co-working“. Es klingt nach Brüderlichkeit und Solidarität.

Wir arbeiten an einer neuen Form des Wirtschaftens, an einer Assoziativen Wirtschaft. Sie ist geeignet, einen Wandel zu vollziehen, ohne bestehende Strukturen radikal verändern zu müssen. Besonders in der Landwirtschaft können wir nicht einem Wirtschaftsgedanken des Wachstums folgen. Ein stetiges Wachstum in der Landwirtschaft hat notwendiger Weise Umweltzerstörung zur Folge.

Meine Zukunftsvision ist eine Wirtschaft des Miteinanders auf Augenhöhe, ein Wachstum der Qualität, nicht der Quantität. Die Natur zeigt es uns. Zum Beispiel der Wald: Der Wald ist für mich das Bild einer Geschwisterlichkeit. So sollte auch unsere Gesellschaft aufgestellt sein – gemeinsam, organisch, natürlich. Die Assoziative Wirtschaft kann eine solche Grundlage schaffen. Sie lässt sich im Prinzip auf alle Bereiche des Lebens anwenden. Kaffee ist hier ein erstes Beispiel, ein Pilotprojekt.

Sie möchten mehr über Teikei-Kaffee erfahren oder Mitglied werden? Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten finden Sie auf der Webseite von Teikei.

©Teikei-Team

Die Idee von Teikei Kaffee ist die einer ökologischen und solidarischen Landwirtschaft.

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Bildquellen

  • hermann-pohlmann: ©Teikei-Team
  • rote-kaffeebeeren: ©Teikei-Team
  • teikei-kaffee: ©Teikei-Team
  • teikei-kaffee-titel: ©Teikei-Team

Lea hat die Qualität der Textilien bei Waschbär im Blick. Als Bekleidungstechnikerin entwickelt und verbessert sie Tag für Tag die neuen Modelle der Kollektion. Als Ausgleich zum Arbeitsalltag macht sie gerne etwas mit ihren Händen: Zum Beispiel ihre eigenen Kleider nähen oder sich ein Möbelchen schreinern. In ihrer kunterbunten Küche werden Cremes gerührt, Brote gebacken und mit Freunden beisammen gesessen. Hin und wieder schaut Nachbarskatze Mausi auf einen Kontrollbesuch vorbei, ob noch alles an seinem Platz steht und eine leckere Maus auf sie wartet.

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