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Alternativen zum Plastik-Strohhalm: original, glasklar oder lecker…

Ein Mann und eine Frau trinken Kokosnüsse mit Stroh-Halmen.

Das geplante Verbot von Plastik-Strohhalmen und Einwegbesteck löst heftige Diskussionen aus. Immer mehr Menschen plädieren für einen sofortigen und vollständigen Verzicht, um die Verschmutzung der Meere so schnell wie möglich einzudämmen. Doch angesichts der gigantisch hohen Verbrauchszahlen wird schnell klar, dass er zum täglichen Ritual gehört und sich nicht so einfach abschaffen lässt. Wer nicht darauf verzichten möchte, kann zwischen Alternativen zum Plastik-Halm wählen. Es gibt sie in vielen ökologischen Varianten – beispielsweise aus nachhaltig angebautem Roggenstroh und Bambus, zertifiziertem Glas aus Deutschland, aus Resten der Apfelsaftproduktion, Bio-Papier und Metall. Wir stellen hier drei Alternativen genauer vor. Doch zunächst mal: Um wie viel Müll geht es dabei eigentlich?

Das Problem mit dem „Stroh“-Halm: Ein Müllberg aus Einmal-Plastik

Plastik-Trinkhalme sind unschlagbar billig, zumindest vordergründig. In Deutschland werden jährlich etwa 40 Milliarden Trinkhalme und in den USA sogar 500 Millionen am Tag verbraucht. „Das Verbot ist sinnvoll, es löst aber das Grundproblem nicht. Es steht symbolisch für einen zu sorglosen Umgang mit der Ressource Kunststoff“, resümiert Dr. Kim Cornelius Detloff, Leiter Meeresschutz vom Naturschutzbund Deutschland. „Es steht für das Ende von überflüssigen Einwegprodukten und führt uns vor Augen, dass sich etwas ändern muss. Allein wird dieses Verbot die Meere aber nicht von dem Müllproblem befreien. Wir müssen vor allem Müll vermeiden und sorgsam mit unseren Ressourcen umgehen.“

Innovationen in der Produktlandschaft und ein Produktdesign, das wieder auf Langlebigkeit und Wiederverwertung ausgerichtet ist, sind aus Sicht des Experten für Meeresschutz Teil der Lösung. Er plädiert dafür, Produzenten stärker in die Verantwortung zu nehmen und appelliert an jeden einzelnen, Einfluss über Kaufentscheidung zu nehmen.

Plastik-Alternative 1: Echter Strohhalm in Bio-Qualität

Verantwortung für die Umwelt hat Marie-Luise Dobler aus Stockelsdorf bei Lübeck schon lange vor dem Verbot von Plastikhalmen übernommen. Ihre zertifizierten Trinkhalme aus Roggenstroh sind heute so gefragt wie nie. Sie hat ihr Unternehmen vor 20 Jahren gegründet und viel Zeit, Geld und Überzeugungsarbeit in die Entwicklung ihres Strohhalmes investiert. „Der Anfang war nicht leicht und ich habe nicht mit so vielen Hindernissen bei der Entwicklung gerechnet“, so die Inhaberin von Strohmi. Das Unternehmen produziert je nach Ernte zwischen fünf und zehn Millionen Halme im Jahr. „Ich wollte einige Male aufgeben, weil die Produktion aufwendiger war, als ich damals dachte. Sie erfordert sehr viel Handarbeit und damit viele helfende Hände, die finanziert werden müssen. Der Boden muss geeignet sein und das Wetter muss mitspielen. Das habe ich alles habe ich nach und nach in den Griff bekommen, nur das Wetter nicht“, fügt Dobler hinzu.

Mithilfe von Freunden und Unterstützern ist es der Unternehmerin gelungen, ein nachhaltiges Produkt anzubieten, das seine Kunden in der hochpreisigen internationalen Gastronomie gefunden hat. „Veränderung fängt im Kleinen an“, weiß Marie-Luise Dobler aus Erfahrung. „Unser Strohhalm kostet mehr als ein Plastikhalm, aber dafür ist er umweltfreundlich. Wir produzieren keinen Müll und arbeiten mit Ökobauern aus der Region zusammen. Nachhaltiger geht es kaum.“ Stolze 4,85 Euro kostet eine 50er-Packung der Öko-Halme mit 22 Zentimetern Länge. Angebaut wird der Roggen auf einem Demeterhof in Krummesse in Schleswig-Holstein. Die Weiterverarbeitung, den Schnitt und die Verpackung übernehmen Werkstätten der Vorwerker Diakonie in Lübeck und der JVA Lübeck.

Die mit dem Firmennamen bedruckten Halme liegen aufeinandner

©Strohmi

Fertig für die Limo, den Cocktail oder einen Eiskaffee: Die original Strohhalme von Strohmi

Alternative 2: Der Trinkhalm aus Glas

Die mit Plastikmüll verdreckten Strände der Insel Koh Phayam vor der Westküste Thailands haben Hannah Cheney und Sebastian Müller motiviert, eine Alternative zum Plastikhalm zu entwickeln. „Ganz spontan haben meine Lebensgefährtin und ich im Urlaub eine Aktion zur Reinigung des Strandes organisiert und stellten dabei fest, dass Plastikhalme in unendlicher hoher Zahl vorkommen und sich nur sehr schwer einsammeln lassen“, so Sebastian Müller, einer der Gründer des Unternehmens Halm. „Dagegen wollten wir was machen, nur Strand aufräumen bringt auf Dauer nichts. Wir wollten was gegen die Ursache unternehmen und sind mit einem Koffer voller Pläne nach Hause geflogen.“

In dem orange-grauen Mäppchen sind zwei Glashalme.

©Sebastian Müller/Halm

Für den Hausgebrauch im Mäppchen perfekt verstaut: Die Glas-Strohhalme von Halm.

Die Suche nach einem geeigneten Produzenten für Glashalme gestaltete sich nicht ganz einfach. Mit der Herstellung von Glasprodukten hatten die beiden Jungunternehmer keinerlei Erfahrung. „Einige Unternehmen haben mir das Gefühl gegeben, dass unsere Idee völlig absurd ist und haben mich ausgelacht“, fasst Sebastian Müller seine Anfangsschwierigkeiten zusammen. Seit der Ablösung der Glühbirne gibt es in der Glasindustrie weniger Aufträge, einige Unternehmen haben bereits aufgegeben. Das machte die Suche schwierig. Schließlich fanden die beiden Gründer aber doch noch einen Partner, der ihre Idee für realisierbar hielt und an einer Kooperation interessiert war. Als Hersteller von Glasröhrchen verfügt der Betrieb über das technische Know-how zur Produktion von Glastrinkhalmen und die erforderlichen Maschinen. Die Entwicklung ist bereits abgeschlossen, die Produktion läuft reibungslos.

Der Glas-Trinkhalm soll in fünf Jahren eine Viertelmillion Plastikhalme sparen

Es ist keine leichte Aufgabe, Gastronomiebetreiber davon zu überzeugen, für einen nachhaltigen Trinkhalm ein wenig mehr auszugeben. Der Glashalm kostet auch Gastronomen knapp einen Euro. „Wir haben mit 15 Cafés und Restaurants in Berlin begonnen. Doch seit dem angekündigten Plastikhalm-Verbot sind die Anfragen sprunghaft gestiegen“, so Sebastian Müller. „Bei den Gästen kommt der Glashalm sehr gut an. Probleme gibt es keine, denn auch Kinder ab drei Jahren können den Glashalm bedenkenlos benutzen, er ist quasi unkaputtbar.“ Die beiden Gründer sind stolz darauf, in nur einem Jahr so viel von dem erreicht zu haben, was sie sich vorgenommen haben. Die Perspektiven klingen verheißungsvoll: Laut Berechnungen von Halm kann ein Restaurant mit den Glas-Trinkhalmen in fünf Jahren mindestens eine Viertelmillion Plastik-Strohhalme einsparen.

Zwei Hände säubern den Glashalm mit einem Bürstchen von Innen.

©Sebastian Müller/Halm

Der Glas-Strohhalm kann mit einem entsprechenden Bürstchen perfekt gesäubert werden.

Alternative 3: Essbare Trinkhalme aus Apfeltrester

Mit einer umgebauten Nudelmaschine machte der wohl erste essbare Trinkhalm der Welt seinen Anfang am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Erfunden haben ihn drei Studenten. Ihr Ziel: Nachhaltige und ökologische Lebensmittel entwickeln, die nach Gebrauch gegessen werden können. Eigentlich wollten sie im Rahmen eines Uni-Projektes essbares Besteck entwickeln, doch es kam anders. „In einer Bar bin ich die Idee gekommen, einen essbaren Trinkhalm zu entwickeln“, so Konstantin Neumann, der „Eatapple“ gemeinsam mit Philipp Silbernagel und Danilo Jovicic gründete. „Dort kaut fast jeder auf seinem Plastikhalm rum, während er seinen Cocktail genießt und sich mit Freunden unterhält. Und plötzlich war sie da, die Idee, einen coolen Trinkhalm zu entwickeln, der nach dem Genuss gegessen werden kann.“

Drei junge Männer stehen in Laborkleidung und halten Strohhalme in die Kamera.

©wisefood

Das Team hinter Wisefood: Drei Studenten mit ihrer Idee: Strohhalme aus Apfeltrester

Gesagt, getan – nur wenigen Wochen später begann die Experimentierphase. Grundstoff der Tüftler ist Apfeltrester, ein Reststoff, der bei der Produktion von Apfelsaft entsteht. Unterstützt wurden sie dabei von weiteren Wissenschaftlern des KIT. „Die ersten Versuche wurden bereits im Frühjahr 2016 umgesetzt. Bis der erste Trinkhalm in der großen Anlage produziert werden konnte, dauerte es noch ein weiteres Jahr“, erinnert sich Neumann. Er musste binnen kürzester Zeit lernen, welche Aufgaben und Pflichten ein Unternehmer hat: „Wir haben Geduld gebraucht, denn es geht manchmal nicht so schnell, wie man es gern hätte. Solange ein Produkt noch keinen Ertrag abwirft, ist es immer schwierig. Deshalb ist es wichtig, genug Pufferzeit einplanen, damit die Produktentwicklung in Ruhe abgewickelt werden kann.“ Die Produktion ist inzwischen ausgereift. Rund 20.000 Trinkhalme können täglich produziert werden. Verpackt und versendet werden sie zurzeit noch von Neumann Familie.

Erst trinken, dann essen: Kunden schätzen Mehrwert am Apfelstrohhalm

Der Trinkhalm ist zu einem echten Renner geworden. Kunden sind begeistert von der Tatsache, ihre Cocktails für einen geringen Aufpreis genießen zu können, ohne Plastikmüll zu hinterlassen. Der leicht säuerlich schmeckende Trinkhalm ist eine willkommene Knabberei. Auch Wassertrinker sind von seinen Eigenschaften begeistert, denn es gibt eine angenehme Apfelnote an das Wasser ab. Als Bindemittel werden Pektin und Glyzerin eingesetzt. Der Eatapple-Trinkhalm ist biologisch abbaubar, hinterlässt keine Spuren und schafft somit die Verbindung zwischen Natur und Genuss. „Wir ersticken im Plastikmüll“, so Konstantin Neumann, „und dem wollen wir etwas entgegensetzten. Mit unseren Trinkhalmen arbeiten wir aktiv gegen die Plastikmüllproduktion“. Ganz billig ist der Schlürf-Spaß allerdings nicht: 20 Stück kosten rund 15 Euro.

©wisefood

Aus Äpfeln werden Strohhalme, die nach dem Leertrinken einfach gegessen werden können.

Weitere Alternativen zum Plastik-Trinkhalm: Ganz praktisch gedacht

Trinkhalme aus Metall, Papier und Bambus sind weitere Alternativen zum Plastikhalm, die es in unterschiedlichsten Varianten gibt. Wer noch nicht auf die Öko-Variante umgestellt hat und spontan eine größere Menge an alternativen Trinkhalmen braucht, kann auch einfach eine Packung Makkaroni kaufen. Die Röhrennudel eignet sich auch zum Cocktailtrinken, sollte allerdings nicht zu lange vor Gebrauch in der Flüssigkeit stehen. Sonst weicht die Nudel durch. Unschlagbar in Sachen Nachhaltigkeit ist jedoch nach wie vor der völlige Verzicht auf einen Trinkhalm.

Auch eine Alternative: Strohhalme aus Papier.

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Bildquellen

  • strohhalm-strohmi: ©Strohmi
  • glashalme-mit-maeppchen: ©Sebastian Müller/Halm
  • glashalm-saeubern: ©Sebastian Müller/Halm
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  • trinkhalm-aus-stroh: ©Strohmi

Eva praktiziert „grünen“ Journalismus aus Überzeugung. Als Mitarbeiterin im Einkauf für Waschbär ist sie ständig damit beschäftigt, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen. Richtig wohl fühlt sie sich in der freien Natur. Dort lässt sie sich am liebsten vom Lichtwellenspektrum der blau-grün-türkisen Meeresfarben inspirieren.

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