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Ein ökologisches, soziales Wirtschaftsstudium – geht das?

Mitten im Grünen: Der Campus der Alanus Hochschule

Meine Generation wächst auf, indoktriniert mit einem Wirtschaftsmantra von „billiger, schneller, mehr“, zwischen H&M und der zunehmenden Privatisierung von öffentlichen Einrichtungen. Immer getrieben von einem System, das sich Kapitalismus nennt, dessen Leitstern – die Gewinnmaximierung – wohl eher eine Spaltung der Gesellschaft, als allgemeinen Wohlstand fördert.

Wirtschaftswachstum ist heute zu einem Synonym für Wohlstand geworden. Da wundert es nicht, dass auch das Angebot von Studiengängen im Bereich Wirtschaftswissenschaften auf mittlerweile 2452 angestiegen ist.1 Tausende Studenten werden von neoklassischen (immer auf den größtmöglichen persönlichen Nutzen bedachten) Gedankenstrukturen geprägt. Sie sind perfekt auf unseren konsumorientierten Arbeitsmarkt konditioniert und treten mit diesem Weltbild jedes Jahr in die Arbeitswelt ein. Der Mensch als Subjekt scheint dabei vollkommen auf der Strecke zu bleiben. – Doch es geht auch anders.

An der Alanus Hochschule trifft Wirtschaft auf Kunst

Wenn ich morgens auf meinem Fahrrad über die Felder dem Sonnenaufgang entgegenfahre, bin ich nicht auf dem Weg zu meinem Ferienhäuschen, sondern auf dem Weg zur Uni. Fast schon idyllisch liegt die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft mit ihren zwei Campus im beschaulichen Alfter bei Bonn.

Bäume und Pflanzen prägen den grünen Campus der Alanus Hochschule.

Alanus Hochschule

Der Campus der Alanus Hochschule ist bewusst mit vielen Bäumen und Pflanzen gestaltet.

Gelehrt wird hier seit 1973, wobei der Fachbereich Wirtschaft erst im Jahr 2006 gegründet worden ist. Unter dem Einfluss des Namengebers, dem Universalgelehrten Alanus ab Insulis (ca. 1120 bis 1202 n. Chr., Frankreich), und dem Anthroposophen Rudolf Steiner, studieren hier rund 1600 Studenten. Dabei sollen sie nicht nur eine atomistische beziehungsweise einseitige, sondern angelehnt an die sieben Künste durch Interdisziplinarität eine ganzheitliche Bildung des Menschen zum Menschen erfahren.

Genau hierin liegt auch der Grundgedanke, der zur Gründung der vermeintlich so trockenen und rationalen Wirtschaftsstudiengänge geführt hat. Denn sich mit Philosophie und Kulturwissenschaft zu beschäftigen, öffne den Blick für die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, für Normen und Werte, in denen sich wirtschaftliches Handeln bewegt, so Professor Lars Petersen.2

Alanus-Prinzip: Bildung als Persönlichkeitsentwicklung

Verankert ist diese Idee im integrierten Kunstmodul mit Malerei, Bildhauerei, Schauspiel und Eurythmie sowie dem sogenannten „Studium Generale“. Dabei handelt es sich um ein interdisziplinäres Ergänzungsstudium, das alle Studenten absolvieren müssen, um an der Alanus einen Abschluss machen zu dürfen. Semesterübergreifend und fachrichtungsunabhängig kommen Studenten und Dozenten zusammen und beschäftigen sich stark diskursorientiert und oftmals praktisch mit Philosophie, Kunst, Gesellschaft und Kultur. Der Gründungsrektor Marcelo da Veiga, erklärt: „Wir wollen junge Menschen dazu ermutigen, die Entwicklung ihrer Persönlichkeit und der Gesellschaft selbst in die Hand zu nehmen und sich mit Engagement und Verantwortung einzubringen. Die Alanus Hochschule bietet eine Studienumgebung, die die einzelnen Studenten fördert und Raum für Reifungsprozesse in ihrer wissenschaftlichen und künstlerischen Entwicklung lässt.“3

Beim Studium an der Alanus Hochschule wird auch kreativ gearbeitet.

Alanus Hochschule

Student und Autor Max (Mitte) bei der kreativen Seminararbeit.

Studenten haben seit dem Herbstsemester 2016/2017 die Wahl zwischen den Bachelorstudiengängen „BWL-Wirtschaft neu denken“ und ganz neu „Nachhaltiges Wirtschaften“. Mehr als 170 Wirtschaftsstudenten tummeln sich zwischen Malern, Schauspielern, Architekten, Philosophen und diskutieren über Themen wie nachhaltige Unternehmensführung und soziale Verantwortung in der Wirtschaft.

Bei den Studenten scheint dieses Konzept bei wachsenden Bewerberanzahlen immer größeren Anklang zu finden. So auch bei Robert Simmler aus Freiburg, der im vierten Semester BWL studiert: „Was mich dazu bewegt hat, an diesem Ort zu studieren, ist die Vorstellung, dass der nur schwer eingrenzbare Themenbereich „Wirtschaft“ ein immenses Potenzial hat, die Welt um uns herum zu prägen, im Guten wie im Schlechten. Dieser Gedanke fasziniert und motiviert mich. An der Alanus suche ich den Austausch mit Menschen, denen es auch am Herzen liegt, ökologisch und sozial nachhaltigere Wege einzuschlagen.“

Intensive Betreuung im Studium hat ihren Preis

Wer sich für ein Studium mit enger Betreuung und persönlicher Atmosphäre an der Alanus Hochschule interessiert, merkt schnell, dass es sich um eine private Hochschule handelt. Fehlende staatliche Subventionen treiben daher die mit dem Studium verbundenen Kosten in die Höhe. Studiengebühren zwischen 400 und 800 Euro im Monat im Fachbereich Wirtschaft geben der Alanus Hochschule (leider) einen elitären Charakter. Ich kann mir an dieser Stelle nicht den Kommentar verkneifen, dass der Zutritt zur gerade kritisierten kapitalistischen Wirtschaft ironischer Weise nur mit entsprechendem Kapital machbar scheint.

Finanzielle Sorgen sollen Bewerber allerdings nicht abschrecken. Neben Stipendien und Förderungen gibt es (zumindest im BWL-Studiengang) die Möglichkeit, das Studium über kooperierende Unternehmen zu finanzieren. Zu diesen ausgewählten, nachhaltig ausgerichteten Unternehmen gehören neben Waschbär (Triaz GmbH), Firmen wie dm-drogerie markt, die GLS-Bank oder Alnatura. Die Studenten verbringen ihre Semesterferien bei ihren jeweiligen Praxispartnern. Dort machen sie erste Erfahrung im Berufsleben und haben die Möglichkeit, Kontakte in die „echte“ Wirtschaftswelt zu knüpfen.

Neue Ideen für eine gesunde, soziale Wirtschaftsentwicklung

Letztendlich kommt auch an der Kunsthochschule niemand um neoklassische Theorien und konventionelle Erfolgsrechnungen herum. Eurythmie allein löst schließlich keine Probleme im Rechnungswesen. Interessenten sollten sich also nicht von der grünen, friedvollen Blase blenden lassen, die der Campus der Alanus Hochschule zu sein scheint. Allerdings wird Bildung hier nicht als Abfertigung von Matrikelnummern verstanden, sondern als Persönlichkeitsentwicklung interpretiert. Hier referiert Alnatura-Gründer Götz Rehn zu sozialorganischen Alternativen. Kunst verschmilzt mit Wirtschaft und eine philanthropische Haltung ist spürbar. An dieser Hochschule treffen kritische, reflektierte Gedanken und neue Ideen auf fruchtbaren Boden.

Überzeigt vom ganzheitlichen Konzept: Studenten der Alanus Hochschule.

Alanus Hochschule

Viele Studenten entscheiden sich bewusst für die Alanus Hochschule, weil sie vom ganzheitlichen Konzept überzeugt sind.

Die Hoffnung wächst, dass aus dieser kleinen Bewegung viele Ideen in die Außenwelt gelangen und Veränderungen anstoßen. Denn Mensch und Natur sind keine Instrumente der Wirtschaft, sondern das Fundament für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung.

Zusammengefasst:
BWL studieren mit Künstlern, Architekten und Philosophen. An der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter ist dies seit mittlerweile zehn Jahren möglich. Hier wird Wirtschaft mit Philosophie, Kunst und Gesellschaft kombiniert. So ermöglicht die Hochschule den Studenten eine ganzheitliche Bildung, vom Menschen zum Menschen hin. Mittelpunkt des Studiums ist der Gedanke einer sozialen und ökologisch verträglichen Entwicklung der Wirtschaft, die den Menschen dient.

1 Hochschulrektorenkonferenz: Statistische Daten zu Studienangeboten an Hochschulen in Deutschland, Bonn, November 2016.
2 Prof. Dr. Lars Petersen, Pressemitteilung Alanus Hochschule: Eröffnung des Masterstudiengangs, 03.05.2010.
3 Prof. Dr. Marcelo da Veiga, Pressemitteilung Alanus Hochschule: Mensch statt Matrikelnummer, 06.01.2017.

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Bildquellen

  • Grüner Campus der Alanus Hochschule: Alanus Hochschule
  • Student Max (Mitte) bei der kreativen Seminararbeit.: Alanus Hochschule
  • Studenten der Alanus Hochschule: Alanus Hochschule
  • Campus der Alanus Hochschule: ©Alanus Hochschule/Mark Prokaskar

Max ist Wirtschaftsstudent an einer Kunsthochschule, lebt auf einem Bauernhof und hegt eine innige Liebe zu den Bergen. Als Weltenbummler fühlt er sich an vielen Orten zu Hause, doch in seiner Brust schlägt ein kölsche Hätz mit einer tiefen Verbundenheit zu den Virtuosen der deutschen Sprache.

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