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Future foods oder wie ernähren wir uns in der Zukunft?

Unter Glas wachsende Fleischzellen und Salat ohne Acker

Für eine gesunde Ernährung ist es wichtig, den Körper ausreichend mit Eiweiß zu versorgen. Heute denken wir bei Eiweißquellen vor allem an Fleisch, Milcherzeugnisse und Eier. Doch die massenhafte Produktion von tierischen Produkten stellt für die Umwelt zunehmend ein Problem dar. Die Tierhaltung auf engem Raum erfordert den Einsatz von Antibiotika. Und für den Anbau von Tierfutter wie Mais und Soja wird viel Dünger benötigt. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, dass die globale Viehzucht schon heute für 14 Prozent aller vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist – Tendenz stark steigend: Bis 2050 sollen zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben.

Eiweißquelle der Zukunft: Burger aus Insekten

Zwei lecker angerichtete Buger warten darauf verspeist zu werden.

©essento/Tina Sturzenegger

Nichts lässt beim Blick auf die Burger erahnen, dass Mehlwürmer eine Grundzutat sind.

Eine Alternative zu Fleisch und ebenso nahrhafte Proteinquelle sind Insekten. Derzeit sind in der Europäischen Union Lebensmittel aus Insekten nur in Belgien, Dänemark und in den Niederlanden zugelassen. Seit dem 1. Mai 2017 werden in der Schweiz drei Arten Insekten offiziell als Lebensmittel verkauft: Wanderheuschrecken, Mehlwürmer und Grillen. Coop, eine der größten Schweizer Supermarktketten, bietet einen Burger der Firma Essento an, dessen Patty zu fast 40 Prozent aus Mehlwürmern besteht. Die Aufzucht von Mehlwürmern, so das Argument des Unternehmens, produziere deutlich weniger Treibhausgas im Vergleich zu anderen tierischen Proteinquellen. Mehlwürmer würden außerdem viel weniger Futter, Wasser und Platz als andere Tiere benötigen. Woraus der Burger-Bratling besteht, sieht man ihm nicht an, denn die Würmer werden gefriergetrocknet, gemahlen und mit den anderen Zutaten gemischt.

Auch in Deutschland wird an Lebensmitteln aus Insekten getüftelt: So verkauft beispielsweise das deutsche Start-up Bugfoundation einen Insekten-Burger, der aber aufgrund der Rechtslage in Deutschland bisher nur in Belgien und in den Niederlanden erhältlich ist. Und das Kölner Unternehmen Swarm Protein arbeitet an einem Energieriegel aus Grillen.

Klingt alles ekelig? Ungewohnt trifft es wohl besser. Denn ob wir nun einen Burger aus Rindfleisch oder Mehlwürmern verzehren, wo ist der Unterschied? Um Vorurteile gegenüber Nahrung aus Insekten abzubauen, hat Essento das Kochbuch “Grillen, Heuschrecken & Co.” auf den Markt gebracht. Darin kochen Gourmetköche Rezepte mit Insekten. Wer das einfach mal ausprobieren will, kann sich zum Beispiel über den Online-Shop „Snack Insects“ eindecken.

Fleischgenuss ohne Tierleid und Schlachthaus

Wie aus einem Katchup-Spender pumpt sich die Hand Foie gras aufs Brötchen.

©Nichon Glerum/bistro-invitro.com

Noch ist die Vision einer Foie gras ohne Tierleid nicht Realität. Unrealistisch ist die Idee aber nicht mehr.

Eine Vision für die Zukunft der Ernährung ist es, dass für unseren Fleischgenuss gar keine Tiere mehr sterben müssen. Deswegen forschen Wissenschaftler schon länger daran, Fleisch künstlich zu züchten. Vor vier Jahren stellte ein niederländisches Forscherteam der Universität Maastricht das erste synthetisch erzeugte Fleisch vor. Dafür wurden Muskelzellen einer Kuh in einer Petrischale gezüchtet und vermehrt, sodass sie einen essbaren Fleischklops ergaben. Das Medienecho war riesig – allerdings fiel das Produkt damals geschmacklich durch.

Könnte ein solches, künstliches Erzeugnis trotzdem ein wichtiger Faktor der Ernährung in der Zukunft werden? Sehr wahrscheinlich ja. Denn obwohl es immer mehr Menschen gibt, die sich rein pflanzlich ernähren, wird es vermutlich auch immer jene geben, die auf Fleisch nicht verzichten wollen. Für sie wäre das In-Vitro-Produkt eine Lösung, um Fleisch zu genießen, ohne dass dafür ein Lebewesen sterben muss.

Utopischer Food-Trend: Essen aus dem 3D-Drucker

Das wäre auch für die Umwelt gut: Zwar braucht die Produktion von künstlichem Fleisch mehr Energie als die für pflanzliche Nahrung, jedoch schneidet das In-Vitro-Fleisch gegenüber der Tierhaltung besser ab. Gleichwohl löst der Gedanke an künstlich erzeugtes Fleisch bei vielen Menschen noch ein ähnliches Unwohlsein aus wie der Insekten-Burger. Um festgefahrene Denkgewohnheiten in Bezug auf die Ernährung aufzubrechen, hat der niederländische Philosoph Koert van Mensvoort das Projekt „bistro-invitro.com“ gestartet. Auf der englischsprachigen Webseite kann man sich sein Menü aus künstlich erzeugten Produkten zusammenstellen, die man möglichweise schon bald im Supermarkt kaufen kann – wie zum Beispiel Eier aus dem 3D-Drucker oder Foie gras, für die keine Gans leiden musste. Noch ist das Zukunftsmusik. Doch die Niederländer vermelden bereits, dass sie den Geschmack ihrer In-Vitro-Bulette durch das Gemisch mit Fettzellen und Geschmacksstoffen deutlich verbessert haben. In Kalifornien und Israel wurden kürzlich Firmen gegründet, die Fleisch in Zellkulturen züchten und vermarkten wollen.

Nahversorgung in Großstädten: Gemüse aus der Indoor-Farm

Auch der Anbau von Gemüse wird sich womöglich schon bald deutlich verändern. Ein Beispiel dafür liefert das amerikanische Unternehmen Aerofarms, das in einer ausrangierten Fabrikhalle in New Jersey eine urbane Hightech-Landwirtschaft betreibt. Sonne, Erde und Pestizide – all das ist hier überflüssig. Auf engstem Raum werden Salate und Kräuter übereinander in Pflanzboxen gestapelt. Über ausgeklügelte Technik wird das Gemüse automatisch mit exakt so viel Wasser- und Nährstoffen versorgt, wie es benötigt. Für Licht sorgen energieeffiziente LEDs. Natürlich ist das sehr weit weg von einer naturnahen Landwirtschaft in einer funktionierenden Dorfgemeinschaft. Doch von diesem bäuerlichen Idealbild bewegt sich die Agrarindustrie bereits seit Langem weg. „Indoor Farming“ ist eine Möglichkeit, die immer knapper werdenden Ressourcen wie Wasser, Platz und fruchtbare Erde optimal zu verwenden. Zugleich kann auf diese Weise in großen Städten eine Versorgung mit Gemüse aufgebaut werden, ohne dass lange Lieferwege notwendig sind.

Der Begriff Vertical Farms (zu Deutsch: vertikale Landwirtschaft) meint das Konzept, in der Stadt mit senkrechter statt horizontaler Bauweise mehr Platz für den Obst- und Gemüseanbau zu gewinnen. Das Start-up Infarm hat in Berlin ein Labor für diese Art des Gemüseanbaus eingerichtet. Temperatur, pH-Wert, Nährstoffzufuhr, auch hier ist alles digital gesteuert und überwacht. In gläsernen Hochregalen wachsen Kräuter und Salate, beleuchtet von LED-Lichtern. Statt in der Erde wachsen die Pflanzen auf einem Substrat aus Kokosfasern.

Lebensmittelverschwendung hat keine Zukunft

Wenn wir viele Menschen nachhaltiger ernähren wollen, dürfen wir vor allem nicht so viele Lebensmittel verschwenden wie bisher. Über 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel landen alleine in Deutschland pro Jahr im Müll – zehn Millionen davon wären vermeidbar. Zu diesem Schluss kommt die Studie „Das große Wegschmeißen“ des WWF.

Zahlreiche Organisationen mühen sich längst im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung, darunter die Bewegung der Foodsharer. Auf der Online-Plattform foodsharing.de können Privatpersonen online „Essenskörbe“ mit überschüssigen Lebensmitteln anbieten, die von anderen abgeholt und verbraucht werden. Jeder darf mitmachen, Kosten entstehen keine. Das Gros der Lebensmittel retten die Aktivisten in Supermärkten vor der Tonne. Nach Ladenschluss treffen sich dort in Absprache mit dem Ladenbetreiber Freiwillige, nehmen die Produkte mit, die sich nicht mehr für den Verkauf eignen. Entweder verbrauchen sie diese selbst oder geben sie an diverse „Fairteiler“ und öffentliche Kühlschränke ab.

Zweite-Chance-Supermarkt und Gemüseretter-Box

Abgelaufen und lecker, steht auf dem Schild, das die Verkäuferin über dem Regal anbringt.

©Jana Dorn / http://www.the-good-food.de/

Nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, muss das Lebensmittel nicht unbedingt schlecht sein. Der Kölner Laden The Good Food verkauft diese Produkte zu reduzierten Preisen.

Ein weiteres zukunftsfähiges Konzept ist der neue Kölner Supermarkt „The Good Food“, in dem Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist oder die es aus optischen Gründen nicht in den Handel geschafft haben, zu einem kleinen Preis verkauft werden. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt das Münchner Unternehmen „Etepetete“ mit seiner Gemüseretter-Box. Die Kiste, die per Post kommt, enthält zum Beispiel krumme Gurken, Karotten mit zwei Beinen und riesige Zucchini von einem Biohof, die zwar den Normen der Supermärkte nicht standhalten, aber deswegen nicht schlechter schmecken.

 

Was denken Sie über die Vorschläge für „Future foods“? Würden Sie synthetisch hergestelltes Fleisch essen? Haben Sie Tipps, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

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Bildquellen

  • essento-burger-aus-mehlwuermern: ©essento/Tina Sturzenegger
  • Foie gras ohne Tierleid: ©Nichon Glerum/bistro-invitro.com
  • the good food Laden: ©Jana Dorn / http://www.the-good-food.de/
  • future-foods: ©http://bistro-invitro.com/en/bistro-invitro/ | pixabay

Daniela Becker gehört zum Autorenteam von raabengrün. Ihr umweltpolitisches Erweckungserlebnis war Tschernobyl. Einige Jahre später studierte sie Umweltwissenschaften, natürlich um die Welt zu retten. Weil sie in einem Superwoman-Kostüm dämlich aussieht, nutzt sie nun vorwiegend eine Tastatur.

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