Gemeinsam auf dem Weg für eine bessere Welt

Die Schule beginnt und alle drehen durch

Wenn der Tag der Einschulung näher rückt, beginnt für die ganze Familie ein neuer Lebensabschnitt. Das habe ich schon in den Monaten vor der Einschulung meines Sohnes gespürt. Doch was dann genau auf uns zugekommen ist, fand ich teilweise absurd, teilweise übertrieben und manchmal auch völlig okay. Mit dem Abstand einiger Wochen zur Einschulung habe ich meine Gedanken dazu sortiert und möchte sie hier gerne teilen.

Der neue Start in den Tag weckt Erinnerungen an die eigene Schulzeit

Die Schule beginnt und plötzlich ist der Alltag ein ganz anderer. Er wird nun auch den Eltern vom Stundenplan vorgegeben. Von Montag bis Freitag ist dieser bestimmt von: Wecker stellen, aufstehen – und die Kinder in der Früh wecken! Jahrelang haben wir versucht, den Zwergen das Schlafen zu lehren, und nun? Nun finden wir uns in der Rolle der eigenen Eltern wieder. Ich erinnere mich noch gut, wie meine Mutter morgens super gut gelaunt in mein Zimmer schwebte, die Vorhänge aufriss und mir einen guten Morgen wünschte. Das hat für mich, die ich Morgenmuffel bin, immer zum Gegenteil geführt: kein guter Morgen. Dass ich meine Kinder nun fast genauso wecken muss, irritiert mich. Kann ein guter Tag wirklich so starten?

Neben dem neuen Morgenstress ändert sich aber auch sonst viel: Die spontanen Ausflüge sind vorbei. An das Verreisen außerhalb der Hauptsaison will ich noch gar nicht denken. Nach der Schule wird es Hausaufgaben geben, die garantiert ein großes Frustpotential haben. Spielen wird nun dem lernen untergeordnet. „Erst nach den Hausaufgaben“, hallen noch heute die Worte meiner Mutter im Kopf. All das erkenne ich seit der Einschulung meines Sohnes und ich spüre Wehmut. Deshalb möchte ich allen Eltern zurufen: Nutzt die Zeit, bevor eure Kinder eingeschult werden, so richtig aus!

Erster Wettbewerb: Wer hat die schönste Schultüte?

Mit der Schule beginnt der Wettbewerb. Leider auch zwischen den Eltern. Los geht es mit der Schultüte: Wer hat die Schönste im ganzen Land? Wer hat die größte und aufwendigste? Schon Wochen vorm Einschulungstag werden Bastelnachmittage veranstaltet, im Internet tausendfach Anleitungen geklickt und Fotos der wunderbarsten Tüten gepostet. Jeder normalsterblich Begabte wird da vor Neid erblassen. Eigentlich bin ich nicht der Typ, der sich mit anderen messen will. Aber ganz plötzlich bin ich mit dieser Schultüten-Competition konfrontiert. Ich habe das Gefühl, dass es nur darum geht, die anderen mit der eigenen Besonderheit zu übertreffen. Mit kommt es vor, als wäre die Schultüte der Maßstab der Liebe zum Kind.

Schulranzen und Schultüte sind mit exakt dem gleichen Motiv versehen.

©Tanja Sommer

Das muss zusammenpassen: Kian hat sich eine „fertige“ Schultüte gewünscht.

Bevor ich mich zur „Teilnahme“ am Bastelwettbewerb hinreißen lasse, macht mein Sohn einen Strich durch diese Rechnung. Er will unbedingt eine fertige Tüte, die ganz exakt zu seinem Schulranzen passt. Was Selbstgebasteltes lehnt er vehement ab. Bingo! Er erspart mir damit viel Arbeit, Mühe und Stress. Wir nutzen die Zeit lieber, um zusammen etwas zu unternehmen. Ich vermute, dass das auch für viele Eltern die Motivation ist, die Tüten aufwendig selbst zu basteln. Gemeinsam mit dem Kind kreativ sein, sich dabei zusammen auf den großen Tag vorbereiten – und einfach Spaß haben. Bei Kians Cousin Leander – ihr seht ihn oben im Bild – ist das zum Beispiel so gewesen. Er ist mit seiner Schultüte mehr als glücklich gewesen. Das Selbstbasteln kann also gut funktionieren, aber nicht jeder ist der geborene Schultütenbastelkönig. Mein Tipp: Lasst euch nicht unter Druck setzen, bleibt gelassen, damit das Ganze nicht Stress ausartet.

Die Wahl des „richtigen“ Schulranzens oder manchmal siegt die Hässlichkeit

Dasselbe gilt bei der Schulranzen-Wahl. Die Flut an hässlichen, blinkenden Ranzen aus Synthetik ist wirklich enorm. Ich kann mich nicht erinnern, dass das zu meiner Zeit schon so war. Wir Eltern ahnen es schon: Wahrscheinlich wird der Sprössling genau so einen Augenkrebs verursachenden glitzernd-blinkenden hässlichen Ranzen aussuchen. Und nicht den recht ansehnlichen, aus Leder oder zumindest ohne „Bling-Bling-Applikationen“. Um den Konflikt erst gar nicht entstehen zu lassen, haben wir uns für einen Mittelweg entschieden: Kian darf sich unter den gebrauchten Ranzen den aussuchen, der ihm am besten gefällt. Neben unseren Nerven wird so die Umwelt geschont. Nach der Entscheidung ist der Zwerg zufrieden mit dem für mich immer noch hässlichen Exemplar. Er fühlt sich mit seinem Wunsch nach einem bunten Ranzen ernstgenommen. Gleichzeitig nimmt er die Verantwortung der Umwelt gegenüber wahr und erklärt erst mal seinen Freunden, warum es wichtig ist, nicht immer alles neu zu kaufen. Das wiederum macht mich stolz.

Lecker schmecker – was ist in der Schultüte drin?

Das Fragezeichen auf dem Haufen Süßigkeiten zeigt die Fragestelltung.

Süßigkeiten – ja oder nein? Tanja findet: Ein paar Leckereien dürfen es schon sein.

Nach der Wahl der Schultüte stellt sich für Eltern die nächste wichtige Frage: Was soll, was darf in die Tüte rein? Kinder wollen natürlich nur Süßes in der „Zuckertüte“ sehen. Das finde ich auch völlig okay, schließlich sind sie jetzt Schulkinder und in ein paar Jahren können sie sich in der großen Pause beim Schulbäcker eh kaufen, was sie wollen. Trotzdem denke ich, es könnte etwas „nachhaltiger“ sein. Also gibt’s etwas Kleines zum Spielen und wirklich Nützliches. Was erst mal total unattraktiv klingt, entwickelt sich übrigens später zum Dauerbrenner: Die Kinder-Armbanduhr. Ich finde also: Die Mischung macht‘s.

Der Tag der Einschulung ist da – und er soll schön in Erinnerung bleiben

Der große Tag ist endlich gekommen. Mir wird bewusst, dass die Einschulung auch ein erster größerer Schritt für uns Eltern ist. Wir müssen das Kind ein Stückchen mehr loslassen, denn es verlässt nun das „Kindergarten-Nest“. Dennoch halte ich nichts von dem uralten Spruch: „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens.“ Das finde ich ganz furchtbar. Ich wünsche mir, dass mein Sohn auch als Schulkind immer noch Kind sein darf. Ich bin überzeugt, dass er nur so Spaß an der Schule und dem Lernen finden kann. Deshalb hat mich es überhaupt nicht gestört, dass Kian zur Einschulung kein Hemd anziehen wollte und mit Wuschelkopf losgezogen ist. Hauptsache er fühlt sich wohl am ersten Schultag. In der Schule war er dann auch wirklich relativ entspannt. Das geht nicht allen so. Einige der besonders herausgeputzten Kinder fangen sogar an zu weinen. So entstehen bestimmt keine schönen Erinnerungen an die Schule.

Rückblickend kann ich nur sagen: Dem ganzen Thema „Einschulung“ täte ein wenig mehr Gelassenheit gut. Ja, es ist ein wichtiger Tag für alle. Aber es ist nur ein Schritt unter vielen, die noch folgen werden.

In diesem Sinne,

Tanja

 

Was denken Sie zum Thema Einschulung und drumherum? Ich freue mich über Ihre Kommentare.

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Bildquellen

  • schulranzen-und-passende-tuete: ©Tanja Sommer
  • schultuete-zur-einschulung: ©Tanja Sommer

Tanja Sommer ist überzeugte minibär-Mama. Wenn sie nicht gerade mit ihren beiden Kindern Kian und Amaya die Wunder der Natur entdeckt, bastelt sie in ihrem Büro GRAFIKDESIGN SOMMER an ausgefallenen Looks.

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