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Plastikmüll im Meer – Diese Projekte kämpfen dagegen

Nahaufnahme von Meer, das mit Plastikmüll verschmutzt ist

Die Ozeane werden zu treibenden Mülldeponien, weil der Mensch Abfälle rücksichtslos in Gewässern entsorgt. Wir alle kennen die Bilder von Plastikflaschen, Tüten und anderem weggeworfenem Treibgut am Strand. Was wir uns jedoch viel seltener vergegenwärtigen, sind die unvorstellbaren Mengen an Müll, die die größten natürlichen Lebensräume der Erde bedrohen. Nicht nur die Meerestiere und Pflanzen sind durch unser verantwortungsloses Handeln in Gefahr, auch wir Menschen setzen uns dadurch selbst einem Gesundheitsrisiko aus. Denn Plastikmüll im Meer landet – das ahnen wir alle – früher oder später auch auf unserem Teller. Vom Gefühl der Machtlosigkeit lassen sich immer weniger Menschen entmutigen und sagen stattdessen mit spannenden Projekten der Meeresverschmutzung den Kampf an. Von den folgenden drei Projekten werden wir in Zukunft sicherlich noch einiges hören. Sie zeigen allesamt, dass mit Tatendrang und Einfallsreichtum aus Träumen von einer besseren Welt Wirklichkeit werden kann.

Projekt 1 gegen Plastikmüll im Meer: The Ocean Cleanup

Was tun, wenn einem schon früh im Leben klar wird, dass die Verschmutzung unserer Meere zunimmt und es an konkreten Gegegmaßnahmen fehlt? Einen der vermutlich wichtigsten Beiträge der letzten Jahre liefert der 25-jährige Niederländer Boyan Slat. Seinem Projekt hat er den simplen Namen The Ocean Cleanup gegeben, womit er auf eine großangelegte Meeresaufräumaktion anspielt. Die Mission ist dabei keineswegs einfach. Der Ocean Cleanup basiert auf dem Prinzip der Selbstreinigung von Gewässern mithilfe von riesigen, fangarmförmigen Anlagen. Bei dem Vorhaben soll die Meeresströmung die Hauptarbeit übernehmen und dafür sorgen, dass sich der Plastikmüll in der Anlage verfängt und dort eingesammelt wird. Da die Anlage als riesiges Fangnetz dient, erfolgt der endgültige Abtransport an Land per Boot.

Der junge Mann sitzt in einem Bauteil seines Müllsammlers. © The Ocean Cleanup

Er hat „The Ocean Cleanup“ ins Leben gerufen und zeigt mit seiner persönlichen Geschichte, was Engagement bewirken kann.

Das alles klingt zunächst etwas hochgegriffen und dennoch nicht ganz abwegig. Aber wieso befasst sich ein Jugendlicher über Jahre mit der Finanzierung eines Projekts und plant akribisch jeden Schritt – so lange, bis sein Traum Realität wird? Alles begann mit einer Urlaubsreise. Der damals 16-jährige Boyan Slat hat 2011 beim Tauchen in Griechenland zu seinem Entsetzen festgestellt, dass mehr Plastikmüll im Meer vorzufinden war als Fische. Seitdem hat ihn die Suche nach einer Lösung für das weltweite Problem nicht mehr losgelassen.

Im Rahmen eines Schulprojekts beschäftigte er sich mit den physikalischen Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit sich Plastikabfälle möglichst selbst aus den Gewässern herausfiltern. In einem TED-Vortrag erklärte er seine Idee und hat damit viel Beachtung gefunden. Im Jahr darauf wurde in New York die erste Durchführbarkeitsstudie vorgestellt, an der zahlreiche Wissenschaftler freiwillig mitgearbeitet haben. Ohne finanzielle Mittel war eine Umsetzung des Projekts aber nicht möglich. Darum hat Boyan über Spenden und Crowdfunding Gelder gesammelt, die das Projekt realisierbar machten. Bis zum Auftakt konnte er über 30 Millionen Dollar Spenden verbuchen.

Ein Boot halb umgeben von einer schwarzen schwimmenden Barriere im Hintergrund ein Regenbogen © The Ocean Cleanup

Der erste echte Test unter realen Bedingungen: Das Projekt The Ocean Cleanup am Pacific Garbage Patch.

Wie läuft es bei The Ocean Cleanup?

Das Pilotprojekt ist nach erfolgreichem Kampagnenverlauf im Herbst 2018 etwas früher als geplant an den Start gegangen und zielte auf den Pazifischen Müllstrudel (den sogenannten Great Pacific Garbage Patch) ab, der in seinen Ausmaßen die Größe Mitteleuropas erreicht. Ein Prototyp der eigens entwickelten Plastikfangsysteme ist bereits seit 2017 in der Nordsee getestet worden.

Die Ambitionen sind trotz aktueller Rückschläge und technischer Probleme groß, denn der Plan ist es, innerhalb von fünf Jahren die Hälfte des Plastikmülls aus dem Pazifischen Müllstrudel herauszufischen. Sollte die Umsetzung nach Anlaufschwierigkeiten klappen, wäre der Anfang gemacht. Neben dem Great Pacific Garbage Patch, dem mit 80.000 Tonnen größten Müllstrudel der Welt, gibt es noch vier weitere große Strudel, die stark vermüllt sind. Es gibt also noch viel zu tun. Da kommt es nicht ungelegen, dass sich auch andere Projekte mit dem Thema Plastikmüll im Meer beschäftigen.

Projekt 2: Pacific Garbage Screening – Ein deutscher Beitrag im Kampf gegen Plastikmüll im Meer

Ein weiteres großes Projekt, welches die Architekturstudentin Marcella Hansch an der Universität Aachen gestartet hat, ist das Pacific Garbage Screening (PGS). Die Motivation zur Entwicklung eines Systems, das Plastik aus den Meeren filtern soll, kam der Studentin durch eine traurige Erfahrung auf den Kapverdischen Inseln. Wie auch Boyan bemerkte sie beim Tauchen, dass sie im Wasser hauptsächlich von Müll und nicht von Fischen umgeben war. Daraufhin beschäftigte sie sich genauer mit der Problematik und fasste für sich einen Entschluss: Ihre anstehende Masterarbeit würde sich nicht mit einem klassischen Architektur-Thema befassen, sondern mit einem besonderen Beitrag im Kampf gegen Plastikmüll im Meer. Seitdem ist viel passiert. Hansch hat einen gemeinnützigen Verein gegründet, mit dessen Hilfe ihre Idee verwirklicht werden soll.

Ruhe rein, Plastik raus – Aufgewühltes Meeresplastik ist für das PGS kein Problem

Aus der Arbeit an einem Uniprojekt ist eine Lebensaufgabe geworden, die immer konkretere Züge annimmt. Das Besondere am Aufbau des von ihr entwickelten Systems? Es macht sich die Eigenschaften und das Verhalten von Plastik in strömenden Gewässern zunutze. Die Konstruktion erinnert in ihrer Form an einen riesigen Oktopus mit vielen Tentakeln. Die bis zu 400 Meter langen Fangarme der Anlage reichen jeweils über 30 Meter unter die Wasseroberfläche. Zwischen ihnen wird auch kleinförmiges Treibplastik in einen ruhigeren Zustand versetzt. Die Meeresströmung kann dieses mehrere Meter unter Wasser drücken. Im ruhigen Wasser gelangt es durch seine relativ geringe Dichte an die Wasseroberfläche, wo der Müll aufgefangen wird. Da die Anlage ohne Netze funktioniert, besteht für Meerestiere keine Gefahr, sich lebensbedrohlich zu verfangen.

Die schematische Zeichnung eines Teils des Konstruktes. © Pacific Garbage Screening e.V.

Visualisierung der Funktionsweise des Pacific Gargabe Screening Projekts.

Eine punktuelle Befestigung der Insel ermöglicht einerseits, die Anlage stationär einzusetzen und sie zukünftig zu Forschungszwecken sogar zu bemannen. Andererseits hat sie immer noch genug Bewegungsspielraum, um sich der Strömung anzupassen und sich nach ihr auszurichten. Dabei soll der Plastikmüll nicht einfach vernichtet werden, sondern als Ressource zum Einsatz kommen, um daraus z.B. Energie und biologisch abbaubaren Kunststoff zu gewinnen.

Die Idee des Pacific Garbage Screening findet erste Anhänger

Das Pacific Garbage Screening steht im Vergleich zum The Ocean Cleanup noch am Anfang seiner Entwicklung. Mittlerweile aber sind Marcella Hansch und ein Team aus Ehrenamtlichen auf einem guten Weg, um auf das Projekt aufmerksam zu machen und Unterstützer dafür zu gewinnen. Neben Stiftungs- und Fördergeldern sollen auch Spenden und Crowdfunding den nächsten Schritt ermöglichen. Noch gibt es zwar keinen Prototyp im Test, die bisherigen Simulationen verliefen jedoch erfolgsversprechend.

Die Visualisierung zeigt ein weißes kammartiges Konstrukt, das auf dem Meer schwimmt. © Pacific Garbage Screening e.V.

So soll Pacific Garbage Screening nach der Realisierung aussehen.

In Anbetracht der Tatsache, dass der niederländische Vorreiter The Ocean Cleanup im Dezember letzten Jahres aufgrund technischer Probleme auf unbestimmte Zeit angehalten werden musste, könnte sich Hanschs Konstruktion als gute Alternative und ergänzendes System entpuppen. Auch, weil es insbesondere den kleinsten Plastikteilchen an den Kragen will und unter technischen Anpassungen in Flusslandschaften zum Einsatz kommen könnte. Also dort, wo die Abfälle noch nicht in die Weltmeere gelangt sind. Wer das Projekt gegen Plastikmüll im Meer mit einer Vereinsmitgliedschaft oder über Spenden unterstützen will, kann dies auf der Homepage des Pacific Garbage Screening tun.

Projekt 3: Im Kleinen gegen den Plastikmüll im Meer mit der SeeKuh

Nicht alle Meeresprojekte sind so groß angelegt wie das Pacific Garbage Screening oder The Ocean Cleanup. Eines der kleineren Unternehmen für die Rettung der Ozeane ist die SeeKuh. Eine Art Meeresmüllabfuhr, die von der Münchener Umweltorganisation One Earth – One Ocean gegründet wurde. Die Idee ist relativ einfach und hat durch wenig finanziellen Aufwand den Vorteil, dass sie schnell umgesetzt werden kann. Im Prinzip geht es darum, vor allem die Küstengebiete von im Wasser treibenden Plastikabfällen zu befreien. Je nach Gewässerart sammeln unterschiedlich große Wasserfahrzeuge das Treibgut ein und bringen es zur Wiederverwertung an Land. Die SeeKuh ist das zentrale Reinigungsschiff, welches in Küstenregionen und Flussmündungen eingesetzt wird. Das katamaranähnliche Schiff hatte bereits Einsätze in der Ostsee und in Hongkong.

Ein kleines Plattformartiges Boot auf dem Meer. © OEOO

Sieht klein und unscheinbar aus, weckt aber große Hoffnungen: Die SeeKuh.

Der Vorteil der SeeKuh ist ihre Flexibilität bei der Müllbeseitigung

Das Besondere an der Meeresmüllabfuhr ist neben ihrer Zerlegbarkeit und ihrem einfachen Transport von Küste zu Küste die spezielle Art ihrer Netze. Diese können pro Fahrt bis zu zwei Tonnen Müll einfangen. Da das Schiff nahezu in Schrittgeschwindigkeit über das Wasser gleitet, können sich Meerestiere nicht in den Netzen verfangen. In Zukunft soll die Flotte weiter ausgebaut werden und ferngesteuert sowie ausschließlich mit erneuerbarer Energie betrieben, Müll aus Gewässern und küstennahen Gebieten fischen. Heute schon ist mit der SeeKuh nicht nur das Einsammeln von Plastikmüll möglich, sondern auch direkte Wasseranalysen an Bord. An Deck befindet sich ein kleines Labor, in dem Forscher Wasserproben mit einem Infrarotspektrometer auf Kunststoff untersuchen können. Dieses Jahr folgt außerdem die Erprobung einer neuen Fangtechnik unter Nutzung eines Förderbandes. Die SeeKuh ist damit laut One Earth – One Ocean das erste seetüchtige Forschungs-, Reinigungs- und Aufklärungsschiff weltweit.

 

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Bildquellen

  • boyan-slat-von-the-ocean-cleanup: © The Ocean Cleanup
  • the-ocean-cleanup: © The Ocean Cleanup
  • funktionsweise-pacific-garbage-screening: © Pacific Garbage Screening e.V.
  • visualisierung-des-pacific-garbage-screenings: © Pacific Garbage Screening e.V.
  • projekt-seekuh: © OEOO
  • plastikmuell-im-meer-ocean-cleanup: © The Ocean Cleanup

Als Autorin ist Agata noch grün hinter den Ohren, dafür ist die Waschbär-Assistentin umso verrückter nach grünen Ideen. Sie kann sich nur schwer von gebrauchten Gegenständen trennen, denn Bastelerfahrung sammelt sie schlichtweg lieber als Kassenbons. In ihr wohnt eine kleine Idealistin, die es genießt, der Welt ihre Geschichten zu entlocken – ob auf Reisen, beim Plausch mit Lebemenschen oder durch spannende Lektüre. Inspiration bezieht sie aus Begegnungen mit Querdenkern, die optimistisch und unkonventionell nach Lösungen suchen.

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