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25 Jahre Fairtrade: Kann fairer Handel die Gesellschaft verändern?

25 Jahre Fairtrade, für den Kaffeebauern macht das dieses Engagement einen großen Unterschied

Beim Einkaufen landen sie oft achtlos in unseren Einkaufswägen: Kaffee, Bananen, Schokolade – aber woher kommen diese Produkte eigentlich? Wer produziert sie und unter welchen Bedingungen? Diese Fragen stellen sich immer mehr Menschen. Seit 25 Jahren gibt uns das Fairtrade-Siegel Antworten auf diese Fragen. Am häufigsten begegnet uns das Siegel bei Kaffee, Bananen und Kakao. Inzwischen gibt es Vieles mehr, was das Label Fairtrade trägt. Was aber bedeutet das eigentlich konkret und wie unterscheiden sich Produkte aus fairem Handel von Bio-Produkten? Welche Kritik gibt es an dem Label?

Warum überhaupt „Fairtrade“? Der Ausgangspunkt

Bauern, Produzenten und Arbeiter auf der ganzen Welt sorgen dafür, dass wir in Deutschland täglich ein umfangreiches Angebot an Lebensmitteln und anderen Produkten in den Läden vorfinden. Doch in unserem globalen Handelssystem sind die Vorteile oft ungerecht verteilt: Die Menschen, die am Anfang der Lieferkette stehen, haben häufig mit schlechten Arbeits- und prekären Lebensbedingungen zu kämpfen: Kein Mindestlohn, kein Arbeitnehmerschutz, schlechte Arbeitsbedingungen oder Kinderarbeit, um nur einige Punkte zu nennen. Landwirte und Lebensmittelproduzenten sind gleichzeitig vom Klimawandel am härtesten betroffen. Temperaturanstieg und Ernteeinbußen machen den Bauern stark zu schaffen. Dürren und Ernteausfälle sind die Folgen. Genau dagegen möchte Fairtrade etwas tun.

Die TransFair-Idee: Faire Handelsbedingungen für alle!

Wo kommt der kaffee her? Auch diese Frage führte zur Gründung des Vereins TransFair.

1992 gründeten kirchliche Entwicklungsorganisationen, Jugendverbände, Verbraucherschutz und andere Organisationen den gemeinnützigen Verein TransFair e.V. Dieser steht heute hinter dem bekanntesten aller Fairtrade-Siegel. Die Idee der Gründungsorganisationen: Durch fairen Handel die Lebensbedingungen von Kleinbauern und Plantagenarbeitern verbessern und fair gehandelte Produkte breit verfügbar machen. Zudem sollten Klimawandel, existenzsichernde Einkommen und die Wertschöpfung in den Herkunftsländern als globale Fragen betrachtet werden. Fairtrade möchte den Produzenten in Afrika, Asien und Lateinamerika ermöglichen, ihre Produkte zu angemessenen Preisen zu verkaufen und damit zu einer einflussreichen, selbstbestimmten Kraft zu werden.

Die Fairtrade-Standards umfassen daher Soziales, Ökologisches und Ökonomisches. Das heißt konkret: Stärkung von Kleinbauern und Arbeitern, Verbot von Kinderarbeit, geregelte Arbeitsbedingungen, Förderung gewerkschaftlicher Organisationen auf Plantagen. Aber auch umweltschonender Anbau, Schutz natürlicher Ressourcen, Verbot von Pestiziden, keine Gentechnik. Ebenfalls zu den Fairtrade-Standards gehören die Bezahlung von Mindestpreisen und -prämien sowie transparente Handelsbeziehungen. Weil die Preise kostendeckend sein sollen, sind sie von üblichen Weltmarktpreisen losgelöst und oftmals höher. Der Erlös soll möglichst direkt bei den Produzenten ankommen.

Rund 1,7 Millionen Bauern und Plantagenarbeiter aus 75 Anbauländern profitieren laut TransFair derzeit von einer Beteiligung an Fairtrade. Sie schließen sich zu Gewerkschaften und demokratischen Interessenvertretungen zusammen, um gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen und stabile Löhne zu kämpfen, ihre Interessen auf dem globalen Markt besser zu vertreten, um Ernteerträge zu erhöhen oder für den Klimawandel und andere Nachhaltigkeitsthemen zu sensibilisieren.

Rückblick: Fairtrade seit 1992

Überzeugt von der Fairtrade-Idee richtet der Geschäftsführer von TransFair e.V. seinen Blick in die Zukunft.

©TransFair e.V. / Jim Rakete

Der Geschäftsführer des TransFair e.V., Dieter Overath, ist von Anfang an dabei.

Dieter Overath ist von Anfang an dabei. Seit 1992 setzt er sich als Geschäftsführer beim Verein TransFair für fairen Handel ein: „Wir haben es geschafft, den fairen Handel aus der Nische zu holen. Heute kommt kein Unternehmen am Thema ‚Nachhaltigkeit‘ vorbei.“ Aber das ist für ihn kein Grund zum Ausruhen: „In Zeiten volatiler Weltmarktpreise ist der faire Handel mit stabilen, kostendeckenden Preisen aktueller denn je“, erklärt Overath in einer Meldung anlässlich des Jubiläums. „Der Erfolg von Fairtrade war nur möglich über das breite zivilgesellschaftliche Engagement und natürlich eine gewisse Hartnäckigkeit. In den Anfangsjahren mussten wir Klinken putzen. Ernst genommen haben uns die wenigsten“, erinnert sich Overath. „Inzwischen hat sich Fairtrade als Handelsalternative im Bewusstsein etabliert. Trotzdem fehlt uns bei vielen Produkten noch die Marktdurchdringung.“

Alles begann mit Kaffee und Kakao: Die ersten Fairtrade-Produkte

Eine aktuelle Studie des Ceval-Instituts im Auftrag von TransFair kommt zu dem Schluss, immer mehr Verbraucher in Deutschland würden in ihre Kaufentscheidungen die Produktionsbedingungen in den Herkunftsländern miteinbeziehen. Dabei gibt jeder Deutsche gerade mal 13 Euro im Jahr für Fairtrade-Produkte aus. Kaffee ist das älteste dieser Produkte und stand erstmals 1992 in den Regalen. Inzwischen hat Fairtrade-Kaffee einen Marktanteil von drei Prozent. Fair gehandelter Kakao liegt bei sechs Prozent. Bundesweit gibt es heute über 3.000 faire Produkte in rund 42.000 Verkaufsstellen – in Supermärkten, Discountern, Drogeriemärkten, Bio-Läden, Weltläden und gastronomischen Betrieben. Neben dem Label für Lebensmittel gibt es inzwischen eigene für Baumwolle, Textilien, Gold und Kosmetik. 2016 knackten die Fairtrade-Umsätze erstmals die Milliarden-Euro-Marke.

Das Problem mit „Fair“: Wie fair ist „Fairtrade“ wirklich?

Neben dem Label des TransFair e.V. gibt es weitere Label, die sich für fairen Handel einsetzen wie etwa Gepa fair +, WFTO (World Fair Trade Organization), Hand in Hand von Rapunzel oder Fairglobe von Lidl. Der Verbraucher verliert bei der Vielzahl an Labeln schnell den Überblick. Hinzu kommt, dass die Kennzeichnung „Fair“ für Produkte aus fairem Handel nicht gesetzlich geschützt ist. Das Label „Fairtrade“ hingegen schon. Das heißt, es gibt keine einheitlichen gesetzlichen Standards, an die sich die Hersteller von fair gehandelten Produkten halten müssen. Jedes Label hat sich eigene Standards selbstverpflichtend auferlegt und diese variieren von Label zu Label. Seriös sind nur Anbieter, die sich regelmäßig unabhängig prüfen lassen und kontrollieren, ob die Bedingungen in den Herstellerländern wirklich besser sind wie zum Beispiel bei Fairtrade. Gerade was das angeht, steht selbst Fairtrade wiederholt in der Kritik: Gemessen am vergleichsweise hohen Preis der Produkte in den Märkten würde nur ein geringer Teil bei den Produzenten in den dritten Ländern ankommen. Das liegt zum einen an den hohen Gewinnmargen des Handels. Zum anderen geht ein Teil des Geldes sicher auch in der Organisation selbst „verloren“.

Bei fair gehandelten Produkten gilt: Genau hinschauen und Kleingedrucktes lesen      

Da es keine klaren gesetzlichen Vorgaben und allgemeinen Kontrollen, aber dafür umso mehr Label gibt, muss der Verbraucher bei „fairen“ Produkten selbst die Frage stellen: Welche Standards stehen eigentlich hinter einem Label? Das ist bei Mono-Produkten, die nur aus einem Rohstoff bestehen wie Bananen, Kaffee und Kakao, noch relativ simpel. Kaffee mit Fairtrade-Siegel besteht zu 100 Prozent aus fairen Kaffeebohnen. Anders bei verarbeiteten Produkten mit mehr als einer Zutat wie Schoko-Creme. Bei diesen Mischprodukten gilt: der Anteil aller Fairtrade-Zutaten darf nicht weniger als 20 Prozent ausmachen. Und trotzdem darf das ganze Produkt mit dem Label gekennzeichnet werden. Bei Kakao, Zucker oder Saft gilt außerdem der sogenannte Mengenausgleich: faire und unfaire Rohstoffe dürfen dabei gemischt werden und das fertige Produkt trotzdem als Fairtrade gekennzeichnet sein. Das muss allerdings bei den Inhaltsstoffen angegeben sein. Daher: immer genau hinschauen!

Fairtrade gleich Bio? Bio gleich Fairtrade?

Bananen sind deutlich mit dem Fairtrade-Siegel gekennzeichnet.

©TransFair e.V. / Gerhard Wasserbauer

In 2016 waren alle Fairtrade-Bananen im Handel auch bio-zertifiziert

Gleiches gilt, wenn Verbraucher sich neben fairen Preisen für die Erzeuger auch eine biologische Produktion wünschen. Denn Bio und Fairtrade legen die Schwerpunkte auf unterschiedliche Bereiche – Ökologie versus Ökonomie. Diese ergänzen sich zwar gut, bedingen sich aber nicht zwingend. Der Anteil von Fairtrade-Lebensmitteln mit Bio-Zertifizierung lag 2014 bei 65 Prozent, Tendenz steigend. Laut Fairtrade-Deutschland waren alle 2016 auf dem deutschen Markt erhältlichen Fairtrade-Bananen auch bio-zertifiziert.

Bio-Pioniere – fair zum Menschen und zur Natur

Anfang der 90er-Jahre war der Anteil von Bio-Produkten an fair gehandelter Ware noch relativ gering.  Für den Bio-Pionier Rapunzel war dies der Grund, sich mit seiner Hand-in-Hand-Fair-Trade-Initiative eigene, strengere Standards aufzuerlegen, die zur Bio-Philosophie des Unternehmens passen. Rapunzel setzt seither zum Beispiel bei Mischprodukten mindestens einen 50-Prozent-Anteil an fair gehandelten Rohstoffen voraus und geht damit über die üblichen Fair-Handelskriterien hinaus. Auch der Anbauverband Naturland, der bei Bio-Produkten schon über den gesetzlichen Standards liegt, hat spezielle Fair-Richtlinien definiert: Soziale Verantwortung und verlässliche Handelsbeziehungen, faire Erzeugerpreise, regionaler Rohstoffbezug und gemeinschaftliche Qualitätssicherung. Außerdem stehen gesellschaftliches Engagement und Transparenz auf der Liste mit den Richtlinienanforderungen, die zertifizierte Naturland-Mitglieder und -Partner, etwa bei Milch, erfüllen müssen.

Das Plus von Gepa: Mehr als der Standard

Bei Gepa – The Fair Trade Company, die bereits seit 40 Jahren fair handeln und zu den Pionieren in diesem Bereich zählen, sind zwar nicht alle Produkte bio-zertifiziert. 77 Prozent der Gepa-Produkte stammen aber bereits aus geprüft ökologischem Anbau. Gepa Fair plus legt viel Wert auf Transparenz und möchte die Menschen kennen, die hinter ihren Produkten stecken. So hat sich Gepa zu Dialog, Respekt und Transparenz verpflichtet. Mit dem Plus möchte die Marke gezielt auf die Mehrleistung hinweisen, die über die üblichen fairen Handelskriterien hinausgehen. – Gepa Mischprodukte haben beispielsweise einen Fair-Handelsanteil von 40 bis 100 Prozent.

Fairtrade ist besser als konventionell: Für menschenwürdige Arbeitsbedingungen weltweit

Wer ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in den Entwicklungsländern etwas entgegensetzen will, kann bei Kaffee, Schokolade, Bananen, Kakao und auch bei Blumen oder Baumwolle mit dem Kauf fair gehandelter Ware dazu beitragen. Durch die hohe Bekanntheit und Verfügbarkeit von Fairtrade-Produkten sind in den letzten 25 Jahren immer mehr Menschen für das Thema sensibilisiert worden. – Das ist gut so.

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Bildquellen

  • Dieter Overrath: ©TransFair e.V. / Jim Rakete
  • Fairtrade Bananen: ©TransFair e.V. / Gerhard Wasserbauer
  • Fairtrade Coffee Indonesia: ©TransFair e.V. / Nathalie Bertrams

Anne Giesbert ist PR-Beraterin bei raabengrün. Als Germanistin findet sie passende Worte, als heimliche Profi-Fotografin hat sie den Blick für gute Bilder. Wenn sie nicht gerade hinter dem Rechner oder der Kamera steckt, ist sie am liebsten im eigenen Garten, in den Bergen oder am See unterwegs.

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