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Nachhaltige Mobilität: Ist der Fernbus eine echte Alternative?

Eine Menschentraube wartet am grünen Bus aufs Einsteigen.

Nicht erst seit Fridays for Future steht der persönliche CO2-Fußabdruck im Zentrum vieler Diskussionen. Was kann jeder einzelne von uns tun, um die Klimabilanz zu verbessern? Klar ist: Die meisten CO2-Emissionen kommen aus der Stromerzeugung und der Industrie. Beide Bereiche konnten im Vergleich zum Jahr 1990 ihre Emissionen senken. Auf Platz drei folgt der Verkehrssektor. Dieser konnte seine Ziele bisher nicht ansatzweise erreichen. Das Gegenteil ist der Fall. Grund dafür ist unter anderem, dass für viele das eigene Auto noch immer das wichtigste Fortbewegungsmittel ist. Dabei können wir alle gerade in Sachen Mobilität leicht selbst aktiv werden. Die Alternativen sind vielfältig. Wir wollen zeigen, dass Mobilität mehr als Flugzeug, das eigene Auto mit Verbrennungsmotor, ÖPNV und die Bahn ist und stellen verschiedene Möglichkeiten in einer Serie in Sachen nachhaltige Mobilität vor. Dabei geht es auch um die Frage, wie nachhaltig die jeweiligen Angebote tatsächlich sind. Im Folgenden geht es um Reisen mit dem Fernbus …

Welche Fernbus-Anbieter gibt es?

Zu Beginn der Liberalisierung war der Markt in Deutschland mit DeinBus, MeinFernbus, dem ADAC Postbus sowie weiteren Anbietern noch breit gefächert. Inzwischen ist der unangefochtene Marktführer aber Flixbus. Das Unternehmen bietet viele Strecken in ganz Europa an und möchte sich mit dem Flixtrain auch Im Schienenverkehr etablieren. Der von den französischen Staatsbahnen SNCF unterstützte Konkurrent BlaBlaBus, die Bussparte der Mitfahrzentrale BlaBlaCar, versucht die Vorteile aus beiden Welten zu kombinieren. Diese beiden Fernbus-Anbieter beherrschen den Markt. Darüber hinaus betreibt die Deutsche Bahn mit ihrem die Schiene ergänzenden Angebot, dem IC Bus, wenige Verbindungen in Nachbarländer Deutschlands. Auch die Österreichischen Bundesbahnen unterhalten mit dem ÖBB Intercitybus ein Fernbusnetz, das zwischen Österreich und Italien verkehrt.

Große Unterschiede zwischen den führenden Anbietern betreffen vor allem das Streckennetz

Im Streckennetz unterscheiden sich beide Anbieter deutlich. Während Flixbus mit seinen Angeboten in 30 Ländern aktiv ist, bedient der jüngere Konkurrent BaBlaBus Destinationen in elf Staaten. Das liegt vor allem daran, dass Flixbus auch Fahrten in Osteuropa und auf dem Balkan anbietet. Weniger Unterschiede gibt es jedoch beim Service an Bord. WLAN und Steckdosen gehören inzwischen zum Standard und auch als Rollstuhlfahrer kann man Fernbusse problemlos nutzen. Flixbus und der IC Bus bieten ihren Kunden zudem ein Entertainmentportal an sowie Snacks und Getränke. BlaBlaBus wirbt lediglich damit, an gut ausgestatteten Raststätten zu pausieren. Klappräder können bei allen Anbietern mitgenommen werden. Einige Busse von Flixbus sind sogar mit Fahrradträgern ausgestattet, in dieser Hinsicht sollte man sich jedoch unbedingt vorab informieren.

Von hinten wird der Blick über den Busfahrer und die Straße geworfen. © Hans Braxmeier

Nicht auf allen Strecken haben Fernbusse freie Fahrt. Ein möglicher Nachteil dieser Form des Reisens ist die Staugefahr.

Nachhaltig unterwegs mit dem Fernbus? Eine Ökobilanz

Ist das Reisen mit dem Fernbus denn nun wirklich nachhaltiger? Flixbus bietet seinen Kunden die Möglichkeit, die ausgestoßenen CO2-Emissionen ihrer Reise mit einem Zusatzbetrag von etwa ein bis drei Prozent des Ticketpreises freiwillig zu kompensieren. Das Geld kommt dem zertifizierten atmosfair-Projekt „Energieeffiziente Öfen“ in Ruanda zugute. Nach Firmenangaben machen neun Prozent der Kunden von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Was die Ökobilanz im Vergleich zum Zug angeht, scheiden sich die Geister. Die Fernbusanbieter selbst werben damit, sogar umweltfreundlicher als die Bahn zu sein. Reisebusse schneiden im direkten Vergleich mit der Bahn aber nur besser ab, wenn man ausschließlich den CO2-Ausstoß vergleicht. Dies liegt vor allem am deutschen Strom-Mix, der noch stark auf Atom- und vor allem Kohlestrom setzt. Fernbusse pusten jedoch auch Feinstaub und Stickoxide in die Luft, die bei der Bahn kaum oder gar nicht auftreten. Dennoch sind Fernbusse im Vergleich zum individuellen Autoverkehr eine sehr umweltfreundliche Art zu reisen.

Reisen mit dem Fernbus: Vor- und Nachteile

Die Vorteile des Fernbusses im Vergleich zum Zug liegen auf der Hand: Sie bieten günstige Preise und einen festen Sitzplatz. Ein Nachteil ist jedoch die deutlich längere Reisedauer sowie die Gefahr, mit dem Fernbus in einen Stau zu geraten. Auch arbeiten sowohl IC Bus, Flixbus als auch BlaBlaBus mit Subunternehmern. Daher kann die Qualität der Busse durchaus variieren.

Ähnlich wie Interrail im Schienenverkehr bietet Flixbus mit dem Angebot InterFlix die Möglichkeit, zu einem Pauschalbetrag durch Europa zu reisen. Bei Reisen mit dem Fernbus gilt es darauf zu achten, dass eine Tiermitnahme in der Regel nicht möglich ist. Auch Kindersitze müssen Reisende selbst mitbringen.

Beim IC Bus der Deutschen Bahn gibt es den Vorteil, dass Besitzer einer Bahncard ihren Rabatt auch beim Ticketkauf für den Fernbus geltend machen können. Außerdem ist in vielen Tickets das sogenannte „City-Ticket“ enthalten, sodass man – bis zur Unterkunft vor Ort – den ÖPNV am Zielort mitbenutzen darf. Kinder bis fünf Jahre befördert die Deutsche Bahn im IC Bus immer kostenfrei von A nach B. In Begleitung eines Erwachsenen sind Kinder sogar bis 14 Jahre kostenfrei. Die Österreichischen Bundesbahnen unterscheiden in ihren Busangeboten zwischen einer 1. und 2. Klasse und bieten für Kunden der 1. Klasse kostenlose Zeitungen und Getränke an. Auch bei den Österreichischen Bundesbahnen kann man seine ÖBB-Vorteilscard geltend machen.

Aktuelles zum Coronavirus

Der Coronavirus SARS-CoV-2, der die Krankheit Covid-19 auslöst, stellt die Anbieter von Fernbussen vor besondere Herausforderungen. Gilt doch allgemein ein Gebot Abstand zu halten, um das Virus nicht zu übertragen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, gibt es Anbieter, die jeden zweiten Sitz leer lassen, um so die Abstände leichter einhalten zu können. Damit Fahrer und Fahrgäste nicht in Kontakt kommen, werden Gäste oftmals gebeten, ihr Gepäck während der Pandemie selbst in den Stauraum zu laden.

Beim Toilettengang unterscheiden sich die Anbieter. Es gibt Unternehmen, die das Nutzen der Bustoilette unterbinden und stattdessen vermehrt Raststätten anfahren, aber auch andere Anbieter, die einen Toilettengang ermöglichen. Serviceleistungen, wie ein Snackverkauf, sind in der Regel eingeschränkt.

Während die Deutsche Bahn darauf verweist, dass die Einhaltung der Pflicht zum Tragen Mund-Nasen-Schutz ausschließlich von der Polizei kontrolliert wird und ihrerseits keine Sanktionsmöglichkeiten bestehen, bestraft die Österreichische Bundesbahn einen Verstoß mit 40 Euro.

Fazit: Ist der Bus eine echte Alternative?

Alles in allem hängt es von verschiedenen Faktoren ab, ob eine Reise mit dem Fernbus eine Alternative zu anderen Verkehrsmitteln darstellt. Das gilt für Nachhaltigkeit und Reisekomfort. Letzteres ist natürlich auch davon abhängig, auf was man selbst Wert legt und mit welchen Bedürfnissen man reist.

 

Lesen Sie auch die anderen Teile unserer Serie „Nachhaltige Mobilität“

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Bildquellen

  • reisen-mit-dem-fernbus: © Hans Braxmeier
  • nachhaltige-mobilitaet-fernbus: © FlixMobility

Norbert ist Politikwissenschaftler mit grüner Gesinnung und arbeitet in der Online-Redaktion des Waschbär-Magazins. Ihn interessieren vor allem innovative Produkte, wie pfiffiges Upcycling. So ist er unter anderem stolzer Besitzer eines Kulturbeutels aus einem alten Feuerwehrschlauch und einer Reisetasche aus Markisen-Verschnitt. Als Bewohner einer Weinregion zieht er diesen Bier vor - außer im Fußballstadion.

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