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Entspannter Kita-Start: So gelingt er

Es ist so weit: Nur noch wenige Wochen bis zu einem neuen Meilenstein – dem ersten Kindergartentag. Ein neuer Lebensabschnitt mit Herausforderungen für Kinder und Eltern steht bevor. Denn nicht nur das Kind muss sich nun an einen neuen Tagesablauf, neue Personen, neue Räume und Rituale gewöhnen. Auch für die Eltern gibt es durch den Kita-Start viele Veränderungen und eine neue Art der Beziehung: die Erziehungspartnerschaft mit einer vorher meist unbekannten Person.

Eingewöhnen vor der Eingewöhnung

Größere Geschwister geben dem zukünftigen Kindergartenkind meist schon einen kleinen Einblick in den Kindergarten und seine Abläufe. Ist es jedoch das erste Kind, das einen Kindergarten besuchen wird, ist meist noch unklar, was es dort erwartet. Gute Kinderbücher können auf den neuen Alltag vorbereiten. Bei der Auswahl sollten Sie aber darauf achten, dass positive und negative Emotionen im Buch einen Platz finden. So erfährt das Kind, dass es im Kindergarten auch traurig sein kann und getröstet wird. Unrealistische Kinderbücher sind solche, in denen Kinder am ersten Kita-Tag freudestrahlend von den Eltern allein zurückgelassen werden.

Zebra und Löwe sind mit weiteren Holztieren im Korb gelandet und werden im Kindergarten herumgetragen.

©Susanne Mierau

Im Kindergarten beginnt eine aufregende Zeit mit vielen neuen Spielideen.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, möglichst schon vor dem Eingewöhnen Kontakt zu den zukünftigen Erzieherinnen und Erziehern und der Kindergruppe herzustellen. Sie können ab und zu gemeinsam den Spielplatz besuchen oder das Kind kann an einem Vormittag zur Obstmahlzeit eingeladen werden. So lassen sich schon erste zarte Verbindungen knüpfen, bevor die eigentliche Eingewöhnung beginnt. Die Zusammenstellung der für die Kita benötigten Ausstattung wie Hausschuhe, Wechselwäsche und Hygieneartikel können Eltern mit ihrem Kind gemeinsam vornehmen, sodass es von Anfang an beteiligt ist.

Für Eltern ändert sich ebenfalls viel: Stichwort Erziehungspartnerschaft

Nicht nur für Kinder ist ein erster Kontakt zu den zukünftigen Begleitern im Alltag sinnvoll und hilfreich. Die Eltern sollten sich früh um den Kontakt bemühen, denn auch sie müssen Vertrauen fassen zu ganz neuen Menschen und ihnen nun ihr Kind überlassen. Wichtig ist, dass zwischen Eltern und Erziehern eine Vertrauensbasis entsteht, deren Grundlage das Wohl des Kindes ist. Deswegen ist es entscheidend, dass die zukünftige Bezugsperson des Kindes wirklich zu den Eltern passt und beide eine gemeinsame Basis haben, auf der sie miteinander umgehen können. Wenn Eltern und Erzieher von Anfang an ganz unterschiedliche Werte und Erziehungsvorstellungen haben, wird die Zusammenarbeit in den wichtigen Fragen wie Ernährung, Umgang mit Konflikten, Sauberkeit und Schlaf meist schwieriger.

Selbst wenn Erzieher und Eltern auf einer Wellenlänge liegen, kann das Loslassen schwerer fallen, als zunächst gedacht. Wichtig ist, dieses zu erkennen und vor Ort sowie zu Hause mit dem Partner und Freunden zu besprechen. Für das Kind ist es wichtig zu spüren, dass es an diesem neuen Ort angenommen ist und die Eltern es gerne und sicher dort lassen. Erzieher ersetzen dabei nicht die Eltern, sondern werden nach und nach zu weiteren wichtigen Bezugspersonen.

Es gibt keine Richtwerte: So viel Zeit und Zuwendung wie nötig

Schließlich ist es so weit und die Eingewöhnung beginnt. Glücklicherweise sind wir heute dort angekommen, dass jede gute Kita eine Zeit der Eingewöhnung anbietet. Das gilt auch, wenn es weitaus länger als vier Wochen dauert, bis sich das Kind wirklich an die neuen Menschen und Orte gewöhnt hat. Jedes Kind hat nach seinem Temperament einen eigenen Weg und es ist gut, es dort abzuholen, wo es sich emotional befindet. Bei manchen Kindern verläuft die Eingewöhnung schneller, bei anderen langsamer. Eltern sollten einen ausreichenden Zeitpuffer einbauen, damit es nicht zu Terminkollisionen kommt, wenn die Eingewöhnung länger dauert und eigentlich schon wieder die Arbeit beginnt. Denn gerade in dieser Übergangszeit ist Zuwendung und Entspannung wichtig.

©Susanne Mierau

Hat sich das Kind in Ruhe eingewöhnt, geht es ganz im Spiel mit seinen Freunden auf.

Zuwendung bedeutet auch: Beim Kind sein. Während der Eingewöhnungszeit sowie den Bring- und Abholzeiten sollten Eltern nicht mit dem Handy und der Kommunikation mit anderen beschäftigt sein. Es ist wichtig, das Kind zu sehen, zu hören und auf seine Bedürfnisse zu reagieren. Das hilft ihm, sicher in der neuen Situation anzukommen. Oft kommt es vor, dass Kinder in der Eingewöhnungszeit schlechter schlafen, mehr Hautkontakt wünschen und überhaupt in der gemeinsamen Zeit anhänglicher sind als sonst. Diesen Wünschen sollten wir nachkommen. Sie geben dem Kind Sicherheit und zeigen ihm, dass wir als sicherer Hafen weiterhin zur Verfügung stehen.

 

Jedes Kind braucht seine Zeit, um die Welt kennenzulernen. Das gilt natürlich auch für die ganz Kleinen. Lesen Sie hier Susanne Mieraus Beiträge zu Kindorientierter Beikosteinführung und der Frage Warum schläft mein Baby nicht „richtig“?

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Bildquellen

  • Spiel mit Korb: ©Susanne Mierau
  • Linsen schöpfen: ©Susanne Mierau
  • Kita-Start: ©Susanne Mierau

Susanne ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik), Familienbegleiterin und Heilpraktikerin. Seit 2012 schreibt sie über bindungsorientierte Elternschaft und das Leben mit ihren 3 Kindern auf geborgen-wachsen.de. Sie ist Autorin des gleichnamigen Buches "Geborgen wachsen".

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  1. Nancy Fürst

    29 August

    Hallo liebe Suzanne,
    Können sie zu dem Thema den Bücher für Kinder empfehlen. Unser Sohn ist 16 Monate und wir gewöhnen ihn gerade in der Kita ein. Ich würde gern ein schönes Buch dazu kaufen, welches ihren Empfehlungen entsprechend ist. LG und Danke NANCY

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