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Bio-Mineralwasser: Was steckt dahinter?

Vor grünem Hintergrund wird Wasser in ein Glas eingegossen.

„Darf ich Ihnen Bio-Mineralwasser zum Probieren anbieten?“ Mit dieser Frage überrascht mich eine sympathische Frau beim Einkaufen im Bioladen. Die Auswahl am Präsentationsstand ist groß und ich entscheide mich für ein Bio-Mineralwasser Medium. Es schmeckt wirklich sehr gut und während ich trinke, frage ich mich: Was ist eigentlich „Bio“ an einem Mineralwasser? Gibt es Wasser aus kontrolliert biologischem Anbau? Oder ist es nur ein Marketing-Gag.

Für Bio-Mineralwasser gelten andere Grenzwerte

In einer Kurzfassung erfahre ich, dass Bio-Mineralwasser strengeren Grenzwerten unterliegt als natürliches Mineralwasser ohne den Zusatz „Bio“. Die Qualitätsanforderungen werden durch die deutsche Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) geregelt, die seit 1984 unverändert ist. Die drastische Zunahme der Umweltverschmutzung der vergangenen 35 Jahre wird dort allerdings nicht berücksichtigt. Die freiwilligen Auflagen gehen über die Vorgaben der MTVO hinaus und deshalb dürfen einige Mineralwässer den Zusatz „Bio“ tragen.

Das hört sich sehr plausibel an, aber stimmt es auch?

Mineralwasserverbrauch steigt jährlich stark an – die Konkurrenz auch

Mineralwasser gehört zu den Lieblingsgetränken der Deutschen und der Verbrauch steigt jedes Jahr weiter an. In Deutschland wurden 1970 lediglich 12,5 Liter Mineralwasser pro Kopf getrunken. 2018 waren es rund 150 Liter und für 2019 erwarten die Experten aufgrund des lang anhaltenden heißen Sommer auf 186 Liter mit einem Umsatz von 15.500 Millionen Euro (Quelle: Statista). Das Geschäft mit dem Mineralwasser lohnt sich und der Markt ist hart umkämpft. Allein in Deutschland gibt es mehr als 220 Brunnenbetriebe, die etwa rund 500 Mineralwassermarken fördern.

2008 sorgt ein „neues“ Mineralwasser für großen Wirbel: ein Bio-Mineralwasser. Ein Bio-Getränkehersteller gründete gemeinsam mit Fachleuten aus der Getränkebranche die „Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e. V.“. Noch im gleichen Jahr landeten die ersten Flaschen mit Bio-Mineralwasser in den Regalen von Bioläden. Die Frage, ob ein Mineralwasser Bio sein kann, obwohl es auf natürliche Weise entsteht, löste hitzige Debatten aus. Die Brunnenbetreiber verteidigten die Reinheit ihres Wassers und hielten daran fest, dass jedes Mineralwasser natürlich ist. Und der Zusatz „Bio“ deshalb nicht zulässig ist.

Was ist Bio-Mineralwasser?

Als Mineralwasser wird ein natürliches Wasser bezeichnet, wenn es aus einer Quelle gewonnen und mit Mineralstoffen angereichert wird, so die Definition aus dem Lebensmittel-Lexikon. Mineralwasser ist sowohl Niederschlags- als auch Tiefenwasser. Es entsteht, wenn Regenwasser in das Erdreich eindringt und durch verschiedene Gesteinsschichten sickert, bis es auf einen undurchdringbaren Untergrund stößt. Auf den Weg nach unten wird es immer reiner und nimmt wichtige Inhaltsstoffe wie Magnesium, Natrium oder Calcium auf. Die Gesteinsschichten beeinflussen jedoch nicht nur die Inhaltsstoffe und den Geschmack.

Auf dem Weg nach unten kann das Wasser neben Mineralien aber auch giftige Substanzen aufnehmen – etwa Arsen, Uran oder Bor. Zudem können Pestizide auf den Äckern versickern, die sich zu Abbauprodukten zersetzen und dann ebenfalls in Quellen wiederfinden.

Gibt es einen Unterschied zwischen Bio-Mineralwasser und herkömmlichem Mineralwasser? Ja, urteilen die Richter

Diese Frage war Gegenstand langjähriger juristischer Auseinandersetzungen. Der Verband Deutscher Mineralbrunnen protestierte gegen die Bezeichnung „Bio-Mineralwasser“, weil er der Meinung war, dass Wasser von Natur aus ein biologisches Lebensmittel ist. Es wird weder angebaut noch gezüchtet, sondern entspringt aus natürlich vorhandenen Quellen, so die Begründung. Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs warf dem Bio-Wasserhersteller vor, mit Selbstverständlichkeiten zu werben, denn schließlich sei jedes natürliche Mineralwasser rein. Doch 2012 erklärte der Bundesgerichtshof die Bezeichnung Bio-Mineralwasser als zulässig, da es sich durch die strengeren Richtlinien hinreichend von herkömmlichem Mineralwasser unterscheide.

Aktiver Einsatz für den Umweltschutz – Förderung ökologischer Landwirtschaft

Nach den Richtlinien des Bio-Mineralwasser e. V. müssen also strengere Grenzwerte eingehalten werden. Die Brunnenbetreiber haben sich zudem verpflichtet, sich aktiv für den Umwelt- und Wasserschutz und ökologische Landwirtschaft im Einzugsgebiet der Quelle einzusetzen. Dazu gehört der Nachweis, dass er Bio-Landbau in seiner Region fördert und das Mineralwasser Ressourcen schonend herstellt. Das Wasser sollte in Glasflaschen abgefüllt werden und möglichst kurze Transportwege zurücklegen. Als ökologisch optimal werden allerdings auch Getränkekartons, PET-Mehrweg- und PET-Kreislaufflaschen eingestuft, sofern sie bestimmte Anteile an Altmaterial oder nachwachsenden Rohstoffen vorweisen. Das „normale“ Mineralwasser unterliegt ebenfalls der Mineral- und Tafelwasserverordnung. Die Richtlinien der Bio-Mineralwasser e.V. berücksichtigen freiwillig einige Punkte der strengeren Trinkwasserverordnung und legt zusätzlich Grenzwerte für Bor, Fluorid und Nitrit fest.

Eine Quelle in einer Wiese. © CC0 / hpgruesen

Auf seinem Weg von der Oberfläche nimmt Wasser viele Stoffe auf – Mineralstoffe wie Schadstoffe – und trägt diese an der Quelle wieder nach oben. Es kommt also maßgeblich darauf an, was um die Quelle herum passiert.

Hält Bio-Mineralwasser was es verspricht? Wie wirkt sich das Mehr an Qualität auf den Preis aus?

Wer sich für das Bio-Mineralwasser entscheidet, zahlt ein wenig mehr als üblich: Ein Liter kostet zwischen 70 Cent und 2 Euro. Das Angebot an Anbietern ist noch übersichtlich, steigt aber zunehmend an. Vor wenigen Wochen überraschte der erste Discounter mit einem Bio-Mineralwasser im Regal, zertifiziert von Bio-Mineralwasser e. V. Verpackt in recyceltem PET, dem sogenanntem rPET, das sich erneut recyceln lässt.

Ganz offensichtlich haben sich nicht nur die meisten nachhaltig wirtschaftenden Verbände wie Bioland, Demeter, Biokreis und Naturland dem Verein angeschlossen, sondern auch weitere Mineralwasseranbieter, die bereit sind, die Gebühren für die Lizenznahme in Kauf zu nehmen.

„Premiummineralwasser ist Bio-Qualität“ macht Bio-Mineralwasser e.V. Konkurrenz

In einer freien Marktwirtschaft gibt es keinen Platz für Monopole, auch nicht auf Bio-Mineralwasser. Das Institut Fresenius hat nachgezogen und ein Zertifikat für Mineralwasser mit der Bezeichnung „Premiummineralwasser in Bio-Qualität“ auf den Markt gebracht. Genau wie Bio-Mineralwasser müssen Premiummineralwässer deutlich strengere Anforderungen erfüllen und häufigere Laborkontrollen durchlaufen, als es die MTVO vorsieht. Außerdem gibt es Vorgaben für das nachhaltige Wirtschaften der Betriebe. Die Übereinstimmung mit den Richtlinien des Bio-Mineralwassers und des Premiummineralwassers sind groß. Doch kaum hatte der frisch lizenzierte Premium-Ökosprudel die Regale erreicht, setzten der Bio-Getränkehersteller und der Qualitätsverband Biomineralwasser e.V. alle Hebel in Bewegung, um den Konkurrenten wieder vom Markt zu fegen.

Das Landgericht Frankfurt hat allerdings vor Kurzem entschieden, dass das Prüfprogramm von SGS Institut Fresenius für sein Bio-Siegel „Premiummineralwasser mit Bio-Qualität“ vollumfänglich den Anforderungen an Bio-Mineralwasser entspricht. Natürliche Mineralwässer, die den Kriterienkatalog von SGS Institut Fresenius erfüllen und die Audits bestehen, dürfen daher als „Premiummineralwasser mit Bio-Qualität“ beworben werden. So ist der Wettbewerb wieder voll eröffnet.

Bio-Mineralwasser auf dem Prüfstein: Werden die strengeren Grenzwerte wirklich eingehalten?

Mit dem neuen Bio-Siegel gibt es eine weitere Möglichkeit, natürliches Mineralwasser in Ökosprudel zu verwandeln. Eine positive Entwicklung, die den Verbrauchern das Gefühl gibt, Wasser zu trinken, in dem sich keine unerlaubten Rückstände befinden. Doch die stichprobenartigen Testergebnisse erwecken Zweifel an den Kontrollmechanismen der nachhaltigen Bewirtschaftung und der Einhaltung strengerer Grenzwerte für natürliches Mineralwasser und für Bio-Mineralwasser. Stiftung Warentest und Öko-Test haben auch 2019 Mineralwasser im Testlabor geprüft mit enttäuschendem Ergebnis: Die Wässer enthalten oft weniger Mineralstoffe als normales Leitungswasser und darüber hinaus fanden die Verbraucherschützer Verunreinigen, Keime und erhöhte Gehalte kritischer Stoffe.

Die neue Entwicklung auf dem Wasser-Markt ist also durchaus mit Vorsicht zu genießen. Wer lieber sein eigenes Mineralwasser mit einem Sprudelgerät herstellen möchte, sollte zuvor jedoch eine Wasseranalyse machen. So kann jeder herausfinden, was genau in seinem Wasser zu Hause enthalten ist und ob dieses im Vergleich zu gekauftem Sprudel nicht vielleicht doch die ökologischste Trinkwasserquelle ist.

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Bildquellen

  • wasser-quelle: © CC0 / hpgruesen
  • was-ist-bio-mineralwasser: © CC0 / rawpixel

Eva praktiziert „grünen“ Journalismus aus Überzeugung. Als Mitarbeiterin im Einkauf für Waschbär ist sie ständig damit beschäftigt, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Richtig wohl fühlt sie sich in der freien Natur. Dort lässt sie sich am liebsten vom Lichtwellenspektrum der blau-grün-türkisen Meeresfarben inspirieren.

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