Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Making of: Die Idee für nachhaltigen Tourismus und ihre Entwicklung

Der Schutz des Waldes war und ist ihr Anliegen: Die Mitglieder der Ochoje Umweltschutzgruppe.

Nachhaltiges und ökologisch vertretbares Reisen ist heute präsenter denn je. Denn das Bewusstsein der Reisenden hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Angebote an „sanften Reisen“ nehmen stetig zu und die Urlauber können sich entscheiden, ob sie mit dem Rad durch Deutschland fahren oder doch lieber auf einen anderen Kontinent fliegen.

Aber was bedeutet nachhaltiges Reisen eigentlich? Die Frage ist entscheidend, da immer noch viele die Vorstellung haben, dass nachhaltiges Reisen nur mit großen Einschränkungen bei der Wahl des Urlaubsziels möglich ist. Doch weit gefehlt: Nachhaltiges Reisen ist eben nicht gleichbedeutend mit dem Verzicht auf eine Fernreise. Trotz des umweltbelastenden Langstreckenfluges gibt es einige Möglichkeiten, die Reise „verträglich“ zu gestalten. Sodass sie Natur und Bevölkerung im Reiseland so wenig wie möglich beeinträchtigt, aber eine Partizipation durch die Einheimischen entsteht und Arbeitsplätze geschaffen werden.

Nachhaltiges Reisen darf nicht mit „ökologisch“ gleichgesetzt werden. Denn es geht nicht nur darum, die Natur und Biodiversität im Reiseland zu schützen, sondern vielmehr um sozial gerechtes, kulturell angepasstes und wirtschaftlich sinnvolles Handeln. Der Reiseanbieter travel-to-nature spezialisiert sich seit über 20 Jahren auf nachhaltigen Tourismus. Was mit einer Idee für das Land Costa Rica begonnen hat, ist über die Jahre zu einem Spezialreiseveranstalter für ganz Lateinamerika und die Karibik geworden. Doch wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Erste Überlegungen für nachhaltige Fernreisen

Das erste Erinnerungsfoto der Familien von Rainer Stoll und Paul Valenciano.

©travel-to-nature

Rainer Stoll und seine Familie zu Besuch bei Paul Valenciano auf der ersten Costa-Rica-Reise.

Wir unternehmen einen Ausflug in das Jahr 1993. Damals diskutiere ich, Rainer Stoll, als Assistent der Geschäftsleitung bei Waschbär mit meinem Vorgesetzten über den Papierverbrauch des Waschbär-Katalogs. Man möchte dem Baumsterben entgegenwirken und den Katalog in Form von Bäumen nachwachsen lassen. Nach umfangreicher Recherche wählt man Costa Rica als optimalen Standort für dieses Vorhaben. Paul Valenciano, ein Costa Ricaner mit außerordentlichem Umweltbewusstsein, übernimmt mit seiner Umweltschutzgruppe „Ojoche“ die Aufforstungsarbeiten in La Fortuna – einem Städtchen unweit des Vulkans Arenal. Begeistert vom eigenen Projekt hat Paul die Idee, deutsche Reisende nach Costa Rica zu holen, ihnen die Aufforstungsarbeiten zu zeigen und das Ojoche-Projekt vorzustellen. Auch die Geschäftsleitung von Waschbär ist überzeugt davon. Damit ist die Idee des nachhaltigen Tourismus geboren.

Die erste Reisegruppe macht sich auf den Weg nach Costa Rica

Die Reisenden sitzen gemütlich bei einer Lodge und lassen die Umgebung auf sich wirken.

©travel-to-nature

Die erste Waschbär-Reisegruppe erkundet 1994 den Childrens Rainforest in Costa Rica.

Nach einigen Gesprächen formt sich der Gedanke einer Gruppenreise. Mit Paul Valenciano gibt es einen Partner vor Ort, der durch seinen Hauptberuf als Reiseleiter nicht nur Erfahrung im Tourismus mitbringt, sondern durch sein persönliches Engagement einen engen Bezug zur Natur- und Tierwelt hat. Am 14. Januar 1994 treten die ersten 14 Waschbär-Kunden die Costa-Rica-Reise an. Diese Reise ist die Geburtsstunde der firmeneigenen Sparte „Waschbär-Reisen“. Die Rückmeldungen der ersten „Waschbären“ in Costa Rica sind durchweg positiv.

Selbst Feuer und Flamme für das Aufforstungsprojekt und das Land Costa Rica, widme ich mich damals der Ausarbeitung weiterer Reiseprogramme und baue die Sparte Waschbär-Reisen aus. Zuerst soll es eine Firmenphilosophie geben, in der die Grundwerte der Reisen festgelegt werden. Neben der Wahrung der Natur soll die Einbindung der lokalen Bevölkerung einen besonderen Stellenwert innerhalb der Reisen einnehmen. Die Touristen sollen das Land so intensiv wie möglich erleben. Dazu gehören in das Landschaftsbild eingepasste Unterkünfte, die Einheimische ökologisch und ressourcenschonend betreiben können, genauso wie der persönliche Austausch und der Besuch von Umweltschutzprojekten. Natürlich spielt der Langstreckenflug eine wichtige Rolle, da dieser die Umwelt belastet. Die Länge der Urlaubsreise soll daher in Relation zur Flugstrecke gebracht werden. Bei einem Flug von Frankfurt nach San José in Costa Rica soll die Reisedauer 14 Tage nicht unterschreiten.

Welche Herausforderungen stellen sich bei der weiteren Entwicklung nachhaltiger Reisen?  

Das Portfolio von Waschbär-Reisen wächst und damit werden auch die Herausforderungen größer, denen sich das Team gegenübersieht. Zum ersten Mal kommen wir mit dem Deutschen Reiserecht in Berührung. Alle Details vom Abschluss des Reisevertrages über den Rücktritt und die Umbuchung durch den Kunden bis hin zur Frage: „Was passiert bei höherer Gewalt?“ müssen schriftlich fixiert und dem Kunden vorgelegt werden. Ebenso zuständig für das Marketing – seinerzeit ein ganz neues Terrain, auf dem ich mich bewege – gibt es einige Fragen zu klären.

„In welcher Form begeistere ich die Waschbär-Kunden für meine Reisen?“ „Sollte ich ihnen einen Flyer zuschicken oder anrufen?“ „Stelle ich den Umweltschutz in den Vordergrund oder locke ich mit dem Reiseprogramm?“ Wir entscheiden uns, den Testballon Waschbär-Reisen auf kleiner Flamme zu kochen. Die ausgearbeiteten Reisen werden auf dem damaligen Waschbär-Umweltforum präsentiert. Zudem schreiben wir die Kunden mit einem Flyer an, um auf die neue Sparte aufmerksam zu machen. Wer Interesse bekundet, erhält weitere Informationen und eine telefonische Beratung.  

Der Betrieb nimmt Fahrt auf

Nachdem alle Weichen gestellt sind, kann es endlich losgehen. Nach und nach reisen Waschbär-Kunden und weitere Interessierte in das grüne Costa Rica. So besuchen im ersten Jahr 120 Reisende das Land auf Basis des nachhaltigen Reisekonzepts. Dieser positive Trend zeigt dem Team, dass es mit der neuen Idee auf dem richtigen Weg ist. 1997 mache ich mich schließlich selbstständig und benenne Waschbär-Reisen im Jahr 2004 in travel-to-nature um. Auf diese Weise möchte ich auch international präsenter werden. Das Portfolio erweitert sich in der Folge deutlich, sodass travel-to-nature heute Reisen nach ganz Südamerika und in die Karibik anbietet.

Rückblick: Was wurde aus dem Waschbär-Wald?

Rainer Stoll pflanzt einen Setzling, sein kleiner Sohn Paul schaut dabei zu.

©travel-to-nature

Rainer Stoll mit Sohn Paul beim Aufforsten des Waschbär-Waldes.

Oft sind Umwelt-Aktionen und -Projekte leider nur von kurzfristiger Dauer. Doch der Waschbär-Wald, der 1994 gepflanzt worden ist, hat bis heute Bestand. Durch weitere Aufforstungsmaßnahmen ist einige Zeit später ein artenreiches Reservat entstanden, das sich für die Umweltbildung von Touristen und Einheimischen einsetzt. Das Reservat umfasst drei Hektar aufgeforsteten Regenwald, der unter fachkundiger Betreuung zu einem dichten Dschungel herangewachsen ist. Mittlerweile leben hier Faultiere, Agutis, Echsen, Frösche, Kaimane und über 150 verschiedene Vogelarten. Über einen einfach begehbaren Weg kann man sich außerdem eine Vielzahl von Pflanzen wie Helikonien, Orchideen und Palmen oder einen Heilkräutergarten ansehen. Ein Schmetterlingsgarten informiert über den Werdegang des Falters – von Ei über die Raupe und Puppe bis hin zum Schmetterling –und zeigt bis zu 30 Arten.

Wer das Reservat betritt, steht gleich mitten im Urwald. Nach einigen Metern wartet das Informationszentrum auf Touristen, die hier verschiedene Touren wie Nachtwanderungen, Vogelbeobachtungstouren oder kulturelle Darstellungen der Maleku-Indianer buchen können. Jeder Costa-Rica-Reisende hat die Möglichkeit, das Ojoche-Projekt vor Ort besuchen und zu schauen, was aus dem Waschbär-Wald geworden ist. Weitere Informationen gibt es unter: www.ecocentrodanaus.com.

Ein weiteres Projekt von travel-to-nature: Die La Tigra Rainforest Lodge

Ebenfalls in Costa Rica ist ein weiteres Projekt von travel-to-nature beheimatet: Eine nachhaltig betriebene Lodge in den Baumwipfeln inmitten eines aufgeforsteten Regenwaldes. Lesen Sie dazu den Beitrag: „La Tigra Rainforest Lodge – nachhaltiger Urlaub in Costa Rica“ hier im Waschbär-Magazin.

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Bildquellen

  • My beautiful picture: ©travel-to-nature
  • Erste Waschbär-Reisegruppe in Costa Rica: ©travel-to-nature
  • Rainer Stoll beim Baumpflanzen: ©travel-to-nature
  • Ochoje Umweltschutzgruppe: ©travel-to-nature

Rainer Stoll, Jahrgang 1963, bewegten schon immer ökologische Themen. Und so fragte sich der studierte Umweltökonom vor vielen Jahren: Warum gibt es keine nachhaltigen Reisen, von denen die Menschen im Reiseland profitieren? Die Idee für Waschbär Reisen war geboren und entwickelte sich zum heutigen Reiseanbieter travel to nature. Nun sucht Rainer ständig nach neuen Reiseideen und widmet sich erlebbaren Projekten wie dem mehrfach ausgezeichneten Regenwaldprojekt „La Tigra“ in Costa Rica. Hier legt sich der leidenschaftliche Vogelgucker gerne auf die Lauer und schießt buntes Federvieh – natürlich nur mit der Kamera.

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