Schützt, was Ihr liebt!

Nachhaltige Mobilität: E-Scooter als Teil der Verkehrswende?

Auf einem Platz in der Innenstadt sind E-Scooter aufgestellt.

Nicht erst seit Fridays for Future steht der persönliche CO2-Fußabdruck im Zentrum vieler Diskussionen. Was kann jeder Einzelne von uns tun, um die Klimabilanz zu verbessern? Klar ist: Die meisten CO2-Emissionen kommen aus der Stromerzeugung und der Industrie. Beide Bereiche konnten im Vergleich zum Jahr 1990 ihre Emissionen senken. Auf Platz drei folgt der Verkehrssektor. Dieser konnte seine Ziele bisher nicht ansatzweise erreichen. Das Gegenteil ist der Fall. Grund dafür ist unter anderem, dass für viele das eigene Auto noch immer das wichtigste Fortbewegungsmittel ist. Dabei können wir alle gerade in Sachen Mobilität leicht selbst aktiv werden. Die Alternativen sind vielfältig. Wir wollen zeigen, dass Mobilität mehr als Flugzeug, das eigene Auto mit Verbrennungsmotor, ÖPNV und die Bahn ist, und stellen verschiedene Möglichkeiten in einer Serie in Sachen nachhaltige Mobilität vor. Dabei geht es auch um die Frage, wie nachhaltig die jeweiligen Angebote tatsächlich sind. Im Folgenden geht es darum, ob E-Scooter Teil der Verkehrswende sein können.

2019 erteilte die Bundesregierung mit der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) den E-Scootern bzw. „Tretrollern mit Elektroantrieb“ die offizielle Erlaubnis, am Straßenverkehr teilzunehmen. Ziel war und ist es, die CO2-Emmissionen und vor allem die Feinstaubbelastung in den Innenstädten zu reduzieren. Zudem möchte man der Parkplatzknappheit begegnen.

Was ist ein E-Scooter?

E-Scooter sehen aus wie Tretroller und werden wie diese im Stehen gefahren. Anders als Tretroller verfügen E-Scooter jedoch über einen Elektromotor. Für die Fortbewegung ist somit keine Muskelkraft nötig. E-Scooter lassen sich leicht falten oder tragen und sind somit besonders gut für das Fahren auf kurzen Strecken geeignet.

Immer beliebter: Verleihsysteme

Seit der Freigabe für den Straßenverkehr sind die Verleihsysteme für E-Scooter wie Pilze aus dem Boden geschossen. In allen Großstädten sind mittlerweile mehrere Anbieter aktiv. Die bekanntesten Anbieter sind Tier, Lime, Circ, Voi oder Bird. Wer mit einem Elektroscooter fahren möchte, hat somit regelrecht die Qual der Wahl. Die Anmietung erfolgt über eine App.

E-Scooter kaufen – worauf Sie achten sollten

Da sich E-Scooter immer mehr am Markt etablieren, sinkt auch der Preis für die kleinen Flitzer. Der ADAC verweist darauf, dass gute Modelle bereits für circa 700 Euro erhältlich seien. Wenn die Angebote preislich deutlich darunter lägen, ginge es jedoch zulasten der Sicherheit.

Grundsätzlich sollten Sie beim Kauf die folgenden Punkte beachten:

  • Motor (Reichweite, Gewicht, Wattzahl)
  • austauschbarer Akku
  • Sicherheit (Bremsweg)
  • Handhabung und Komfort
  • Straßenzulassung
E-Scooter von Lime stehen aufgereiht in einem gekennzeichneten Bereich. © CC0 / Rabenspiegel

Wer sich keinen E-Scooter mieten sondern selbst kaufen möchte, sollte ein paar Aspekte beachten.

Die Reichweite von E-Scootern

Die Reichweite ist je nach Modell sehr unterschiedlich. Beim Test des ADAC lag sie zwischen zehn und knapp 65 Kilometern. Allerdings wich die tatsächlich festgestellte Reichweite deutlich von den Angaben der Hersteller ab.

Entscheidend für Reichweite und Höchstgeschwindigkeit ist der Motor des jeweiligen Modells. Je leichter der Motor, desto einfacher ist es, den E-Scooter zu transportieren. Das ist vor allem wichtig, wenn Sie den E-Scooter in öffentlichen Verkehrsmitteln transportieren möchten. Ein schwererer Motor wiederum kann sinnvoll sein, wenn Sie regelmäßig längere Strecken zurücklegen möchten. Die Wattzahl entscheidet darüber, wie schnell der E-Scooter ist und wie gut der Scooter mit Steigungen zurechtkommt. Für die Nutzung im Straßenverkehr liegt die Grenze bei 500 Watt.

Austauschbarer Akku

Ökologisch sinnvoll ist es, einen E-Scooter mit austauschbarem Akku zu wählen. Auf diese Weise müssen Sie nicht den gesamten E-Scooter austauschen, wenn der Akku kaputt ist.

Sicherheit

Der ADAC weist darauf hin, dass bei sehr günstigen Angeboten oft an den Bremsen gespart werde. Der günstige Preis würde somit bedeuten, dass der Bremsweg sich verlängere, was den E-Scooter deutlich unsicherer mache. Die Dosierung der Bremsen ist ebenfalls ein Kriterium, das Sie beachten sollten.

Beim Lichtsystem sollten Sie darauf achten, dass es an die Antriebsbatterie gekoppelt ist. Der Lenker und die Fläche, auf der Sie Ihre Füße platzieren, sollten breit genug sein. Insgesamt sollten Sie sich für ein stabiles, verwindungssteifes Modell entscheiden – auch wenn Handlichkeit oder Reichweite dabei etwas schlechter ausfallen.

Handhabung und Komfort

Der ADAC empfiehlt, dass Fahrerinnen und Fahrer vor dem Kauf eines eigenen E-Scooters eine Probefahrt machen. Wenn Ihre Kinder älter als 14 Jahre sind, dürfen auch sie mit einem E-Scooter fahren. Hier ist es besonders wichtig, dass die Lenkstange sich an die jeweilige Körpergröße anpassen lässt.

Bei den Reifen können Sie zwischen Luftreifen und Hartgummireifen wählen. Die meisten Modelle haben Reifen mit einer Größe zwischen acht und zehn Zoll. Reifen aus Hartgummi sind robust und günstig, während sich Luftreifen besser an verschiedene Bedingungen anpassen lassen. Größere Reifen laufen generell ruhiger als kleinere.

Straßenzulassung

Damit Sie den E-Scooter im Straßenverkehr nutzen können, benötigen Sie eine Straßenzulassung. Hierbei handelt es sich um die sogenannte Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE). Ohne diese Straßenzulassung dürfen Sie den E-Scooter nur auf Privatgelände verwenden.

Die beiden E-Scooter haben hinten ein Nummernschild montiert. © CC0 / Nikguy

Ohne eine Straßenzulassung dürfen Fahrerinnen und Fahrer eines E-Scooters nicht auf Radwegen oder Straßen fahren.

Versicherungspflicht beim E-Scooter

Für einen E-Scooter müssen Sie eine Kfz-Haftpflichtversicherung abschließen. Als Nachweis dient eine Versicherungsplakette, die Sie auf den E-Scooter kleben. Einige Versicherungen bieten zudem die Möglichkeit einer Teilkasko-Versicherung an, die auch bei Diebstahl greift.

Vorteile von E-Scootern

Die wendigen Flitzer bieten eine Reihe von Vorteilen. Die wichtigsten haben wir hier für Sie aufgeführt.

Schnell und flexibel, besonders auf Kurzstrecken

Dadurch, dass Verleihfirmen für E-Scooter, vor allem in Großstädten, weit verbreitet sind, ist man mit diesem Verkehrsmittel flexibel. Mit einem Scooter gelangt man zügig von A nach B. Die kleinen Flitzer sind bis zu 20 km/h schnell und Stau ist in der Regel kein Thema. Die Verleihanbieter werben mit dem Argument, dass ihre Fahrzeuge vor allem für die letzten Meter zwischen Haustür und Bushaltestelle genutzt werden sollen. Auch der Weg von der Straßenbahnstation bis zur Arbeitsstätte lasse sich auf diese Weise schnell überbrücken. Das führe gleichzeitig zu einer Entlastung der öffentlichen Verkehrsmittel. Auch wenn nachts keine Straßenbahn mehr fährt, ist der E-Scooter eine praktische Sache.

E-Scooter bieten hohen Fahrspaß

Für die Nutzung von E-Scootern benötigen Sie keinen Führerschein und sie sind einfach zu handhaben. E-Scooter sind leicht und lassen sich kompakt verstauen. Da sie an jeder Steckdose geladen werden können, sind sie – anders als E-Autos – nicht von speziellen Ladestationen abhängig. Zudem fahren sie geräuscharm und abgasfrei. Insofern bieten sie deutliche Vorteile, besonders im Vergleich zum Auto. Wer im Sommer nicht verschwitzt bei der Arbeit ankommen möchte, empfindet den E-Scooter eventuell als guten Kompromiss zwischen Fahrrad und Auto.

Nachteile von E-Scootern

Leider haben E-Scooter auch einige Nachteile – vor allem die Verleihmodelle. Nachfolgend finden Sie die wichtigsten.

Teurer Verleih

Alle Verleihanbieter funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Für die Aktivierung eines Rollers über die App wird eine Gebühr von in der Regel einem Euro fällig. Danach erfolgt eine minutengenaue Abrechnung. Zwischen 15 und 25 Cent pro Minute ist die Preisspanne – je nach Anbieter, Stadt und Uhrzeit. Eine halbe Stunde mit dem Roller kann somit bis zu 8,50 Euro kosten. Im Vergleich zu einem Ticket für den ÖPNV ist das nicht gerade günstig.

Nicht für alle Ansprüche geeignet

Nicht für jedes Terrain sind E-Scooter geeignet. Auf Kopfsteinpflaster ist das Fahren zum Beispiel nicht zu empfehlen. Zudem haben viele Verleihroller an der Unterseite mit der Zeit zahlreiche Dellen und Kratzer. Das liegt daran, dass Nutzer an den Bordsteinkanten damit hängen bleiben.

Auch was das Wetter angeht, gibt es Einschränkungen: Maximal bei Nieselregen sind die E-Scooter noch fahrtauglich, sonst ist die Rutschgefahr zu groß.

Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer

Die Menge der Roller, die Verleihanbieter in der ganzen Stadt verteilen, ist groß. Dadurch entsteht bei vielen der Eindruck, die Städte würden regelrecht mit E-Scootern überschwemmt. Außerdem stellen viele Nutzerinnen und Nutzer die Roller auf den Wegen falsch ab und behindern damit andere Verkehrsteilnehmende. In Köln und Frankfurt findet man sogar regelmäßig Roller in Rhein und Main versenkt.

Ein E-Scooter ist zerschrammt und liegt am Boden vor einer Treppe. © CC0 / borismayer77

Nicht immer wird mit den geliehenen E-Scootern gut umgegangen – das verkürzt deren Lebensdauer.

Ökologische Nachteile

Leider sind die E-Scooter nur beim Fahren CO2-frei. Bei der Materialgewinnung und insbesondere bei der Produktion (Aluminiumrahmen und Lithium-Ionen-Akku) wird viel Energie benötigt. Die Produktion der meisten E-Scooter erfolgt in China, sodass der Strom bei der Produktion vor allem aus Kohlekraft stammt.

Die Verleih-Scooter vieler Anbieter werden von sogenannten Chargern bzw. Juicern aufgeladen. Diese Mitarbeitenden der E-Scooter-Verleihunternehmen sammeln abends die Roller ein und laden diese bei sich zu Hause auf. Pro aufgeladenem Scooter erhalten sie eine Pauschale. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass sie dabei immer Ökostrom nutzen. Zudem erfolgen die Ladefahrten meist mit kleinen Transportern, was einen hohen Ausstoß von CO2 zur Folge hat.

Das Umweltbundesamt verweist darauf, dass die Lebensdauer von E-Scootern je nach konsultierter Quelle zwischen drei und 24 Monaten beträgt. Eine Lebensdauer von nur wenigen Monaten ist ökologisch bedenklich. Einige Tipps des Umweltbundesamtes können die Lebensdauer von E-Scootern verlängern.

Start-up möchte Kritikpunkten über E-Scooter begegnen

Das niederländische Start-up Dott möchte einige der Kritikpunkte mit einer alternativen Herangehensweise entkräften. So setzt das Unternehmen auf die Kooperation mit den lokalen Behörden. Diese werden um Erlaubnis gefragt, bevor die Roller in der Stadt verteilt werden. Logistik und Wartung der Elektroscooter übernehmen Mitarbeitende des Unternehmens. Charger beziehungsweise Juicer entfallen somit.

Was sollten Sie vor der Fahrt mit einem E-Scooter beachten?

Vor dem Fahrtantritt sollten Sie die Bremsen überprüfen: Bremst man mit dem Fuß oder mit der Hand? Oder mit beidem? Wie stark sind die Bremsen? Um sich den Bremsweg bewusst zu machen, sollten Sie in sicherer Umgebung eine Notbremsung üben. Auch mit dem Gaspedalhebel sollten Sie sich vertraut machen, um ein Gefühl dafür zu erhalten, wie stark der E-Scooter anzieht. Mit einigen Kurvenfahrten in einer übersichtlichen Umgebung können Sie schließlich den eigenen Wendekreis besser einschätzen.

Ein Mann trägt einen Rucksack auf dem Rücken und fährt mit einem elektrischen Tretroller über einen gepflasterten Platz. © CC0 / cottonbro

Viele unterschätzen die Beschleunigung von den elektrischen Tretrollern – eine kurze Übungsfahrt ist daher sinnvoll.

Rechtliches – was gilt beim Fahren mit E-Scootern?

Der ADAC hat die wichtigsten Regeln für die Fahrt mit einem E-Scooter zusammengefasst. Für das Fahren mit einem E-Scooter ist weder ein Führerschein noch eine Mofa-Prüfbescheinigung notwendig. Für E-Scooter gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h. Die E-Scooter dürfen maximal eine Dauerleistung von 500 Watt haben.

Da die Fahreigenschaften ähnlich sind wie die eines Fahrrads, gelten für beide die gleichen Regeln: E-Scooter dürfen nicht auf Gehwegen fahren, sondern nur auf Radwegen, Radfahrstreifen und Fahrradstraßen. Sind diese nicht vorhanden, dürfen die E-Scooter die Fahrbahn nutzen. Auf kombinierten Rad- und Fußwegen müssen die Fahrer von E-Scootern Fußgängern absoluten Vorrang gewähren.

Zwar gibt es keine gesetzliche Helmpflicht, aber die Verleihanbieter verlangen das Tragen eines Helmes. Dieser ist auf jeden Fall als Schutz zu empfehlen. Das Mitnehmen eines Sozius ist gemäß den Regeln der Anbieter verboten. Kinder unter 14 Jahren dürfen nicht mit dem E-Scooter fahren.

E-Scooter: Fazit zu den elektrischen Tretrollern

Gerade im Sommer und bei gutem Wetter bieten E-Scooter einige Vorteile. Besonders kurze Strecken wie die „letzte Meile“ zur Bushaltestelle oder nach Hause lassen sich gut damit zurücklegen. Das Ausleihen per App ist einfach, wenn auch nicht günstig. Wer den Arbeitsweg dauerhaft mit einem E-Scooter zurücklegen möchte, sollte daher einen Kauf in Erwägung ziehen.

Wichtig sind ein rücksichtsvoller Umgang mit anderen Verkehrsteilnehmenden sowie das Einhalten der Regeln. Damit E-Scooter sich dauerhaft als Verkehrsmittel durchsetzen können, muss in Zukunft konsequent das Radwegenetz ausgebaut werden.

Aus ökologischer, gesundheitlicher und finanzieller Sicht ist es sinnvoll, zu überprüfen, ob man nicht lieber auf das gute alte Fahrrad zurückgreifen möchte. Es ist ebenfalls wendig, fährt geräuscharm und emissionsfrei und hat darüber hinaus eine lange Lebensdauer. Und wem es zu umständlich ist, ein Fahrrad unterzustellen und sich selbst um die Wartung zu kümmern, der entscheidet sich vielleicht für ein Leihfahrrad.

 

Lesen Sie auch die anderen Teile unserer Serie „Nachhaltige Mobilität“

Der Fernbus: Ist er eine nachhaltige Alternative?

Das Leihfahrrad als Alternative im Stadtverkehr

Ist das Lastenrrad eine mögliche Alternative zum Auto?

Bessere Auslastung von Autos durch Carsharing?

Elektroautos als Fortbewegungsmittel der Zukunft?

 

Teilen Sie diesen Beitrag mit Ihren Freunden

Bildquellen

  • e-scooter-lime: © CC0 / Rabenspiegel
  • e-scooter-mit-nummernschild: © CC0 / Nikguy
  • kaputter-e-scooter: © CC0 / borismayer77
  • fahrender-e-scooter: © CC0 / cottonbro
  • e-scooter: © CC0 / ThomasWolter

Norbert ist Politikwissenschaftler mit grüner Gesinnung und hat als Werkstudent tatkräftig in der Online-Redaktion des Waschbär-Magazins mitgearbeitet. Ihn interessieren vor allem innovative Produkte, wie pfiffiges Upcycling. So ist er unter anderem stolzer Besitzer eines Kulturbeutels aus einem alten Feuerwehrschlauch und einer Reisetasche aus Markisen-Verschnitt. Als Bewohner einer Weinregion zieht er diesen Bier vor - außer im Fußballstadion.

Ähnliche Beiträge

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.